HC Lugano

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HC Lugano
HC Lugano
Grösste Erfolge
Vereinsinformationen
Geschichte Hockey Club Lugano (seit 1941)
Spitzname Bianconeri
Vereinsfarben schwarz, gelb, weiss
Liga National League A
Spielstätte Resega
Kapazität 7'800 Plätze (davon 5'000 Sitzplätze)
Cheftrainer Greg Ireland
Kapitän Alessandro Chiesa
Saison 2016/17 7. Platz, Playoff-Halbfinal

Der HC Lugano (Hockey Club Lugano) ist einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Clubs des Schweizer Eishockeys. Seit der Einführung der Playoffs (Saison 1985/86) hat er sieben Schweizer Meistertitel gewonnen. Zusätzlich standen die Bianconeri fünf Mal im Playoff-Final und konnten auch international diverse Erfolge verbuchen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung des Hockey Club Lugano fand am 11. Februar 1941 statt, als auf dem Muzzano-See die ersten Spiele gegen Ambrì, Muzzano, Massagno und Paradiso ausgetragen wurden. Am 1. Dezember 1957 wurde die erste Kunsteisbahn eröffnet, welche den Namen Resega trägt. Unter den Anwesenden war an diesem Tag auch derjenige Mann, welcher 30 Jahre später den HC Lugano an die Spitze des Schweizer- und internationalen Hockeys bringen sollte: Geo Mantegazza, von Beruf Ingenieur, welcher die statischen Berechnungen der Resega gemacht hatte und dadurch die ersten Kontakte mit der Familie der „Bianconeri“ hatte.[1]

1963/64 stieg die Mannschaft in die Nationalliga B auf; wesentlichen Anteil daran hatten die Verpflichtungen von Verteidiger Elwyn Friedrich und dem Flügel Roland Bernasconi, beide Nationalspieler und Schweizermeister mit Villars. In der Saison 1970/71 gelang den „Bianconeri“ der Aufstieg in die Nationalliga A, welche sie 1972/73 wieder verlassen mussten.[1]

In der Saison 1981/82 kehrte Lugano, zusammen mit Ambrì, in die NLA zurück. In der Saison 1982/83 verpflichtete Mantegazza den schwedischen Trainer John Slettvoll, der in der Folge zahlreiche Meisterschaften errang.[1]

Schweizer Meister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Verpflichtung zahlreicher Leistungsträger gewann der HC Lugano am 1. März 1986 seine erste Schweizer Eishockeymeisterschaft. Nach der erfolgreichen Titelverteidigung ein Jahr später rüstete der HCL auf die neue Saison hin seinen Kader auf, nachdem am Ende der Saison einige Leistungsträger den Club verlassen hatten. Am Ende der Saison 1986/87 beendete Alfio Molina seine Karriere, welcher den Aufstieg in die NLA mitgeprägt hatte. Neu im Dress der Bianconeri liefen unter anderem folgende Stars auf: Kari Pekka Eloranta, Peter Jaks, Thomas Vrabec, Didier Massy und Raymond Walder. So gelang es, trotz Neuaufbau der Mannschaft den dritten Titel in Folge zu gewinnen. Vereinspräsident (und einer der Geldgeber) war in dieser Zeit der Unternehmer Geo Mantegazza.[2]

In der Saison 1988/89 unterlag der HCL im fünften und letzten Finalspiel in der heimischen Resega dem SC Bern, dies bedeutete die erste Finalniederlage für den HC Lugano. Der HC Lugano gewann in der Saison 1989/90 im vierten Finalspiel in der bernischen Allmend den Titel zurück in den Sottoceneri. Somit gewannen die Bianconeri ihren vierten Schweizermeister-Titel.[1] 1991 erreichte man erstmals das Endspiel des Spengler Cups, unterlag dort aber ZSKA Moskau. Die Saison 1991/92 war das Ende einer grossen Ära: Lugano trennte sich nach neun Jahren von seinem Trainer John Slettvoll. Trotz zahlreicher Neueinkäufe scheiterte der HC Lugano das erste Mal seit Einführung der Playoffs im Viertelfinal.

Der nächste Meistertitel wurde in der Saison 1998/99 unter dem Trainer Jim Koleff errungen; die Bianconeri besiegten im Final den Kantonsrivalen HC Ambrì-Piotta.[1]

Die 2000er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Saison 2001/02 wurde die Hockey Club Lugano AG gegründet, die fortan die Geschäfte der ersten Mannschaft und der Elite-Junioren übernahm. Ebenfalls in dieser Saison stiess der finnische Offensivverteidiger Petteri Nummelin zum HC Lugano.

Spiel des HC Lugano (weiß) gegen den OSC Berlin (rot) bei der EWCC-Vorrunde 2006

Die Finalpaarung der Saison 2002/03 bestritten der HC Davos und Lugano. Die ersten beiden Spiele gewann die Mannschaft aus Davos, während die Bianconeri die folgenden vier Spiele für sich entschieden und damit den sechsten Titel in der Vereinsgeschichte errangen.[1] Im Folgejahr (Finalniederlage gegen Bern) wurde der Club Vizemeister.

In der Lockout-Saison 2004/05 spielten die Stars Alex Tanguay, Jason Blake und Martin Gélinas für die Tessiner. Mit Glen Metropolit, Jason York und Ville Peltonen wurden die personellen Voraussetzungen geschaffen, den siebten Titel am 13. April 2006 in der heimischen Resega zu erringen.[1]

Die Saison 2005/06 wurde mit dem siebten Titel gekrönt: Durch ein 4:1 in der Finalserie gegen Davos gewann man die Meisterschaft. Kurios dabei: Nach zwei Partien des Viertelfinals gegen Ambrì war Lugano sieglos und entliess daraufhin Cheftrainer Larry Huras. Dieser wurde durch den Deutsch-Kanadier Harold Kreis ersetzt,[3] der den HC zum Meistertitel führte. Diese Wendung wurde später als das «erstaunlichste Comeback in der Schweizer Playoff-Geschichte» bezeichnet.[4] In den kommenden Jahren ging es nicht über den Viertelfinal hinaus.

Im September 2006 wurde gegen Vereinspräsident Fabio Gaggini sowie Beat Kaufmann, Vorsitzender des Verwaltungsrates der HC Lugano SA, Anklage wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Unterschlagung von Sozialabgaben erhoben.[5] Im Oktober 2008 mussten sich Gaggini und Kaufmann vor Gericht verantworten. Unter anderem erklärten sie, eine «Schattenbuchhaltung» geführt zu haben. Der Tages-Anzeiger schrieb am 8. Oktober 2008 zu diesem Thema:[6] «Ohne dieses Vorgehen wäre der HCL nicht in der Lage gewesen, den Klubs aus der Deutschschweiz Paroli zu bieten, sagte der ehemalige Geschäftsführer Beat Kaufmann vor Gericht.» Das Gericht sah es als erwiesen an, dass im Zeitraum von 1996 bis 2005 Steuern in Höhe von 3,5 Millionen Franken nicht ordnungsgemäss entrichtet wurden und der Alters- und Hinterlassenenversicherung Zahlungen in Höhe von 1,5 Millionen Franken vorenthalten wurden. Gaggini und Kaufmann wurden zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt. Ein ehemaliges Vorstandsmitglied wurde vom Gericht mit einer Geldbusse belegt.[7]

Im November 2009 wurde Roland Habisreutinger neuer Sportchef und löste Jörg Eberle ab, der den Posten seit 2003 bekleidet hatte.[8]

Die 2010er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 vereinbarte der Verein eine Partnerschaft mit der GDT Bellinzona, welche auch die durch den HC Lugano geführte erste Mannschaft des HC Ceresio umfasste und auf den Aufstieg einer Tessiner Mannschaft in die National League B zielte.[9] Zur besseren Ausbildung der Nachwuchsspieler der drei Vereine sollten die GDT Bellinzona in der 2. Liga und der HC Ceresio in der 2. Liga dienen.[10] Im Sommer 2012 ging der HC Ceresio dann komplett in der GDT Bellinzona auf und letztere übernahm das Startrecht des HC Ceresio in der 1. Liga.[11]

Im Juni 2011 wurde Vicky Mantegazza als Nachfolgerin von Silvio Laurenti Präsidentin.[12] Laurenti war seit 2009 im Amt.[13] In den 1980er Jahren war bereits Mantegazzas Vater Geo Präsident des HCL gewesen.[14]

Zwischen 2009 und 2014 kam fünfmal das Saisonaus im Viertelfinal, in der Saison 2010/11 wurde die Meisterrunde gar verpasst. In der Saison 2015/16 erreichte Lugano den Final um die Schweizer Meisterschaft und musste sich dort dem SC Bern mit 1:4-Siegen geschlagen geben.

2015 und 2016 erreichte Lugano unter der Leitung von Doug Shedden jeweils das Endspiel des Spengler Cups, verlor aber jeweils gegen die Auswahl Kanadas. Am 16. Januar 2017 trennte man sich von Shedden,[15] die Mannschaft stand zu diesem Zeitpunkt auf dem achten Tabellenrang der NLA. Greg Ireland wurde als Sheddens Nachfolger verpflichtet.[16] Unter Irelands Führung qualifizierten sich die Bianconeri als Siebter der Qualifikation für die Endrunde und schieden dort im Halbfinal (1:4-Siege) gegen den SC Bern aus.[17]

Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kader der Saison 2016/17[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: 1. März 2017

Nr. Nat. Spieler Pos. Geburtsdatum im Team seit Geburtsort
84 SchweizSchweiz Daniel Manzato G 17. Januar 1984 2012 Fribourg, Schweiz
30 Flag of Latvia.svg Elvis Merzļikins G 13. April 1994 2012 Riga, Lettland
27 SchweizSchweiz Alessandro Chiesa – C D 01. Februar 1987 2014 Zürich, Schweiz
7 SchweizSchweiz Philippe Furrer – A D 16. Juni 1985 2015 Bern, Schweiz
8 SchweizSchweiz Steve Hirschi D 18. September 1981 2003 Grosshöchstetten, Schweiz
96 Flag of Liberia.svg SchweizSchweiz Clarence Kparghai Injured.svg D 13. Mai 1985 2013 Monrovia, Liberia
6 SchweizSchweiz Massimo Ronchetti D 20. Januar 1992 2016 Lugano, Schweiz
29 SchweizSchweiz Riccardo Sartori D 10. September 1994 2013 Lugano, Schweiz
22 OsterreichÖsterreich Stefan Ulmer D 01. Dezember 1990 2010 Dornbirn, Österreich
3 SchweizSchweiz Julien Vauclair – A D 02. Oktober 1979 2004 Delémont, Schweiz
5 KanadaKanada Ryan Wilson D 03. Februar 1987 2016 Windsor, Ontario, Kanada
13 SchweizSchweiz Alessio Bertaggia LW 30. Juli 1993 2014 Lugano, Schweiz
12 SchweizSchweiz Damien Brunner RW 09. März 1986 2014 Oberlunkhofen, Schweiz
87 SchweizSchweiz Dario Bürgler RW 18. Dezember 1987 2016 Schwyz, Schweiz
17 SchweizSchweiz Luca Fazzini W 17. März 1995 2012 Lugano, Schweiz
51 Flag of Canada and Switzerland.png Ryan Gardner RW 18. April 1978 2016 Toronto, Ontario, Kanada
15 SchweizSchweiz Grégory Hofmann C 13. November 1992 2015 Neuenburg NE, Schweiz
86 Flag of Sweden.svg Linus Klasen W 19. Februar 1986 2014 Stockholm, Schweden
25 KanadaKanada Maxim Lapierre C 29. März 1985 2016 Saint-Léonard, Québec, Kanada
23 Flag of Italy.svg Giovanni Morini C 02. Februar 1995 2015 Como, Italien
9 SchwedenSchweden Tony Mårtensson LW 23. Juni 1980 2015 Märsta, Schweden
32 SchweizSchweiz Sébastien Reuille RW 22. Juni 1981 2010 Zürich, Schweiz
70 SchweizSchweiz Matteo Romanenghi C 09. April 1995 2013 Morbio Inferiore, Schweiz
38 SchweizSchweiz Raffaele Sannitz – A C 18. Mai 1983 2005 Lugano, Schweiz
91 SchweizSchweiz Julian Walker C 10. September 1986 2013 Bern, Schweiz
19 SchwedenSchweden Patrik Zackrisson C 27. März 1987 2016 Ekerö, Schweden

Trainerstab

Name Nationalität Geburtstag
Greg Ireland KanadaKanada Kanada 05. Oktober 1965
Jussi Sulander FinnlandFinnland Finnland

Gesperrte Trikotnummern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fans des HC Lugano verbindet seit fast 20 Jahren eine enge Freundschaft mit den Fans der Kölner Haie. In beiden Städten gibt es Fanclubs der jeweils anderen Mannschaft. Zudem finden regelmässig gegenseitige Besuche von Heimspielen statt.

Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torhüterin Jessica Müller, beim Vorrundenturnier des IIHF European Women Champions Cup 2006 in Berlin

Die Frauen des HC Lugano («Ladies Team») nehmen an der Swiss Women’s Hockey League A, der höchsten Schweizer Frauenspielklasse, teil. 2006 wurden die «Ladies» erstmals Schweizer Meister und qualifizierten sich somit für die Vorrunde des IIHF European Women Champions Cup 2006, in der sie nach Siegen über den OSC Berlin, die Herlev Hornets und die Ferencváros Stars Budapest die Qualifikation für die EWCC-Endrunde schafften, in der sie jedoch ohne eigenen Punkterfolg den letzten Platz belegten. Im Folgejahr waren sie als erneuter Schweizer Meister für die Zwischenrunde des IIHF European Women Champions Cup 2007/08 gesetzt und zogen als Gruppensieger erneut in die Finalrunde ein.

2009 wurde das Ladies Team Lugano erneut Schweizer Meister, nachdem es sich im dritten und entscheidenden Playoff-Finalspiel gegen den Titelverteidiger DHC Langenthal durchgesetzt hatte. Bekannte Spielerinnen, die auch für die Schweizer Nationalmannschaft der Frauen im Einsatz stehen, sind Sophie Anthamatten, Sarah Forster, Nicole Bullo, Romy Eggimann, Evelina Raselli und Anja Stiefel.[18]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g HC Lugano, Geschichte 1941 bis heute
  2. Vicky und die launischen Männer. In: Berner Zeitung, Berner Zeitung. 1. Januar 2013, ISSN 1424-1021 (bernerzeitung.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  3. Blick: Lugano feuert Huras, Kreis kommt - Blick. (blick.ch [abgerufen am 31. Dezember 2016]).
  4. VADIAN.NET AG: Harold Kreis verlässt Lugano. In: www.eishockey.ch. (eishockey.ch [abgerufen am 31. Dezember 2016]).
  5. Fabio Gaggini, der Präsident des HC Lugano, ist unter Anklage gestellt worden: Übers Ziel hinausgeschossen. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. September 2006, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  6. Lugano-Chefs geben «Schwarze Kassen» zu. In: Tages-Anzeiger, Tages-Anzeiger. 10. August 2008, ISSN 1422-9994 (tagesanzeiger.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  7. Remo Meister/cal/sda: Gefängnis für ehemalige Lugano-Präsidenten. In: Tages-Anzeiger, Tages-Anzeiger. 10. Oktober 2008, ISSN 1422-9994 (tagesanzeiger.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  8. www.20minuten.ch, 20 Minuten, 20 Min, www.20min.ch: Habisreutinger löst Eberle als Sportchef ab. In: 20 Minuten. (20min.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  9. hockeyfans.ch, Lugano will Bellinzona in die NLB führen
  10. hclugano.ch, HC Lugano & GDT Bellinzona: NLB-Aufstiegsprojekt wird für ein Jahr überdenkt
  11. sport-fan.ch, Phantomtor ebnet Bellinzona den Weg
  12. Über 300'000 Franken Verlust für den HC Lugano. In: az Aargauer Zeitung. 22. Juni 2011 (aargauerzeitung.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  13. Vicky Mantegazza wird Präsidentin in Lugano: Frau führt bald den HC Lugano. In: Neue Zürcher Zeitung. 5. April 2011, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  14. Luganos Chefin Vicky Mantegazza: Milliarden – aber Geld mit Geist. In: watson.ch. (watson.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  15. Shedden und Curcio weg, Ireland und Silander da. In: hclugano.ch. Abgerufen am 17. Januar 2017.
  16. Doug Shedden bei Lugano entlassen. In: Tages-Anzeiger. 1. Januar 2017, ISSN 1422-9994 (tagesanzeiger.ch [abgerufen am 25. März 2017]).
  17. sport.ch: Der SC Bern setzt sich in einer dramatischen Serie mit 4:1 durch - Arrivederci Lugano! - Diese Momente bleiben in Erinnerung | SPSN.com | sport.ch. Abgerufen am 31. März 2017.
  18. Kader der Schweizer Damen Nationalmannschaft 2013/14 Abgerufen am 16. November 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]