Özlem Türeci

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Özlem Türeci (2020)

Özlem Türeci [ˈœzlɛm ˈtyrɛdʒɪ] (* 1967 in Lastrup, Niedersachsen) ist eine deutsche Ärztin und Unternehmerin. Mit ihrem Mann Uğur Şahin gründete sie zunächst die Biotechnologie-Firma Ganymed Pharmaceuticals und später das börsennotierte Unternehmen Biontech, bei dem sie als Vorstand Medizin tätig ist. Neben dem Hauptfokus auf Immuntherapien gegen Krebs entwickelte und erprobt Biontech den RNA-Impfstoff BNT162b2 gegen COVID-19. Weiterhin ist sie Privatdozentin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Leben und Karriere

Özlem Türeci ist die Tochter eines türkischen Chirurgen, der aus Istanbul nach Deutschland gekommen war und in dem katholischen Krankenhaus St. Elisabeth-Stift in Lastrup im Landkreis Cloppenburg arbeitete. Sie studierte Medizin an der Universität des Saarlandes in Homburg. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Uğur Şahin kennen, der als Onkologe auf einer Krebsstation bei Michael Pfreundschuh arbeitete. Mit ihm wechselte sie im Jahr 2000 als Privatdozentin an die Universität Mainz, wo sie sich in der Krebsimmuntherapie hervortat. Laut eigener Aussage beobachtete sie in dieser Zeit, „dass die Wissenschaft nicht immer am Patientenbett ankommt“. Um innovative Therapieformen schneller verfügbar zu machen,[1] gründete sie mit ihrem Mann 2001 das Unternehmen Ganymed Pharmaceuticals, das monoklonale Antikörper gegen Krebs entwickelt.[2] 2016 kaufte der japanische Pharmakonzern Astellas die Firma,[3] für mindestens 422 Millionen Euro.[4]

Özlem Türeci ist neben ihrem Mann, der als Vorstandsvorsitzender (Chief Executive Officer, CEO) fungiert, als Chief Medical Officer (CMO) im Vorstand der BioNTech SE, die Immuntherapien gegen Krebs entwickelt. Sie ist vor allem für die Klinische Forschung und Entwicklung verantwortlich. Das Unternehmen hat Özlem Türeci mit ihrem Mann 2008 in Mainz gegründet.[5] Die Firma wurde 2019 an die amerikanische Technologiebörse NASDAQ gebracht. 2020 konzentrierte sich Biontech auf Entwicklung des Impfstoffs BNT162b2 gegen das Coronavirus SARS-CoV-2.[6]

Türeci ist außerdem die Vorsitzende des deutschen Forschungs-Spitzenclusters für individualisierte Immunintervention Ci3 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung[7] und gehört dem Vorstand von CIMT an, dem größten europäischen Verband für Krebsimmuntherapie.[8]

Publikationen (Auswahl)

  • mit Burkhard Ludewig, Philippe Krebs, Helen Metters, Jutta Tatzel, Uğur Şahin: Molecular Characterization of Virus-induced Autoantibody Responses. In: Journal Experimental Medicine. 200/5. 2004, S. 637–646.
  • mit D. Usener, S. Schneider, U. Şahin: Identification of tumor-associated autoantigens with SEREX. In: Methods Molecular Medicine. 2005.109, S. 137–154, doi:10.1385/1-59259-862-5:137.
  • mit Uğur Şahin: Personalized vaccines for cancer immunotherapy. In: Science. 359(6382). 2018, S. 1355–1360, doi:10.1126/science.aar7112.
  • mit Mathias Vormehr, Mustafa Diken, S. Kreiter, C. Huber, U. Şahin: Targeting the Heterogeneity of Cancer with Individualized Neoepitope Vaccines. In: Clinical Cancer Research. 22(8). 2016, S. 1885–1896, doi:10.1158/1078-0432.CCR-15-1509.

Auszeichnungen

Weblinks

Commons: Özlem Türeci – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Ingo Malcher: Im Team gegen Corona. In: Zeit Online Arbeit. 4. Juni 2020, abgerufen am 10. November 2020.
  2. Tobias Stolzenberg: Zwei gegen den Krebs. aus: Technology Review. Auf heise online, 10. August 2018, abgerufen am 8. Juni 2020.
  3. VentureCapital Magazin: Exit: Astellas kauft Ganymed. Abgerufen am 10. November 2020.
  4. Thomas Schulz, Martin U. Müller, Markus Brauck, Tim Bartz: Corona-Impfstoff: Schafft Biontech den Sprung aus Mainz an die Weltspitze? In: DER SPIEGEL. Abgerufen am 14. November 2020.
  5. Lastruperin ist Corona-Hoffnung: Biontech-Gründerin Türeci. In: NDR. 10. November 2020, abgerufen am 10. November 2020.
  6. Ingo Malcher: Im Team gegen Corona. In: Die Zeit. Nr. 24. 4. Juni 2020, S. 24.
  7. Forschungscluster
  8. Krebsimmuntherapie
  9. Georges-Köhler-Preis für Immunologen des Universitätsklinikums. In: Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 21. September 2005, abgerufen am 10. November 2020.