Albert Wendt (Kinderbuchautor)

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Albert Wendt beim Erlanger Poetenfest 2012

Albert Wendt (* 27. Februar 1948 in Borsdorf bei Leipzig) ist ein deutscher Dramatiker, Hörspiel- und Kinderbuchautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur (1966 in Markkleeberg) arbeitete Albert Wendt als Ringer, Traktorist und Bühnenarbeiter. Er studierte einige Semester Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig (1969–1972) und am Leipziger Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ (1972–1974). 1977 nahm er an einem Szenaristen-Seminar an der Filmhochschule Babelsberg teil. Seit 1975 ist Albert Wendt freischaffender Schriftsteller. Er schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Erzählungen für Erwachsene und Kinder. Im Jahre 1976 wurden Einakter unter dem Titel „Drei kleine Nachtgeschichten“ vom Fernsehen der DDR verfilmt, 1986 sein erfolgreichstes Stück „Der Vogelkopp“. Sein dramatisches Schaffen wurde durch Gedichte und Aphorismen begleitet. Die Bühnenwerke, z. B. „Sauwetterwind“, „Prinzessin Zartfuß“ und „Padulidu und Lorelei“, sind später als märchenhafte Erzählungen in Buchform erschienen.

Albert Wendt fasst humorvoll und in meist märchenhafter Form zentrale Probleme der Zeit in ihrer immer wiederkehrenden Aktualität. Sein Schaffen wurde durch nationale und internationale Preise anerkannt. Der Vogelkopp wurde 1990 am Schauspielhaus Zürich, 1993 unter dem Titel „Tête-à-bécasse“ am Théâtre des Lunes, Neuchâtel/Schweiz, 2005 am Memorial Union Play Circle” in Madison/Wisconsin sowie 2015 unter dem Titel "Bird Brain" am Western Canada Theatre in Kamloops/Canada inszeniert.1987 erhielt er den Lessingpreis der DDR, 1989 für das Hörspiel „Sauwetterwind“ (WDR) den Terres des Hommes Kinder-Hörspielpreis und 2009 für sein Kinderbuch „Betti Kettenhemd“ den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis.

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinderhörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzählungen für Erwachsene und Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Hochhaus. UA: 1972 Arbeitertheater Leichtmetall Rackwitz, R: Jan Krüger
  • Nachfrost/Die Weihnachtsmänner/Die Grille. UA: 11.9.1976, Städtisches Theater Leipzig, Kellertheater, R. Jürgen Kautz.
  • Die Dachdecker. UA: 9.10.1979, Städtisches Theater Leipzig, R: Karl-Georg Kayser.
  • Die wilden Wege. UA: 1979, Brandenburger Theater, R: Bernd Keßler.
  • Die Kellerfalle. UA: 6.4.1980, Städtisches Theater Leipzig, R: Karl-Georg Kayser.
  • Der Fahrer und die Köchin. UA: 1980, Berlin.
  • Schritte. UA: 1980, Das Ei, Theater im Friedrichstadtpalast Berlin.
  • Die Teefrau. (zusammen mit anderen Szenen unter dem Titel Wendt gegen Wendt) UA: 1980, Poetisches Theater „Louis Fürnberg“ der Karl-Marx-Universität Leipzig, Studiobühne der Universität Leipzig.
  • C-Eierhuhn und Stolperhahn. UA: 10/1981 Arbeitertheater Maxim Gorki, Berlin, R: Hella Len.
  • Die fremde Fuhre.UA: 1982 Dresden.
  • Der Sauwetterwind. UA: 18.9.1982, Theater der jungen Welt, Leipzig, R: Hanns Gallert.
  • Bronek und die Angeschlagene. UA: 1984, Berlin.
  • Mein dicker Mantel. UA: 5.10.1984, Theater der Bergarbeiter, Senftenberg, R: Carsten Ludwig.
  • Prinzessin Zartfuss und die sieben Elefanten. UA: 7.11.1984, Volksbühne Berlin.
  • Der Vogelkopp. UA: 11.10.1985, Theater der Freundschaft Berlin, R: Carl-Hermann Risse. BRD UA: 7.12.1986, Bühnen der Stadt Essen.
  • Heduda auf dem Pflaumenbaum. UA: 8.11.1985, Bühnen der Stadt Gera, R: Gerhard Neubauer.
  • Das Blechboot. UA: 20.10.1989, Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau.
  • Padulidu und Lorelei. UA 8.10.2000, Das Weite Theater Berlin.
  • Betti Kettenhemd. UA: 1.11.2001, Theater Salz und Pfeffer, Nürnberg.
  • Adrian und Lavendel. UA: 2002 Freiberg.
  • Abele und der blasse Moff. UA: 2002, Berlin.
  • Prinzessin Wachtelei mit dem goldenen Herzen. UA: März 2003, Theater Grashüpfer, Berlin, R: Sabine Steglich.
  • Rettelbusch und Seidenschal. Ballade von Albert Wendt. UA 26.11.2009, Helios Theater, Hamm.

Theaterstücke an internationalen Bühnen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Vogelchopf. Märchenstück von Albert Wendt. UA: 1990, Schauspielhaus Zürich.
  • Vogelkopp. UA: 2.5.2005 am “Memorial Union Play Circle” in Madison/Wisconsin, R: Manfred Roth.
  • Princess Henny Penny with the Golden Heart (Prinzessin Wachtelei mit dem goldenen Herzen übersetzt aus dem Deutschen von Paul Harman,2004). UA: 12. 11.2005 am CTC Theatre, Stockton-on-Tees /Cleveland, UK.
  • “Bird Brain” (based on the story Vogelkopf). UA: 21.5.2015 am Western Canada Theatre/PAVILION THEATRE in Kamloops/Canada, R: Vern Thiessen, Performed by the new WCT/TRU Young Company.
  • „Tête-à-bécasse“ (Vogelkopp übersetzt aus dem Deutschen Monique Laederach). U.A. 1993 am Théâtre des Lunes, Neuchâtel/Schweiz., R: Käthi Vögeli.
  • Der Sauwetterwind. U.A. 1991 am Theater der Jugend, Wien (R: Peter Rinderknecht).

Fernsehspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Drei kleine Nachtgeschichten [Das Hochhaus (1972); Nachtfrost; Die Weihnachtsmänner; Die Grille (1976)]. Fernsehen der DDR 1977, Regie: Achim Hübner, mit: Jörg Gillner, Achim Hübner, Helga Piur u. a., Erstausstrahlung 3.1.1978.
  • Der Vogelkopp. Fernsehen der DDR, R: Horst Netzband; Inszenierung: Carl-Hermann Risse, Musik: Hans Ostarek; mit Rüdiger Sander, Isa Sander-Wolter u. a., Erstausstrahlung 25. Mai 1986.

Aphorismen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das verdichtete Nachdenken über seine Grundsätze und Arbeitsweisen hat Albert Wendt in aphoristischer Form festgehalten, veröffentlicht in den Sammlungen und Anthologien „Der Weisheit letzter Schuß“, „Dachdecker und andere Stücke und Texte“ sowie „Neue Aphorismen“. Die folgende Auswahl wurde auf der Homepage des Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis veröffentlicht[1]t:

"Sätze aus den Arbeitsbüchern 2017. Albert Wendt über seine Arbeit an dem Buch "Henrikes Dachgarten" :

  1. Einen trächtigen Ort finden, dann tauchen Leute auf, dann geschieht etwas, schließlich reden die Leute.
  2. Aus kleinen Verhältnissen in größere heben – locken – führen – tanzen. Größere Verhältnisse in 3 Dimensionen: Raum, Zeit, Bewohner (himmlische Wesen bis Mäuse).
  3. Es sind doch nur 4 Aufgaben, die ich vor mir habe: Die Vorstellung eines schönen Gebildes, das schöne Gebilde in einem Text fassen, mit Partnern um den Text ein passendes, haltbares Gefäß formen (Buch, Theaterstück, Hörspiel und dergleichen), mit Partnern Transportmittel nutzen und schaffen, um das Werk zu denen zu bringen, die es dringlichst brauchen.
  4. Kein verseuchtes Terrain betreten oder gar beackern.
  5. Wenn ich das weite Meer vor mir habe, warum soll ich mich dann abwenden und hinhocken und mit einem Stock in einem Abwassertümpel herumstochern.
  6. Anreichern – Streng machen – Anreichern – Streng machen ...
  7. Eine gute Geschichte: Eine Plastik wird ansichtig als schönes Gebilde und macht angenehme Geräusche.
  8. Fülle bändigen! Nicht Leere füllen!
  9. Den Helden hineinwerfen in die Kämpfe und dann zurücklehnen und betrachten. Den Helden prüfen bis an seine Grenzen, um zu erfahren, was er taugt.
  10. Nichts in ein Werk hineinbauen, was schnell verfault.
  11. Wie sprenge ich die Kleinbürgerschächtelchen auf? Kinder, Künstler, Könige, Unwetter, Schicksalspranke, Charaktere, Wunder ...
  12. Zehn Prüfungsfragen an den Text, bevor ich ihn aus der Hand gebe:
    1. Hat sich mein bisschen Ich nicht doch zu weit vorgedrängt? Ist es an der richtigen Stelle?
    2. Dient das Werk der Königin der Welt, der Sittlichkeit? Ist es unverklemmt, aber keusch?
    3. Wurde der Gegenstand klar umrissen?
    4. Ist das Werk eingebunden in die Folge der alten Meister?
    5. Interessiert es auch ein begabtes Kind in einem Flüchtlingstreck?
    6. Fehlte etwas, wenn ich Teile des Werkes weglasse?
    7. Fehlte etwas, wenn ich das Ganze weglasse?
    8. Waren genug Kräfte von Format an der Formung des Werks beteiligt?
    9. Habe ich alles Billige, Eitle, Eifernde, Aufgeregte, Überflüssige, Besserwisserische, Belehrende, Sensationslüsterne, Prahlerische getilgt?
    10. Kann das Werk den Blick aushalten, den Blick aus den neuen Augen, die mit einer neuen Epoche geboren werden (Heine-Zitat)?

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1978: 1. Preis des Debütanten-Wettbewerbes der Hörspielabteilung beim Rundfunk der DDR für Der Fahrer und die Köchin
  • 1980: Autorenpreis der Kritiker beim Hörspielpreis der DDR für Der Fahrer und die Köchin
  • 1985: Sonderpreis im Autorenwettbewerb des Hörspielpreises der DDR für: Der Vogelkopp
  • 1987: Lessingpreis der DDR
  • 1989: Terre des Hommes-Kinderhörspielpreis für Sauwetterwind, Regie: Ulf Becker (WDR)
  • 1990: Kinderhörspielpreis des Funkhauses Berlin für Adrian und Lavendel
  • 2004: Aufnahme des Buches Prinzessin Wachtelei mit dem goldenen Herzen in die Liste der Besten 7
  • 2008: Aufnahme von Prinzessin Zartfuß und die sieben Elefanten in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis
  • 2008: Aufnahme des Buches Betti Kettenhemd in die Liste der Besten 7
  • 2009: Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis für Betti Kettenhemd
  • 2011: Aufnahme von Marta-Maria in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis
  • 2011: LesePeter des Monats Januar für das Kinderbuch Bummelpeters Weihnachtsfest[2]
  • 2015: Aufnahme des Buches Das tanzende Häuschen in die Liste der Besten 7
  • 2018: Buch des Monats Juni 2018 (Institut für Jugendliteratur) Henrikes Dachgarten – Das Wunder auf der Krummen Sieben
  • 2018: Die besten 7 Bücher für junge Leser (Deutschlandfunk, Juli 2018) Henrikes Dachgarten – Das Wunder auf der Krummen Sieben
  • 2019: Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis für Henrikes Dachgarten

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis: Über die Arbeit an den Preisbüchern. 2019, abgerufen am 27. Februar 2020.
  2. Der LesePeter des Monats Januar 2011