Worbis

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Worbis (Begriffsklärung) aufgeführt.

51.42102777777810.363694444444330Koordinaten: 51° 25′ 16″ N, 10° 21′ 49″ O

Worbis
Wappen von Worbis
Höhe: 310–360 m
Einwohner: 5000
Eingemeindung: 16. März 2004
Postleitzahl: 37339
Vorwahl: 036074
Karte

Lage von Worbis in Leinefelde-Worbis

Blick vom Klien über Worbis ins Ohmgebirge

Blick vom Klien über Worbis ins Ohmgebirge

Worbis ist der nördliche Hauptort von Leinefelde-Worbis im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.

Geographie[Bearbeiten]

Worbis befindet sich etwa vier Kilometer nordöstlich von Leinefelde und 15 Kilometer östlich von Heilbad Heiligenstadt im Eichsfeld. Der Ortsteil liegt am Südrand des Ohmgebirges direkt auf der Elbe-Weser-Wasserscheide, wo die Quellen von Wipper und Hahle entspringen.

Unmittelbare Nachbarorte sind Kirchworbis im Osten, Breitenbach im Südwesten, Wintzingerode im Nordwesten und Kirchohmfeld im Norden.

Einige der wichtigsten Berge in der Gemarkung sind der Oberberg (496,5 m), der Langenberg (462,6 m), der Kanstein (435,5 m), der Klien (408,9 m) und Die Hardt (400,9 m).

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten]

Die urkundliche Ersterwähnung erfolgt 1162 als Wurbeke. Der Ort wurde 1255 zur Stadt erhoben und war im Hoch- und Spätmittelalter der Mittelpunkt des gleichnamigen Amtes, zu dem, neben Worbis selbst, noch das benachbarte Breitenbach und die Wüstungen Ritterbach und Sifferterode zählten. Im folgenden 14. Jahrhundert schritt die Entwicklung von Worbis voran, was unter anderem durch seine Lage begünstigt wurde. So befand sich der Ort an einer alten Nord-Süd-Verbindung eines Pilgerweges, der von Lübeck ausgehend, über DuderstadtMühlhausenEisenach und Nürnberg nach Rom verlief. Im Jahre 1381 verpfändete der Kurfürst Adolf von Mainz das Amt Worbis gemeinsam mit dem Amt Harburg, zu welchem unter anderem die Dörfer Bernterode, Breitenworbis, Gernrode, Kirchworbis und Neustadt gehörten, für 1662 Mark Silber an Siegfried von Bültzingsleben, dessen Familie bis in das 16. Jahrhundert hinein die Hoheit über Worbis ausüben sollten.

Von 1816 bis 1994 war Worbis die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises bzw. Kreises.

In den Jahren der deutschen Teilung war Worbis überregional bekannt als namengebender Ort der Grenzübergangsstelle Worbis/Duderstadt bei Teistungen an der F 247 bzw. B 247. Am 10. November 1989 wurde um 0:35 Uhr der Schlagbaum am Grenzübergang nach Westen geöffnet.

Worbis gehört seit dem 16. März 2004 zur neuen Stadt Leinefelde-Worbis.[1]

Am 4. Dezember 2006 erhielt Worbis die dauerhafte Anerkennung als „Staatlich anerkannter Erholungsort“.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Worbis steht für Land am Wasser oder feuchte Gegend. Eine weitere Deutung kommt aus dem niederdeutschen für "Bach", in Verbindung mit winden heißt es soviel wie windungsreicher Bach.[2]

Politik[Bearbeiten]

Ortsteilrat[Bearbeiten]

Dem Ortsteilrat gehören vier Räte der CDU, drei der Freien Wählergemeinschaft an und je einen Vertreter entsenden Die Linke, die SPD und die Ökologisch-demokratische Partei. Ferner gehört dem Gremium der Ortsbürgermeister an (Kommunalwahlen in Thüringen 2012).

Ortsteilbürgermeister[Bearbeiten]

Das Amt des Ortsteilbürgermeisters von Worbis übt Franz Jaworski aus.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt Worbis unterhält Städtepartnerschaften mit:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Krengeljägerfest an Pfingsten[Bearbeiten]

Am Krengeljägerbrunnen, dahinter die Stadtkirche St. Nikolaus
Innenansicht der Antoniuskirche

Das jährlich zu Pfingsten begangene Krengeljägerfest ist inzwischen eine Worbiser Tradition und erinnert an eine städtische Überlieferung (Raub von Brezeln/Backwerk durch übermütige Schulbuben). Inzwischen hat man diese sonderbare Begebenheit aus dem Alltagsleben der Alt-Worbiser mit einem Brunnen gewürdigt.[3]

Das Worbiser Wipperfest[Bearbeiten]

Als zweites bedeutendes Fest begeht Worbis das Wipperfest. Es findet im September statt. Die Wipper ist in Worbis noch ein bescheidenes Rinnsal. Daher wird die Mutprobe – auf einem Seil oder schmalem Brett über die Wipper zu balancieren – gefordert. Die Belustigung zieht besonders die Jugend der Stadt an.[4]

Kirchen[Bearbeiten]

Antoniuskirche[Bearbeiten]

Die barocke, 1678 geweihte, Antoniuskirche war auf Initiative des Franziskaner-Ordens in Worbis errichtet worden, um dem neu entstandenen Konvent als Klosterkirche zu dienen. Sie befindet sich in der Klosterstraße, auf geweihter Erde, denn am gleichen Bauplatz stand zuvor das mittelalterliche Zisterzienserinnen-Kloster. Maßgeblichen Anteil am Bau des Klosters hatte der italienische Baumeister Antonio Petrini, dieser gilt als ein Vorläufer des berühmten Barock-Baumeisters Balthasar Neumann. Das Kloster bestand bis 1824, dann wurde es säkularisiert. Die Kirche wurde der Katholischen Pfarrgemeinde Worbis übergeben.

St. Nikolaus[Bearbeiten]

Die katholische Stadtkirche St. Nikolaus im Zentrum von Worbis.

St. Peter und Paul[Bearbeiten]

Die evangelische Kirche St. Peter und Paul am Rosenmarkt in Worbis.

Pestkapelle St. Rochus[Bearbeiten]

St.-Rochus-Kapelle Worbis (im Gegenlicht)

Das Patronat des St. Rochus ist ein Indiz für die Entstehung und Nutzung dieses Gebäudes zur Zeit der letzten großen Pestwelle im 17. Jahrhundert. Aus der Stadtchronik von Johann Vinzenz Wolf ist die Zahl von 465 Todesopfern bekannt, die diese Seuche in den Jahren 1682–1683 von der Worbiser Bürgerschaft forderte.[5] Religiöse Motive und der feste Glaube an die Wirkung von Gelübden führten zum Bau der St. Rochus-Kapelle, diese sollte stets die Nachwelt an diese überwundene Schreckens- und Notzeit erinnern.

Das Bauwerk befindet sich in der Duderstädter Straße. Das relativ kleine, einstöckige Gebäude ist aus Bruchsteinmauerwerk errichtet. Der zierliche Dachreiter enthält wohl als letzten Gruß für den Verstorbenen ein Totenglöcklein. Über dem Portal der Kapelle befindet sich mittig eine Sandsteintafel, sie dient als Memento mori und ist unübersehbar in das Mauerwerk eingelassen. Diese zeigt einen Totenkopf, Gebeine und darüber das Zeichen des Kreuzes als Symbol der Hoffnung und Erlösung. Beiderseits findet der Besucher weitere Inschriften zum Anlass des Gebäudes.

Rathaus[Bearbeiten]

Das Rathaus in Worbis, mit Standesamt

Rathaus-Gebäudekomplex, Zugang Amtsstraße 1. Auf den Grundmauern einer ehemaligen Wasserburg entstand das Mainzer Amtshaus, jetzt das Rathaus der Stadt Worbis. Das prächtige Fachwerkgebäude enthält neben Verwaltungs- und Repräsentationsräumen auch das Worbiser Standesamt. Unbedingt erwähnenswert ist, dass sich im Gebäudekomplex zeitweise auch das Alte Gericht mit Gefängnisräumen, einer Folterkammer und der Gerichtsstube befand. Das Haus war ein mainzisches Verwaltungszentrum im Obereichsfeld bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Heimatmuseum[Bearbeiten]

Rathaus-Gebäudekomplex, Zugang Kirchstraße 19. Das als Fachwerkhaus Gülden Kreuz bekannte Gebäude dient seit 1960 als Stadtmuseum. Die ursprüngliche Konzeption sah das Haus als ein Spezialmuseum zur Eichsfelder Textilfabrikation – einem Haupterwerbszweig der Eichsfelder Bevölkerung seit dem 18. Jahrhundert. Das Museum hat inzwischen als Stadt- und Regionalmuseum seinen Bezug zur Worbiser Geschichte verfestigt. Bemerkenswert ist eine hier vorhandene Schmetterlingssammlung des Worbiser Entomologen Lampert Rummel.[6]

Tierpark[Bearbeiten]

Am nordwestlichen Stadtrand (Duderstädter Straße 36a) befindet sich das Gelände des 1959 bis 1995 betriebenen Tierpark Worbis. Auf Initiative des Vereins Bärenhilfswerk e. V. wurde das Gelände zu einem weiträumigen Freigelände[7] umgestaltet und wird nun als Alternativer Bärenpark Worbis für Braunbären, welche meist aus Zirkus- oder Käfighaltung stammen, genutzt. Für dieses außergewöhnliche Projekt erwarb der Verein hohe Anerkennung – und erhielt 2006 den hessischen Tierschutzpreis.[8]

Büschlebsmühle[Bearbeiten]

Die Büschlebsmühle ist ein als Technisches Denkmal ausgewiesenes Mühlenanwesen, zu dem die als Aquädukt im Stadtgebiet verlaufende Wasserzufuhr gehört. Die für die Stadtgeschichte bedeutsame Mühle war auf Betreiben eines Worbiser Ratsherren erbaut worden und wurde je nach Bedarf für die Herstellung von Schießpulver – Pulvermühle, als Mahlmühle, Sägewerk oder Ölmühle in Betrieb gesetzt. Hierzu besaß das Mühlwerk drei oberschlächtige Mühlräder. Die noch immer im Familienbesitz der Büschlebs, inzwischen zählt man die fünfte Müller-Generation, befindliche Mühle wurde sorgfältig restauriert und dient nun der Stromerzeugung (über Generator) sowie gelegentlich als Schauanlage.[9]

Verkehr[Bearbeiten]

Worbis ist verkehrsmäßig über die B 247 und die Landesstraße 3080 (die ehemalige B 80) erreichbar. Unmittelbar südlich liegt die Anschlussstelle Leinefelde-Worbis der Bundesautobahn 38. Worbis hatte einen Bahnhof an der Bahnstrecke Leinefelde–Wulften. Diese ist inzwischen stillgelegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johan Brambach (* in Worbis; † 4. September 1616 in Lübeck), Ratssekretär, Ratsyndicus und Domherr in Lübeck
  • Heinrich Josef Watteroth (* 17. November 1756 in Worbis, † 13. August 1819 in Wien), politischer Schriftsteller[10]
  • Wilhelm Hartmann (* 3. Oktober 1816 in Worbis, † 30. August 1889 in Groß-Lichterfelde bei Berlin), Jurist und Reichsgerichtsrat
  • Bernard Quaritch (* 23. April 1819 in Worbis, † 17. Dezember 1899 in Hampstead), englischer Buchhändler und Sammler deutscher Abstammung
  • Carl Haber (* 8. Januar 1833 in Worbis, † 17. Mai 1914 in Bonn), Berg- und Hüttenwerksdirektor in Ramsbeck
  • Barbara Saß-Viehweger (* 4. August 1943 in Worbis), Notarin, Rechtsanwältin und Politikerin der Christlich Demokratischen Union (CDU)
  • Gerhard Rupprath (* 4. April 1945 in Worbis), Kinderarzt und hat eine apl. Professur an der Georg-August-Universität in Göttingen
  • Stefan Wachtel (* 30. Juli 1960 in Worbis), freiberuflicher Trainer für Auftritte von Führungskräften und Buchautor

Literatur[Bearbeiten]

  •  Johann Vinzenz Wolf: Denkwürdigkeiten der Stadt Worbis und ihrer Umgebung. Beyersche Universitätsdruckerei, Göttingen 1818, S. 190. Mit 40 Urkunden als Digitalisat bei Google Books
  •  Levin Freiherr von Wintzingeroda-Knorr, Historische Commission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt (Hrsg.): Die Wüstungen des Eichsfeldes. Verzeichnis der Wüstungen, vorgeschichtlichen Wallburgen, Bergwerke, Gerichtsstätten und Warten innerhalb der landräthlichen Kreise Duderstadt (Provinz Hannover), Heiligenstadt, Mühlhausen (Land und Stadt) und Worbis (Provinz Sachsen). Halle/Saale 1903, S. 1081.
  •  Carl Duval: Worbis. In: Das Eichsfeld. (Reprint), Harro von Hirschheydt Verlag, Hannover-Dören 1979, ISBN 3-7777-0002-9, S. 174–209.
  •  Hans Patze (Hrsg.): Worbis. In: Thüringen. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 9, Alfred-Kröner-Verlag, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 493–494.
  •  Walter Rassow: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Worbis. Cordier, Heiligenstadt 1994, ISBN 3-929413-15-9, S. 320.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  2. MDR Thüringen Namensforschung: Interview mit J. Udolph
  3.  Wolfgang Landgrebe: «Worbis». In: Freizeitführer Thüringen. Bd. 1 (Region Mitte und Nord), Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 1999, ISBN 3-86134-550-1, S. 177, 179.
  4. ebenda
  5.  Wolfram Kaiser: Heilkunde auf dem Eichsfeld. In: Kulturbund Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heiligenstadt 1985, S. 96.
  6.  Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): «Worbis». In: Museen in Thüringen. Frankfurt/Erfurt 1995, S. 218.
  7. bisher bereits über 40.000 Quadratmeter
  8.  Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): «Worbis». In: Kulturelle Entdeckungen. Landkreis Eichsfeld, Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen, Unstrut-Hainich-Kreis. Band 1 (Thüringen), Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2249-3, S. 234–237.
  9.  Volker Große, Klaus Herzberg: Wilbich, «Griesmühle». In: Maik Pinkert (Hrsg.): Mühlen im Obereichsfeld. Ein Kompendium. Eichsfeld-Verlag, Heiligenstadt 2008, ISBN 978-3-935782-13-5, S. 372–373.
  10. Karl Theodor von Inama-Sternegg: Watteroth, Heinrich Josef. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 254 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Worbis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Worbis – Reiseführer