Energiekrise

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Als Energiekrise wird eine Situation oder historische Phase bezeichnet, in der die vorhandenen Energiereserven nicht mehr in der Lage sind, den Bedarf ausreichend zu decken. Als mögliche Folgen werden signifikante Preissteigerungen für Energieträger, Rationierungen, der Zusammenbruch von Wertschöpfungsketten und Rezessionen genannt. Auch wirtschaftliche oder politische Effekte können zu starken Preissteigerungen führen, die sich dann mit den nahezu gleichen Symptomen zeigen und zumeist ebenfalls als Energiekrise bezeichnet werden, obwohl ihre Ursache nicht in der reinen Verfügbarkeit des Energieträgers liegt. Der Begriff der Energiekrise wurde Anfang der 1970er Jahre geprägt.

Fossile Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Endlichkeit der Lagerstätten ist die absehbare Erschöpfung fossiler Energieträger einer der Gründe, warum erneuerbare Energien derzeit vermehrt Interesse finden. Auch Energieeinsparungen, Effizienzsteigerungen sowie Suffizienz- und Resilienzmaßnahmen im Verbrauch fossiler Energieträger werden als mögliche Strategie zur Vermeidung einer Energiekrise diskutiert.

Theorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Tainter zufolge sinken – bedingt durch den Aufbau gesellschaftlicher Komplexität mit ihren hohen Kosten – die Grenzerträge der Investitionen in die Zukunft der Gesellschaft, darunter die Investitionen in die Erschließung von Energie, solange ab, bis die Gesellschaft kollabiert, ihre Komplexität reduziert oder neue Energieträger bzw. effizientere Formen des Umgangs mit Energie findet.[1]

Jeremy Rifkin betont den notwendigen Gleichklang des Ausbaus von gesellschaftlichen Kommunikations- und Steuerungsmitteln, Energiequellen und Transportmitteln (nicht zuletzt zum Transport der Energie selbst) auf jeder neuen Stufe wirtschaftlicher Entwicklung. Ein solcher Gleichklang war z. B. durch die Parallelität der Entwicklung von Telegraph, Kohlebergbau und Eisenbahn im England des frühen 19. Jahrhundert gegeben. Treten Engpässe bei einem dieser Faktoren auf, stocke die ökonomische Entwicklung. Um die mit hohen Investitionen geförderte Energiewende effizient durchzuführen, müssten intelligente Netzstrukturen geschaffen werden. Diesbezüglich konstatiert er einen Nachholbedarf für Deutschland.[2]

Historische Energiekrisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in früheren Zeiten kam es immer wieder zu Phasen des Brennstoffmangels, z. B. durch Abholzung von Wäldern.[3]

Holzkohlegewinnung, Türkei 2015

Die Gewinnung und Nutzung von Holzkohle war seit der Bronzezeit (eventuell schon seit dem Mesolithikum) bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Energiequelle. Der Wirkungsgrad war jedoch gemessen an der eingesetzten Holzmenge gering, da ein großer Teil des eingesetzten Holzes verbrannte, um den Verkohlungsprozess überhaupt starten zu können.

In England wurde durch den notorischen Holzmangel der Ausbau des Steinkohlebergbaus entscheidend vorangetrieben.[4] Werner Sombart bezeichnete den Holzmangel als Folge der Entwaldung Englands zu Schiffsbauzwecken im 18. Jahrhundert sogar als Bedrohung für die gesamte kapitalistische Wirtschaftsweise; sie sei durch die Erschließung der Steinkohle beseitigt worden.[5] Dieser Zuspitzung der These von der Holzknappheit zu einer allgemeinen Holzverknappungskrise wurde jedoch von Joachim Radkau widersprochen.[6] Auch in Deutschland gab es im frühindustriellen Zeitalter Phasen und Regionen der Holzknappheit in Hüttenbetrieben, die später durch Beimengung von Koks entschärft wurde.[7]

Die Ölkrise des Jahres 1973 war eine Folge der herabgesetzten Ölproduktion und des dadurch künstlich verknappten Angebots an Öl. Sie sollte daher besser als eine Ölpreiskrise bezeichnet werden, weil keine substantielle technische Verknappung des Ölangebotes vorlag. Allerdings war auch der Suezkanal als Transportweg zeitweise gesperrt.

Die Ölpreiskrise der Jahre 1979/1980 wurde durch den Krieg zwischen Irak und Iran verursacht, die zu Förderausfällen und Unsicherheiten bezüglich der zukünftigen Erdölversorgung führte.

Weitere Energiekrisen können beobachtet werden, die zunehmend substantiellen Charakter erhalten. Der Ausbau der Förderkapazitäten für Öl konnte die in den letzten Jahren stark gestiegenen Nachfrage z. B. durch China zwar ausgleichen, aber Reservekapazitäten sind immer knapper geworden. Besonders die Abschaltung von Ölförderanlagen im Golf von Mexiko im August/September 2005, die aufgrund des Hurricanes Katrina notwendig wurde, hat gezeigt, wie empfindlich Angebot und Nachfrage durch den Ausfall der Ölproduktion aus dem Gleichgewicht kommen. Folge war ein dramatischer Anstieg der Öl- und Produktenpreise.

Krisen der Energieversorgung treten aber auch bei Erdgas und Strom auf. Bei diesen Energiearten wird das Preisgefüge aufgrund der genauen Anpassung zwischen Angebot und Nachfrage ohne nennenswerte Reservekapazitäten durch politische Einflüsse oder Naturkatastrophen aus dem Gleichgewicht gebracht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert B. Laughlin: Der Letzte macht das Licht aus – Die Zukunft der Energie. Piper TB 30278, Piper Verlag, München 2013, ISBN 978-3-492-30278-4 (amerik. Originalausgabe: Powering the Future: How We Will (Eventually) Solve the Energy Crisis and Fuel the Civilization of Tomorrow. Basic Books, 2011). (R. B. Laughlin ist Physik-Nobelpreisträger.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Energiekrise – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph A. Tainter: Problem Solving: Complexity, History, Sustainability. In: Population and Environment: A Journal of Interdisciplinary Studies, Vol. 22, No. 1, September 2000.
  2. Rifkin's solution: Go beyond renewables. Interview mit Jeremy Rifkon auf handelsblatt.com, 11. Juli 2017.
  3. Jared Diamond breschreibt in Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen (Frankfurt 2014) den durch Abholzung von Palmwäldern entstandenen Holzmangel auf der Osterinsel als eine Ursache für den Untergang der Zivilisation dieser Insel.
  4. Ernst Schultze: Die Holznot Englands. In: Weltwirtschaftliches Archiv, Bd. 5 (1915), S. 343–350.
  5. Werner Sombart: Der moderne Kapitalismus. 7. Aufl. München 1928, S. 1137 ff.
  6. Joachim Radkau: Holzverknappung und Krisenbewußtsein im 18. Jahrhundert. In: Geschichte und Gesellschaft 9(1983)4, S. 513–543.
  7. Hans Otto Gericke: Von der Holzkohle zum Koks. Die Auswirkungen der „Holzkrise“ auf die Mansfelder Kupferhütten. In: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 85(1998)2, S. 156–195.