Beziehungsweise New York

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Film
Titel Beziehungsweise New York
Originaltitel Casse-tête chinois
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Englisch, Französisch, Chinesisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 117 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Cédric Klapisch
Drehbuch Cédric Klapisch
Produktion Cédric Klapisch,
Bruno Levy
Musik Loïk Dury,
Christophe Minck
Kamera Natasha Braier
Schnitt Anne-Sophie Bion
Besetzung
Synchronisation
Chronologie

Beziehungsweise New York (Originaltitel: Casse-tête chinois) ist ein französischer Spielfilm aus dem Jahr 2013 und letzter Teil einer Trilogie über eine Gruppe ehemaliger Erasmus-Studenten, bei dem Cédric Klapisch wie bereits bei den beiden ersten Teilen L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr und L’auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg die Regie führte.

Handlung

Dem mittlerweile 39-jährigen Xavier fällt es noch immer schwer, erwachsen zu werden und seinen Platz im Leben zu finden. Seine schriftstellerische Karriere kommt nicht voran. Mit Wendy, die er als Erasmus-Student und Bewohner einer Wohngemeinschaft in Barcelona einst kennengelernt hatte, hat er inzwischen zwei Kinder. Als Wendy ihn verlässt und mit den Kindern nach New York zieht, entschließt er sich, ihnen dorthin zu folgen, weil er nicht will, dass seine Kinder ohne ihn aufwachsen. Während Wendy mit ihrem neuen Partner, einem Amerikaner namens John, in Manhattan in einem luxuriösen Apartment mit Blick auf den Central Park wohnt, kommt Xavier zunächst bei seiner lesbischen Freundin Isabelle und deren Lebensgefährtin Ju in Brooklyn unter. Isabelle, die inzwischen an der Wall Street arbeitet und mit Ju unbedingt ein Kind wollte, hatte Xavier zuvor um eine Samenspende gebeten. Xavier hatte eingewilligt und Isabelle trägt nun das Kind aus.

Die Suche nach einer eigenen Wohnung, die er braucht, um seine Kinder bei sich übernachten zu lassen, gestaltet sich für Xavier schwierig. Durch Jus Hilfe findet er schließlich in Chinatown eine neue Bleibe: sie vermietet ihm ihre alte Wohnung, die ihr immer noch gehört. Um eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu erhalten, entschließt er sich auf den Rat seines Anwalts und nach der einvernehmlichen Scheidung von Wendy, eine Scheinehe mit der chinesischen Amerikanerin Nancy einzugehen, deren Verwandten er während einer Taxifahrt vor einem gewalttätigen LKW-Fahrer gerettet hat.

Als Xavier seine erste Liebe und frühere Freundin Martine wiedertrifft, die sich auf einer Geschäftsreise in New York befindet und ihn später mit ihren beiden Kindern während der französischen Schulferien besucht, flammen alte Gefühle wieder auf und sie landen zusammen im Bett. Wie der Titel seines Buches, an dem er gerade schreibt, gleicht sein Leben einem komplizierten Puzzle, das sich nur schwer zusammensetzen lässt. Visionen von Arthur Schopenhauer und Georg Wilhelm Friedrich Hegel begleiten ihn auf seinem Weg.

Als Xavier erfährt, dass die Einwanderungsbehörde ihm und Nancy kurzfristig einen Kontrollbesuch abstatten will, während Isabelle sein Apartment nutzt, um mit ihrer Babysitterin, die ebenfalls Isabelle heißt, fremdzugehen, gelingt es Xavier nur mit knapper Not, schneller als Ju, die ihn über den Besuch der Einwanderungsbehörde in Kenntnis gesetzt hat, in seinem Apartment einzutreffen und zu verhindern, dass Ju Isabelle beim Fremdgehen erwischt. Auch die Kontrolleure der Einwanderungsbehörde kann er mit der ebenfalls eingetroffenen Nancy täuschen und so die Fassade der Scheinehe weiter aufrechterhalten.

Martine macht sich schließlich daran, mit ihren Kindern nach Paris zurückzukehren. Xavier eilt zu ihrem Bus und bittet Martine, zu bleiben und mit ihm zusammenzuleben. Bei einer Straßenparade in Chinatown laufen sie später, wie auch Isabelle und Ju, glücklich zusammen mit ihren Kindern die Straße entlang.

Hintergrund

Der dritte und letzte Teil von Cédric Klapischs fiktiver Langzeitstudie über eine Gruppe junger Europäer, die sich in Barcelona als Erasmus-Studenten kennengelernt und in einer Wohngemeinschaft zusammengelebt hatte, beschränkte sich diesmal auf die von Romain Duris, Audrey Tautou, Cécile de France und Kelly Reilly gespielten Figuren. Die im ersten Teil (Barcelona für ein Jahr) von Barnaby Metschurat, Cristina Brondo, Kevin Bishop, Federico D’Anna und Christian Pagh gespielten WG-Bewohner wurden im Gegensatz zum zweiten Teil (Wiedersehen in St. Petersburg) nicht erneut in die Handlung integriert.

Chinatown in Manhattan, ein Drehort des Films

Die Dreharbeiten fanden 2012 in Paris und New York City statt. Drehorte in New York waren unter anderem Manhattans Chinatown und die Brooklyn Bridge. Für das Szenenbild waren Roshelle Berliner (New York) und Marie Cheminal (Paris) zuständig. Das Kostümbild gestaltete Anne Schotte. Das Budget des Films lag mit rund 17,3 Millionen Euro[3] deutlich höher als die Budgets der beiden Vorgänger, deren Produktionen fünf bzw. rund 10,7 Millionen Euro gekostet hatten.[4][5]

Beziehungsweise New York wurde am 23. August 2013 auf dem Festival du film francophone d’Angoulême vorgestellt und lief daraufhin auch auf anderen Festivals wie dem London Film Festival oder der Französischen Filmwoche in Berlin. In Frankreich lief der Film am 4. Dezember 2013 an, wo ihn mehr als 1,5 Millionen Zuschauer sahen.[3] Die beiden ersten Teile hatten jeweils knapp drei Millionen Zuschauer in die französischen Kinos gelockt.[4][5] Am 20. März 2014 kam der letzte Teil der Klapisch-Trilogie in die Kinos der deutschsprachigen Schweiz. Der deutsche Kinostart folgte am 1. Mai 2014, der österreichische einen Tag darauf. Weltweit konnte Beziehungsweise New York mit mehr als 15,7 Millionen Dollar deutlich weniger als die beiden ersten Teile (31[4] bzw. 23,7 Millionen[5]) an den Kinokassen einspielen.[3] Am 1. September 2014 erschien der Film auf DVD und Blu-ray.[6]

Kritiken

Martin Schwickert von der Zeit bezeichnete Beziehungsweise New York als „ein rundum erfreuliches Wiedersehen mit vertrauten Charakteren“. Verglichen mit Richard Linklaters „Before“-Trilogie gehe es hier weniger um eine Beziehungsanalyse, als um „das freie Fluten der Gefühle“. So seien „Klapischs grundsympathische Figuren […] auch nach zwölf Jahren quicklebendig und […] in ihrer Wankelmütigkeit immer noch sehr glaubwürdig“. Gelungen sei dabei auch „das Porträt einer kosmopolitischen Generation“, für die die globalisierte Welt und der interkulturelle Austausch selbstverständlich geworden seien. Es sei bedauerlich, dass es keine weitere Fortsetzung geben werde, da man so nicht weiter mit den Figuren „gemeinsam alt werden“ könne.[7]

Moritz Piehler vom Spiegel bewertete es positiv, dass die Erwartungshaltung an den Film seitens des Publikums einzig darin bestehe, „in eigenen Erinnerungen zu schwelgen“. Regisseur Cédric Klapisch und sein häufiger Hauptdarsteller Romain Duris seien bei ihrem siebten gemeinsamen Film „im charmanten Umsetzen leichter romantischer Komödien […] ziemlich unschlagbar“, weshalb diese Neuinterpretation einer altbekannten Geschichte statt zu nerven „schön leichtfüßig und nicht zu aufregend“ geworden sei.[8]

„Trotz inhaltlicher Mängel und formaler Wiederholungen unterhält der Film vor allem dank seiner guten Darsteller“, lautete das Urteil des Lexikon des internationalen Films.[6] Cinema sah wiederum „ein wahres Screwball-Feuerwerk“ in Klapischs Film, der „geradezu vor originellen Einfällen und visuellem Erfindungsreichtum [sprüht]“. Beispielhaft seien dabei etwa die während Xaviers Samenspende zum Leben erwachenden Pin-ups eines Männermagazins. Xaviers Bemühen, nach Hause eilend der Einwanderungsbehörde weiterhin falsche Tatsachen vorzuspiegeln und Isabelles Affäre nicht auffliegen zu lassen, sei zudem „ein Lehrbeispiel für perfekt getimte Situationskomik“. Klapisch habe die ereignisreiche Handlung des Films mit „souveräne[r] Leichtigkeit“ forciert, was sich auch auf die Darsteller ausgewirkt habe: „Ihr Kampf gegen das tägliche Chaos wirkt komisch und rührend zugleich.“ Am Ende des Films seien auch alle Protagonisten „ein bisschen beziehungsweiser als zuvor“. Entstanden sei „eine zauberhafte Beziehungskomödie voller Charme und Esprit“.[9]

Auch Wolfram Hannemann von den Stuttgarter Nachrichten hob die „komischen Einfäll[e]“, wie etwa die deutschen Philosophen Hegel und Schopenhauer als Xaviers imaginäre Ratgeber, und die „originellen gestalterischen Mitte[l]“ hervor, mit denen Klapischs Film „auf seinen höchst amüsanten und voller Lebensfreude steckenden Höhepunkt zu[steuert]“. Dank des „großartigen Ensemble[s]“ und der „stets perfekt ins Bild gerückten“ New Yorker Kulisse sei er ein „ideales Date-Movie für alle, die etwas mehr vom Kino erwarten“.[10]

„In all dem Gefühls-, Lebens- und Beziehungs-Chaos beherrscht Klapisch die Kunst, geradlinig klassisch zu erzählen, dabei aber so viele Ideen, Farben und filmische Spielchen einzubauen, dass Beziehungsweise New York elegant, lebensklug, witzig und intelligent zugleich ist“, lobte Adrian Prechtel in der Abendzeitung München. Porträtiert werde neben der Einwanderungsthematik dabei auch der kulturelle Kontrast zwischen Amerika und Europa.[11]

Auszeichnungen

Beziehungsweise New York war 2014 in der Kategorie Beste Filmmusik (Loïk Dury, Christophe Minck) für den César nominiert und lief im selben Jahr im Rennen um den Publikumspreis beim San Francisco International Film Festival.

Deutsche Fassung

Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Christa Kistner Synchronproduktion in Potsdam. Das Dialogbuch schrieb Kim Hasper, die Dialogregie führte Marius Clarén.[12]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Xavier Romain Duris Norman Matt
Martine Audrey Tautou Elisabeth von Koch
Isabelle Cécile de France Tanja Geke
Wendy Kelly Reilly Kaya Marie Möller
Xaviers Vater Benoît Jacquot Frank-Otto Schenk
Verleger Dominique Besnehard Dieter Memel
Monsieur Boubakeur Zinedine Soualem Michael Pan

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für Beziehungsweise New York. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Dezember 2013 (PDF; Prüf­nummer: 142 503 K).
  2. Alterskennzeichnung für Beziehungsweise New York. Jugendmedien­kommission.
  3. a b c Casse-tête chinois auf jpbox-office.com
  4. a b c L’Auberge espagnole auf jpbox-office.com
  5. a b c Les Poupées russes auf jpbox-office.com
  6. a b Beziehungsweise New York. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 15. September 2021.
  7. Martin Schwickert: Kosmopoliten im Chaos. In: Die Zeit, 28. April 2014.
  8. Moritz Piehler: Vierzig ist das neue Zwanzig. In: Der Spiegel, 1. Mai 2014.
  9. Beziehungsweise New York. In: cinema. Abgerufen am 15. September 2021.
  10. Wolfram Hannemann: Der Weg ist das Ziel. In: Stuttgarter Nachrichten, 30. April 2014.
  11. Adrian Prechtel: “Beziehungsweise New York” – Die AZ-Kritik. In: Abendzeitung München, 28. April 2014.
  12. Beziehungsweise New York. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 15. September 2021.