Joe Scarborough

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Joe Scarborough (2012)

Charles Joseph „Joe“ Scarborough (* 9. April 1963 in Atlanta, Georgia) ist ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und Fernsehmoderator. Scarborough wurde bekannt als Abgeordneter des amerikanischen Repräsentantenhauses (1995–2001) sowie als Moderator von Informationssendungen des US-Nachrichtensenders MSNBC (Scarborough Country, Morning Joe).

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joe Scarborough wurde im Bundesstaat Georgia geboren. Er besuchte die konfessionell geprägte Catholic High School (Katholische High School) in Pensacola (Florida). 1985 erwarb Scarborough einen Bachelor-Abschluss an der University of Alabama, fünf Jahre später, 1990, einen J.D.-Abschluss an der juristischen Fakultät der Universität von Florida (University of Florida College of Law). Scarborough gehört nicht der katholischen Kirche an, sondern bekennt sich zur baptistischen Richtung des Protestantismus.

Leben und Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 heiratete er zum ersten Mal. Aus der Ehe mit Melanie Hinton gingen zwei Söhne hervor, von denen einer am Asperger-Syndrom leidet. 1991 erhielt Scarborough die Zulassung, um als Anwalt mit Fachgebiet Zivilrecht in Florida zu arbeiten. Daneben unterrichtete er an einer High School. Außerdem produzierte er CDs mit seiner Band Dixon Mills.

Politisch trat Scarborough erstmals Ende des Jahres 1993 hervor, als er sich an der Organisation einer Bürgerinitiative gegen eine massive Erhöhung der Grundsteuer in seiner Heimatstadt Pensacola beteiligte. Im Zuge dieser Kampagne knüpfte Scarborough zahlreiche Kontakte, die ihm beim weiteren Ausbau seiner politischen Karriere zugutekamen. Im folgenden Jahr gewann Scarborough die Nominierung der Republikanischen Partei für den 1. Kongresswahlbezirk von Florida. Bei der Wahl gewann Scarborough, der 61 % der abgegebenen Stimmen erhielt, gegen den demokratischen Gegenkandidaten Vinnie Whibbs, den Staatsanwalt von Pensacola. Scarborough wurde damit der erste Republikaner, der mit der Vertretung dieses Distrikts im Kongress beauftragt wurde, seitdem dieser gegründet wurde. Seine Wahl wird üblicherweise im Zusammenhang mit dem Erdrutschsieg der Republikaner bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus dieses Jahres gesehen.

Im Repräsentantenhaus trat Scarborough die Nachfolge des demokratischen Abgeordneten Earl Hutto an. Ausschüsse, denen er angehörte, waren der Streitkräfteausschuss (Armed Services Committee), der Ausschuss für Rechtsfragen, der Ausschuss für Erziehungsfragen (Education Committee) und der Ausschuss für die Reformierung der Regierungsstrukturen (Government Reform Committee). 1998 übernahm er den Vorsitz des Ausschusses für Fragen des Öffentlichen Dienstes (Civil Service Committee).

1996 wurde Scarborough mit einem Stimmenanteil von 72 % wiedergewählt. Bei den Wahlen von 1998 und 2000 war er der einzige eigentliche Kandidat, der im 1. Kongressbezirk von Florida antrat - als „Gegenkandidaten“ waren lediglich Leerfelder im Wahlzettel vorhanden, in die der Wähler nach Belieben Namen eintragen konnte. Zusammen mit etwa 40 weiteren jungen republikanischen Abgeordneten bildete Scarborough den Zusammenschluss der Neuföderalisten (New Federalists), eine Gruppe, die sich insbesondere mit der Forderung nach drastischer Senkung der Regierungsausgaben, nach Abschaffung der Regierungsbehörden für Handel-, Erziehung, Energie- sowie Wohnungs- und Stadtplanung hervortat. Ferner wurde er von Newt Gingrich mit der Leitung einer republikanischen Arbeitsgruppe für Erziehungsfragen beauftragt. In dieser Eigenschaft äußerte er, sein Ziel bestehe darin, in der Organisation des Unterrichtsbetriebes möglichst viel Macht und Geld, das derzeit in Washington liege, in die einzelnen Klassenzimmer zu verlagern.

Im US-Kongress unterstützte Scarborough unter anderem eine Gesetzesvorlage, die die US-Regierung zwingen sollte, sich nach einer Übergangszeit von vier Jahren aus den Vereinten Nationen zurückzuziehen, sowie verschiedene Gesetzesentwürfe, die sich gegen Abtreibung wandten: so ein Gesetz, das es zu einem eigenständigen Straftatbestand erklärte, einen Fötus im Zuge eines anderen Verbrechens (wie beispielsweise einer an der Mutter verübten Körperverletzung) zu schädigen, um so die Eigenpersönlichkeit des Fötus und damit seinen Status als eigenständiges Opfer zu betonen. Scarborough stimmte 1995 für den 'Medicare Preservation Act', der einschneidende Kostenreduzierungen im Gesundheitswesen vorsah, und 1996 für den 'Small Business Job Protection Act', der den Mindeststundenlohn auf 5,15 Dollar anhob. Die 'American Conservative Union' gab ihm eine Wertung von 95 %. Als konservativ gelten insbesondere seine Voten in Fragen der Wirtschaft, des Sozialwesens und der Außenpolitik. Als Gemäßigter gilt er dagegen in Umweltangelegenheiten und in Fragen der Menschenrechte.

Öffentliches Aufsehen erregte der Tod von Scarboroughs Mitarbeiterin Lori Klausutis, die am 20. Juli 2001 in Scarboroughs Büro in Fort Walton Beach starb. Es gab zahlreiche Spekulationen im Internet; 2004 kam es zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen Scarborough und dem Filmemacher Michael Moore.

Im Mai 2001 erklärte Scarborough, dass er seinen Sitz im Kongress am 6. September 2001 abgeben werde, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Seinen Rücktritt reichte er am 5. September 2001 ein. Anschließend trat er in die Anwaltskanzlei von Fred Levine in Florida ein und übernahm auch Aufträge der Kanzlei Beggs and Lane. 2002 wurde Scarboroughs in das Gremium The President’s Council on the 21st Century Workforce berufen, das sich mit der Entwicklung des US-Arbeitsmarktes im 21. Jahrhundert befassen und – basierend auf seinen Erkenntnissen – Handlungsempfehlungen für die zukünftige Arbeitsmarktpolitik der Regierung erstellen sollte.

Im Oktober 2001 heiratete Scarborough Susan Waren, mit der er in Pensacola lebt. Aus der Ehe ist eine weitere Tochter hervorgegangen. Waren ist eine ehemalige Mitarbeiterin von Jeb Bush, damals Gouverneur von Florida.

Seine Erfahrungen als junger republikanischer Abgeordneter im Kongress der Clinton-Jahre verarbeitete Scarborough in dem Buch Rome Wasn’t Burnt in a Day von 2004, einer Mischung aus Erlebnisbericht und politischer Reflexion, in der er insbesondere die, seiner Meinung nach, unverantwortliche Ausgabenpolitik der beiden großen Parteien kritisiert.

Im April 2003 begann Scarborough als hauptberuflicher Fernsehmoderator für den Kabelsender MSNBC zu arbeiten. Dort erhielt er zunächst die nach ihm benannte Sendung Scarborough Country, eine Informationssendung, die eine Mischung aus Einspielbeiträgen zu aktuellen Themen, Diskussionen mit prominenten Gästen sowie persönlich gefärbten Kommentaren Scarboroughs bot. Eine dreistündige Radiosendung, die Scarborough 2005 erhielt, und die werktags zwischen 10.00 und 13.00 Uhr (Ostküstenzeit) ausgestrahlt wurde, gab er bereits nach wenigen Monaten Laufzeit wieder auf, weil sich nicht hinreichend viele landesweite Radioanstalten als Lizenznehmer für das Format fanden.

Im Mai 2007 wurde Scarborough einer von vier im Rotationsverfahren eingesetzten Gastgebern der morgendlichen Nachrichtensendung Morning on MSNBC. Im Juli desselben Jahres wurde dieser Sendeplatz mit der Sendung Morning Joe auf Scarborough zugeschnitten. Die Sendung erzielte zeitweise eine durchschnittliche Einschaltquote von etwa 550.000 Zuschauern pro Sendung und galt nach den Konkurrenzsendungen Fox and Friends auf Fox News und American Morning auf CNN als die dritterfolgreichste Sendung dieses Formats. Seine Co-Moderatorin ist hier Mika Brzezinski. Ergänzend zu seiner Tätigkeit als Moderator seiner eigenen Sendung tritt Scarborough regelmäßig als Gast-Kommentator oder Panelist (Podiumsdiskutant) in anderen Nachrichtensendungen, wie Hardball with Chris Matthews oder Race for the White House, sowie in Unterhaltungsformaten, wie Real Time with Bill Maher oder The Colbert Report, auf.

Am 10. November 2008 (kurz nach der Wahl Obamas zum US-Präsidenten) sagte Scarborough live in seiner Show den Satz These were decent steady men who don't go around flipping people off or screaming 'fuck you' at the top of their lungs. (Dies waren anständige solide Männer, die nicht ausrasteten oder aus voller Kehle "Fick dich" schrieen.) Das Wort „fuck“ galt damals im amerikanischen Fernsehen als „unflätig“ und wurde üblicherweise durch einen Piepton überspielt. Sein Satz spielte auf Rahm Emanuel an, der damals designierter Stabschef des Weißen Hauses war (und das Amt bis Oktober 2010 ausübte).

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rome Wasn't Burnt in a Day, 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]