Wang Shu

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Wang Shu (Januar 2012)

Wang Shu (chinesisch 王澍, * 4. November 1963 in Ürümqi, Xinjiang, Volksrepublik China) ist ein chinesischer Architekt und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten]

Museum für zeitgenössische Kunst in Ningbo

Wang Shu wurde als Sohn eines Musikers und Zimmermanns sowie einer Lehrerin und Bibliothekarin geboren. Ursprünglich wollte er Künstler oder Autor werden, wurde aber von seinen Eltern dazu gebracht, entweder Natur- oder Ingenieurswissenschaften zu studieren. Nach einem Kompromiss studierte er Architektur am Nanjing Institute of Technology (jetzt SEU South East University Nanjing), wo er sowohl seinen Bachelor als auch seinen Master erhielt. Nachdem er seinen ersten Job bei der Zhejiang Academy of Fine Arts erhielt, wo er hauptsächlich über Architektur recherchierte, wurde 1990 sein erstes Gebäude, ein Jugendzentrum, in Haining gebaut.[1] Anschließend arbeitete er für unterschiedliche Architekturfirmen, bevor er 1997 in Hangzhou mit seiner Frau Lu Wenyu ihr gemeinsames eigenes Architekturunternehmen Amateur Architecture Studio gründete.[2]

Seit dem Jahr 2000 unterrichtet Wang Shu an der China Academy of Art Architektur und ist dort ebenfalls der Vorsitzende des Architekturinstituts. Zusätzlich unterrichtete er auch an der Harvard University, der University of Pennsylvania[3] und der University of Texas at Arlington.

Seit einigen Jahren tritt das Büro mit spektakulären Neuinterpretationen einer traditionbewussten Architektur auf. Die Archaik ihrer Bauten weckt dabei unweigerlich Assoziationen zum reichen chinesischen Bauerbe. Bereits 2007 wurde Wang Shu einer internationalen Öffentlichkeit bekannt, als er den Global Award for Sustainable Architecture erhalten hat. 2010 wurde der Beitrag des Büros zur Biennale in Venedig - eine selfmade Holzkuppel - mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Dieses Projekt in Venedig war sein bisher einziger Bau außerhalb Chinas.[4]

Die Architektur Wang Shus verkörpert die Sehnsucht, überkommene Bautechniken und Baumaterialien mit denen der Gegenwart in Einklang zu bringen.

Zu den bisher bedeutendsten Bauwerken des Büros gehören die Bibliothek der Universität Suzhou in Wenheng, ein großteils eingegrabener Gebäudekomplex, der sich in die Landschaft nahtlos einfügt und mit der Nutzung regenerativer Energiequellen überzeugt; der Xiangshan-Campus der China Academy of Art in Hangzhou, für dessen Dach mehr als 2 Mio. Fliesen aus abgerissenen Gebäuden wiederverwendet worden sind; sowie das Museum für zeitgenössische Kunst in Ningbo, für das unterschiedlichster Abraum und Bauschutt wiederverwendet worden ist.[5]

Wang Shus Architektur wird von einer großen Klarheit der Formen und der Einfachheit der Strukturen charakterisiert. Zugleich steht sie für einen bewussten Umgang mit dem regionalen Bauerbe unter Einbeziehung synergischer Qualitäten im Umgang mit den Ressourcen. In seinem Frühwerk stellt die Verwendung von Bauschutt aus einem für das Projekt abgerissenen Wohnviertel- per se nicht neu in der modernen Architektur - Bezüge zur Umwelt und der Lebenswirklichkeit einer Kultur in stetigem und heftigem Wandel.

Seine Entwürfe sind geprägt durch eine intensive Beschäftigung mit dem Standort des Projektes. Shu lebt für möglichst lange Zeit am Projektort und berät sich schon beim Entwurf mit den Handwerkern, die den Bau ausführen werden. Er nimmt Bezug zu örtlichen Traditionen und Gegebenheiten.[4] Alle seine Entwürfe entstehen in Form von Handskizzen mit dem Bleistift, in einigen Fällen spontan. So berichtet Shu dass er den Entwurf für das Museum in Ningbo, vollendet 2008, in einer schlaflosen Nacht aus der Vision eines schweren quadratischen Steinkörpers entwickelt hätte: „Er begann zu zeichnen, und wie von Geisterhand entstanden Strukturen, Plätze, Eingänge und Ausstellungsräume. Als alles fertig war, setzte er sich und trank Tee.“[6]

2012 erhielt Wang Shu als erster Chinese den Pritzker-Preis, den international renommiertesten Architekturpreis.[7] Die mit 100.000 US-Dollar dotierte Auszeichnung wurde am 25. Mai 2012 in Peking verliehen.[3] Laut Jury verfügen die Gebäude des Architekten über "die einzigartige Fähigkeit die Vergangenheit zu evozieren, ohne direkte Anspielungen an die Geschichte zu machen".

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. For First Time, Architect in China Wins Field’s Top Prize, nytimes.com
  2. Biography, pritzkerprize.com
  3. a b Wang Shu of China wins Pritzker Architecture Prize, usatoday.com
  4. a b Deutschlandfunk: Wang Shu erhält als erster Chinese den Pritzker-Preis für Architektur, Kultur Heute, 28. Februar 2012, Transkript
  5. Monzo, Luigi: Erstmals chinesischer Architekt mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet.
  6. Sarah Elsing: Festungen des Spieltriebs, Die Welt, 29. Februar 2012
  7. Chinesischer Architekt erhält Pritzker-Preis 2012, spiegel.de