Wiegenlied für eine Leiche

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Filmdaten
Deutscher Titel Wiegenlied für eine Leiche
Originaltitel Hush… Hush, Sweet Charlotte
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1964
Länge 135 Minuten
Altersfreigabe FSK 16 / nf 12
Stab
Regie Robert Aldrich
Drehbuch Henry Farrell
Lukas Heller
Produktion Robert Aldrich
Walter Blake
Musik Frank De Vol
Kamera Joseph F. Biroc
Schnitt Michael Luciano
Besetzung

Wiegenlied für eine Leiche ist ein Kriminalfilm des Regisseurs Robert Aldrich aus dem Jahr 1964 mit einer beeindruckenden Haupt- und Nebendarstellerliste. Der Film gilt als Klassiker des Horrorfilm-Dramas. Wiegenlied für eine Leiche sollte als Nachfolgefilm von Bette Davis und Joan Crawford 1962 erschienenem Was geschah wirklich mit Baby Jane? erst den Titel der Romanvorlage Whatever Happened to Cousin Charlotte? bekommen. Während der Dreharbeiten wurde Joan Crawford jedoch sehr krank und musste sich aus der Produktion zurückziehen. Ihre Rolle wurde von Olivia de Havilland übernommen.

Handlung[Bearbeiten]

1927: Die junge Südstaaten-Lady Charlotte Hollis und ihr verheirateter Geliebter John Mayhew wollen während einer Feier auf dem großzügigen Anwesen der Hollis zusammen durchbrennen. Charlottes alleinerziehender, wohlhabender Vater Big Sam erfährt allerdings von der Affäre und droht John im Gespräch mit Konsequenzen, falls dieser die Beziehung mit Charlotte fortsetzt. Als Charlottes Vater John ebenfalls erzählt, dass er seiner betrogenen Frau davon berichtet hätte, zeigt sich der eingeschüchterte John reuevoll und verspricht, Charlotte zukünftig in Ruhe zu lassen und die Beziehung zu beenden. Auf der Feier wird John Mayhew jedoch brutal ermordet, indem ihm eine Hand und schließlich der Kopf abgehackt werden. Als Charlotte wenig später traumatisiert und mit Blutflecken auf ihrem weißen Kleid zu den Partygästen kommt, wird sie von den Einheimischen des Mordes verdächtigt. Charlottes Vater stirbt nur ein Jahr nach dem Mord, bestürzt im Glauben, dass seine einzige Tochter und Erbin John ermordet hätte; während Charlotte glaubt, dass ihr Vater der Mörder war.

Die Geschichte springt in das Jahr 1964. Charlotte ist inzwischen eine grantige, ältliche, wohlhabende Jungfer; welche immer noch zurückgezogen im fast museumsartigen Familienanwesen lebt. Bei Charlotte wohnt nur ihre schrullige Haushälterin Velma. In der lästernden Bevölkerung der Kleinstadt herrscht aufgrund der Umstände des Mordes die Meinung vor, Charlotte sei die Mörderin, obwohl ihre Schuld nie bewiesen wurde. Die Kinder des Ortes fürchten das Haus. Es gilt als größte Mutprobe sich heimlich hineinzuschleichen. Charlottes Lieblingslied, Hush...Hush, Sweet Charlotte, das ihr einst ihr ermordeter Geliebter gesungen hat, haben die Kinder in ein Spottlied umgedichtet. In Charlottes eingefrorenes Leben kommt Bewegung, als im Zuge eines Straßenbaus ihr geliebtes Herrenhaus abgerissen werden soll. Charlotte weigert sich das Haus zu verlassen, schießt mit einem Gewehr auf die Bauarbeiter und ignoriert den Räumungsbefehl des örtlichen Sheriffs. Im Kampf gegen die Räumung ihres Hauses ruft Charlotte ihre Cousine Miriam Deering zu Hilfe, welche während ihrer Kindheit und der Zeit des Mordes 1927 bei Charlottes Vater lebte.

Bei ihrer Ankunft meint Miriam allerdings, dass man die Räumung des Hauses nicht mehr verhindern könne. Gleichzeitig erneuert sie ihre Bekanntschaft mit Charlottes Arzt Drew Bayliss, mit welchem sie einst eine Beziehung führte. Nun geschehen mysteriöse und schreckliche Vorkommnisse im Herrenhaus. Charlotte hört immer wieder ihr Lieblingslied auf dem Klavier, obwohl sonst niemand im Haus ist, der „Geist“ ihres Verlobten taucht auf, ein kopf- und handloser Mann erscheint, eine unheimliche Stimme ruft ihren Namen und weiteres Schockierendes geschieht. Dr. Bayliss vermutet, dass Charlotte beginnt verrückt zu werden und Hilfe benötigt, dass ihr womöglich auch die Vollmacht über ihr beträchtliches Vermögen entzogen werden sollte. Die Haushälterin Velma fürchtet, dass Miriam und der Arzt hinter Charlottes Vermögen her sind. Velma ruft schließlich den britischen Ex-Reporter Harry Willis zur Hilfe, welcher immer noch am Mordfall interessiert ist. Willis besucht unter anderem für kurze Zeit Charlotte, außerdem John Mayhews todkranke und gebrochene Witwe Jewel.

Velma wird wegen ihres aufmüpfigen Verhaltens von Miriam gefeuert, kehrt allerdings später ins Haus zurück: Dort findet die Haushälterin Charlotte im Bett unter Drogen gesetzt vor und will sie befreien, als Miriam sie die lange Treppe in den Tod hinunterschubst. Eines Tages glaubt Charlotte in Trance Dr. Bayliss erschossen zu haben, daraufhin fährt Miriam mit ihr zum nahegelegenen Fluss, um dort die Leiche zu entsorgen. Als die schon völlig hysterische und von Miriam beschimpfte Charlotte ins Haus zurückkehrt, kommt ihr plötzlich der Tote als Wasserleiche entgegen. Charlotte erleidet einen endgültigen Nervenzusammenbruch. Die Geschehnisse wurden von Miriam mit Hilfe von Dr. Bayliss nur inszeniert, welche im Garten ihren Plan besprechen: Sie wollen Charlotte für wahnsinnig erklären lassen und ins Irrenhaus bringen (was mit Dr. Bayliss' Aussage als langjähriger Arzt ein Leichtes wäre), damit Miriam als letzte verbleibende Erbin Charlottes Vermögen bekommen und sich zusammen mit Dr. Bayliss ein schönes Leben gönnen kann. Miriam erzählt Bayliss ebenfalls, dass sie 1927 den Mord an Mayhew beobachtet hätte, die wahre Täterin sei nicht Charlotte, sondern Mayhews Ehefrau Jewel gewesen. Mit dieser Information erpresste und schickanierte Miriam über viele Jahre Jewel, bis diese mittellos war; gleichzeitig gierte sie über all diese Jahre auf Charlottes Vermögen.

Zufällig erfährt Charlotte davon, als sie die beiden direkt unter ihrem Balkon stehend belauscht. Wutentbrannt stößt sie eine schwere steinerne Blumenschale von der Brüstung, beide können noch einen letzten Blick auf Charlotte werfen, ehe sie von der Blumenschale erschlagen werden. Am nächsten Morgen wird Charlotte vor den Augen der gaffenden Bevölkerung von Amtsträgern weggebracht - wohin, bleibt unklar. Als Jewel Mayhew vom Mord an Miriam und Dr. Bayliss hört, verstirbt sie. Der Ex-Reporter Harry Willis überreicht Charlotte einen Brief von Jewel Mayhew, die ihr Mordgeheimnis bis zu ihrem Tode bewahrt hat und es nun Charlotte in einem letzten Brief gesteht. Als Charlotte mit einem Wagen weggefahren wird, wirft sie einen letzten Blick auf das vor dem Abriss stehende Haus, schließlich richtet sie ihren Blick nach vorne.

Das Kinderlied[Bearbeiten]

Chop chop, sweet Charlotte
Chop chop till he's dead
Chop chop, sweet Charlotte
Chop off his hand and head
To meet your lover you ran - chop chop
Now everyone understands
Just why you went to meet your love - chop chop
To chop off his head and hand

Kritiken[Bearbeiten]

„Harter, psychologisch verbrämter Thriller mit für die Entstehungszeit krassen Schauer- und Gruseleffekten.“

Lexikon des Internationalen Films[1]

„Von Komplexen, Wahnvorstellungen und Rachegelüsten getriebene Kranke entfesseln ein an Anormalitäten reiches Spiel, das nur noch Abscheu hervorruft. Auch Erwachsenen abzuraten.“

Evangelischer Filmbeobachter[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Zunächst war die Rolle der Miriam für Joan Crawford vorgesehen, welche unter Aldrichs Regie und neben Bette Davis mit Was geschah wirklich mit Baby Jane? einen Überraschungserfolg gelandet hatte. Angeblich erkrankte Crawford zu Beginn des Drehs und konnte die Rolle nicht spielen. Andere Quellen sagen, dass es zwischen ihr und der Erzfeindin Davis zu Konflikten am Filmset kam und Crawford sich nur als „zweite Geige“ hinter Davis gefühlt hatte. Bevor Olivia de Havilland die Rolle der Miriam annahm, wurde sie auch Katharine Hepburn und Vivien Leigh angeboten. Leigh schlug sie aus mit den Worten: „Nein danke. Ich kann es gerade noch ertragen, Joan Crawfords Gesicht um 6 Uhr morgens zu sehen, aber nicht Bette Davis' Gesicht.
  • Bruce Dern als Mordopfer war später der Hauptdarsteller in dem Science-Fiction-Film Lautlos im Weltraum (1972) sowie in Alfred Hitchcocks letztem Film Familiengrab (1976). Für ihn war dies seine erste bedeutendere Filmrolle. Für Mary Astor war es dagegen ihre letzte Rolle, anschließend zog sie sich aus dem Schauspielgeschäft zurück.
  • Victor Buono - der in Filmrückblicken den Vater von Charlotte spielte-, hatte zwei Jahre zuvor eine wichtige Rolle als tollpatschiger und geldgieriger Klavierspieler in Was geschah wirklich mit Baby Jane? inne. Er war zum Zeitpunkt 26 Jahre alt, also rund zwei Jahrzehnte jünger als seine Rolle.
  • Als Kulisse für das Herrenhaus diente The Houmas, auch als Burnside Plantation bekannt, das als Baudenkmal im National Register of Historic Places verzeichnet ist. Für die Filme Mandingo und Fletch – Der Tausendsassa fanden hier gleichfalls Aufnahmen statt.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Sieben Oscar-Nominierungen 1965: für Agnes Moorehead als beste Nebendarstellerin, für William Glasgow und Raphael Bretton für die künstlerische Leitung, für Joseph F. Biroc für die Kameraarbeit, für Norma Koch (Kostüme), für Michael Luciano (Filmschnitt), für Frank De Vol für den Score und noch einmal für Frank De Vol (Musik) und Mack David (Text) für das Lied Hush… Hush, Sweet Charlotte.
  • 1965 – Den Edgar des „Edgar Allan Poe Awards“ für Henry Farrell und Lukas Heller für den besten Film.
  • 1965 – Golden Globe für Agnes Moorehead als beste Nebendarstellerin.
  • 1965 – den „Golden Laurel“ der Laurel Awards für Bette Davis als beste Hauptdarstellerin, für Agnes Moorehead als beste Nebendarstellerin (2. Platz) und für Frank De Vol und Mack David (3. Platz) für das Lied Hush... Hush, Sweet Charlotte.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiegenlied für eine Leiche im Lexikon des Internationalen Films
  2. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 187/1965
  3. Tony Reeves: Hush... Hush, Sweet Charlotte film locations. In: Webpräsenz movie-locations.com. The Worldwide Guide to Movie Locations, abgerufen am 17. November 2013 (englisch).