Bill Nelson

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Bill Nelson
Bill Nelson
Land: USA
Organisation: NASA
Datum der Auswahl: 9. November 1984
(1. Politiker-Gruppe)
Anzahl der Raumflüge: 1
Start: 12. Januar 1986
Landung: 18. Januar 1986
Gesamtdauer: 6d 2h 3min
Ausgeschieden: 18. Januar 1986
Raumflüge

Clarence William „Bill“ Nelson Jr. (* 29. September 1942 in Miami, Florida) ist ein amerikanischer Politiker und ehemaliger Astronaut. Seit dem Jahr 2001 gehört er als Vertreter Floridas dem Senat der Vereinigten Staaten an. Zuvor war er Mitglied des US-Repräsentantenhauses und diente in der Regierung seines Bundesstaates.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bill Nelson schloss die High School in Melbourne 1960 ab und studierte bis 1965 an der Yale University, die er mit dem Bachelorgrad in Politikwissenschaft abschloss. Danach absolvierte er ein Jurastudium an der University of Virginia und erhielt dort 1968 den Juris Doctor. Im selben Jahr wurde er in Florida als Anwalt zugelassen.

Von 1965 bis 1971 diente Nelson in der US Army Reserve und leistete von 1968 bis 1970 seinen aktiven Dienst, den er im Rang eines Captains abschloss. 1970 begann er in Melbourne als Anwalt zu arbeiten und beriet den Gouverneur Floridas, Reubin Askew, im folgenden Jahr in Gesetzgebungsfragen.

Nelson ist seit 1972 mit Grace Cavert verheiratet; sie haben zwei Kinder.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Wahlen 1972 trat Nelson selbst in die Politik ein und wurde in das Repräsentantenhaus von Florida gewählt, dem er von 1973 bis 1979 angehörte. Dort wirkte er an der ersten Gesetzgebung gegen Computerbetrug mit und setzte sich für Gesetze ein, die das Bevölkerungswachstum steuern.[1]

Bei der Wahl 1978 wurde Nelson ins Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten gewählt. Dort war er Abgeordneter von 1979 bis 1991, zuerst für den 9., dann für den 11. Kongresswahlbezirk – ein Gebiet, das Orlando und die zentrale Ostküste Floridas („Space Coast“) mit den Raumfahrtzentren Cape Canaveral und Kennedy Space Center umfasst. Er gehörte im Kongress zu den frühen Befürwortern eines ausgeglichenen Bundeshaushalts.[2]

1990 bewarb er sich innerparteilich um die Nominierung der Demokraten für den Posten des Gouverneurs von Florida, unterlag jedoch klar dem ehemaligen US-Senator Lawton Chiles. Anschließend arbeitete Nelson wieder als Rechtsanwalt[3] und wurde 1994 in die Regierung des Bundesstaats Florida gewählt, in der er sechs Jahre lang als Finanzaufseher (treasurer), Versicherungsaufseher (insurance commissioner) und Feuerwehraufseher (fire marshal) diente und pragmatische konkrete Arbeit etwa für Verbraucherschutz leistete.[4]

Bei der Wahl 2000 wurde Nelson für Florida in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt. Mit einem Stimmanteil von 51 Prozent siegte er recht knappen gegen den Republikaner Bill McCollum. Bei der Wahl 2006 wurde er mit 60,3 Prozent der Wählerstimmen gegen Katherine Harris bestätigt. Auch bei der Senatswahl 2012 konnte sich Nelson mit über 55 Prozent gegen den republikanischen Kandidaten Connie Mack durchsetzen.[5] Sein gegenwärtiges Mandat läuft bis zum 3. Januar 2019.

Bei der Wahl im November 2018 kandidiert Nelson erneut. Er ist inzwischen der einzige bundesstaatsweit gewählte Demokrat in Florida.[6] Mit seinem Herausforderer Rick Scott, dem scheidenden republikanischen Gouverneur des Staates, ist ihm nach Einschätzung politischer Beobachter ein starker Gegner erwachsen; sie rechnen mit einem Kopf-an-Kopf Rennen. Scott investierte in den teuren Medienmärkten Floridas von Beginn an große Summen und suchte die Unterstützung von Latinos, sodass ihn im Sommer Umfragen und Angehörige des Politikbetriebs im Vorteil sahen.[7] Die erste Umfrage nach der Vorwahl Ende August sah beide Politiker bei je 49 Prozent. Während die Republikaner darauf hinweisen, dass Scott bei der Vorwahl mehr Stimmen erhielt als jemals ein Senatskandidat zuvor in Florida, hoffen die Demokraten darauf, dass die Nominierung des Afroamerikaners Andrew Gillum als Gouverneurskandidat Angehörige von Minderheiten auch für Nelson mobilisiert.[8] Ende September sahen Umfragen und Beobachter Nelson wieder leicht vorn.[9]

Positionen und Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nelson setzt sich vor allem für regional bedeutsame Themen wie das Raumfahrtprogramm oder Umweltschutzregulierungen ein und gilt als fachlich versiert. In Grundsatzfragen gilt er als linksliberal („liberal“); er befürwortet Wahlfreiheit bei Schwangerschaftsabbrüchen (Pro-Choice) und eine schärfere Kontrolle bei Waffenverkäufen. Im Jahr 2010 stimmte er für die Abschaffung der bis dahin geltenden Regelung Don’t ask, don’t tell, die offen Homosexuellen den Militärdienst verwehrte und unterstützte 2013 die Öffnung der Ehe für Homosexuelle. Fiskalpolitisch setzt er sich für eine Anhebung der Steuern für Wohlhabende und eine Erhöhung des Mindestlohns ein. Er beschäftigt sich auch mit den Auswirkungen des Klimawandels insbesondere für Florida.

Er tritt zurückhaltend und bescheiden auf und ist auch wegen seiner spärlichen Präsenz im Fernsehen nicht weithin bekannt. Im Rahmen seines Senatswahlkampfs 2018 trat Nelson stärker in die Öffentlichkeit, unter anderem, als er die Politik der Regierung Trump, bei illegalen Grenzübertritten Kinder von ihren Eltern zu trennen, kritisierte und Zutritt zu einer Aufnahmeeinrichtung für diese Kinder im südlichen Florida verlangte.[10]

Astronautentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

NASA-Foto von Bill Nelson

Nelson reiste nach Senator Jake Garn aus Utah als zweiter Politiker in den Weltraum (siehe die Liste der Raumfahrer). Mit Garn durchlief er auch das Astronautentraining der NASA im Johnson Space Center (Houston), das im September 1985 begann.

Nelson startete am 12. Januar 1986 als Nutzlastspezialist mit der Raumfähre Columbia zur sechstägigen Mission STS-61-C ins All. Hauptziel der Mission war es, den Kommunikationssatelliten SATCOM Ku-1 in seine Umlaufbahn zu bringen. Außerdem wurden kleinere astrophysikalische und materialwissenschaftliche Experimente durchgeführt.

Zehn Tage nach seiner Rückkehr explodierte die Raumfähre Challenger beim Start, die komplette Besatzung kam ums Leben. Nelson sollte ursprünglich bei dieser Mission mitfliegen, ein Terminkonflikt führte aber zur Verlegung seines Flugs auf einen früheren Start.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Jamie Buckingham: Mission: An American Congressman’s Voyage to Space. Harcourt Brace Jovanovich, San Diego, CA 1988, ISBN 0151055564 (Memoiren).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bill Nelson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bill Nelson. In: NASA.gov, Juli 2008.
  2. Bill Nelson. In: NASA.gov, Juli 2008.
  3. Kurzbiografie bei Spacefacts.de.
  4. Bill Nelson. In: Encyclopedia Britannica, 9. Februar 2009; Bill Nelson. In: NASA.gov, Juli 2008.
  5. Florida Election Results 2012: Sen. Bill Nelson coasts to reelection; Rivera loses House seat; Obama leads Romney. In: The Washington Post, 7. November 2012.
  6. Zum Wahlkampf im Kontext der politischen Geschichte Floridas Sean Trende: Sizing Up the Florida Senate Race. In: RealClearPolitics, 28. August 2018.
  7. Adam C. Smith: New Florida poll shows dead heat governors’ races, Rick Scott edging Bill Nelson. In: The Tampa Bay Times, 8. Mai 2018; Adam C. Smith: Florida Insider Poll: Doubts about Bill Nelson beating Rick Scott grow. In: The Tampa Bay Times, 10. Mai 2018; Chuck Todd, Mark Murray, Carrie Dann: In Florida Senate race, Dems face down a daunting price tag. In: NBC News, 15. Mai 2018.
  8. Ledyard King: Dead heat: Poll finds pivotal Florida Senate race between Rick Scott and Bill Nelson tied. In: USA Today, 5. September 2018; John Kennedy: Could Andrew Gillum victory give boost to Bill Nelson? In: The Daytona Beach News-Journal, 1. September 2018. Siehe auch die Umfragezusammenstellung Florida Senate – Scott vs. Nelson. In: RealClearPolitics.
  9. Harry Enten: The Florida Senate race may be moving away from Republican Rick Scott. In: CNN.com, 29. September 2018.
  10. Bill Nelson. In: Encyclopedia Britannica, 9. Februar 2009; Patricia Mazzei: Meet Bill Nelson, the Under-the-Radar Senate Candidate in Florida. He’s the Incumbent. In: The New York Times, 6. August 2018.