Herz der Finsternis

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"Heart of Darkness" in Youth: A Narrative, 1902

Herz der Finsternis ist eine 1899 erschienene Erzählung von Joseph Conrad, in der der Seemann Charlie Marlow seinen Freunden von seinen unmittelbaren Beobachtungen und spirituellen Erlebnissen während einer Afrikareise in das Kongogebiet berichtet. Diese Erzählung, zu kurz für einen Roman und zu lang für eine Novelle[1], gilt als eines der wichtigsten Prosawerke in englischer Sprache.[2]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Novelle ist in eine Rahmenhandlung eingebettet: Auf der nächtlich an der Themsemündung in Gravesend stillliegenden Seeyacht Nellie erzählt der ehemalige Seemann Marlow seinen vier Freunden, die das Band der See eint, eine Episode aus seinem Leben.

Er beschreibt seine Sehnsucht, die letzten weißen Flecken des Globus kennenzulernen, und wie sie nach einigen Mühen dazu führte, dass er Flusskapitän wurde. Der Leser kann unschwer erkennen, dass die Geschichte am Kongo zu Zeiten des Kongo-Freistaats spielt. Marlow, der den Indischen Ozean, den Pazifik, das Gelbe Meer bereits kennt, reist also entlang der Küste eines ihm unverständlichen Afrika zur Mündung des großen Stroms und übernimmt, flussaufwärts oberhalb der Stromschnellen, seinen Flussdampfer, der zwischenzeitlich auf Grund gelaufen und leckgeschlagen ist.

Dort, in der Hauptstation der Kolonialgesellschaft, die die Schätze der einzelnen Agenten im Dschungel sammelt und weiterverschickt, stellt er während der drei Monate, die er zur Reparatur des Schiffes benötigt, die „unerhörteste Schlamperei“ fest. Er stört sich auch daran, dass die Kolonialisten den Einheimischen ihre unsinnigen Regeln brutal aufzwingen.

Er hört von Kurtz, dem erfolgreichen Leiter der inneren Station, der „mehr Elfenbein gesammelt, eingetauscht, erschwindelt oder gestohlen hatte, als alle die anderen Agenten zusammen“, zugleich sich aber auch in Europa einen Namen gemacht hatte und „so reich begabt war und dass von allen seinen Gaben die vorherrschende, die, die sich unaufhörlich bestätigte, seine Rednergabe war, seine Worte – die Gabe des Ausdrucks, die verblüffende, erleuchtende …“. Diesem Stationsleiter Kurtz, der sich bereits seit einem Jahr nicht mehr gemeldet hat – stattdessen schickte er seinen Gehilfen mit dem Elfenbein –, gilt die 800 Meilen lange Fahrt flussaufwärts. Der Direktor der Station, eine Handvoll seiner weißen Gehilfen und etwa zwanzig Schwarze, die Marlow als Kannibalen bezeichnet, begeben sich auf die Reise.

Auf der zweimonatigen Fahrt „kroch das kleine rußige Dampfboot stromaufwärts, wie ein schwerfälliger Käfer“, immer bedroht von treibenden Baumstämmen, Stromschnellen und Untiefen. Die Rätsel, die das Land beinhaltet, werden für Marlow, der die Reise immer wieder als eine Reise ins Dunkel, ins Innere beschreibt, immer unverständlicher:

„Ich fühlte plötzlich, wie groß, wie unheimlich groß das Ding war, das nicht sprechen konnte und vielleicht ebenso wenig hören. Was war dort drin? Ich konnte sehen, dass ein wenig Elfenbein von da herauskam, und hatte gehört, dass Herr Kurtz dort drin war.“

Zum Ende der Reise, kurz vor Erreichen der äußersten Station, eskaliert die Lage. Sie finden in der verlassenen Hütte eines Europäers aufgeschichtetes Brennholz für den Dampfkessel und die schriftliche Aufforderung, schleunigst zur Station zu kommen, sich aber vorsichtig zu nähern.

Am Morgen der Ankunft, wenige Meilen unterhalb, ein unbeschreiblicher Klageruf, Trommeln erschallen, Schreie, das flussaufwärts stampfende Schiff wird von Pfeilen und mittels Baumstämmen angegriffen, der schwarze Steuermann stirbt, von einem Speer getroffen, in der Steuerkabine zu Marlows Füßen. Sie können die Angreifer aber vertreiben, wobei die weißen Reisegefährten, von Marlow durchgehend ‚Pilger‘ genannt, an die Macht ihrer Gewehre glauben, Marlow an den durchdringenden Pfiff seiner Dampfpfeife.

Wenig später machen sie am Ufer fest und während sich der Direktor mit seinen Gefährten zum Hügel begibt, wo er in der Station den kranken oder toten Kurtz vermutet, entspinnt sich ein Gespräch zwischen Marlow und einem jungen russischen Abenteurer, der ganz allein und auf eigene Faust ins Landesinnere gereist war und der auch die schriftliche Warnung am Fluss hinterlassen hatte. Er hat ein ambivalentes Verhältnis zu Kurtz, dem er sich angeschlossen hat. Er bewundert Kurtz, erzählt aber befremdet von Kulthandlungen, mit denen Kurtz die Einheimischen an sich binde und zu quasireligiöser Verehrung bringe. Mit ihnen habe er seine Streif- und Eroberungszüge durchgeführt. Nun liege er oben, todkrank, in seiner Station, seit Monaten ohne Medizin. Von dem Russen erfährt Marlow auch, dass Kurtz den Angriff auf das Boot veranlasste, um im Dschungel zu bleiben.

Nachdem der Direktor mit seinen Gefährten Kurtz auf einer Trage an Bord gebracht hat, macht sich das Schiff am nächsten Morgen wieder auf den Weg den Fluss hinab. Zweitausend Augen beobachten sie. Die Geliebte des Stationsleiters reckt die Arme gen Himmel wie eine Galionsfigur mit reichen Kleidern und Schmuck verziert. Die mächtigen Elfenbeinschätze an Bord sind gestapelt bis übers Deck. Der sterbende Kurtz hat sie vom Steuerhaus aus stets im Blick. Marlow logiert dort mit ihm. In einem Vorgriff hatte er das so erzählt:

„Und ich hörte – ihn – sie – diese Stimme – andere Stimmen – sie alle waren so wenig mehr als Stimmen und die Erinnerung an die Zeit selbst umgibt mich, unfassbar, wie ein ersterbendes, ungeheures Geschnatter, dumm, grausam, schmutzig, wild, oder einfach gemein, ohne jeden Sinn.“

Marlow wird Zeuge des Sterbens des ehemaligen Stationsleiters. Dessen elfenbeinerne Gesichtszüge wechseln in nie gesehener Abfolge zwischen Stolz, Macht, Angst und Verzweiflung, bevor er seine letzten Worte haucht: „Das Grauen! Das Grauen!“ Nach dem Tode Kurtz’, der auf einer Flussinsel beerdigt wird, fällt auch Marlow in die schwere Krankheit auf der Schwelle zum Tod und kommt erst wieder im Land seiner Auftraggeber zu vollem Bewusstsein – er meint, die Stadt erinnere an ein weiß getünchtes Grab.

Als er Kurtz’ immer noch trauernde Braut besucht und ihr dessen Briefe überbringt, lügt er: „Das letzte Wort, das er aussprach, war – Ihr Name.“ Die Wahrheit, die Marlow so schätzt, kann er hier nicht sagen, denn, wie er andernorts über die Welt der Frauen erkannt zu haben meint: „... diese Welt wäre zu schön, und wollten sie sie wirklich in den Raum stellen, so würde sie vor dem ersten Sonnenuntergang in Stücke gehen.“

Form und Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen Teil der Spannung erhält die Erzählung aus dem Gegensatz zwischen dem Erzähler Marlow, der im Rahmen der Erzählung auf seine Ehrlichkeit abhebt, und dem Bösen und dem Wahnsinn, dem er im Dschungel des Kongos begegnet. Im Verlauf der Erzählung drängt die Infragestellung der Art und Verortung des Bösen, also der „Finsternis“, immer stärker in den Vordergrund.

Die Figur des Elfenbeinhändlers Mr. Kurtz, von der Marlow – der Erzähler – gefesselt ist, ist die einzige namentlich gekennzeichnete Figur in der Erzählung. Mr. Kurtz wird äußerst düster und zwielichtig gezeichnet. Für Udo Wolter, der Conrad und seine Werke vor dem Hintergrund der „Fluchtlinie des Exils“ betrachtet, ist diese Figur ein Symbol der „Zivilisation und ihrer barbarischen Negation durch die Gräuel des Kolonialismus.“[3]

Marlows Fahrt führt ebenso wie andere Reisen in Conrads Romanen und Novellen „immer auch in die Abgründe und Untiefen des modernen Subjekts“, so Wolter, der dieses Reisemotiv als Fluchtlinie deutet: „Diese Fluchtlinie verweist zugleich darauf, dass jede Zuflucht in die Eindeutigkeit eines übersteigerten, abstrakten Selbstideals vergeblich ist“.[3] Die Conrad-Biographin Renate Wiggershaus bezeichnet die Reise der Erzählerfigur als „eine psychische ins innere Ausland, wie Freud das Unbewusste nannte“.[4]

Biografische Zusammenhänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ende seiner Zeit als Seemann 1894 hat Conrad als Offizier auf Handelsschiffen mehrfach Afrika auf dem Weg nach Asien umrundet und reiste 1890 von der Küste stromauf in das von Belgien als Kolonie ausgeplünderte Kongogebiet. Auch Details der Erzählung tragen autobiografische Züge: Conrad war mehrfach Gast auf der Segeljacht Nellie von G. F. Hope; seine in Brüssel lebende Tante stellte den Kontakt zu Albert Thys her, dem Direktor der belgischen Kongo-Gesellschaft Société Anonyme Belge pour le Commerce du Haut-Congo, wodurch er während seiner Reise bei den anderen Angestellten als protegiert galt; der von ihm zu übernehmende Flussdampfer war tatsächlich havariert, konnte aber nicht wieder flott gemacht werden; Eingeborene waren auf dem Schiff angeheuert worden, um nachts Brennholz für die Kessel des Flussdampfers zu schlagen; Stücke von Messingdraht galten am Kongo als Zahlungsmittel.[5]

Historische Zusammenhänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter anderem durch die geografisch und missionarisch inspirierten Entdeckungsreisen von David Livingstone seit Mitte des 19. Jahrhunderts und durch seine Rettungsexpedition 1870/71 unter Leitung des Glücksritters Henry Morton Stanley wurde die öffentliche Aufmerksamkeit in Europa auf das Kongogebiet gelenkt. Da die englische Regierung kein Interesse an einer weiteren Überdehnung ihres Kolonialreiches zeigte, positionierte sich der junge belgische König Leopold II. und beauftragte Stanley mit einer erneuten Reise in den Kongo, um Land für die belgische Krone zu erwerben. Parallel zu der faktischen Vorbereitung der Ausbeutung des erworbenen Landes wurde mit der Gründung der Internationalen Afrika-Gesellschaft das ökonomische Interesse unter dem Mantel geografischer sowie wissenschaftlicher Forschung und christlicher Missionierung verborgen.[6] Auf der internationalen Kongo-Konferenz in Berlin gelang es Leopold II. 1884/85 sogar, sich die riesigen Erwerbungen als Privatbesitz bestätigen zu lassen. Durch die Gründung mehrerer Handelsgesellschaften wurde dann die Infrastruktur der ökonomischen Ausbeutung geschaffen: die Kolonialarmee der Force Publique, ein Wege- und Eisenbahnnetz, Handels-, Verwaltungs- und Missionsstationen. Am Ende der 1880er Jahre war das damals schon als Kongogräuel bekannte System zur Ausbeutung der Vorkommen an Elfenbein und Kautschuk weitgehend implantiert. Aber das Terrorregime mit mehreren Millionen toter Kongolesen führte ab der Jahrhundertwende zu wachsenden internationalen Protesten: Neben Edmund Dene Morel, einem Whistleblower aus einer Handelsgesellschaft, neben dem schwarzen Missionar William Henry Sheppard und dem von der englischen Regierung ausgesandten Beobachter Roger Casement beteiligten sich auch Mark Twain und Joseph Conrad, letzterer als einer der ersten mit der Veröffentlichung von Herz der Finsternis 1899, an der Kampagne zur Beendigung des extrem grausamen belgischen Kolonialismus.

Thematisierung des Kolonialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch ist in der Hochzeit des Imperialismus entstanden, beleuchtet Praxis und Wirkung der Kolonialpolitik auf Betroffene und Ausführende kolonialer Macht kritisch, bleibt aber selbst nicht frei von kolonialistischen Prämissen. Diese komplexe Thematik ist in Heart of Darkness erfahrbar.

Für Marlow wird Kolonialismus durch die Verbreitung der Zivilisation gerechtfertigt und die kulturelle Entwicklung erst durch die gewaltsame Übernahme eines "unterentwickelten" Landstriches durch fortschrittliche Mächte möglich. Die allein räuberischen römischen Eroberung Britanniens dienen ihm als Beispiel für einen negativen Kolonialismus, aus dem im Falle des damals "dunklen Englands" dennoch eine zivilisatorische Entwicklung möglich war wie auch die abhängigen Länder in einem entwickelnden Kolonialismus an Entwicklung und dem Überwinden der Dunkelheit teilhaben könnten. Deren treibender Grund, in die Wildnis vorzustoßen, liegt für Marlow aber auch in einer emotionalen Faszination am Abartigen, Rohen und Primitiven, das hier der Zeit zu trotzen weiß.

Moralische Normen gelten nicht in gleicher Weise für Herrscher und Beherrschte: Ein Mord an einem Herren durch „Wilde“ löst eine Strafaktion an den Bewohnern eines ganzen Dorfes aus. Die einheimischen Schwarzen werden nicht nur als Nigger und Negro bezeichnet, sondern auch als unterentwickelt und mit tierhaften Merkmalen beschrieben.

Das Zentrum von Heart of Darkness ist die Figur des Stationsleiters Kurtz, der den perfiden, skrupellosen Kolonialisten verkörpert. Durch hemmungslose Ausbeutung der Einheimischen überschreitet er seine Aufgabe in krankhaftem Ehrgeiz auch in den Augen seiner Vorgesetzten. In Kurtz’ Bericht mit Vorschlägen zur Unterdrückung der primitiven Gebräuche der Einheimischen, den Marlow auf dem Kongo liest, kommt die darwinistische Komponente rassischer Überlegenheit und das Recht zur Auslöschung der angeblich Minderwertigen zum Ausdruck. Marlow ist von der krankhaften Obsession von Kurtz angewidert, sich aber seiner eigenen Rolle im Spiel unsicher, da er sich der Gefahr ausgesetzt sieht, der Obsession selbst anheimzufallen.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orson Welles hatte bereits 1940 eine Verfilmung des Stoffs erwogen, den Plan aber dann verworfen. Die erste Verfilmung erfolgte 1958 unter dem Originaltitel innerhalb der US-amerikanischen Reihe Playhouse 90, die die ambitionierte Literaturverfilmung für das Fernsehen präsentierte. Regie führte der erst 26-jährige Ron Winston, es spielten u. a. Roddy McDowall als Marlow, Eartha Kitt als Queenie und Oskar Homolka als Doktor. Kurtz wurde von Horror-Altstar Boris Karloff verkörpert.

Der Film Aguirre, der Zorn Gottes von Werner Herzog mit Klaus Kinski aus dem Jahr 1972 ist zu großen Teilen von Conrads Buch inspiriert.[7]

Die bekannteste Umsetzung des Stoffes ist Apocalypse Now von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1979, der die Geschichte in den Vietnamkrieg transportierte und mit großem Staraufgebot (Marlon Brando, Martin Sheen, Robert Duvall und Dennis Hopper) als Antikriegsfilm in die Kinos brachte.[8]

Das Thema der Erzählung wurde in einer Episode von Miami Vice aufgegriffen: Pakt mit dem Teufel (Staffel 1, Episode 2, englischer Originaltitel: Heart of Darkness). Im Zentrum steht ein Under-Cover-Agent des FBI, der offenbar die Seite gewechselt hat und dessen Methoden unorthodox-gewalttätig geworden sind. Einige Dialogstellen kann man als Anleihen an Apocalypse Now sehen, etwa, wenn der FBI-Agent zur Rede gestellt wird und sich mit den Worten „I have seen things“ (31. Filmminute) für seine Methoden rechtfertigt.

Die Erzählung wurde 1993 unter dem Titel Heart of Darkness von Nicolas Roeg mit Tim Roth, John Malkovich und Iman Abdulmajid in den Hauptrollen als Fernsehfilm verfilmt.

Der kolumbianische Abenteuerfilm Der Schamane und die Schlange von 2015 ist keine Nacherzählung, hat aber Parallelen zu Herz der Finsternis: Die Flussfahrt ins Unbekannte, die dem Wahnsinn verfallenen Kolonialisten und die Ausbeutung von Mensch und Natur.

Sonstige Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen breiten Überblick über die literarische Rezeption und Adaptionen von Heart of Darkness bieten zwei literaturwissenschaftliche Studien (Matthias N. Lorenz: Distant Kinship – Entfernte Verwandtschaft über die deutschsprachige Literatur;[9] Regelind Farn: Colonial and Postcolonial Rewritings of Heart of Darkness vor allem über die englischsprachige und französische Literatur[10]).

Das Schauspiel Bonn führte 2015 eine Bühnenadaption der Erzählung von Jan-Christoph Gockel und David Schliesing auf.

Der Roman Trencherman des südafrikanischen Schriftstellers Eben Venter aus dem Jahr 2008 ist eine moderne Adaption der Novelle. Es verwendet zahlreiche Zitate aus Conrads Original und leicht abgeänderte Charakternamen.

Wolfram Lotz schrieb das Hörstück Die lächerliche Finsternis als Fortsetzung von Conrads Erzählung. Es wurde beispielsweise im Deutschlandfunk als Hörspiel ausgestrahlt und als Drama am 6. September 2014 am Akademietheater Wien uraufgeführt.

Die Computerspiele Far Cry 2 (2008) und Spec Ops: The Line (2012) wurden von der Erzählung inspiriert. Während Far Cry 2 einen fiktiven, von Bürgerkrieg zerrütteten afrikanischen Staat als Schauplatz wählt, verlegt Spec Ops: The Line das Geschehen in ein von Sandstürmen vollkommen zerstörtes Dubai.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Der Mensch ist ein bösartiges Tier. Seine Bösartigkeit muß organisiert werden. Das Verbrechen ist eine notwendige Bedingung der organisierten Existenz. Die Gesellschaft ist ihrem Wesen nach kriminell, sonst würde sie nicht existieren. Der Egoismus rettet alles – absolut alles –, was wir hassen, was wir lieben. Und alles bleibt so, wie es ist. Ebendies ist der Grund, warum ich die extremen Anarchisten achte. ‚Ich erhoffe die allgemeine Ausrottung‘ – sehr gut. Das ist gerecht, und, mehr noch, es ist klar. Wir gehen mit Worten Kompromisse ein. Es hilft uns auch nicht weiter. Es ist wie ein Wald, in dem niemand den Weg kennt. Man ist verloren, während man noch ruft: ‚Ich bin gerettet!‘“

Joseph Conrad: Brief an Robert Cunninghame Graham, 2. Februar 1899[11]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Von allem, was er geschrieben hatte, bewunderte ich am meisten die furchtbare Erzählung Herz der Finsternis, die seine Lebensanschauung vollkommen ausdrückt: der leidlich moralische Kulturmensch auf dem gefahrvollen Weg über eine Kruste kaum erkalteter Lava, die jeden Augenblick durchbrechen und den Unvorsichtigen in heiß lodernde Abgründe sinken lassen kann.“

„Wahrheitsgetreuer Bericht also, erlebt und erlitten. Um so mehr bestürzt uns beim Lesen der Geschichte, daß jede Einzelheit mit einer Spannung aufgeladen ist, die über einen Tatsachenbericht weit hinausgeht.“

Urs Widmer, 1992.[13]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englische Editionen: Erstausgaben, kritische und deutsch glossierte Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heart of Darkness. Hrsg. [und deutsch glossiert] von Bernhard Reitz (=RUB. Nr. 9161: Fremdsprachentexte). Reclam, Stuttgart 1984 [u. ö.], ISBN 978-3-15-009161-6.

Deutsche Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herz der Finsternis, Lizenzausgabe der Süddeutschen Zeitung, SZ Bibliothek. Auf Grundlage der Textfassung der 2004 im Diogenes erschienenen Ausgabe, Diogenes Verlag AG Zürich 2004, ISBN 3-937793-18-6 (Zitiert als: Conrad, Diogenes-SZ-Ausgabe)
  • Das Herz der Finsternis. In: Jugend. Drei Erzählungen. Berechtigte Übertragung aus dem Englischen von Ernst W. Freißler. S. Fischer, Berlin 1926, S. 49–180.
  • Das Herz der Finsternis. Erzählung. S. Fischer, Berlin 1933 [erste selbständige Buchausgabe in der deutschen Übersetzung von Ernst W. Freißler].
  • Das Herz der Finsternis. In: Wege ohne Heimkehr. Novellen. Aus dem Polnischen übersetzt von Waldemar Krause unter Mitarbeit von Bernhard von Rautenberg-Garcynski. Union, Berlin 1958, S. 5–135.
  • Herz der Finsternis. In: Jugend. Herz der Finsternis. Das Ende vom Lied. Deutsch von Fritz Lorch. Frankfurt am Main: S. Fischer, 1968, S. 59–191.
  • Herz der Finsternis. Erzählung. Aus dem Englischen übertragen von Elli Berger. In: Erzählungen I: Der Nigger von der „Narcissus“. Jugend. (Ein Bericht). Herz der Finsternis. Dieterichssche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1979.
  • Herz der Finsternis. Übersetzt und herausgegeben von Daniel Göske (= RUB. Nr. 8714). Reclam, Stuttgart 1991.
  • Herz der Finsternis. Übersetzung und Nachwort von Reinhold Batberger (=Bibliothek Suhrkamp. Bd. 1088). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992.
  • Herz der Finsternis. Mit dem „Kongo-Tagebuch“ und dem „Up-river Book“ sowie einem Nachwort im Anhang neu übersetzt von Urs Widmer. Haffmans, Zürich 1992 [Joseph Conrads Werke. „Zürcher Ausgabe“ in neu übersetzten Einzelbänden], ISBN 3-251-20123-9.
  • Herz der Finsternis. Roman. Nachwort von Tobias Döring. Neuübersetzung aus dem Englischen von Sophie Zeitz. dtv, München 2005 (dtv 13338).
  • Herz der Finsternis. Jugend. Das Ende vom Lied. Erzählungen. Aus dem Englischen neu übertragen von Manfred Allie. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007.

Illustrierte Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbücher und -spiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chinua Achebe : An Image of Africa: Racism in Conrad’s "Heart of Darkness". In: Massachusetts Review 18/1977.
  • Chinua Achebe: An image of Africa and the trouble with Nigeria, London [u. a.] : Penguin Books, 2010, ISBN 978-0-141-19258-1.
  • Hans Christoph Buch: Der widerlichste Beutezug der Geschichte – Eine literarische Spurensuche zu Joseph Conrads Erzählung "Herz der Finsternis". In: Literaturen, 6/2002.
  • Daniel Göske: Nachwort, in: Herz der Finsternis. Übersetzt und herausgegeben von Daniel Göske (= RUB. Nr. 8714). Reclam, Stuttgart 1991, S. 146 ff.
  • Jan H. Hauptmann: Aspekte der postkolonialen Conrad-Rezeption. München: AVM 2008. ISBN 978-3-89975-861-0.
  • Matthias N. Lorenz: Distant Kinship – Entfernte Verwandtschaft. Joseph Conrads »Heart of Darkness« in der deutschen Literatur von Kafka bis Kracht , Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler 2017. ISBN 978-3-476-04472-3
  • Udo Wolter: Exil der „materiellen Interessen“. In: jour fixe initiative berlin (Hrsg.): Fluchtlinien des Exils 2004 , ISBN 3-89771-431-0.
  • Winfried Speitkamp: Flussfahrt ins Grauen. "Heart of Darkness" von Joseph Conrad (1902). , in: Dirk van Laak (Hrsg.): Literatur, die Geschichte schrieb, Göttingen 2011, S. 118–133. ISBN 978-3525300152.
  • Carole Stone, Fawzia Afzal-Khan: Gender, Race and Narrative Structure: A Reappraisal of Joseph Conrad’s „Heart of Darkness“. In: Conradina 29/3 (1997), S. 221–234.
  • Joerg K. Sommermeyer: Nachwort, in: Joerg K. Sommermeyer (Hg.), Joseph Conrads Heart of Darkness. Herz der Finsternis. Englisch und Deutsch, 1. Aufl. Berlin 2018, S. 147 ff. ISBN 978-3-746-01553-8
  • Cedric Watts: Conrad’s Heart of Darkness: A Critical and Contextual Discussion. , Editions Rodopi B.V., Amsterdam/New York 2012 ISBN 978-90-420-3527-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ARD Bildungskanal, Joseph Conrad – "Herz der Finsternis", in: Klassiker der Weltliteratur 2016 [1]

<br>, Rezension von "Herz der Finsternis", in: Bücher-Wiki.de [2]

Bories vom Berg, Herz der Finsternis by Joseph Conrad, in: Neue Rezensionen, Literaturzeitschrift.de 2017 [3]

Buchvorstellung, Joseph Conrad: Herz der Finsternis, in: aus-gelesen 2019 [4]

Steffen Georgi, "Herz der Finsternis" als neoliberales Urverbrechen, in: Leipziger Volkszeitung 2019 [5]

Hanno Kesting, Joseph Conrad: "Herz der Finsternis", NDR 2016, [6]

Martin Reiterer, Joseph Conrad, Michael Köhlmeier: "Herz der Finsternis", Literaturhaus Wien 2008 [7]

red, Theaterkritik: Kolonialgeschichte aus ungewohnter Perspektive, Esslinger Zeitung 2017 [8]

Denis Scheck, Kalt lässt das "Herz der Finsternis" bis heute keinen, Welt.de 2018 [9]

Wolfgang Schneider, Buchkritik: Von Gier und Grausamkeit, Deutschlandfunk Kultur 2007 [10]

Gerhard Vogt, Joseph Conrad: Herz der Finsternis, Literaturclub Sindelfingen 2017 [11]

Irene und Dieter Wunderlich, Joseph Conrad: Herz der Finsternis, Inhaltsangabe und Rezension 2002/2020 [12]

Wikisource: Heart of Darkness – Originaltext (englisch)

Deutsche Übersetzung

Herz in der Finsternis (1993) in der Internet Movie Database (englisch)

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In deutschen Ausgaben hat die Erzählung in der Regel um die 100 Druckseiten, die Novellen des Decamerone haben in der Regel weniger als 10 Seiten.
  2. 2015 wählten 82 internationale Literaturkritiker und -wissenschaftler den Roman zu einem der bedeutendsten britischen Romane.
  3. a b Vgl. Udo Wolter 2004: Exil der „materiellen Interessen“. In: jour fixe initiative berlin (Hrsg.): Fluchtlinien des Exils.
  4. Vgl. Wiggershaus, Renate (2000): Joseph Conrad. München.
  5. Informationen aus Sommermeyer (siehe Literatur), S. 149 und nach Göske, (siehe Literatur), S. 153 f.)
  6. Auf der Brüsseler Konferenz 1876 verspricht Leopold II., "die Zivilisation dem einzigen Erdteil zu bescheren, den sie noch nicht durchdrungen hat, die Finsternis zu vertreiben, die ganze Völker gefangen hält" - und gibt damit Conrad das Stichwort für seinen Titel. (Zitiert nach Göske, siehe Literatur, S. 152)
  7. Aguirre, der Zorn Gottes, Rezension von Patrick Wolf auf filmzentrale.com, abgerufen am 3. Januar 2016
  8. Reiterer (siehe Weblinks)
  9. Matthias N. Lorenz: Distant Kinship – Entfernte Verwandtschaft. Joseph Conrads »Heart of Darkness« in der deutschen Literatur von Kafka bis Kracht, Stuttgart, Weimar: J.B. Metzler 2017, 546 S. ISBN 978-3-476-04472-3
  10. Regelind Farn: Colonial and Postcolonial Rewritings of Heart of Darkness. A Century of Dialogue with Joseph Conrad, Boca Raton (Florida): Dissertation.Com 2005. ISBN 978-1581122893
  11. Zitiert nach: Urs Widmer: Nachwort [1992]. In: Joseph Conrad: Herz der Finsternis. Erzählung. Übersetzt und mit einem Nachwort von Urs Widmer. Mit einundzwanzig Radierungen] von Claudia Berg. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-7632-5733-1, S. 203–225, hier 203.
  12. Joseph Conrad: Herz der Finsternis, Diogenes Verlag, 2005. Klappentext
  13. Urs Widmer: Nachwort [1992]. In: Joseph Conrad: Herz der Finsternis. Erzählung. Übersetzt und mit einem Nachwort von Urs Widmer. Mit einundzwanzig Kaltnadelradierungen von Claudia Berg. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-7632-5733-1, S. 203–225, hier 218.