Ganz (Unternehmen)

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Dieselhydraulische Lok von Ganz-MÁVAG der Baureihe M41 „Csörgő“ der ungarischen Staatsbahn MÁV
Historische E-Lok V40 016 System Kando von Ganz von 1934 im Museum Füsti in Budapest
Triebwagen von Ganz des Typs „Hargita“ der MÁV im Ungarisches Eisenbahnmuseum Füsti in Budapest
Transformator von Zipernowsky, Déry und Bláthy 1885
Elektrolok RA 362 für die Rete Adriatica / Italien 1905
Kleiner Kreuzer SMS Helgoland der k.u.k. Kriegsmarine von der Ganz-Werft in Fiume
Ein Triebwagenzug der Tranz Metro bestehend aus Baureihe EM-Einheiten von Ganz-MÁVAG in Epuni im Hutt Valley (Neuseeland)
U-Bahn Ganz-MÁVAG Typ Földalatti Villamos bei der Millennium-Untergrundbahn MILLFAV (Linie M1) in Budapest
Straßenbahn Ganz UV in Budapest (rechts) – links ein neuer Combino Plus von Siemens
Straßenbahn Typ Ganz Csuklós in Budapest
Oberleitungsbus Ikarus/Ganz 280T in Budapest
Trolleybus vom Typ Ikarus/Ganz 435T in Budapest
Trolleybus vom Typ Solaris/Ganz Trollino in Landskrona (Schweden)

Ganz (ungarisch: Ganz vállalatok; deutsch: „Ganz-Konzern“; heutiger Name des Unternehmens: Ganz Holding Co. Ltd.) ist ein im Jahre 1844 von Ábrahám Ganz im späteren Budapest als Ganz & Cie gegründetes Unternehmen des Maschinenbaues, der Elektrotechnik und des Brückenbaus. Früher war Ganz auch in der Automobilherstellung, dem Bau von Flugmotoren sowie im Schiffbau aktiv. Nach dem Zusammenschluss der Lokomotiv- und Waggonfabrik Ganz mit der benachbarten Firma MÁVAG – einem weiteren Maschinen- und Eisenbahnhersteller – im Jahre 1959 firmiert dieser Unternehmensteil seitdem als Ganz-MÁVAG, bis er ab 1988 wieder in unabhängige Gesellschaften umgewandelt wurde und der Name MÁVAG daraufhin verschwand. Seit 1990 ist GANZ als Holding mit diversen Tochtergesellschaften konstituiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ganz-Konzern wurde im Jahre 1844 vom in der Schweiz geborenen Großindustriellen Ábrahám Ganz als Eisengießerei in Buda gegründet, der in jungen Jahren das Zimmerei- und Gießer-Handwerk erlernt hatte und 1841 als Händler nach Pest gekommen war.

Ganz & Cie wurde zu Beginn vor allem als Eisenbahnhersteller bekannt, der Eisenbahnräder, Achsen und sonstige entsprechende Komponenten fertigte. Während des Unabhängigkeitskrieges 1848 produzierten seine Werke Gußteile für Gewehre und Kanonen. Nach Kriegsende versuchte Ganz, die Erfindung des Engländers Burns für das Gießen von Wagenrädern weiterzuentwickeln und patentierte seine eigene Lösung 1855; viele seiner Erfolge basierten auf diesem Patent.

Der Inhaber Ábrahám Ganz gründete später Beteiligungen an Unternehmen des Maschinenbaues („Ganz-MÁVAG“ mit Beteiligung von MÁVAG bzw. Csepel von Manfréd Weiss aus Budapest), der Elektrotechnik und der Automobilherstellung („Ganz-Büssing“ mit der deutschen Firma Büssing aus Braunschweig sowie „Ganz-Fiat“ unter Beteiligung der italienischen Firma Fiat aus Turin). Es war auch das Unternehmen Ganz, welche Ungarns erstes Automobil baute.

Das Unternehmen wurde um 1885 in Ganz & Co. umbenannt.

1885 wurde den Ganz-Mitarbeitern Károly Zipernowsky, Miksa Déri und Ottó Titusz Bláthy das Patent auf den von ihnen entwickelten Transformator erteilt. Dieser war mechanisch nach dem umgekehrten Prinzip der heutigen Transformatoren aufgebaut; die Leiterspulen waren um einen soliden Kern aus unmagnetischem Material gewunden, darüber wurden dicke Eisendraht-Lagen gelegt, die eine ferromagnetische Schale bildeten. Dieser Transformator wurde von Ganz weltweit vertrieben, damit wurde das Unternehmen zunehmend der Pionier der ungarischen Wechselstromtechnik.

1887 wurde die Leobersdorfer Maschinenfabrik erworben, die bis 1938 in deren Besitz blieb.

1899 ließ Ganz & Co. unter dem Chefkonstrukteur Kálmán Kandó eine 1,5 Kilometer lange Versuchs-Bahnstrecke auf der Altofener Donauinsel für den Betrieb mit 3000 Volt Drehstrom anlegen. Als das Unternehmen um 1900 für die Munitionsfabrik Wöllersdorf bei Wiener Neustadt ein Kraftwerk einrichtete, wurde das mit dem Auftrag verbunden, die dazugehörende Werksbahn zu elektrifizieren. Obwohl hierfür eine Spannung von 300 bis 500 Volt genügt hätte, stattete man sie als Versuchsträger mit 3000 Volt aus. Die dabei gewonnenen Erfahrungen wurden bei der späteren Elektrifizierung der italienischen Bahnstrecken verwertet.

Die Eisenbahngesellschaft Rete Adriatica (RA) eröffnete in Norditalien 1902 die Veltlinbahn, die als erste mit Hochspannung elektrifizierte Hauptbahnlinie der Welt konzipiert war. Hierfür lieferte Ganz die Versorgung mit Drehstrom von 3000 Volt und 15,6 Hz. Zunächst wurden einige vierachsige Bo'Bo'-Triebwagen und kleinere Loks eingesetzt, ab 1905 drei von Ganz gebaute 1’C’1-Drehstromlokomotiven (Type 360).

Ganz & Co. wurden damit einer der Pioniere in der Geschichte des elektrischen Antriebs von Schienenfahrzeugen und die späteren GANZ Elektrotechnischen Werke in Budapest (Ganz Villamossági Gyár) zu einem bedeutenden Hersteller elektrischer Ausrüstungen für Straßenbahnen, Oberleitungsbusse und elektrische Vollbahnen. Der Ingenieur Kálmán Kandó entwickelte dabei auch die Technik für Elektrolokomotiven wie z. B. die Baureihe V40 der Staatsbahn MÁV, welche nach ihm bzw. der Antriebstechnik System Kando als Kandó-mozdony (Kandó-Lokomotive) benannt wurde.

Ganz & Co. beteiligte sich ab 1890 auch am Schiffbau in der Danubius-Werft im Hafen von Fiume – diese Werft existiert bis heute als „Werft 3. Maj“.

Während des Ersten Weltkriegs stellte das Unternehmen auch Rüstungsgüter her, die Beteiligungsgesellschaft Ganz-Fiat baute in Budapest unter anderem den bekannten und bewährten Reihen-Sechszylinder-Flugmotor Hiero, der zahlreiche Maschinen der k.u.k. Luftfahrttruppen antrieb.

Nach dem Krieg wurde das Engagement im Maschinenbau und der Elektrotechnik verstärkt, wegen des Wegfalls der Rüstungsherstellung kam noch der Bereich des Brücken- und Kraftwerkbaus hinzu. Im Jahre 1924 begann die Zusammenarbeit mit dem Ingenieur György Jendrassik bei der Entwicklung von Dieselmotoren für Lokomotiven und Triebwagen, welche ab 1928 in die Produktion gingen. Damit baute GANZ seine Position am Markt als Motorenhersteller weiter aus. Schon 1929 wurde der erste Motor dieses Typs ins Ausland exportiert.

Im Zweiten Weltkrieg baute Ganz wiederum vorwiegend Rüstungsgüter, außer für die ungarische Armee auch für die deutsche Wehrmacht, darunter auch Lastkraftwagen, Panzer und Teile für Flugzeuge, darunter auch die legendäre Messerschmitt Bf 109. Dennoch beschränkten sich die Aktivitäten nicht nur auf die Produktion von Kriegsmaterial. Mitten im Krieg erschien 1943/44 in nur zwei Exemplaren auch eine modern konstruierte große zugstarke E-Lok mit der Achsfolge 2’Do2’ und der Baureihen-Bezeichnung V44, wobei sie äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit zur deutschen Baureihe E 18/E 19 aufwies. Sie verfügte über eine Leistung von 2.940 kW (ca. 4.000 PS) und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h.

Nach dem Krieg im Jahre 1953 wurden die Dieselmotoren für Eisenbahnfahrzeuge nach dem System Ganz-Jendrassik modernisiert und weiterentwickelt. Im Jahre 1957 entstand mit der Baureihe M601 in Zusammenarbeit mit MÁVAG (vorwiegend beim mechanischen Teil) eine große dieselelektrische Lokomotive mit der Achsfolge 1Co’Co1’ als Prototyp (auch diese war zumindest an den Fronten der E 18 bzw. E 19 ähnlich), welche wiederum mit einem Dieselmotor von GANZ ausgestattet war, der 2.000 PS (1.470 kW) leistete. Der Generator, die Steuerung sowie die insgesamt sechs elektrischen Fahrmotoren stammten ebenfalls von GANZ.

Im Jahre 1959 wird die Lokomotiv- und Waggonfabrik Ganz, welche Diesellokomotiven und Luxuswaggons für den Export produzierte, mit der unmittelbar in Budapest benachbarten MÁVAG – einem weiteren bedeutenden Fahrzeug-, Maschinen- und Eisenbahnhersteller des Landes – zusammengeschlossen. MÁVAG war zuvor ein wichtiger Lieferant von Dampflokomotiven, mit dem Ganz sowohl Beteiligungen als auch eine häufige Zusammenarbeit im Lokomotivbau durchgeführt hatte, weshalb sich eine Fusion anbot. Seitdem firmierte dieser Betriebsteil unter „Ganz-MÁVAG“.

Die Produktion im originalen Ganz-Eisenwerk wurde noch bis 1964 fortgesetzt, als dieser Firmenteil geschlossen und in ein Museum umgewandelt wurde, der unter dem Namen Öntödei Múzeum bis heute in ebendiesem historischen Gebäude existiert.

In den Jahren 1982–83 lieferte Ganz-Mávag eine größere Bestellung von 1979 über insgesamt 44 Elektrische Triebwagen der Baureihe EM sowie 44 Beiwagen ohne Antrieb der Baureihe ET an die New Zealand Rail für den Vorortverkehr der Hauptstadt Wellington aus (entsprechendes Streckennetz heute selbstständig als Tranz Metro). Dies war der größte Exportauftrag aus einem Land außerhalb des Ostblocks in der Firmengeschichte seit der Verstaatlichung des Unternehmens im Jahre 1948.

Ab 1988 wurde Ganz-MÁVAG wieder in unabhängige Gesellschaften umgewandelt, woraufhin der einst bekannte Name MÁVAG verschwand. Die von Ábrahám Ganz aufgebauten Werke bestehen heute aus verschiedenen Konzerngruppen, z. B. die Ganz Transelektro und die Abteilung für Brückenbau. Seit 1990 ist Ganz als Holding mit diversen Tochtergesellschaften konstituiert.

In den letzten Jahren trat vor allen Ganz Transelektro international in Erscheinung, als dieses Unternehmen Elektrische Ausrüstungen für moderne Oberleitungsbusse des Herstellers Solaris entwickelte und auch in die Fahrzeuge in Budapest einbaute. Entsprechende Fahrzeuge gingen unter anderem nach Landskrona (Schweden) sowie Rom (Italien).

Ganz Transelektro wurde 2006 an Crompton Greaves verkauft.[1]

Bekannte Erzeugnisse[Bearbeiten]

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Ganz Flugmotoren (historisch)[Bearbeiten]

  • Hiero (ab 1916 im Motorenwerk „Ganz-Fiat“ hergestellt)

Ganz Schiffbau (historisch)[Bearbeiten]

Ganz Diesellokomotiven (historisch)[Bearbeiten]

Elektrische Kraftübertragung

Ganz-MÁVAG Diesellokomotiven[Bearbeiten]

Hydraulische Kraftübertragung

Elektrische Kraftübertragung

Ganz Elektrolokomotiven (historisch)[Bearbeiten]

Ganz-MÁVAG Elektrolokomotiven[Bearbeiten]

Ganz Elektrotriebwagen (historisch)[Bearbeiten]

Ganz-MÁVAG Elektrotriebwagen[Bearbeiten]

Ganz Dieseltriebwagen (historisch)[Bearbeiten]

Ganz-MÁVAG Dieseltriebwagen[Bearbeiten]

Ganz-MÁVAG U-Bahn-Wagen[Bearbeiten]

Ganz Straßenbahnen (historisch)[Bearbeiten]

Ganz-MÁVAG Straßenbahnen[Bearbeiten]

Ganz Straßenbahnen[Bearbeiten]

Ganz-Ansaldo/Ganz-Hunslet Straßenbahnen[Bearbeiten]

Ganz Obusse[Bearbeiten]

Anmerkung: GANZ stellt den elektrischen Teil her und übernimmt auch die Endmontage in Budapest

Museum[Bearbeiten]

Die ursprünglichen Gebäude in der Bem Jozsef-utca in Budapest, in denen seit 1964 nicht mehr gearbeitet wird, beherbergen heute das Gießerei Museum (Ontodei Museum) in dem einerseits auf das Leben Abhraham Ganz und Andras Mechwart eingegangen wird, andererseits die Rolle der Gießereien in Ungarn zeigen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Naval Bajpai: Business Research Methods. Dorling Kindersley, 2011, ISBN 978-0-674-01308-7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Gießerei Museum auf ERIH abgerufen am 4. Jänner 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ganz-Straßenbahnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien