Gerzen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gerzen
Gerzen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gerzen hervorgehoben

Koordinaten: 48° 30′ N, 12° 26′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Landshut
Verwaltungs­gemeinschaft: Gerzen
Höhe: 433 m ü. NHN
Fläche: 17,02 km2
Einwohner: 1860 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner je km2
Postleitzahl: 84175
Vorwahl: 08744
Kfz-Kennzeichen: LA, MAI, MAL, ROL, VIB
Gemeindeschlüssel: 09 2 74 135
Gemeindegliederung: 28 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausplatz 1
84175 Gerzen
Website: www.gerzen.de
Erster Bürgermeister: Johann Luger (Freie Wähler)
Lage der Gemeinde Gerzen im Landkreis Landshut
AdlkofenAhamAltdorfAltfraunhofenBaierbachBayerbach bei ErgoldsbachBodenkirchenBruckbergBuch a.ErlbachEchingErgoldingErgoldsbachEssenbachFurthGeisenhausenGerzenHohenthannKröningKumhausenNeufahrnNeufraunhofenNiederaichbachObersüßbachPfeffenhausenPostauRottenburg a.d.LaaberSchalkhamTiefenbachVeldenVilsbiburgVilsheimWeihmichlWengWörth a.d.IsarWurmshamLandshutLandkreis Dingolfing-LandauLandkreis ErdingLandkreis FreisingLandkreis KelheimLandkreis Mühldorf am InnLandkreis RegensburgLandkreis Rottal-InnLandkreis Straubing-BogenKarte
Über dieses Bild
Die Pfarrkirche St. Georg

Gerzen ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Landshut. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung und der Verwaltungsgemeinschaft Gerzen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Region Landshut im Vilstal, etwa 10 Kilometer nordöstlich der Stadt Vilsbiburg.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 28 Gemeindeteile:[2]

Es gibt die Gemarkungen Gerzen, Jesendorf und Lichtenhaag.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerzen (früher zuweilen auch Görzen[3][4]) ist einer der ältesten Orte im Vilstal. Es wurde erstmals 887 als „Jorcin“ erwähnt und war im Besitz der fränkischen Könige. Im frühen 14. Jahrhundert verlieh König Ludwig IV. Gerzen das Marktrecht. Nach 1521 wurde die Hofmark Gerzen gebildet, deren Zentrum das Schloss Gerzen und der rechteckige Marktplatz waren. Von 1597 bis 1819 übten in der Hofmark die Freiherren von Vieregg die niedere Gerichtsbarkeit und Grundherrschaft in Gerzen und Mangern aus.[5] 1833 wurde sie vom früheren bayerischen Staats- und Konferenzminister Maximilian von Montgelas erworben.[6]

Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Verwaltungsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindegebietsreform brachte am 1. Mai 1978 die Eingemeindung von Lichtenhaag und die Eingliederung der Gemeindeteile Gmain, Paradies, Reismühle, Resenöd und Rutting aus der Nachbargemeinde Kröning.[7][8] Gleichzeitig wurde aus den Gemeinden Gerzen, Aham, Kröning und Schalkham die Verwaltungsgemeinschaft Gerzen gebildet.

1981 wurde zuerst Prading ausgegliedert an die Stadt Vilsbiburg und dann noch 1984 die Orte Ay, Hartlsöd, Neißl, Oberhof und Schlicht. 1985 wechselten Ay, Oberhof und Schlicht wieder zurück nach Gerzen. 1984 wurde Krüglmühle nach Kröning ausgegliedert.[9]

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß Bayerischem Landesamt für Statistik haben sich die Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember eines Jahres wie folgt entwickelt:

Stand Einwohner
1960 1579
1970 1600
1980 1700
1990 1948
1995 1848
Stand Einwohner
2000 1823
2005 1787
2010 1695
2015 1824

Seit 1972, dem Jahr der Gemeindereform, hat sich die Einwohnerzahl bis 2015 um 195 Personen bzw. 11,97 Prozent erhöht.

Altersstruktur der Bevölkerung Gerzens gemäß Zensus 2011
Alter Einwohner nach Alter[10]
jünger als 18 18,0 %
18 bis 29 12,0 %
30 bis 49 28,0 %
50 bis 64 22,2 %
älter als 65 19,8 %

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Acht Monate nach Ende des Zweiten Weltkrieges fanden am 27. Januar 1946 die ersten Kommunalwahlen (Gemeinderatswahlen) in den kreisangehörigen Gemeinden Bayerns statt. In den Monaten April und Mai 1946 folgten noch die ersten Wahlen der Bürgermeister, Landräte sowie Kreistage. 2006 wurde das 60-jährige Jubiläum begangen.[11]

Die Gemeinde Gerzen ist Mitglied in folgenden Zweckverbänden:[12]

  • Gewässerunterhaltungszweckverband Landshut-Kelheim-Dingolfing-Landau
  • Regionaler Planungsverband Landshut
  • Schulverband Gerzen
  • Zweckverband Kinderbildung und Betreuung Aham-Gerzen-Schalkham
  • Zweckverband Wasserversorgung Isar-Vils
  • Zweckverband zur Wasserversorgung Mittlere Vils

Gerzen gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Gerzen.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus 12 Personen. Die Kommunalwahl 2020 führte zu folgender Sitzverteilung im Gemeinderat:[13]

Bei der Wahl waren 1543 Bürger stimmberechtigt. 1068 davon haben als Wähler teilgenommen[13], was einer Wahlbeteiligung von 69,2 Prozent entspricht.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2020 war Maximilian von Montgelas (Freie Wähler) Bürgermeister. Bei den Kommunalwahlen 2020 wurde mit 600 von 1061 gültigen Stimmen Johann Luger (Freie Wähler) als Nachfolger zum Ersten Bürgermeister gewählt.[14]

Ehemalige Bürgermeister
Amtszeit Bürgermeister
bis 2014 Manfred Kaschel (CSU)
bis 2020 Maximilian von Montgelas (Freie Wähler)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inoffizielles Wappen[15]
Wappen von Gerzen
Blasonierung: „In Silber drei, zwei zu eins gestellte, vorwärts gekrümmte schwarze Haken, jeder schräglinks belegt mit einem geraden schwarzen Haken.“

Wappengeschichte: Das offizielle Wappen wird seit 1968 geführt.[16]

Wappenbegründung: Mit Beschluss des Gemeinderates und mit Zustimmung des Staatsministeriums des Innern führt Gerzen seit dem 12. Juni 1968 ein Wappen. Es entspricht dem Stammwappen der Grafen von Vieregg (etwa aus der Zeit um 1356 bis 1400), einem aus Mecklenburg stammenden Rittergeschlecht, welche die Hofmark 1597 kauften und 222 Jahre im Besitz derer war.[6][5]

Das von der Gemeinde inoffiziell verwendete Wappen[15] weicht von der amtlichen Blasonierung sowie dem historischen Wappen der Vieregg – vor allem im Hinblick der Tinktur (Farbe) der gemeinen Figuren – ab, zudem wird der heraldischen Farbregel widersprochen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Georg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie war ursprünglich spätromanisch: In den Jahren 1500 bis 1522 kam das nördliche Seitenschiff dazu, während das Mittelschiff erhöht und gewölbt wurde. 1872 bis 1882 erfolgte eine neugotische Umgestaltung, wobei das südliche Seitenschiff und der dreigeschossige Turm entstanden. Im Inneren ist vor allem ein Epitaph aus rotem Marmor für Alexander Leberskirchner († 1521), geschaffen von Stephan Rottaler aus Landshut von Bedeutung, außerdem eine spätgotische Pieta um 1500 und ein spätromanischer Taufstein.

Schloss Gerzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Renaissance-Anlage des Schlosses stammt von 1562, die barocke Schlosskapelle von 1695. Der Schlosspark mit Umfriedung wurde 1903 angelegt. 1833 bis 2010 war es im Besitz derer von Montgelas, wurde dann in einen Gastronomiebetrieb umgebaut und erhielt im Dezember 2014 den Bayerischen Denkmalpflegepreis.[17]

Schloss Lichtenhaag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein ehemaliges Hofmarksschloss im Ortsteil Lichtenhaag

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 888 T €, davon waren 76 T € Gewerbesteuereinnahmen. Die anstehende Sanierung des Ortskerns wird mit Geldern des Stadtbauprogramms vom Bayerischen Staatsministerium des Innern gefördert.[18]

In Folge einer entsprechenden Bewertung der Wirtschaftskraft der Gemeinde sind die Schlüsselzuweisungen von 359.616 Euro im Jahr 2019 um 53,2 Prozent auf 550.932 Euro für das Jahr 2020 gestiegen.

Schlüsselzuweisungen
in Euro[19]
Zuweisungen an Jahr
2015 2016 2017 2018 2019 2020
Gemeinde Gerzen 279.700 316.080[19] 421.236[20] 427.716[21] 359.616[22] 550.932[23]

Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestanden im Jahr 1999 noch 44 landwirtschaftliche Betriebe, ging deren Zahl bis 2010 auf 36 zurück.

Betriebsgrößenstruktur in der Landwirtschaft[24]
Betriebsgröße in ha Anzahl der Betriebe
1999 2010
unter 5 5 3
5 bis unter 10 7 3
10 bis unter 20 12 13
20 bis unter 50 18 14
50 oder mehr 2 3
Gesamt 44 36

Bauen und Wohnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenrichtwerte 2011/2012[25]
Ortsteil Wohnbauflächen
ausgewiesene
Baugebiete
unbeplanter
Innenbereich
ausgewiesene
gewerbliche
Bauflächen
Ackerland
Gerzen 95 € 85 € 45 € 5,50 €
Lichtenhaag 80 € 80 € 45 € 5,50 €
Vilssattling 60 € 5,50 €

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dehio: Bayern II-Niederbayern. Darmstadt 1988, S. 168–170.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gerzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Gerzen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 21. Juli 2020.
  3. Alexander Schöppner: Bayerische Legenden: illustriert mit alter Grafik. Hrsg.: Emmi Böck. Pustet, University of California 1984, ISBN 978-3-7917-0896-6, S. 309 (S. 301. Digitalisat).
  4. Vom ganzen Bayerischen Hause und dessen sämtlichen Staaten, Andere Abtheilung, Die Wittelsbachischen Herren bis und mit Kayser, Ludwigen, auch dessen Kindern in sich enthaltende, Bände 2–3, S. 1107. (Digitalisat)
  5. a b Haus der Bayerischen Geschichte: Gemeinde Gerzen, auf hdbg.eu, abgerufen am 14. Juli 2016
  6. a b Verwaltungsgemeinschaft Gerzen/Gemeinde Gerzen: Geschichte der Gemeinde Gerzen. Online auf www.gerzen.de. Abgerufen am 24. Dezember 2016
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 616.
  8. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Die Gemeinden Bayerns nach dem Gebietsstand 25. Mai 1987. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns und die Änderungen im Besitzstand und Gebiet von 1840 bis 1987 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 451). München 1991, S. 64–65, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00070717-7 (Digitalisat – Landkreis Landshut, Fußnoten 13 und 15).
  9. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Die Gemeinden Bayerns nach dem Gebietsstand 25. Mai 1987. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns und die Änderungen im Besitzstand und Gebiet von 1840 bis 1987 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 451). München 1991, S. 64–65, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00070717-7 (Digitalisat – Landkreis Landshut, Fußnoten 13, 15 und 27).
  10. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: Personen nach Alter (5 Altersklassen) für Gerzen (Kreis: Landshut, Landkreis) –in %–. Online auf ergebnisse.zensus2011.de. Abgerufen am 26. April 2014
  11. INFORMATION (An alle Haushaltungen!); Hrsg. Gemeinde Adlkofen, Nr. XX/04 – 2006
  12. Bayerischer Behördenwegweiser – Gemeinde Gerzen: Mitgliedschaften in Zweckverbänden, online auf www.verwaltungsservice.bayern.de, abgerufen am 2. November 2019
  13. a b Bekanntmachung der Gemeinde Gerzen: Ergebnis der Wahl des Gemeindesrats am 15. März 2020 Website der VG Gerzen. Abgerufen am 10. Mai 2020
  14. Bekanntmachung der Gemeinde Gerzen: Ergebnis der Wahl des ersten Bürgermeisters am 15. März 2020 Website der VG Gerzen. Abgerufen am 10. Mai 2020
  15. a b Verwaltungsgemeinschaft Gerzen/Gemeinde Gerzen: Wappen der Gemeinde Gerzen. Online auf www.gerzen.de. Abgerufen am 24. Dezember 2016
  16. Eintrag zum Wappen von Gerzen in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte m.w.N.
  17. Landshuter Zeitung: Rettung eines Baudenkmals, 9. Dezember 2014
  18. Landshuter Wochenblatt: Geld für Gerzen und Rottenburg, 27. August 2014
  19. a b Landshuter Zeitung: Vitaminspritze für finanzschwache Kommunen, 12. Dezember 2015
  20. Landshuter Zeitung: Schlüsselzuweisungen 2017 der Gemeinden, 17. Dezember 2016
  21. Landshuter Zeitung: Schlüsselzuweisungen 2018, 20. Januar 2018
  22. Landshuter Zeitung: Schlüsselzuweisungen 2019, 15. Februar 2019
  23. Landshuter Zeitung: Kräftige Finanzspritze für die Region, 13. Dezember 2019
  24. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: Statistik kommunal 2015 – Gemeinde Gerzen 09 274 135 - Eine Auswahl wichtiger statistischer Daten. PDF, online auf www.statistik.bayern.de, abgerufen am 3. Januar 2017
  25. Landratsamt Landshut (Gutachterausschuss): Aufstellung der Bodenrichtwerte für die Kalenderjahre 2011 und 2012. Online auf landkreis-landshut.de. Abgerufen am 19. Dezember 2014