Anetta Kahane

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Anetta Kahane, 2014

Anetta Kahane (geboren am 25. Juli 1954 in Ost-Berlin) ist eine deutsche Journalistin und Autorin. Überwiegend in Berlin-Pankow aufgewachsen, verbrachte sie Teile ihrer Kindheit in Neu-Delhi und Rio de Janeiro. Nach dem Studium der Lateinamerikanistik arbeitete sie als Portugiesischlehrerin und freie Übersetzerin in der DDR. Sie war 1990 die erste Ausländerbeauftragte des Ost-Berliner Magistrats, baute nach der Wiedervereinigung die Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen in Berlin mit auf und setzte sich für eine interkulturelle Bildung an Schulen in den neuen Bundesländern ein. Ende 1998 war sie Mitgründerin der Amadeu Antonio Stiftung, deren hauptamtliche Vorsitzende sie seit 2003 ist. Anetta Kahane engagiert sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

Biografie

Familie

Anetta Kahane ist das jüngste Kind des Journalisten Max Kahane und der Künstlerin Doris Kahane, geborene Machol. Beide Eltern waren säkulare Juden. 1933 floh Max Kahane vor dem nationalsozialistischen Regime aus Deutschland zunächst nach Prag und kämpfte als Kommunist ab 1938 im spanischen Bürgerkrieg für die Zweite Spanische Republik, dann in der Résistance.[1] Doris Machol, die 1933 als 13-jährige mit ihrer Mutter nach Spanien, dann nach Paris entkam, schloss sich in Frankreich 1940 einer kommunistischen Organisation der Résistance an.[2] In einem Internierungslager des Vichy-Regimes lernten sie sich kennen. Nach Kriegsende heirateten sie und kehrten nach Ost-Berlin zurück, um am Aufbau der DDR mitzuwirken. In der DDR wurden sie als politisch und rassisch Verfolgte des Naziregimes“ (VdN) eingestuft. Einer der Brüder Anetta Kahanes ist der Filmregisseur Peter Kahane. Anetta Kahane ist geschieden und hat eine Tochter.[3]

Kindheit und Jugend

Anetta Kahane ist im Berliner Bezirk Pankow aufgewachsen.[4] Als der Vater 1957 der erste Auslandskorrespondent der DDR in Indien wurde, lebte die Familie für drei Jahre in Neu-Delhi, wo Anetta Kahane eine indische Vorschule besuchte. 1961 wurde sie in Berlin eingeschult und kam zu den Jungen Pionieren. 1963 zog die Familie für neun Monate nach Brasilien, wo der Vater als Auslandskorrespondent für die DDR-Zeitung Neues Deutschland in Rio de Janeiro arbeitete. Ab einem bestimmten Alter durften Kinder in der DDR nicht mit den Eltern ins Ausland reisen, darum wurden die beiden älteren Brüder in einem Internat untergebracht.[5] Anetta Kahane besuchte die provisorische Schule einer DDR-Handelsvertretung. Wegen der privilegierten Unterbringung ihrer Familie blieb sie laut ihrer Autobiografie isoliert. Portugiesisch habe sie von einem brasilianischen Hausmädchen gelernt. Nach einem Zwischenaufenthalt in der DDR konnte die Familie im Frühjahr 1964 nicht wieder nach Brasilien einreisen, weil dessen linksgerichteter Präsident João Goulart durch einen Militärputsch gestürzt worden war.[6]

Wie andere Kinder von Überlebenden des Holocaust ist Anetta Kahane unter dem prägenden Eindruck der Traumata ihrer Eltern aufgewachsen. Ihrer Autobiografie zufolge erlebte sie die ideologischen Vorgaben der DDR-Schule im Widerspruch zu ihrer persönlichen Erfahrung.[7] Antisemitismus sei tabuisiert oder aus ökonomischen Ursachen erklärt worden, die der Staatssozialismus überwunden habe.[8] Es sei immer von den Opfern des „Hitler-Faschismus“ gesprochen worden, die nicht explizit jüdisch waren, sondern Menschen aller möglichen politischen Gesinnung, die sich im Widerstand befanden.[9]

Ausbildung und Tätigkeiten bis 1990

1973 machte Kahane Abitur. Sie begann anschließend ein Volontariat in der Lateinamerika-Redaktion des Senders Radio Berlin International. Von Herbst 1974 bis 1979 studierte sie Lateinamerikanistik an der Universität Rostock. Sie war 1979 und 1981 für die Entwicklungszusammenarbeit der DDR in Afrika als Dolmetscherin tätig. Nach dem Diplomabschluss wurde sie der Humboldt-Universität zu Berlin zugeteilt, wo sie von 1980 bis 1983 portugiesischen Sprachunterricht gab. Ab 1983 bis 1989 arbeitete sie freiberuflich als literarische Übersetzerin.[10]

In der aufkommenden Bürgerrechtsbewegung setzte sie sich für Ausländer und Minderheiten ein. 1989 entstand im Neuen Forum ein runder Tisch für Ausländerfragen, an dem Kahane teilnahm. Von Mai bis Oktober 1990 wurde sie die erste und zugleich letzte Ausländerbeauftragte im Magistrat von Ost-Berlin.[11]

Kooperation mit dem MfS

Im Alter von 19 Jahren wurde Anetta Kahane als inoffizielle Mitarbeiterin (IM) des DDR-Staatssicherheitsdienstes (MfS) angeworben.

Anetta Kahane war nie Mitglied der SED.[5] Nachdem eine Freundin bei einem Fluchtversuch verhaftet worden war, verhörte das MfS Kahane als mögliche Mitwisserin der Flucht. Sie willigte in die Zusammenarbeit ein.[12] Sie wurde auf Westdeutsche und in der DDR lebende Ausländer angesetzt. Von 1974 bis 1982 führte das MfS sie als IM Victoria. Dabei wurde sie laut den MfS-Akteneinträgen als „unzuverlässig, politisch-ideologisch unausgereift und schwer zu führen“ eingestuft, so dass das MfS ihr zunächst die Erlaubnis zu Auslandsreisen verwehrte. Nach Angaben ihres Führungsoffiziers berichtete sie mündlich in den Anfangsmonaten auch „belastend“ über Freunde und Studienkollegen.[13] Sie soll Dutzende Personen aus ihrem Umfeld bespitzelt haben, darunter Künstler, einen ZDF-Reporter, Westberliner Studenten und in der DDR lebende Ausländer.[14]

Bruch mit der DDR

1979 durfte sie nach São Tomé und Príncipe (Westafrika) reisen, um als Dolmetscherin für Portugiesisch im dortigen Staatlichen Planungsministerium der DDR zu arbeiten. 1981 begleitete sie Tiefbauingenieure in Mosambik. Nach ihrer Rückkehr wusste sie, dass es für sie „keine politische Identifikation mit der realen DDR mehr geben könnte“.[15] Nach ihren Angaben erlebte sie die vorgebliche „sozialistische Bruderhilfe“ als rassistischen und paternalistischen Umgang der DDR-Vertreter mit der Bevölkerung. Darin habe sie das Versagen und die Verlogenheit des staatlich verordneten Antifaschismus erkannt.[15] 1982 brach sie die Zusammenarbeit mit dem MfS ab.[16] Sie wurde daraufhin von der Reisekaderliste gestrichen,[13] verlor ihre Anstellung an der Universität und erhielt nur noch eingeschränkt Übersetzungsaufträge.[17]

Tätigkeiten seit 1991

Das Bundesland Berlin beauftragte 1991 Anetta Kahane, die zu dem Zeitpunkt Verwaltungsangestellte war, mit Unterstützung der Freudenberg Stiftung die Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen in Berlin aufzubauen. Weitere 17 Projekte entstanden in den darauf folgenden Jahren in Ostdeutschland.[18][19] Treibende Kräfte waren Christian Petry von der Freudenberg Stiftung und Anetta Kahane.[20] Sie gründete den Verein RAA e.V. (Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule) als Träger aller RAA in den neuen Bundesländern. Die Bekämpfung des Rechtsextremismus, die Erziehung zur Demokratie und interkulturelle Bildung waren vom Beginn der 1990er Jahre die wichtigsten Schwerpunkte der ostdeutschen Regionalen Arbeitsstellen. Für die ostdeutschen pädagogischen Zentren entwickelte die RAA Berlin Kriterien, „die helfen sollten eine demokratische Kultur zu schaffen“. Kahane war überzeugt, dass eine demokratische, zur Nachbarschaft offene Schule der Weg sei, der Gefahr der Ethnisierung von Konflikten und der sozialen Ausgrenzung entgegenzuwirken.[21] Bis 2003 war sie Leiterin der RAA Berlin und Geschäftsführerin des RAA e.V.[10]

Anetta Kahane 2014 bei der Birlikte-Podiumsdiskussion mit Abdulla Özkan, Mehmet Daimagüler, Hans-Ulrich Jörges, Heiko Maas, Stefan Aust

Kahane und Bernd Wagner vertraten seit 1990, Rechtsextremismus in Ostdeutschland nach der Wende lasse sich nicht nur ökonomisch und sozialpsychologisch erklären, sondern müsse historisch aus der DDR-Geschichte begriffen werden. Dort habe es lange vor 1989 Ausländerfeindlichkeit und eine rechte Jugendszene gegeben. Erst seit 1998 wurden diese Thesen in der Forschung stärker beachtet.[22]

1998 gründete Kahane die Amadeu Antonio Stiftung, die die demokratische Zivilgesellschaft gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus stärken will, und deren Kuratoriumsvorsitzende sie zunächst war. 2003 wurde sie hauptamtliche Vorsitzende der Stiftung.

2002 gab die Sozialsenatorin des Landes Berlin, Heidi Knake-Werner, in einem Radiointerview am 8. Oktober bekannt, dass Kahane ihre Wunschkandidatin als Nachfolgerin von Barbara John, der Ausländerbeauftragten des Berliner Senats, sei.[23] In diesem Zusammenhang berichteten Zeitungen über ihre frühere IM-Tätigkeit.[24] Am 10. Oktober erklärte Kahane, sie stehe für dieses Amt nicht zur Verfügung.[25]

2012 beauftragte sie den Politikwissenschaftler Helmut Müller-Enbergs Art und Folgen ihrer Tätigkeit als IM zu bewerten.[26] Er legte im November 2014 seine zusammenfassende gutachterliche Stellungnahme vor mit dem Ergebnis, dass Kahane im Rahmen ihrer inoffiziellen Kooperation mit dem MfS in den Jahren von 1974 bis 1982 Dritten Nachteile zugefügt habe, ergebe sich durch die ihm von Kahane in ihrem Besitz befindlichen und ihr von der BStU zur Verfügung gestellten Akten, anderen Überlieferungen und durch die umfänglichen Interviews mit ihr, nicht.[13][27][28] Er hielt aber fest, dass jede Art von Informationen an das MfS das Risiko einer Benachteiligung enthalten konnten. Auch eine Vorteilsnahme Kahanes sei in den Akten nicht zu erkennen.[13] Kahane selbst teilte in einem Taz-Interview mit, dass sie 200 Mark (DDR) für acht Jahre bekommen habe.[29]

2016 lud Bundesjustizminister Heiko Maas Kahane als Vertreterin der Amadeu Antonio Stiftung ein, an einer Task-Force zum „Umgang mit rechtswidrigen Hassbotschaften im Internet“ beratend mitzuwirken. Im April 2016, nachdem rechtsextreme „Identitäre“ die Stiftungsräume zeitweise blockiert hatten, veröffentlichte die Amadeu Antonio Stiftung das Gutachten zur früheren IM-Tätigkeit Kahanes auf ihrer Webseite.

Neurechte und rechtsextreme Gegner Kahanes instrumentalisieren ihre IM-Vergangenheit für kampagnenartige Angriffe gegen sie, die zum Teil antisemitische Züge tragen und bis zu Morddrohungen gehen.[30][31][32] Laut Britta Schellenberg kreierte Thorsten Hinz mit seiner Beschreibung Kahanes in der Jungen Freiheit „ein klassisches rechtsextremes Feindbild: Jüdisch, Spitzel und Bolschewiki.“[33] Wie 2017 bekannt wurde, stand Anetta Kahane auf der Liste möglicher Anschlagsopfer des rechtsextremen Oberleutnants Franco A.[34] Gegen Verleumdungen gehen Kahane und die Stiftung juristisch vor und zeigen strafrechtlich relevante Drohungen an.[35]

Kahane veröffentlichte zahlreiche Fachartikel und Buchbeiträge und schreibt kommentierende Texte für die Berliner Zeitung[36] und die Frankfurter Rundschau[37].

Autobiografie

2004 erschien Anetta Kahanes Autobiografie mit dem Titel Ich sehe was, was du nicht siehst, in der sie „von ihrem Leben in einer rassistischen DDR und ihrem Kampf gegen den Rechtsextremismus im vereinten Deutschland“[38] erzählt und auch über ihre IM-Tätigkeit sowie ihren Bruch mit der DDR berichtet.[15][38]

Viel aufschlussreicher als historische Fakten über die DDR fand Viola Roggenkamp „die durchfühlten Erinnerungen“, „das subjektive Erleben“, das Kahane auf ihre Weise versuche. Kahane dokumentiere ihr eigenes Dilemma mit den Worten: «Mir sind die Motive suspekt, aus denen viele Menschen mit der DDR abrechnen wollen, doch mindestens genauso suspekt ist es mir, wenn sie es nicht tun.» Roggenkamp fragt sich, warum deutsche Juden, wie Kahanes Eltern, in die DDR gegangen sind. Sie hätten doch nicht übersehen können, dass die DDR genauso „Nazi-Land“ gewesen war wie die BRD. Die aus dem Exil zurückgekehrten Juden, „ohne dass es das Wort Jude gab“, hätten als ‚Opfer des Faschismus‘ weniger gegolten als ‚Kämpfer gegen den Faschismus‘. Doch sie seien nun auch als die besseren Deutschen erlebt worden, die ein besseres Deutschland aufbauen wollten und dafür seien sie „mehr oder weniger gehasst“ worden. Den Hass in der DDR auf jüdische Rückkehrer thematisiere auch Brigitte Reimann in ihrem Romanfragment Wenn die Stunde ist, zu sprechen.[39]

Kahane habe sich als junge Frau in der DDR bewähren, den Idealen ihrer Eltern, deren „unpathetischen, antifaschistischen Heroismus“ sie bewunderte, und des antifaschistischen Staates gleichermaßen gerecht werden wollen, schrieb Martin Jander in seiner Rezension. Dazu habe auch die „erpresste Verpflichtung zur Spitzeltätigkeit für das MfS“ gehört. Ihr „zunächst nur zögernd und dann radikaler vollzogene Ausbruch aus der «Antifaschismusfalle»“ mache ihre Autobiografie „zu einer ungewöhnlichen Dokumentation des Alltags in der nachnationalsozialistischen DDR“, so Jander.[15]

Uwe Stolzmann fragte sich, woher Kahanes „Tunnelblick“ auf die DDR komme. „Das Wort ‚Privilegien‘ mag Anetta Kahane nicht hören, doch es gab sie: Reisen nach Indien und Brasilien (wo der Vater Korrespondent wurde), Ferienplätze auf Schloss Wiepersdorf und an der Schwarzmeerküste, dann das Studium der Lateinamerikanistik und ein Job beim Aussenhandel in Sao Tomé und Moçambique.“ In Kahanes Erinnerung sei „der kleine deutsche Staat ein abstossendes Gebilde: kalt und eng, spiessig und rassistisch, ein Quell für Hass und dauerhafte Frustration“. Er vermutet dahinter „Wut auf den Vater“, der sich nach Meinung von Kahane zu sehr anpasste, oder "Scham darüber, dass sie gelegentlich der Staatssicherheit zu Diensten war". Ein „Dokument eines außergewöhnlichen Lebens“, als das die Verlagswerbung es ankündigte, sei ihr Buch dadurch nicht geworden.[40]

Micha Brumlik las Kahanes Geschichte als „Fallstudie über jüdische Identitätsbildung“. Nachdem die Hoffnungen auf „einen besseren, einen antirassistischen deutschen Staat restlos verflogen“ waren, sei der Versuch geblieben, „in der maroden DDR zu einem neuen, einem jüdischen Selbstverständnis zu finden“. In ihren Schilderungen ließe sich nachvollziehen, „wie viele verschiedene innere und äußere, psychische, soziale und politische Motive zusammenwirken müssen, damit ein deutsch-jüdisches Selbstverständnis wiedererfunden werden konnte“.[38]

Für Andreas Bock ist Kahanes Autobiografie „ein Buch über den Zustand der Zivilgesellschaft im wiedervereinigten Deutschland“. Das alte Kinderspiel, das dem Buch den Titel gab, Ich sehe was, was Du nicht siehst werde bei ihr zu einer gesamtgesellschaftlichen Diagnose. Die Erfahrung des Rassismus in der DDR habe zu Kahanes Bruch mit dem Regime geführt. Nach ihrer Erzählung habe der Staat, der sich den Stempel «antifaschistisch» aufgedrückt hat, «de facto eine Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus von Grund auf verhindert» und „so die Saat für neuen alten Ausländerhass gelegt“. Der Westen habe das nach Meinung von Kahane nicht begriffen. Kahanes Buch hält laut Bock „der deutschen Gesellschaft den Spiegel vor“.[41]

Engagement gegen Antisemitismus

Kahane setzt sich in Veröffentlichungen und Projekten mit dem Antisemitismus in Deutschland auseinander, insbesondere thematisiert sie Judenfeindlichkeit in der DDR, und entwickelte pädagogische Praxisangebote gegen Antisemitismus mit.[42] 2015 gehörte sie zusammen mit Deidre Berger, Micha Brumlik, Stephan J. Kramer und Julius H. Schoeps zu den Initiatoren des „Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus“ (NEBA).[43][44] Gründungsmitglieder sind neben der Amadeu Antonio Stiftung, das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien und das American Jewish Committee.[45] 2017 organisierte Kahane eine Tagung des Netzwerks mit, die aktuelle antisemitische Entwicklungen diskutierte. Laut Kahane ist Antisemitismus von Heute ein „weltweites Unbehagen am Jüdischen“. Es könne sich „in den unterschiedlichsten Formen bahn brechen, von diffusen Verschwörungstheorien gegenüber einer vermeintlichen jüdischen Machtelite, bis zur Israelkritik in „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Manier“.[46]

Mitgliedschaften

Seit 1997 ist sie im Kuratorium der Theodor-Heuss-Stiftung.[5] 2001 wurde sie in die Repräsentantenversammlung (RV) der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt.[47]

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

Buchautorin
Buchbeiträge
  • Rechtsextremismus. Herausforderungen für die ganze Gesellschaft. In: W. Frindte, D. Geschke, N. Haußecker, F. Schmidtke (Hrsg.): Rechtsextremismus und „Nationalsozialistischer Untergrund“, Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-09997-8, S. 303–307
  • Der Partisan aus Chemnitz. In: Gisela Dachs (Hrsg.): Proteste. Jüdische Rebellion in Jerusalem, New York und andernorts. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-633-54261-1, S. 59–71.
  • Erinnern heißt Leben. In: Beatrice von Weizsäcker, Hildegard Hamm-Brücher (Hrsg.): Demokratie ist keine Glücksversicherung: vierzig Jahre Theodor-Heuss-Preis, 1965 bis 2005: Chronik und Zeitansage. Hohenheim, 2005, ISBN 3-89850-129-9, S. 227 ff.
  • Jeckes in der DDR. In: Gisela Dachs (Hrsg.): Die Jeckes. Jüdischer Verlag im Suhrkamp-Verlag, 2005, ISBN 3-633-54219-1
  • Ich habe die Möglichkeit, etwas zu tun. In: Elmar Balster (Hrsg.): Augenblicke. Portraits von Juden in Deutschland. Mosse, Berlin 2003, ISBN 3-935097-08-5, S. 45–46
  • Ich durfte, die anderen mußten … In: Vincent von Wroblewsky (Hrsg.): Zwischen Thora und Trabant. Juden in der DDR. Aufbau, Berlin 1993, ISBN 3-7466-7011-X, S. 124–144
  • Fremdheit mit Folgen: Geschichte einer Ausländerbeauftragten. In: Namo Aziz, Thea Bauriedl (Hrsg.): Fremd in einem kalten Land: Ausländer in Deutschland. Herder, Freiburg 1992, ISBN 3-451-04130-8, S. 137 ff.

Artikel (Auswahl)

Artikel in Bulletin. Schriftenreihe des Zentrum Demokratische Kultur[51]
  • Antisemitismus als Herausforderung für die Demokratie. 2004/5, S. 5–6
  • Was ist Zivilgesellschaft ? 2000/1, S. 6–11
  • Zivilgesellschaft und Barbarei 2000/1, S. 11–12
  • Die reine Lehre ist die reine Lehre. Zur Kritik der akzeptierenden Sozialarbeit. 1999/1, S. 5–7
  • Ferch – Ein Orts des Glücks? 1998/4, S. 41–44
  • Unsere Schule ist wie Schoko mit Vanille – ein Beispiel aus B-Lichtenberg. 1998/4, S. 16
  • Handeln für mehr Demokratie ist Handeln gegen Rechtsextremismus. 1998/4, S. 8–16 (mit Bernd Wagner, Sylke Kirschnick)
  • Protest!? 1998/2, S. 24–25
  • Gedanken zum Gedenken 1998/2, S. 18–19
  • Solidarität neu denken 1998/1, S. 3–4
Interviews
  • Rassismus durch Nichthandeln, Nichtäußern und Nichthelfen. taz, Berlin/Ost, 24. Juli 1990 (mit Barbara John)
Herausgeberin
  • Geteilte Erinnerung? Zum Umgang mit Nationalsozialismus in Ost und West. Amadeu Antonio Stiftung, Berlin 2010
  • Sehen. Deuten. Handeln: Projektfilme, Dokumentar- und Spielfilme für den Unterricht zum Thema Jüdisches Leben in Deutschland heute ; eine Filmauswahl mit Arbeitsvorschlägen für die Sekundarstufen I und II. Amadeu Antonio Stiftung, Berlin 2009, ISBN 3-940878-08-1
  • Reflektieren. Erkennen. Verändern: was tun gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit? Amadeu Antonio Stiftung, Berlin 2006
  • Stärken. Entwickeln. Fördern: Handeln für Demokratie ist Handeln gegen Rechtsextremismus. Amadeu Antonio Stiftung, Berlin 2004
  • Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es. Handbuch zu interkulturellen Projekten der RAA in den neuen Bundesländern. Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule e.V. (RAA), Berlin 1996
  • (mit Eleni Torossi): Begegnungen, die Hoffnung machen. Grenzen gegenüber Ausländern überwinden. Herder, Freiburg 1993, ISBN 3-89331-176-9
  • Die Insel: ein Planspiel zur Gewaltprävention. Regionale Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Berlin 1992
  • Magistratsverwaltung für Jugend, Familie und Sport (Hrsg.): Jugend und Rechtsextremismus in Berlin-Ost. Fakten und Gegenstrategien. Berlin-Ost 1990

Literatur

  • Peter Schneider: Anetta Kahane und die Amadeu Antonio Stiftung. In: Peter Schneider: An der Schönheit kann’s nicht liegen. Berlin – Portrait einer ewig unfertigen Stadt. btb, München 2016, ISBN 978-3-442-71379-0, S. 228–238.
  • Esther Schapira, Georg M. Hafner: Sie halten einfach einen starken Juden nicht aus – Zu Besuch bei Anetta Kahane. In: Esther Schapira, Georg M. Hafner: Israel ist an allem schuld: Warum der Judenstaat so gehasst wird. Bastei Lübbe, Köln 2015, ISBN 978-3-7325-0596-8, S. 190–194.

Weblinks

 Commons: Anetta Kahane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Annette LeoKahane, Max Leon. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  2. Ulla Plener (Hrg.): Frauen aus Deutschland in der französischen Résistance. Eine Dokumentation. Edition Bodoni, Berlin 2005, ISBN 3-929390-90-6, S. 284
  3. Anetta Kahane: Vorsitzende Amadeu Antonio Stiftung im Gespräch mit Jochen Kölsch alpha-Forum, br.de, 24. April 2014, PDF-Datei, S. 8
  4. Sabine am Orde: „Ich war nicht gemacht für die DDR“: Anetta Kahane. In: taz.de, 30. August 2004
  5. a b c Kahane, Anetta, BR alpha, Anetta Kahane im Gespräch mit Jochen Kölsch, 1. April 2014
  6. Anetta Kahane: Ich sehe was, was du nicht siehst, S. 5–31
  7. Anetta Kahane: Ich sehe was, was du nicht siehst, S. 33–40
  8. Gerald Beyrodt: Stumme Ausgrenzung. Juden in der DDR, Deutschlandfunk Kultur, 6. November 2009
  9. Antisemitismus in Deutschland, Anetta Kahane im Interview mit Gerald Beyrodt, Deutschlandfunk, 9. November 2017
  10. a b Rupert Strachwitz, Florian Mercker: Stiftungen in Theorie, Recht und Praxis: Handbuch für ein modernes Stiftungswesen, Duncker & Humblot, 2005, ISBN 978-3428116805, S. 1135
  11. ("...enorm viel Verständnis auch für die Deutschen", Interview mit der neuen Ostberliner Ausländerbeauftragten Anetta Kahane / Ihre Zielrichtung: "Inländer müssen begleitet werden, weil sie keine Erfahrung haben, was es heißt, mit Ausländern zusammenzuleben" / Schlechte Startbedingungen, taz, 10. Mai 1990, ddr89.de)
  12. Arbeitgeber stellt sich hinter Anetta Kahane, Der Tagesspiegel, 12. Oktober 2002
  13. a b c d Helmut Müller-Enbergs: Zusammenfassende gutachterliche Stellungnahme zu Frau Anetta Kahane und die DDR-Staatssicherheit (PDF, Amadeu Antonio Stiftung, 26. November 2014).
  14. Uwe Müller: Birthler-Behörde ließ Stasi-Spitzel einladen. In: Die Welt, 25. September 2007
  15. a b c d A. Kahane: Ich sehe was, was du nicht siehst. Rezensiert für H-Soz-Kult von Martin Jander, 3. November 2011
  16. Peter Schneider: Anetta Kahane und die Amadeu Antonio Stiftung. In: Peter Schneider: An der Schönheit kann's nicht liegen, München 2016, S. 232
  17. Anetta Kahane im Gespräch mit Jochen Kölsch. In: Bayerischer Rundfunk, alpha-Forum, 1. April 2014
  18. Britta Kollberg, Cordula Mäbert, Herbert Weber: „- dann hab' ich mir das Hitlerbärtchen abrasiert“: Exit – Ausstieg aus der rechtsextremen Szene. In: Rechtsextremismus, Jugendgewalt, Neue Medien, Band 2. Zentrum Demokratische Kultur, Klett Schulbuchverlag, 2002, ISBN 3120602027, S. 3–5
  19. Barbara Junge: John-Nachfolge: Kandidatin war Stasi-IM. In: Der Tagesspiegel, 9. Oktober 2002
  20. Klaus Peter Wallraven: Handbuch politische Bildung in den neuen Bundesländern, Wochenschau Verlag, 2003, ISBN 978-3879206278, S. 74
  21. Silke Kirschnik: Rechtsextremismus an Schulen. Was tun? Anregungen und Argumente für Lehrer/innen, in: Christoph Butterwegge, Georg Lohmann (Hrsg.): Jugend, Rechtsextremismus und Gewalt: Analyse und Argumente, Leske & Budrich, Opladen 2001, S. 147
  22. Michael Hammerbacher: Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit: Handlungsstrategien gegen eine rechtsextreme Jugendkultur und fremdenfeindliche Einstellungen. Diplomica, Hamburg 2015, ISBN 978-3-95934-688-7, S. 67 f.
  23. Sabine am Orde: Kandidatin wider Willen. In: taz vom 9. Oktober 2002. Online.
  24. Barbara Junge: John-Nachfolge: Kandidatin war Stasi-IM. In: Tagesspiegel online, 9. Oktober 2002.
  25. Kahane sagt ab. John-Nachfolge wieder offen. In: Tagesspiegel online, 11. Oktober 2002.
  26. Klaus Pokatzky: Anetta Kahane. Unbeirrbares Engagement gegen rechten Hass. In: Deutschlandradio Kultur, 6. Juni 2016
  27. Matthias Meisner: Angriffe gegen Amadeu-Antonio-Stiftung. Volle Kanne Hass, Der Tagesspiegel, 3. März 2018
  28. Hanna Spanhel: Wenn Helfer Opfer rechter Übergriffe werden, Süddeutsche Zeitung, 26. April 2016
  29. Anetta Kahane über Schuld und Sühne. „Holm ist da sehr ideologisch“, Taz, 2. April 2014
  30. Hanna Spanhel: Rechtsextremismus. Wenn Helfer Opfer rechter Übergriffe werden. In: Süddeutsche Zeitung, 26. April 2016
  31. Angriffe gegen Amadeu-Antonio-Stiftung: Volle Kanne Hass. In: Tagesspiegel, 3. August 2016
  32. Konrad Litschko: Drohungen im Netz, Kleber an der Tür, Taz, 25. April 2016
  33. Thorsten Hinz: Anetta Kahane. Die Zuträgerin. Junge Freiheit 36, 31. August 2007; referiert nach Britta Schellenberg: Die Rechtsextremismus-Debatte: Charakteristika, Konflikte und ihre Folgen. 2. Auflage, Springer VS, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-04176-2, S. 208 f. und Fn. 843
  34. Wolfram Wette: Franco A. und die anderen, Zeit Online, 12. Mai 2017
  35. Rbb, 25. April 2016: Hass-Kommentare im Netz – Amadeu-Antonio-Stiftung sieht sich Kampagne ausgesetzt@1@2Vorlage:Toter Link/www.rbb-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  36. Artikel von Anetta Kahane für die Berliner Zeitung
  37. Texte von Anetta Kahane für die Frankfurter Rundschau
  38. a b c Micha Brumlik: Iphigenie in der Uckermark, Taz (Archiv), 26. Juni 2004
  39. Viola Roggenkamp: Deutschstunde, Die Welt (Literarische Welt), Jg. 59, 3. April 2004, Nr. 80, S. 7
  40. Uwe Stolzmann: Was, Sie sind keine Ost-Frau? Neue Zürcher Zeitung, Nr. 239, Feuilleton, S. 45, 13. Oktober 2004
  41. Andreas Bock: Antifaschismus reicht nicht. Das Leben von Anetta Kahane in beiden Deutschlands, Süddeutsche Zeitung, Ressort Politisches Buch, 25. Oktober 2004, S. 18
  42. Anetta Kahane: Praxisangebote gegen Antisemitismus, Dossier Rechtsextremismus, Bundeszentrale für politische Bildung, 17. Januar 2007
  43. Antisemitismus-Experten geben Gründung von Netzwerk bekannt. In: haGalil, 26. Februar 2015
  44. Martin Krauss: „Einen anderen Akzent setzen“. Neues Netzwerk will Antisemitismus erforschen und bekämpfen. In: Jüdische Allgemeine, 5. März 2015
  45. Alice Lanzke: Netzwerk gegen Antisemitismus. »NEBA«-Gründungskonferenz entwickelt Forderungskatalog für Bundestagsabgeordnete, Jüdische Allgemeine, 3. Juli 2015
  46. Dundula Haage: Konferenz zum Antisemitismus. „Unbehagen am Jüdischen“, TAZ, 15. Dezember 2017
  47. Der Tagesspiegel, 19. März 2001
  48. Theodor Heuss Stiftung: Preisträger 1991
  49. Aufrechter Gang. Theodor-Heuss-Preis für Bürgerrechtler, Zeit Online, Die Zeit 12/1991 vom 15. März 1991
  50. Amory Burchard: Einsatz inmitten der braunen Flut. Anetta Kahane wird heute der Moses-Mendelssohn-Preis für ihr Engagement gegen Rechts verliehen, Der Tagesspiegel, 5. September 2002
  51. Norbert Madloch: Rechtsextremismus in der DDR und in den neuen Bundesländern. Auswahl–Bibliographie.