Hindafing

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Seriendaten
OriginaltitelHindafing
Logo Hindafing.png
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Jahr2016
Produktions-
unternehmen
Neuesuper
Längeca. 45 Minuten
Episoden6 in 1 Staffel
Ausstrahlungs-
turnus
wöchentlich dienstags eine Doppelfolge
GenreSatire
TitelmusikThe Exploding Voids: „The Rest of My Days“
RegieBoris Kunz
DrehbuchNiklas Hoffmann
Boris Kunz
Rafael Parente
ProduktionRafael Parente
Simon Amberger
Korbinian Dufter
KameraTim Kuhn
Erstausstrahlung16. Mai 2017 auf BR Fernsehen
Besetzung

Hindafing ist eine bayerische Fernsehserie, die die „amigohafte bayerische Lokalpolitik“ in einem Ort „irgendwo zwischen Ingolstadt und der tschechischen Grenze“ persifliert. Die Erstausstrahlung der von Juli bis September 2016 unter dem Arbeitstitel „Willkommen in Hindafing“ an verschiedenen Orten in der Umgebung Münchens gedrehten Serie begann am 16. Mai 2017 im BR Fernsehen,[1] seit September 2017 ist die Serie als Video-on-Demand über Netflix verfügbar.[2]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept von „Hindafing“ ist aus einer Serienausschreibung des Bayerischen Rundfunks in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Fernsehen und Film München hervorgegangen. Die Bücher zur Serie entstanden dabei im Writers' Room der Produktionsfirma Neuesuper. Dem skandinavischen Shared-Vision-Prinzip folgend, schrieb Produzent Rafael Parente gemeinsam mit Autor Niklas Hoffmann und Regisseur Boris Kunz an den Folgen. Alle wichtigen Entscheidungen wurden gemeinschaftlich getroffen.[3] Das Projekt wurde vom FilmFernsehFonds Bayern mit 650.000 € gefördert.[4] Die Premiere fand am 3. Mai 2017 im Cadillac Kino im Arabellapark statt. Eine Woche vor der Erstausstrahlung im BR Fernsehen waren sämtliche Folgen vorab in der ARD Mediathek verfügbar.[5] Seit dem 2. September 2017 ist die Serie außerdem im Streamingangebot von Netflix zu finden.[2]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Szenen im und um das Hindafinger Rathaus sowie die Innenaufnahmen der Polizeistation wurden in Olching gedreht.[6]

Der privat hoch verschuldete Bürgermeister Alfons Zischl will seiner kleinen Gemeinde Hindafing, das inmitten veralteter Industrie kaum touristisch erschlossen ist, ein neues Image verschaffen. Der junge, korrumpierbare Rathauschef hat den Plan, zusammen mit dem unternehmerischen Landwirt und Bio-Metzger Sepp Goldhammer vor Ort das moderne Bio-Shoppingcenter Donau Village mit Anschluss an die A 9 zu errichten. Jedoch macht ihnen die Landespolitik einen Strich durch die Rechnung, denn Hindafing soll 50 Flüchtlinge aufnehmen. Im Gegenzug soll der verschuldete Bürgermeister Zugriff auf Schwarzgeldkonten seines verstorbenen Vaters erhalten, deren Zugang der Landrat besitzt. Außerdem spielen persönliche Probleme Zischls, wie z.B. sein Drogenkonsum sowie polizeiliche Ermittlungen gegen ihn, eine Rolle.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wenn eine Serie als das ‚bayerische Fargo‘ angekündigt wird, kann das eigentlich nur nach hinten losgehen. Tut es aber nicht. Schon nach dem Vorspann fragt man sich: Sieht so eine BR-Produktion aus? Nein, tut sie nicht. … eine rasant erzählte, schwarzhumorige Schelmengeschichte aus dem Hinterland der A9. … Großartig ist die Serie vor allem deshalb, weil sie Themen wie Flüchtlingsunterbringung, Gammelfleischskandale, Panama Papers, Demenz und Korruption federleicht und wie nebenbei unterzubringen versteht. … Für Süddeutsche ist Hindafing ein Muss, für alle anderen wünscht man sich vom BR höchstens noch Untertitel.“

Carolin Ströbele: Die Zeit[7]

„Klug, aber nicht verkopft, derb und politisch unkorrekt.“

Kathrin Hollmer: Süddeutsche Zeitung[8]

„Das BR-Fernsehen traut sich etwas und bringt eine Heimatserie an den Start, die als bayerische Antwort auf ‚Breaking Bad‘ daherkommt. … Wer nun ein fulminantes Feuerwerk erwartet, das ein Klischee nach dem anderen in die Luft jagt und in satirischer Zuspitzung ein grelles Licht der Wahrheit auf die südwestdeutsche Provinz wirft, muss allerdings eine ganze Weile warten, bis ‚Hindafing‘ zündet. Und selbst dann erweisen sich viele Gags doch eher als Knallfrösche. So viel die Autoren Niklas Hoffmann und Boris Kunz auch in ihr Drehbuch gepackt haben, den Dialogen fehlt immer wieder das richtige Timing, und der Regisseur Boris Kunz lässt es ausgesprochen ruhig angehen. Im Tempo eines extrem gemächlichen Walking Blues schlendert er in das sich anbahnende Durcheinander hinein.“

„Der BR-Sechsteiler ‚Hindafing‘ ist … bereits die zweite deutsche Serie in diesem Frühjahr, die auf internationalem Niveau inszeniert ist. ‚Hindafing‘ kommt satirisch überhöht und lustvoll ausgeschmückt daher – und greift doch mit untrüglichem Gespür für die Realität die Verwerfungen auf, die fehlgeschlagene Provinzträumereien hinterlassen. Der stolze Freistaat wird hier zum failed state samt Crystal-Meth-Küchen und gewaltbereitem Bauernprekariat, der die sozialen Brennpunkte der Städte wie Idyllen wirken lässt. Bavaria Noir.“

„… ein schwarzhumoriger, politisch unkorrekter, zuweilen auch etwas unausgegorener Spaß, geschrieben und inszeniert von einem jungen Team. Frisch-freche Unterhaltung aus der bayerischen Provinz, der man aber auch die coolen amerikanischen Vorbilder ansieht. … Man merkt den Machern an vielen Stellen an, welche Serien sie beeinflusst und wohl auch inspiriert haben … Das ist teilweise angenehm verschachtelt erzählt. … So richtig rund und flüssig ist das alles noch nicht immer. Zu schwankend ist die Qualität der einzelnen Szenen, manches wirkt unausgegoren, anderes – wie beispielsweise die Szene auf dem Fußballplatz – gerät ein wenig hölzern. Doch der innovative Anteil überwiegt deutlich. Viele Sequenzen stecken voll sprudelnder Ideen, sind schrill, schräg und herrlich pointiert. Da stimmt das Timing. Was die Macher wollen, ist spür- und sichtbar, auch wenn manch Straffung der Serie gut getan hätte.“

Volker Bergmeister: Tittelbach.tv[11]

„Fegefeuer vor Ingolstadt: ‚Hindafing‘ ist cool. ‚Hindafing‘ ist ‚Fargo‘ ohne Schnee. Eine deutsche Serie mit Weltklasseniveau, versteckt in Bayern 3, erzählt die Apokalypse eines bayerischen Dorfes.“

Elmar Krekeler: Die Welt[12]

„Mit „Hindafing“ hat der Bayrische Rundfunk einen Hit gelandet. … dass die Redaktion einen derart wilden Ritt durch die Gedanken und Handlungen von Wahnsinnigen, Halbdeppen und Arschlöchern passieren hat lassen, darf getrost als Wunder bezeichnet werden.“

Virtual-Reality-App[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Serie gibt es eine Virtual-Reality-App, „quasi ein Krimi-Spin-off“[8], mit der die Zuschauer den Tod von Zischls Vater aufklären sollen.[14]

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Schauspieler Hauptrolle
(Staffel)
Anmerkungen (mit Handlungshinweisen)
Alfons Zischl Maximilian Brückner 1.01– im Wahlkampf stehender korrumpierbarer Provinzbürgermeister von Hindafing, der zwar clever jedwede Situation für sich zu nutzen weiß, sich aber letztlich in seinen Intrigen immer weiter verheddert.
Sepp Goldhammer Andreas Giebel 1.01– Landwirt und Bio-Metzger mit dem ehrgeizigen Plan, im Ort ein modernes Bio-Shoppingparadies zu errichten: das Donau Village
Gabi Goldhammer Petra Berndt 1.01– Ehefrau von Sepp, für die sich mit der Flüchtlingsunterkunft plötzlich ganz neue Aufgabengebiete auftun
Marie Zischl Katrin Röver 1.01– mit Alfons verheiratet und Gabi befreundet, malt leidenschaftlich gerne und will im Donau Village eine kleine Galerie eröffnen
Moritz Goldhammer Roland Schreglmann 1.01– Metzgersohn, Mittelstürmer im Hindafinger Fußballverein und Mitglied der Hindafinger Feuerwehr
Karli Spitz Heinz-Josef Braun 1.01– Vereinsheim-Betreiber und Präsident des Kleintierzüchtervereins sowie Zischls größter Widersacher im Gemeinderat
Jackie Spitz Kathrin von Steinburg 1.01– von allen begehrte Tochter von Karli und alleinerziehende Mutter
Angie Johanna Bittenbinder 1.01– Sekretärin von Bürgermeister Zischl
Pfaffinger Jockel Tschiersch 1.01– Landrat, von Zischls Vater für dessen Schwarzgeld-Konten in Panama bevollmächtigt, der Zischl zur Aufnahme von 50 Flüchtlingen in Hindafing motivieren will
Erol Yildirim Ercan Karacayli 1.01– türkischstämmiger Dorfpolizist und alleinerziehender Vater zweier Kinder
Elke Bettina Mittendorfer 1.01– sanftmütige Kollegin von Erol
Pfarrer Krauss Michael Kranz 1.01– ebenso enthusiastischer wie unerfahrener Dorfpfarrer, der sich in den jungen afrikanischen Flüchtling Amadou verliebt

Episoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Titel Erstausstrahlung Regie Drehbuch Marktanteil
1.01 Donau Village 16. Mai 2017 Boris Kunz Niklas Hoffmann 1,8 % (500.000 Zuschauer)
1.02 Schwarze Kassen 16. Mai 2017 Boris Kunz Niklas Hoffmann 2,0 % (570.000 Zuschauer)
1.03 Stille Teilhaber 23. Mai 2017 Boris Kunz Niklas Hoffmann 1,0 % (290.000 Zuschauer)
1.04 Drogenpolitik 23. Mai 2017 Boris Kunz Niklas Hoffmann 0,9 % (280.000 Zuschauer)
1.05 Wahlkämpfe 30. Mai 2017 Boris Kunz Niklas Hoffmann 0,6 % (255.000 Zuschauer)
1.06 Energiewende 30. Mai 2017 Boris Kunz Niklas Hoffmann 0,6 % (180.000 Zuschauer)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hindafing wurde in den Kategorien „Kostümbild“, „Produktion“ und „Redaktion/Producing“ für den Fernsehpreis 2017 der DafF nominiert.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Drehstart „Willkommen in Hindafing“ In: BR Fernsehen 5. August 2016
  2. a b Timo Niemeier: NeueSuper bringt „Hindafing“ bei Netflix unter. In: dwdl.de. 1. September 2017; abgerufen am 3. September 2017.
  3. Informationen zur Serie, Autoren und Regisseur In: BR Fernsehen 13. April 2017
  4. 9,6 Mio. Euro an 36 Projekte: FFF Bayern fördert neue Filme von Michael Bully Herbig, Simon Verhoeven, Hans-Christian Schmid und Julia von Heinz. In: FilmFernsehFonds Bayern, 3. März 2016
  5. "Hindafing": Die Antwort des BR auf Netflix und Co.. In: The Huffington Post, 5. Mai 2017
  6. Julia Bergmann: Filmreifes Rathaus In: Sueddeutsche.de, 10. August 2016. Abgerufen am 15. Mai 2017.
  7. Carolin Ströbele: Bingewatching: Brachland Bayern: „Hindafing“ In: Die Zeit, 12. Mai 2017. Abgerufen am 16. Mai 2017.
  8. a b Kathrin Hollmer: Crystal Meth im Gemeinderathaus In: Süddeutsche Zeitung, 9. Mai 2017. Abgerufen am 16. Mai 2017.
  9. Ursula Scheer: Wird Bayern jetzt cool? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Mai 2017. Abgerufen am 16. Mai 2017.
  10. Christian Buß: Bauern hammerbreit im Renditerausch In: Der Spiegel, 9. Mai 2017. Abgerufen am 16. Mai 2017.
  11. Volker Bergmeister: Brückner, Giebel, Braun, Tschiersch: Schrill-schräger Serien-Blick auf Bayern In: Tittelbach.tv. Abgerufen am 16. Mai 2017.
  12. Elmar Krekeler: Wie in Bayern die beste deutsche Serie entstand In: Die Welt, 16. Mai 2017. Abgerufen am 16. Mai 2017.
  13. Andreas Rüttenauer: Typisch bayerisch! In: die tageszeitung, 20. September 2017
  14. Die App zur Serie: Hindafing – Der alte Zischl In: BR Fernsehen
  15. Uwe Mantel: Akademie-Fernsehpreis: "4 Blocks" führt Nominiertenliste an. In: dwdl.de, 21. September 2017