Böhmische Küche

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Das Nationalgericht: Schweinebraten mit Knödel und Kraut (vepřo-knedlo-zelo)

Die Böhmische Küche, also die Küche des westlichen Landesteils des heutigen Tschechien, ist vor allem mit der österreichischen Küche und der ungarischen Küche, aber auch mit den Küchen Süddeutschlands, Sachsens und Schlesiens verwandt. Die Küche Böhmens wurde – so wie anderswo auch – wesentlich von der Geographie und dem Klima des Landes beeinflusst. Im fruchtbaren Böhmen, das zudem von einem Mittelgebirgskranz eingeschlossen ist, war das Angebot an Feldfrüchten, Obst, Gemüse, Beeren, Pilzen, Fischen und Wild schon immer vielfältig. Die Landwirtschaft lieferte ausreichend Getreide und Fleisch, vorwiegend von Schwein und Rind. Dementsprechend üppig entwickelte sich auch der Speisezettel der böhmischen Küche. Einer Sage nach soll der Urvater Čech über Böhmen gesagt haben, es sei ein Land, in dem Milch und Honig flössen.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den Hauptgerichten dominieren Fleischgerichte, insbesondere aus Schweinefleisch; Lamm und Fisch sind seltener anzutreffen. Geschmacklich unterscheiden sie sich von der deutschen Küche vor allem durch verstärkten Einsatz von Salz und Knoblauch; weitere Hauptgewürze sind Kümmel, Liebstöckel, Piment und Majoran. Zu Fleischgerichten mit Saucen werden als Beilage überwiegend Böhmische Knödel, zu Gerichten mit Bratensaft Kartoffeln oder Kartoffelpüree serviert. Im Bereich der Teigwaren sind nur Bandnudeln (tschechisch nudle) mit Ei üblich, die jedoch mit Vorliebe auch quadratisch geschnitten werden und dann Fleckerl (fleky) heißen.

Wie in kaum einer anderen Nationalküche wird in Böhmen nur sehr spärlich Gemüse eingesetzt. Viele der typischen Gerichte besitzen normalerweise überhaupt keine Gemüsebeilage. Am häufigsten ist als gemüseähnliche Beilage Sauerkraut anzutreffen oder frisch gekochtes Weiß- oder Rotkraut.

Salate als Beilage sind meistens schlicht, oft nur mit Essigwasser angerichtet, oft gesüßt. Tomatensalat wird mit Zwiebelwürfeln garniert. Kartoffelsalat ist ein wesentlicher Bestandteil der Böhmischen Küche und ist in zwei Varianten üblich: als Vollversion mit Mayonnaise, (Fleisch-)Wurst, gekochten Eiern, Gewürzgurken, Karotten, Erbsen, Zwiebeln, oder als einfache Beilage, nur mit Zwiebeln und angemacht mit Essig und Öl. Oft werden Speck- oder Apfelwürfel hinzugegeben. Die regionalen Unterschiede sind oft beträchtlich.

Süßspeisen sind vielfältig, die „böhmischen Mehlspeisen“ hatten großen Einfluss auf die österreichische Küche. Viel verwendet werden Mohn und Powidl (Pflaumenmus). An Obst gedeihen vor allem in wärmeren Landstrichen außer den üblichen Obstsorten auch Pfirsiche und Marillen und werden oft auch in Gerichten verwendet.

Weihnachtskarpfen werden lebend gekauft und bis zur Zubereitung in die Badewanne gesetzt

Auch der böhmische Karpfen ist berühmt und wird viel ins Ausland exportiert. In Tschechien wird er als Weihnachtskarpfen typischerweise am Heiligen Abend gegessen.

Die tschechische Bevölkerung Böhmens und die Deutschböhmen unterschieden sich in der Art des Kochens und in der Vielfalt der Rezepte nicht. Als nach 1945 die sudetendeutsche Bevölkerung aus Böhmen und Mähren vertrieben wurde, brachten die Flüchtlinge, von denen sich viele in Bayern ansiedelten, auch die Rezepte der böhmischen Küche mit. Sie fanden in die ohnehin nah verwandte bayerische Küche Eingang.

Suppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grießnockerlsuppe

Im tschechischen Volksmund gibt es einen Spruch: "polívka je grunt, maso je spunt" was frei so viel bedeutet wie „eine Suppe ist die Grundlage, Fleisch ist der Abschluss“ (einer Mahlzeit). Dies zeugt von dem Stellenwert der Suppe in der Böhmischen Küche. Suppen werden üblicherweise in einer Tasse zum Gast gebracht und am Tisch in Suppenteller gefüllt, wobei Einlagen auch separat hinzugegeben werden.

Auswahl beliebter Suppen:[1]

  • Gulaschsuppe (Gulášová polévka): Wie Gulasch zubereitet, nur flüssiger und mit Kartoffeleinlage, oft mit Paprika und Kümmel gewürzt, entspricht der österreichischen Gulaschsuppe
  • Grießnockerlsuppe (Polévka s krupičkovými knedličky): die Nockerl sind härter und nicht so locker wie in Österreich üblich
  • Kartoffelsuppe (Bramborová): die Suppe ist sämig, wird mit Mehlschwitze angedickt. Typischer geschmacksbestimmender Bestandteil ist Liebstöckel
  • Graupensuppe (krupová polévka): eine Variation der Kartoffelsuppe mit weichgekochten Graupen. Lokal häufig mit Pilzen verfeinert
  • Knoblauchsuppe (Česnečka): meist klare Brühe von gekochten Kartoffeln mit Kümmel, die mit reichlich geriebenem Knoblauch angereichert, aber nicht mehr gekocht wird. Geröstete Weißbrotwürfel werden im Suppenteller angerichtet und erst beim Gast mit der Brühe übergossen
  • Krkonošské kyselo, dt.: Riesengebirgs-Sauersuppe, auch als Isersauersuppe bekannt: Pilzsuppe mit etwas Kohl und Essig
  • Kuttelsuppe (Dršťková polévka)
  • Krautsuppe (zelná polévka/zelňačka): Krautsuppe, kann mit weiteren Zutaten wie Schinken verfeinert werden.

Hauptspeisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Svíčková na smetaně
Gefüllte Kartoffelknödel
Španělští ptáčci, böhmische Rinderrouladen-Variante
Kartoffelpuffer mit Käse und Schinken (bramboráčky se sýrem a šunkou)
panierter Käse - smažený sýr

Schweinsbraten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweinsbraten (vepřová pečeně) bildet die Grundlage für das tschechische Nationalgericht schlechthin: vepřo-knedlo-zelo also „Schweinefleisch-Knödel-Kraut“. Das eher fettere Fleisch mit Schwarte wird oft mit Knoblauch eingerieben. Beilage sind Böhmische Knödel und Sauerkraut oder frisch gekochtes Kraut, oft mit Speckwürfeln und Kümmel.

Lendenbraten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lendenbraten auf Rahm (svíčková na smetaně) gilt als das besondere, spezifisch böhmische Gericht. Es wird mit einer sämigen Sahnesauce gereicht, die mit passiertem Gemüse angereichert ist und mit Preiselbeer, Zitrone und Böhmischen Knödeln serviert.

Böhmische Knödel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den vielen in Tschechien üblichen Knödelsorten (knedlíky), sind die böhmischen Semmelknödel (siehe Böhmische Knödel) die bekanntesten.

Sie werden in länglicher Laibform gekocht und in Scheiben geschnitten, falls von Hand, dann vornehmlich mittels Zwirn. Der Mehlteig ist heute in der Regel ohne Hefe, soll aber leicht angebratene Semmelwürfel enthalten.

Weitere typische Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gulasch (guláš) (ungarisches "Pörkölt")
    • Szegediner Gulasch (segedínský guláš) (deutsch: Krautfleisch) ist ursprünglich ein Gericht der Wiener Küche.
    • Lebergulasch (játrový guláš): häufig gemischte Lebersorten oder nur Geflügelleber, mit Knoblauch und Kümmel gewürzt. Serviert mit Reis, Nudeln, Kartoffelknödeln oder Weißbrot.
    • Wurstgulasch (buřtguláš): gulaschartiger Eintopf mit Wurststücken und Kartoffeln statt dem Fleisch, serviert mit Znaimer Gurken und Bier.
  • Hackbraten; Frikadellen (sekaná; karbanátky): Zubereitung wie in Deutschland. Serviert mit Salat, Kartoffelpüree, etc.
  • Panierter Weihnachtskarpfen: Typisches Gericht am Heiligen Abend. Wird mit Kartoffelsalat gegessen.
  • Risotto (risoto): in der böhmische Küche wird das fertige Risotto zusätzlich mit Käse überbacken. Der Reis wird häufig separat gekocht.
  • Letscho (lečo)
  • Saure Steinpilze: Mit böhmischen Knödeln als Beilage gereicht.
  • Prager Schinken (pražská šunka), ein böhmischer Kochschinken, der traditionell warm gegessen wird.
  • Brimsenspätzle (bryndzové halušky): Gekochte Kartoffelnocken mit Brimsen, übernommen aus der slowakischen Küche.
  • Tschechische Rinderrouladen (Španělští ptáčci, kurz ptáčci, wörtlich: Spanische Vögelchen) kleinere Rinderrouladen, die mit Speck, Würstchen, Essiggurke und Ei gefüllt sind. Als Beilage werden Knödel oder Reis gereicht.
  • Gefüllte Paprika in Tomatensauce, die Sauce (rajská omáčka) wird aus Butter-Zwiebel-Mehlschmelze, Piment, Nelken, ganzen Pfefferkörnern, Lorbeer und Tomatenmark zubereitet. Traditionell werden die Paprika mit Hackfleisch gefüllt und in der Sauce gar gekocht oder separat im Ofen gebacken. Serviert werden böhmische Knödel oder Reis.
  • Schinkenfleckerl (šunkofleky).
  • Nudeln mit Spinat und Spiegelei.
  • Panierter und gebratener Käse (Smažený sýr) ist ein in der Tschechischen Republik oft anzutreffendes Gericht, gehört aber nicht zur altböhmischen Küche – seine weite Verbreitung verdankt es der erheblichen Preisdifferenz zwischen Fleisch und Käse in den Zeiten der Planwirtschaft. Dabei handelt es sich um ein Käseschnitzel, das gefüllt oder ungefüllt angeboten wird. Pro Person werden 100 bis 150 Gramm Käse gerechnet. Man verwendet für die Käseschnitzel 1 bis 2 Zentimeter dicke Scheiben von Schnittkäse (vorzugsweise Edamer) oder ganze Camembert-Laibe. Als Füllung wird manchmal Prager Schinken verwendet. Panierter Käse wird mit Sauce tartare (tatarka) serviert. Als Beilage werden Salzkartoffeln oder Pommes frites gereicht.
  • Pufferbsen (pučálka): Vorgekeimte und gepuffte Erbsen.
  • Kartoffelpuffer (bramborák), traditionell ein deftiges Gericht, das nicht mit Apfelmus serviert wird. Rohe Kartoffeln werden entweder grob oder fein gerieben mit Knoblauch, Majoran, Salz, Ei und Mehl vermischt. Regional unterscheidet sich die Größe und die Dicke der in einer Pfanne mit Schmalz oder Öl ausgebratenen Bratlinge. Regional mit Schinken und Käse verfeinert.

Süßspeisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buchteln (buchty)
Tschechische Mohnkolatschen
Böhmische Liwanzen
  • Zwetschgenknödel (švestkové knedlíky) und Marillenknödel (meruňkové knedlíky): Knödel aus Mehl-, Kartoffel- oder Topfenteig, die man mit Zwetschgen bzw. Aprikosen füllt und in gesalzenem Wasser kocht. Beim Servieren werden sie mit geriebenem Quark, Mohn und Puderzucker bestreut und mit brauner Butter beträufelt. Daneben gibt es noch weitere Arten von Obstknödeln, etwa mit Erdbeeren.
  • Powidlknödel (povidlové knedlíky): ähnlich wie österreichische Germknödel, aber kleiner. Eine Portion besteht aus mehreren Knödeln.
  • Powidldatschgerl (povidlové taštičky): Mit Powidl gefüllte Teigtaschen.
  • Buchteln (buchty): Teigstücke mit Powidl- oder Mohnfüllung, in einem Bräter zu zwölf oder mehr Stück gebacken. Kleine Buchteln (buchtičky) sind ungefüllt und werden mit Vanillesauce übergossen gegessen, vergleichbar mit Dampfnudeln.
    • Powidl-Füllung: Powidl nach Belieben mit Zitronenschale, Zimt, Rum sowie Zucker nach Bedarf abgeschmeckt und mit geriebenem Pfefferkuchen gebunden. Als Füllung für Mehlspeisen.
    • Mohn-Füllung: Gemahlener Mohn wird mit Milch und Zucker eine Viertelstunde gekocht. In die ausgekühlte Masse werden Zucker, Vanille, Mandeln und Gewürznelken gerührt; anschließend wird die Füllung mit Pfefferkuchen- oder Löffelbisquitbröseln gebunden. Als Füllung für Mehlspeisen.
    • Quark-Füllung: meistens mit Zitronenschale, Vanille, Rum-Rosinen und Zucker. Weitere typische Mehlspeisenfüllung
  • Kolatschen (Allgemein koláče, regional české koláče bzw. moravské koláče): Runde Teigstücke aus Hefeteig, in der Mitte mit Quark, Powidl, Mohn oder Obststücken, einzeln auf einem Blech gebacken. Nicht zu verwechseln mit der österreichischen Kolatsche, die aber in Tschechien auch üblich sind.
  • Dalken (Vdolky) sind eine aus Hefeteig ausgebackene Mehlspeise, die mit Powidl oder Marmelade, sowie mit steifer Sahne bestrichen werden.
  • Liwanzen (lívance) sind den Dalken ähnlich, haben aber in der Regel einen größeren Durchmesser. Man bestreicht sie entweder mit Powidl oder Marmelade oder bestreut sie mit einer Mischung aus gemahlenem Mohn, Zucker und Zimt. Zusätzlich können sie mit Schmand verziert werden.
  • Palatschinken (palačinky): Dünne Eierpfannkuchen, wenn auch dicker und nicht so trocken wie französische Crêpes, traditionell mit Aprikosen- oder teils auch anderer Marmelade bestrichen, gerollt und mit Puderzucker bestreut. In auf Touristen ausgerichteten Restaurants werden sie häufig (in Anlehnung an die ungarischen Gundel-palacsinta) mit geraspelten Nüssen oder Mandeln, teilweise auch mit Schlagsahne und Eis serviert und zusätzlich mit Schokoladensauce übergossen.
  • Windbeutel mit Karamellcreme-Füllung (karamelové větrníky): Kleine Kringel aus Brandteig, meist mit einer Karamellcreme gefüllt
  • Kartoffelsterz-Nocken (škubánky): Laibchen aus einem Gemisch aus gekochten Kartoffeln, Mehl, Schweineschmalz, serviert mit Mohn und Zucker oder nachher in einer Pfanne golden gebraten und gesalzen.
  • Scheiterhaufen (žemlovka oder zemlbába; auch bekannt als Semmelbaba; von bába = Großmutter, altes Weib): In einem Bräter oder einer Auflaufform werden Scheiben von älteren Brötchen (Semmeln) und Äpfeln, sowie Zucker, Zimt, Rosinen und Mandeln geschichtet und mit einem Milch-Eier-Gemisch (oder nur Eigelb) durchtränkt. Am Ende des Backvorgangs in einem Backofen wird eine Eischneehaube über die Masse gelegt und kurz überbacken. Einzelne herausgeschnittene Portionen werden mit Puder - oder Vanillezucker bestreut. Es sind auch regionale salzige Varianten bekannt, die statt Äpfeln und süßen Zutaten Gemüse und/oder Wurstwürfel verwenden.
  • Mohnnudeln (makové nudle): gekochte Bandnudeln werden in gemahlenen Mohn, Butter und Puderzucker geschwenkt.

Kalte Speisen, Imbiss, Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

sauer eingelegte Wurst - Utopenci
Eingelegter Hermelin
  • Geröstetes Brot (topinky) wird (meistens aus altbackenem Brot) in Scheiben geschnitten, in der Pfanne gebraten und ausschließlich gesalzen und nach Geschmack mit Knoblauch bestrichen. In Gaststätten werden topinky oft als Beilage angeboten oder mit Tatar als Snack gereicht. Eine Variation sind die vaječné topinky in Ei - ähnlich der "Armen Ritter".
  • Belegte kleine Brotscheiben (obložené chlebíčky): Diese großen, Canapés vergleichbaren Schnittchen sind als Zwischenmahlzeit und als Hauptmahl bei Partys, gesellschaftlichen Gelegenheiten und am familiären Silvesterabend sehr beliebt. Aus Weißbrotstangen werden schräg etwa 1 bis 2 Zentimeter dicke Scheiben so geschnitten, dass sie eine Länge von 10 Zentimetern oder mehr haben. In der Regel werden sie zuerst mit Butter oder Margarine bestrichen oder mit einem anderen (nicht süßen) Aufstrich versehen. Darauf werden dann diverse Leckereien aufgelegt und appetitlich arrangiert. Als Belag sind unter anderem üblich: Fleischsalat, Scheibchen von Bierschinken oder ungarischer Salami, Scheiben oder Viertel von hart gekochtem Ei, ein Stückchen Fisch (Ölsardine, Hering), kunstvoll angeschnittene Stückchen von Gewürzgurken. Manchmal reicht schon der dicke Aufstrich, beispielsweise aus Frischkäse, Tatar oder zubereiteter Masse aus krebsartigem Fleisch und Remoulade. Der letztere Aufstrich errang große Beliebtheit, als hervorragendes und in den 1950er und 1960er Jahren auch preisgünstiges russisches Krabbenfleisch in Dosen importiert wurde; heute (nach 1990) werden für den Aufstrich tiefgefrorene Shrimps verwendet. Obligatorisch liegt auf allen Arten der belegten Schnitten ein Zweiglein Petersilie obenauf.
  • Utopenci („Ertrunkene“): Typisches Kneipenessen, werden aber gerne auch zu Hause zubereitet. Dazu werden Špekáčky (kurze Bockwürste, traditionell mit Speck angereichert) ganz, angeschnitten oder in Scheiben in einer Essiglösung, in Gurkenwasser oder in einer ähnlichen Lösung mit Zwiebeln, Paprika, Gurken oder anderem Gemüse, Senfkörnern, Piment und Lorbeerblättern einige Tage kaltgestellt. Der Sud kann kalt oder heiß angesetzt werden – heiß säuern die Würste schneller.
  • Nakládaný hermelín (Eingelegter Hermelínkäse): in Öl eingelegter Camembert, mit Zwiebeln, Paprika oder Preiselbeeren und Gebäck serviert
  • Olmützer Quargel (olomoucké tvarůžky, syrečky oder tvargle): Ein Sauermilchkäse ähnlich dem Handkäse, aber mit kräftigerem Geschmack und wesentlich strengerem Duft.
  • Znaimer Gurken (znojemské okurky): kleine Gewürzgurken aus der Gegend des südmährischen Znojmo (Znaim).

Getränke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige bekannte böhmische Biere

Das tschechische Bier ist weltbekannt und hat eine lange Brautradition. Die Pilsner Brauart hat sich weit über Tschechien hinaus verbreitet. International bekannte Marken sind zum Beispiel Pilsner Urquell, Budweiser, Velkopopovický Kozel, Staropramen, Starobrno oder Březňák.

Die Tschechen sind Weltmeister im Biertrinken. So trinkt nach einer Statistik von 2014 ein Tscheche 144 Liter, ein Deutscher 107 Liter und ein Österreicher 104 Liter Bier im Jahr.[2] Vor 1990 gab es in Tschechien zahlreiche Brauereien. In der Folgezeit setzte ein Brauereisterben, doch dieser Trend hat sich mittlerweile wieder umgekehrt. Die Zahl der Brauereien wuchs von 66 im Jahr 2000 auf 163 im Jahr 2011 an, was vor allem auf einen Boom bei den lokalen Kleinbrauereien zurückzuführen ist.[3]

In Tschechien wird seit alters her Weinbau betrieben. Das größte Weinbaugebiet liegt in Südmähren. Auch in der Gegend um Litoměřice und Mělník in Mittelböhmen wird Wein angebaut. Dies hat vielerorts die Architektur geprägt: hinter unscheinbaren Häuser befinden sich Eingänge in große Weinkeller.

Kaffee: Wird oft als Turek („Türke“) zubereitet; dazu wird ein Teelöffel sehr fein gemahlenen Kaffees in ein Glas geschüttet und mit siedendem Wasser übergossen. Der Kaffee wird nach Bedarf gesüßt, umgerührt und nach dem Absetzen getrunken. Der Kaffeesatz bleibt übrig.

Typische Getränke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pilsner Urquell („Plzeňský Prazdroj“): Bier nach Pilsner Brauart.
  • Budweiser Budvar („Budějovický Budvar“): Budweiser Bier.
  • Mattoni (Mineralwasser): Bekanntes Mineralwasser aus Karlsbad
  • Borovička: Wacholdergeist mit Kräutern.
  • Slivovice: Traditionell aus Zwetschgen, Nationalgetränk im östlichen Mähren.
  • Jabkovice: Wie Slivovice, jedoch aus Äpfeln.
  • Becherovka: Karlsbader Kräuterlikör mit bittersüßen Geschmack. Das Originalrezept von Josef Becher, dem Vater des Johann Becher, stammt aus dem Jahr 1807.
  • Stará myslivecká („Alter Jägerschnaps“): ein nicht gesüßter Kräuterschnaps.
  • Kofola ist ein Colagetränk aus Tschechien.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Magdaléna Dobromila Rettigová, Georg J. Morava (Redakteur), Mikoláš Aleš (Illustrator): Altböhmische Kochkunst. Das Beste aus dem kulinarischen Gesamtwerk der Magdaléna Dobromila Rettigová. Edition Loewenzahn, Innsbruck 2006, ISBN 978-3-7066-2356-8 (Die Autorin gilt in ihrer tschechischen Heimat als „Klassiker“).
  • Hana Rigo, So kocht man in Böhmen, Verlag Wilhelm Ennsthaler, Steyr, ISBN 3 85068 414 8 (Referenzwerk)
  • Jana Hrušová, Libuše Janačková: Von Liwanzen, Kolatschen und Budweiser Biersuppe. Was die böhmische Köchin Blažena ihrer Herrschaft auf den Tisch gebracht hat. CSI, Wiesbaden 1978, / Haedecke, Weil der Stadt 1982, ISBN 3-7750-0108-5. (Auf dem Cover steht irrtümlich "Libuša Janačeková".)
  • Juliana Fialová, Květoslava Stybliková: Die böhmische Küche, illustriert von Olga Davidová, S. Němec (Fotos), Antonín Chmel (Graphik), übersetzt von Ludvík Gregor, Artia, Prag / Vehling, Graz 1983.
  • Joza Břízová, Maryna Klimentová: Tschechische Küche, Práce, Prag / Verlag für die Frau, Leipzig 1982 / 1984 / 1985 / 1989, ISBN 978-3-7304-0018-0.
  • Ilse Froidl: Böhmische Spezialitäten. Über 300 Rezepte der weltberühmten böhmischen Küche, Heyne, München 1980, ISBN 3-453-40016-X.
  • Ilse Froidl: Böhmische Küche, 18. Auflage, Aufstieg, Landshut 2002, ISBN 3-7612-0034-X.
  • Michael Korth, Eva Lechner: Schwejks Böhmisches Kochbuch. Eichborn, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-8218-3728-4.
  • Peter Ploog (Hrsg.): Böhmische Küche. Komet, Köln 2006, ISBN 978-3-89836-427-0.
  • Harald Salfellner: Die besten böhmischen Rezepte. Vitalis, 2011, ISBN 978-3-89919-100-4.
  • Georg R. Schroubek, Petr Lozoviuk: Studien zur böhmischen Volkskunde, Waxmann, Münster 2008, ISBN 978-3-8309-1879-0.
  • Klaus Teuber: Alte böhmische Küche. Area, Erftstadt 2005, ISBN 978-3-89996-173-7.
  • Gotthard B. Schicker: Kulturgeschichte der Gastronomie im sächsischen und böhmischen Erzgebirge (Wissenschaftliche Projektstudie/Ziel-3-Projekt Erzgebirge/Krušnohoří kulinarisch erleben), 135 Seiten, Wirtschaftsförderung Erzgebirge, Annaberg-Buchholz, Dezember 2013

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hana Rigo: So kocht man in Böhmen; Ennsthaler Verlag Steyr, 4. Auflage 1999; ISBN 3 85068 414 8
  2. Prokopfverbrauch an Bier in Europa
  3. Verband der tschechischen Brauereien und Mälzereien (tschechisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]