Kastl (bei Kemnath)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kastl
Kastl (bei Kemnath)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kastl hervorgehoben

Koordinaten: 49° 50′ N, 11° 54′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Tirschenreuth
Verwaltungs­gemeinschaft: Kemnath
Höhe: 450 m ü. NHN
Fläche: 24,75 km2
Einwohner: 1410 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km2
Postleitzahl: 95506
Vorwahl: 09642
Kfz-Kennzeichen: TIR, KEM
Gemeindeschlüssel: 09 3 77 128
Gemeindegliederung: 13 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 5
95506 Kastl
Website: www.kastl-kem.de
Bürgermeister: Hans Walter (CSU)
Lage der Gemeinde Kastl im Landkreis Tirschenreuth
Landkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis BayreuthLandkreis Neustadt an der WaldnaabErbendorfPullenreuthKastl (bei Kemnath)WaldershofKemnathWiesauWaldsassenTirschenreuthReuth bei ErbendorfPlößbergPechbrunnNeusorgBad NeualbenreuthMitterteichMähringLeonberg (Oberpfalz)KulmainKrummennaabKonnersreuthFuchsmühlFriedenfelsFalkenberg (Oberpfalz)EbnathBrand (Oberpfalz)BärnauImmenreuthTschechienKarte
Über dieses Bild

Kastl ist eine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landschaft am Fuße des Rauhen Kulm, von der Haidenaab durchflossen, bietet mit ihren ausgedehnten Wäldern vielfältige Wandermöglichkeiten.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 13 Gemeindeteile:[2]

Innenansicht der Dorfkirche St. Margaretha
Im Ortszentrum

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kastl gehörte zum Rentamt Amberg und zum Landgericht Waldeck des Kurfürstentums Bayern.

Ein geschichtlicher Höhepunkt der Ortschaft war die gewonnene Schlacht gegen eine Franzosentruppe am 26. August 1796. Die Kastler Bauern traten den mit Schusswaffen ausgerüsteten Franzosen nur mit Mistgabeln entgegen und konnten sie so von einem Überfall auf die Nachbarstadt Kemnath abhalten. Dies war nur möglich, weil die Soldaten die Nacht zuvor einiges über den Durst getrunken hatten.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname „Kastl“ kommt mehrfach in Bayern vor. Der historische Atlas von Bayern, Band Kemnath, bezeichnet in der Zeit von 1244 bis 1747 folgende Schreibvarianten: „Chasten“, „Kastel“, „Castel“ und „Castl“. Es gibt verschiedene Ursprungsformen für den Ortsnamen Kastl, wie z. B.: „Kasten“ = Speicher (vgl. Briefkasten, Kleiderkasten, Getreidespeicher oder -Kasten) „Castell“ = Festung, Bollwerk, Burg, Zufluchtsort „Castulus“ = römischer Märtyrer, dessen Gebeine zunächst in Moosburg waren und später nach Landshut überführt wurden.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet dieses Ortsnamens war früher noch weitaus größer. Im Zuge der Gebietsreformen haben viele Einöden, Weiler oder Mühlen ihren ursprünglichen Namen aufgegeben und den der Großgemeinde angenommen. Für den Ort Kastl (bei Kemnath) kommt aus den oben aufgeführten Ursprungswörtern nur die Ableitung von „Speicher“ in Frage. Die geht auf eine Regelung zurück, wonach man früher Beamten und Dienern Grundstücke von der Gemeinde oder von der Grundherrschaft zuwies und dafür einen Getreidezins forderte, also eine Art Naturalsteuer. Dazu war ein Aufbewahrungsort notwendig, ein Speicher oder „Kasten“, der vom „Kastenamt“ (heute: Finanzamt) verwaltet wurde. Aufgrund der schon im Mittelalter bemerkenswerten Größe der Pfarrei Kastl und der Zugehörigkeit zu den Burgherren von Waldeck und Leuchtenberg sowie des nahen Klosters Speinshart befand sich im Ort ein solcher „Getreidekasten“. Im Salbuch von 1283 wird das „Schlössl“ (Hausnr. 17) bezeichnet, auf dessen Grundmauern sich das heutige „Löindlhaus“ befindet. Kellergewölbe und Brunnen sind noch vorhanden.

Neben den verschiedenen Ortsnamen, welche sich aus dem o.a. Wortstamm bilden, wie „St. Kastl“ oder „Markt Kastl“ (b. Amberg) leiten sich auch zahlreiche Familiennamen davon ab, so z. B. „Kastner“, ein Name der in der Region um Kastl weit verbreitet ist.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1945 oder 1946 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wolframshof eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Unterbruck hinzu.[3] Am 1. Januar 1978 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Löschwitz eingegliedert.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kastl konnte als eine von vier Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth 2004 einen Einwohnerzuwachs vermelden und zählte 1398 Bewohner. Kastl hat auch den größten Anteil Minderjähriger im gesamten Landkreis.

Zwischen 1988 und 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1244 auf 1399 um 155 bzw. um 12,5 %, das war der höchste prozentuale Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Ortsteilen Wolframshof und Unterbruck gibt es zwei Schlösser mit großen zugehörigen Ländereien (Agrarflächen und Waldstücke). Ein weiteres Bauwerk ist die Kirche St. Margaretha in der Dorfmitte. Im Friedhof sowie im Schloss Wolframshof steht je ein sogenannter Bonifatiusstein. Solche Steine ließ Bonifatius überall dort, wo er missionierte, als Zeichen seines Wirkens aufstellen.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Kastl (bei Kemnath)

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Kastl wurde Kreissieger 2005 beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft.

Politik, Verwaltung und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: 1. Mai 2020

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist Hans Walter,[5] Zweite Bürgermeisterin Michaela Veigl. Beide gehören der CSU an.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Kemnath.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen Gemeinde Kastl
Blasonierung: „In Rot unter silbernem Schildhaupt, darin zwei mit einem waagrechten roten Steg verbundene rote Radkreuze, über einem silbernen Schildchen, darin ein blauer Balken, zwei silberne Drachenflügel.“[6]

Führung seit 1982.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Sportverein im Gemeindegebiet ist der TSV 1960 Kastl mit den Sparten Fußball, Volleyball, Tennis, Tischtennis, Schifahren, Wandern und mit mehreren Turngruppen. Außerdem gibt es den Schützenverein Einigkeit Hubertus Kastl. Er ist im Besitz einer der modernsten Schießsportanlagen Europas. Sehr erfolgreich ist die Jugendarbeit mit vier Weltmeisterschaftstiteln, einer Europameisterin und mehreren Titelträgern auf nationaler Ebene (Deutscher und Bayerischer Meister).

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Mitglieder aller Vereine kann der Kulturtreff Kastl mit 940 Personen aufweisen. Die Kastler Kleinkunsttage sind der kulturelle Höhepunkt eines jeden Jahres. An der Veranstaltung nehmen immer mehrere, meist aus dem Fernsehen bekannte Kabarettisten und Sänger teil. Die Rockband Troglauer Buam wohnt zum Teil in Kastl, auch ihr namensgebender Proberaum Muhbarack in Troglau liegt auf dem südlichen Gemeindegebiet.

Erntedankzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1950 gibt es in Kastl einen historischen Erntedankzug. Bei dem nur alle zehn Jahre stattfindenden Festzug wird das bäuerliche Leben so dargestellt, wie es einmal war. Die Liste der Festwagen ist lang: Von der Bauernhochzeit, dem Pferdegespann mit beladenem Heuwagen, einer Schulklasse mit Lehrer bis hin zur Hutza-Stub'n ist alles dabei. Über 30 Festwagen und zahlreiche Fußgruppen stellen das Leben auf dem Lande möglichst identisch dar. An dem Festzug beteiligen sich alle Vereine der Kirchengemeinde Kastl mit nahezu 500 Mitwirkenden. Der Festzug im Jahr 2000 lockte über 8000 Besucher an.

Amerikanische Siedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Anfang 2005 hat die Gemeinde Kastl auch 40 US-amerikanische Mitbürger. Die im Zuge der Erweiterung des Grafenwöhrer Truppenübungsplatzes gebauten Häuser stehen unweit der Dorfmitte und bilden ein „amerikanisches Viertel“.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kastl liegt günstig im Städtedreieck Bayreuth, Weiden, Marktredwitz und hat mit der Staatsstraße 2665 eine direkte Verbindung zur B 22 und B 299 und damit auch an die Autobahnen A 9 und A 93.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größten Arbeitgeber des Ortes sind die Firma IEM Fördertechnik GmbH (Förderbänder, Förderanlagen), die bis nach Brasilien und Indien liefert, das Bauunternehmen Johann Heining und die Firma Heinrich Hoven.

Dienstleistungen und Betriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindegebiet Kastl gibt es eine Grundschule, einen Kindergarten, eine katholische Kirche, mehrere Banken und Versicherungen, mehrere Wirtshäuser, ein Café, Frisörläden, Allgemeinarzt, Zahnarzt, Physiotherapie, Massagepraxis, Bäckerei, Metzgerei, Werbeagentur, Malerbetrieb, Dachdeckerbetrieb, Bauunternehmen, eine Freiwillige Feuerwehr, Elektrogeschäft und Sägewerk.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kastl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111108/091341&attr=OBJ&val=1083
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 495.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 663.
  5. Bürgermeister. Gemeinde Kastl, abgerufen am 29. August 2020.
  6. Eintrag zum Wappen von Kastl (bei Kemnath) in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte