Wadersloh

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wadersloh
Wadersloh
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wadersloh hervorgehoben
51.7386111111118.251388888888978Koordinaten: 51° 44′ N, 8° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Kreis: Warendorf
Höhe: 78 m ü. NHN
Fläche: 117,03 km²
Einwohner: 12.386 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 106 Einwohner je km²
Postleitzahl: 59329
Vorwahlen: 02523, 02520, 02945
Kfz-Kennzeichen: WAF
Gemeindeschlüssel: 05 5 70 048
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Webpräsenz: www.wadersloh.de
Bürgermeister: Christian Thegelkamp
Lage der Gemeinde Wadersloh im Kreis Warendorf
Niedersachsen Bielefeld Hamm Kreis Coesfeld Kreis Gütersloh Kreis Soest Kreis Steinfurt Kreis Unna Münster (Westfalen) Ahlen Beckum Beelen Drensteinfurt Ennigerloh Everswinkel Oelde Ostbevern Sassenberg Sendenhorst Telgte Wadersloh WarendorfKarte
Über dieses Bild
Holzskulptur im Dorfpark Wadersloh von Gordon Brown

Wadersloh (plattdeutsch Waussel) ist eine Gemeinde im südöstlichen Teil des Kreises Warendorf in Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinde Wadersloh besteht aus den drei Dörfern Wadersloh, Diestedde und Liesborn.

Geografie[Bearbeiten]

Im Südosten grenzt die Gemeinde Wadersloh an die Stadt Lippstadt, im Südwesten an die Gemeinde Lippetal. Größere Städte in der Umgebung der Gemeinde Wadersloh sind neben Lippstadt das westlich gelegene Beckum, im Nordwesten Oelde, im Nordosten Rheda-Wiedenbrück und im Südwesten Soest.

Gewässer[Bearbeiten]

Die südöstliche Gemeindegrenze bildet die Lippe und die östliche Gemeindegrenze ihr Nebenfluss Glenne. Das Hauptgewässer der Gemeinde ist die Liese, die im Ortsteil Diestedde Liesebach und Mühlenbach, im Ortsteil Wadersloh Rottbach und im Ortsteil Liesborn Liese genannt wird und in die Glenne mündet. Zuflüsse zum Liesebach (bzw. Mühlenbach, Rottbach, Liese) sind Maybach, Oenkhausgraben, Boxelbach, Halsterbirke, Biesterbach mit Biestergraben und Krähenbach sowie Bergwiesenbach mit Merschbach und Risselbach. Weitere Bäche sind Baagebach, Kleybach und Landgraben. Die genannten Flüsse und Bäche gehören alle zum Einzugsgebiet des Rheins. Die nördliche Gemeindegrenze wird vom Forthbach gebildet, der zum Einzugsgebiet der Ems gehört.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1187 wurde Wadersloh erstmals urkundlich erwähnt. Wadersloh als Kirchdorf, als Kirchspiel mit seinen Bauerschaften ist allerdings wesentlich älter. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Wadersloher Bauerschaften und auch der Standort der Kirche in die sächsischfränkische Zeit (9. Jahrhundert) zurückreichen. Das Münsterland war bis weit ins Mittelalter hinein ein großes Waldland mit vielen kleinen Siedlungsinseln. In der Regel waren es einige Höfe, die in Sichtweite zueinander lagen. Der Haupthof gab einer solchen Ansiedlung in der Regel den Namen. Zwischen diesen Hofgruppen und ihren Ackerflächen lag der Wald – dieses Waldland steckt auch hinter der Namensendung -lo oder -loe, die sich auch bei vielen Namen dieses Raumes findet, so auch im Namen Wadersloh.

Die Namen Bozo und Bardo gelten als die Gründer des adeligen Damenstifts und späteren Klosters Liesborn. Es spricht einiges dafür, dass sie gegenüber dem Stromberg einen Haupthof besaßen, der einer Bauerschaft den Namen Bardesloe gab. Dieser Name (durch Lautverschiebung) Wardesloe muss auch bei der Kirchgründung eine Rolle gespielt haben, denn der Kirchort hieß von Anfang (der Schriftlichkeit) an Warsloe (1193), Wadersloe (1217), Wardesloe (1498). Wadersloh dürfte von Anfang an ein Kirchdorf gewesen sein, mit der Kirche als Zentrum, von der aus die Straßen und Kirchwege radialstrahlig in die Bauernschaften liefen.

Die Menschen waren Handwerker und Händler, die von der Landwirtschaft lebten und in der Regel auch selbst eine kleine Landwirtschaft betrieben. Als es im 11. und 12. Jahrhundert langsam wärmer wurde (Klimaoptimum), wurden die Ernten besser und die Bevölkerung nahm erheblich zu; auch die Erfindungen in der Landwirtschaft trugen dazu bei. Städte (wie Lippstadt) wurden gegründet und die Kirchdörfer wuchsen.

So kam es Ende des 12. Jahrhunderts zu einer Neuordnung in der Verwaltung des Bistums Münster. Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen ordnete die Kirchspiele neu und unterstellte Wadersloh dem Archidiakonat des Propstes von St.Martini in Münster. In diese Zeit fiel auch die Errichtung einer Steinkirche.

Dem Klimaoptimum folgte im 14. Jahrhundert eine „kleine Eiszeit“, die Ernten wurden schlechter und die Pest dezimierte die Einwohnerschaft und suchte Dörfer und Städte in den folgenden Jahrhunderten immer wieder heim. Viele Höfe verfielen und Armut und Hunger machten sich breit. Fehden und Kriege taten ein Übriges. Die Grenzlage Waderslohs war ein großer Nachteil, durchziehende Truppen nahmen, was sie bekommen konnten, plünderten und brandschatzten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren große Teile des Münsterlandes ein Armenhaus.

Diese Situation besserte sich mit der Industrialisierung und der Entstehung der städtischen Ballungsräume. Durch den Bahnanschluss 1898 wurden auch die Arbeitsplätze in Beckum und Lippstadt erreichbar. Bis 1945 blieb Wadersloh aber ein von der Landwirtschaft geprägtes Dorf.

Am 1. April 1898 wurde die Gemeinde Benteler durch Ausgliederung aus Wadersloh neu gebildet.[2]

Die heutige Gemeinde Wadersloh wurde am 1. Januar 1975 aus den ehemals eigenständigen Gemeinden Wadersloh, Liesborn (ohne den Gemeindeteil Bad Waldliesborn) und Diestedde gebildet.[3] Zuvor hatten diese zum 1975 aufgelösten Amt Wadersloh gehört.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[4]
Wahlbeteiligung: 64,4 % (2004: 66,8 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,5 %
17,8 %
16,3 %
14,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,6 %p
+5,1 %p
-2,9 %p
+3,3 %p

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl vom 30. August 2009 wie folgt zusammen (Veränderung zu 2004):

Partei/Liste CDU SPD FWG FDP Gesamt
Sitze 17 (–1) 5 (–1) 6 (+2) 4 (±0) 32

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten]

Im Ort gibt es die denkmalgeschützte Pfarrkirche St. Margareta

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ein weltweit bekanntes Produkt aus Wadersloh sind die roten Gloria-Feuerlöscher. Die Gloria-Werke mit Sitz im Hauptort Wadersloh sind der größte Hersteller von Feuerlöschgeräten in Europa. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind auch die bei der Firma Paschen & Companie produzierten Bücherregalsysteme (Paschen-Bibliotheken).

Medien[Bearbeiten]

Als kleine Gemeinde im Südosten des Kreises Warendorf besitzt Wadersloh einen eigenen Radiosender. Das Radio Wadersloh ist im Internet zu empfangen und wird von Wadersloher Jugendlichen gestaltet. Das Projekt existiert seit März 2010. Das Programm ist dabei im Gegensatz zu anderen Radiosendern kein 24-Stunden-Vollprogramm, sondern wird nur zu bestimmten Zeiten live aus dem eigenen Selbstfahrerstudio gesendet. Wenn keine Live-Sendung ausgestrahlt wird, wird Musik vom Band gespielt.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Franz Bornefeld-Ettmann (* 16. Januar 1880 in Bornefeld bei Wadersloh, † 21. Januar 1961 in Wadersloh), Politiker (Zentrum), Reichstagsabgeordneter
  • Hermann Stammschröer (1890–1957), katholischer Geistlicher und im KZ Dachau inhaftiert
  • Anton Bornefeld (* 20. Juli 1898 in Wadersloh, † 4. März 1980 in Liesborn), katholischer Priester und ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus
  • Rita Süssmuth geb. Kickuth (* 17. Februar 1937 in Wuppertal), deutsche Politikerin (CDU), wuchs in Wadersloh auf
  • Heinz Knüwe (* 16. Januar 1956 in Liesborn), ehemaliger deutscher Fußballprofi und Fußballtrainer
  • Bernhard Gerwert (27. April 1953 in Wadersloh), Vorstand EADS, CEO von Airbus Defence and Space und Präsident des Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wadersloh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 290.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 312.
  4. http://www.wahlergebnisse.nrw.de/kommunalwahlen/2009/Gem_raete/c570048kw0900.html
  5. http://www.radio-wadersloh.de Radio Wadersloh