Cvikov

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Cvikov
Wappen von Cvikov
Cvikov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Česká Lípa
Fläche: 4505,8554[1] ha
Geographische Lage: 50° 47′ N, 14° 38′ OKoordinaten: 50° 46′ 40″ N, 14° 37′ 52″ O
Höhe: 357 m n.m.
Einwohner: 4.427 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 471 54
Kfz-Kennzeichen: L
Verkehr
Bahnanschluss: Svor–Jablonné v Podještědí (eingestellt)
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 8
Verwaltung
Bürgermeister: Ivo Čeřovský (Stand: 2007)
Adresse: náměstí Osvobození 63
471 54 Cvikov
Gemeindenummer: 561479
Website: www.cvikov.cz
Lage von Cvikov im Bezirk Česká Lípa
Karte

Cvikov (deutsch Zwickau in Böhmen) ist eine Stadt des Okres Česká Lípa in der Region Liberec im Norden der Tschechischen Republik.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in Nordböhmen am Südrand des Landschaftsschutzgebietes Lausitzer Gebirge, etwa 10 km von der Grenze zu Sachsen entfernt und südwestlich von Zittau. Die Nachbarorte sind Nový Bor (Haida) im Westen und Jablonné v Podještědí (Deutsch Gabel) im Osten. Die Stadt am Boberský potok (Boberbach) wird überragt vom nordwestlich gelegenen Berg Klíč (Kleis, 760 m). Westlich liegt am Oberlauf des Dobranovský potok das Údolí samoty (Luzengrund).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.-Elisabeth-Kirche

Wie viele Ortschaften der Gegend entstand Zwickau an einer Handelsstraße, der Alten Leipaer Straße. Diese führte von Mittelböhmen nach Zittau. 1346 finden sich erste schriftliche Hinweise auf den Ort, in welchen von einer Steinbrücke und später, 1352, von einer Pfarrkirche die Rede ist. Eine Pfarrkirche wird auch 1384 und 1396 erwähnt.[3] Zur Stadt wurde Zwickau im Jahre 1391 erhoben.

Anfangs gehörte der Ort zur Herrschaft Milštejn (Mühlstein), wurde später aber der Herrschaft Reichstadt Zákupy zugeschlagen.

Im Dreißigjährigen Krieg kam es 1632 in der Stadt zu schweren Schäden. Das Rathaus und die Brauerei brannten völlig aus. 1680 wurde Zwickau von einer schweren Pestepidemie heimgesucht. In deren Folge brachen auf Grund erpresserischer Fronpflichten durch den Herrschaftsbesitzer von Zákupy, Julius Franz von Sachsen-Lauenburg, schwere Bauernaufstände aus. Ca. 1200 Aufständische aus 20 Dörfern kämpften um ihre Position auf dem Grünberg (Zelený vrch) nahe der Stadt gegen die übermächtigen Truppen des Generals Piccolomini. Nach zwei Tagen und Umzingelung des Berges durch die feindlichen Truppen gaben die Bauern auf.

1745 bestätigte Kaiserin Maria Theresia die Stadt-, Brau- und Marktrechte Zwickaus. 1775 kam es infolge einer Hungersnot und unerträglicher Fronarbeit erneut zu schweren Bauernaufständen. Auch diesmal endete der Aufstand ohne Erfolg.

1835 entstand das erste Krankenhaus der Stadt. 1850 wurde Zwickau Sitz des Bezirksgerichts; es entstanden Gendarmerie, Finanzwache sowie Steuer- und Katasteramt. 1886 erhielt Zwickau einen Eisenbahnanschluss; die Strecke Zwickau–Röhrsdorf (Svor) wurde eröffnet. 1905 eröffnete die Lokalbahn Röhrsdorf–Gabel. Um 1900 entwickelte sich Zwickau zur Industriestadt. Vor allem Produktionsstätten der Textil-, Farben- und Glasindustrie siedelten sich an.

Nach dem Münchner Abkommen gehörte Zwickau von 1938 bis 1945 zum Landkreis Deutsch Gabel, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung größtenteils enteignet und vertrieben. Die Stadt, die traditionell ein Zentrum der Glasindustrie war, entwickelte sich nach dem Krieg zusätzlich zum Zentrum einer Erholungsregion. Zwickau beherbergt auch ein überregional bekanntes Kindersanatorium für Atemwegserkrankungen.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Zwickau überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1830 3.558 in 516 Häusern[4][3]
1900 6.020 deutsche Einwohner[5]
1930 4.946 davon 331 Tschechen[6]
1939 4.299 [6]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[7]
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003
Einwohner 4 224 4 518 4 327 4 449 4 435

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St.Peter und Paul in Lindava (Lindenau)

Die Stadt Cvikov besteht aus den Ortsteilen[8]:

  • Cvikov I
  • Cvikov II mit Martinovo Údolí (Martinstal)
  • Drnovec (Kleingrün)
  • Lindava (Lindenau)
  • Naděje (Hoffnung) mit Hamr (Hammer)
  • Svitava (Zwitte)
  • Trávník (Glasert)
  • Záhořín (Sohr)

Grundsiedlungseinheiten sind Cvikov, Drnovec, Lindava, Naděje, Svitava und Trávník[9].

Kalvarienberg (Křížový vrch) im Nordosten der Stadt
Gebäude des stillgelegten Bahnhofs in Lindenau

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Cvikov, Drnovec, Lindava, Naděje, Svitava und Trávník u Cvikova[10].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Optatus Paul (1746–1819), 43. und letzter Abt des Klosters Neuzelle 1803–1817
  • Anton Günther (1783–1863), geboren in Lindenau, Philosoph und Theologe
  • Theodor Grohmann (1844–1919), Großindustrieller, Großgrundbesitzer, Handelskammerrat und Mäzen
  • Karl Kreibich (1883–1966), tschechoslowakischer Politiker, Herausgeber, Journalist, Schriftsteller, Diplomat
  • Franz Winkler (1890–1945), österreichischer Politiker, 1933 Vizekanzler, 1930–1932 Innenminister
  • Reinfried Pohl (1928–2014), Gründer der Deutsche Vermögensberatung AG
  • Heinrich Vogel (1932–1977), deutscher marxistischer Philosoph
  • Anton Horn (1940–2004), deutscher Mediziner

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cvikov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fläche auf uir.cz
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. a b Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 2: Bunzlauer Kreis, Prag 1834, S. 262–263, Ziffer 15).
  4. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 195, Ziffer 6) unten.
  5. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 20, Leipzig und Wien 1909, S. 1042, Ziffer 2).
  6. a b Verwaltungsgeschichte Landkreis Deutsch Gabel (M. Rademacher, 2006)
  7. Czeski Urząd Statystyczny
  8. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/561479/Obec-Cvikov
  9. http://www.uir.cz/zsj-obec/561479/Obec-Cvikov
  10. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/561479/Obec-Cvikov