CHEOPS (Weltraumteleskop)

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CHEOPS
Typ: Weltraumteleskop
Betreiber: Europäische WeltraumorganisationESA ESA
COSPAR-ID: 2019-092B
Missionsdaten
Masse: 290 kg[1]
Größe: 2,6 m Höhe[1]
Start: 18. Dezember 2019, 08:54:20 UTC[2][3]
Startplatz: Centre Spatial Guyanais[2]
Trägerrakete: Sojus-ST-B/Fregat[2]
Flugdauer: 3,5 Jahre
Status: im Orbit
Bahndaten
Umlaufzeit: 98,8 Minuten[4]
Bahnneigung: 98,2°[5]
Apogäumshöhe ca. 710 km
Perigäumshöhe ca. 700 km

CHEOPS (für CHaracterising ExOPlanet Satellite) ist ein Weltraumteleskop der ESA mit dem Missionsziel, Exoplaneten in der näheren Umgebung der Erde zu charakterisieren und zu untersuchen. Es wird dafür etwa 400 Sterne[6] mit bereits bekannten Planetensystemen aus einer Erdumlaufbahn beobachten.

Der Satellit ist die erste einer möglichen Reihe sogenannter S-Klasse-Missionen, die innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit (von 4 Jahren) und mit beschränktem Budget realisiert werden sollen. Wie die ESA am 19. Oktober 2012 bekannt gab,[7] wurde die Mission aus insgesamt 26 Vorschlägen ausgewählt, die im Frühjahr des Jahres angefordert worden waren. Hauptpartner der ESA ist die Schweiz,[8] weitere Beiträge kommen aus zehn anderen Ländern.[5] Der Satellitenbus basiert auf dem AstroBus von Airbus.[1] Am 18. Dezember 2019 startete eine Sojus-Rakete mit dem Teleskop an Bord ins All.[9]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CHEOPS soll helle, aber wenig aktive Sterne mit bereits nachgewiesenen Exoplaneten in der Größe zwischen Supererde und Neptun mittels ultrapräziser Photometrie untersuchen. Die beobachteten Objekte wurden bereits vor der Mission gefunden, z. B. durch die RV-Methode oder bodengestützte Transitsuchen wie NGTS. Es wurde erwartet, dass NGTS ungefähr 50 Ziele mit weniger als sechs Erdradien Durchmesser für die Mission finden wird. Diese Sterne sind hell genug, um später Messungen der Radialgeschwindigkeiten in entsprechender Präzision zu ermöglichen. Das System soll bei Sternen der Magnitude V < 9 eine photometrische Genauigkeit von 20 ppm für 6 Stunden Zeitskalen erreichen und 85 ppm über 3 Stunden bei Magnitude V < 12. Im Gegensatz zu bisherigen Transit-(Such-)Missionen wird CHEOPS nicht primär nach weiteren Exoplaneten suchen, sondern bekannte Exoplaneten genauer untersuchen. Der Satellit konzentriert sich dabei auf die hellsten Sterne, bei denen sowohl präzise Planetenmassen (RV-Methode) als auch durch CHEOPS Planetenradien auf 10 % genau bestimmt werden können. Aus Masse und Durchmesser kann die Dichte berechnet werden, die wiederum Rückschluss über die Beschaffenheit des Exoplaneten ermöglicht. So lässt sich bestimmen, ob der Planet überwiegend aus Gestein, Eis oder Gas besteht. Dadurch kann CHEOPS auch bei der Auswahl von zu beobachtenden Planeten helfen, die später an teuren Großteleskopen wie dem JWST oder dem ELT genauer untersucht werden sollen.[6]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

CHEOPS soll durch hochpräzise Helligkeitsmessungen mit einem Teleskop von 32 cm Öffnung und 1,2 m Länge erwartete Passagen von Exoplaneten vor deren Zentralstern beobachten (Transitmethode) und daraus deren Größen, Massen und mögliche Atmosphären bestimmen. Diese Öffnung ist wesentlich größer als bei den Teleskopen, wie TESS oder Kepler, die auf die Suche nach extrasolaren Welten und nicht auf deren Untersuchung ausgelegt waren.[6] Damit das Bild des Sterns möglichst viele seiner CCD-Pixel bedeckt und die Untersuchung möglichst genau wird, wird das Teleskop bei seinen Untersuchungen unscharf eingestellt.[10]

Der etwa 290 kg schwere Satellit wird dazu in einen 700 km hohen sonnensynchronen Orbit (SSO) gebracht. CHEOPS soll die wissenschaftlichen Daten sowie Telemetrie und Steuerung im S-Band übertragen. Das Teleskop und insbesondere die Radiatoren, welche die Elektronik kühlen, werden im Weltraum beim Einsatz durch die Solarpanele und einen kleinen Sonnenschild vor der Sonnenwärme geschützt. Die Lebensdauer des Satelliten soll 3,5 Jahre betragen, der Start war für den 17. Dezember 2019 mit einer Sojus-Rakete vorgesehen,[11] musste aber kurzfristig abgesagt werden. Die Sojus-Rakete mit dem Weltraumteleskop startete am 18. Dezember 2019.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2008 planten Willy Benz und Didier Queloz eine Machbarkeitsstudie für einen Kleinsatelliten als neuen Forschungsschwerpunkt für den Schweizerischen Nationalfonds. Die Machbarkeitsstudie entstand 2010 ohne den Nationalfonds, aber mithilfe anderer Partner. Das Projekt schien infolgedessen gestorben, da ein Weltraumprojekt im Umfang von 100 Millionen Franken für die Schweiz alleine zu teuer war. Im Frühjahr 2012 schrieb die bis dahin nur größere Missionen unterstützende ESA erstmals eine Mission dieser Klasse aus. Die Berner Astronomen bildeten daraufhin ein Konsortium von 11 Nationen. 33 Millionen Franken steuerte die Schweiz bei und deren Industrie stellte die Struktur des Satelliten her. Die Optik stammt aus Italien, die Elektronik aus Deutschland. Im Oktober 2019 wurde der Satellit nach Tests auf den Europäischen Weltraumbahnhof gebracht,[12] von wo aus er schließlich am 18. Dezember 2019 gestartet wurde.

Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen März und Oktober 2015 veranstaltete die ESA einen Wettbewerb, bei dem Kinder Zeichnungen zum Thema Weltraum oder CHEOPS einreichen konnten. Von über 8000 Zeichnungen wurden 2748 ausgelost, die tausendfach verkleinert auf zwei Titanplatten an der Berner Fachhochschule in Burgdorf mittels Laser eingraviert wurden und mit CHEOPS ins All gestartet sind.[13][14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: CHEOPS – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c CHEOPS (CHaracterizing ExOPlanets Satellite). In: eoPortal.org. ESA, abgerufen am 7. April 2017 (englisch).
  2. a b c Launch Schedule. In: SpaceflightNow.com. Abgerufen am 17. Dezember 2019.
  3. a b Alois Feusi: Der Planetenspäher Cheops bleibt vorerst am Boden. In: nzz.ch. Neue Zürcher Zeitung, 17. Dezember 2019, abgerufen am 17. Dezember 2019.
  4. Ciprian Sufitchi: CHEOPS. 29. Dezember 2019, abgerufen am 29. August 2019 (englisch).
  5. a b Exoplanet mission gets ticket to ride. In: esa.int. ESA, 6. April 2017, abgerufen am 17. Dezember 2019 (englisch).
  6. a b c Alexander Stirn: Neues Weltraumteleskop. Die Vermessung der Exoplaneten. In: Spektrum.de. 18. Dezember 2019, abgerufen am 30. Dezember 2019.
  7. ESA Science Programme’s new small satellite will study super-Earths. In: esa.int. ESA, 19. Oktober 2012, abgerufen am 17. Dezember 2019 (englisch).
  8. Alois Feusi: «Cheops» ist bereit für die Erforschung fremder Welten. In: nzz.ch. Neue Zürcher Zeitung, 28. August 2018, abgerufen am 17. Dezember 2019.
  9. „Cheops“-Mission gestartet. Deutschlandfunk.de, 18. Dezember 2019.
  10. Tilmann Althaus: Exoplaneten. Mit Cheops ferne Welten erkunden. In: Spektrum.de. 24. Oktober 2012, abgerufen am 17. Dezember 2019.
  11. CHEOPS – CHaracterising ExOPlanet Satellite. In: sci.esa.int. European Space Agency, abgerufen am 17. Dezember 2019 (englisch).
  12. Dieser Schweizer Satellit hilft bei Suche nach ausserirdischem Leben. In: TagesAnzeiger.ch. 5. Dezember 2019, abgerufen am 17. Dezember 2019.
  13. CHEOPS Kinderzeichnungsaktion. In: cheops.unibe.ch. Universität Bern, abgerufen am 17. Dezember 2019.
  14. CHEOPS-Kinderzeichnungen sind eingraviert. In: cheops.unibe.ch. Universität Bern, abgerufen am 17. Dezember 2019.