Grafenwöhr

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Grafenwöhr
Grafenwöhr
Deutschlandkarte, Position der Stadt Grafenwöhr hervorgehoben

Koordinaten: 49° 43′ N, 11° 54′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Neustadt an der Waldnaab
Höhe: 410 m ü. NHN
Fläche: 216,19 km2
Einwohner: 6419 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner je km2
Postleitzahl: 92655
Vorwahl: 09641
Kfz-Kennzeichen: NEW, ESB, VOH
Gemeindeschlüssel: 09 3 74 124
Stadtgliederung: 11 Gemeindeteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 1
92655 Grafenwöhr
Website: www.grafenwoehr.de
Erster Bürgermeister: Edgar Knobloch[2] (CSU)
Lage der Stadt Grafenwöhr im Landkreis Neustadt an der Waldnaab
Landkreis BayreuthLandkreis SchwandorfWeiden in der OberpfalzLandkreis TirschenreuthLandkreis Amberg-SulzbachGeorgenbergPleysteinNeustadt am KulmPressathTrabitzEschenbach in der OberpfalzBechtsriethWindischeschenbachWeiherhammerWaldthurnWaidhausVohenstraußTheisseilTännesbergStörnsteinSchwarzenbach (Oberpfalz)SchlammersdorfSchirmitzPüchersreuthPirkParksteinNeustadt an der WaldnaabMantel (Markt)Luhe-WildenauLeuchtenbergKohlberg (Oberpfalz)KirchenthumbachKirchendemenreuthIrchenriethGrafenwöhrFlossenbürgFloß (Oberpfalz)EtzenrichtEslarnAltenstadt an der WaldnaabSpeinsharter ForstManteler ForstVohenstraußHeinersreuther Forst (Oberpfalz)TschechienVorbachSpeinshartMoosbach (Oberpfalz)Karte
Über dieses Bild
Der Wasserturm, Wahrzeichen der Stadt Grafenwöhr (1911)
Alte Amberger Straße

Grafenwöhr ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab. Die flächengrößte Gemeinde Nordbayerns ist durch den Truppenübungsplatz Grafenwöhr überregional bekannt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenwöhr liegt im nordwestlichen Teil der Oberpfalz und damit im Oberpfälzischen Hügelland.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt elf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3]

Truppenübungsplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Teil des Truppenübungsplatzes gehört heute zum Stadtgebiet. Das ehemals gemeindefreie Gebiet Truppenübungsplatz Grafenwöhr mit einer Fläche von 8749,97 Hektar, das die 1938/39 aufgelösten Gemeinden Haag, Höhenberg, Hopfenohe, Kaundorf, Leuzenhof, Nunkas, Oberfrankenohe und Pappenberg umfasste, wurde am 1. Juli 1978 vollständig in das Stadtgebiet eingegliedert und das gemeindefreie Gebiet damit aufgelöst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtgründung erfolgte im Jahr 1361. Bis 1421 war Grafenwöhr unter der Herrschaft der Landgrafen von Leuchtenberg, bis 1621/28 kurpfälzisch, danach kurbayerisch. Seit 1732 wird der 20. Januar, der Tag des hl. Sebastian (Pestpatron der Stadt), als örtlicher Feiertag/Patronatstag begangen. Bis 1900 hatte die Stadt nur 900 Einwohner.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 20. Jahrhundert trat unter dem Einfluss des in der Nähe befindlichen Truppenübungsplatzes (gegründet 1908) ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Von 1914 bis 1918 bestand auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes das Kriegsgefangenenlager Grafenwöhr. In Grafenwöhr wurde 1944 auch die neuaufgestellte italienische Division "San Marco" ausgebildet. Sie wurde am 18. Juli 1944 von Benito Mussolini besucht. Zudem befand sich in Grafenwöhr eine belarussische Offiziersschule, die unter dem Kommando von Barys Rahulja stand.[4]

Grafenwöhr und das Übungsplatzgelände wurden am 5. April 1945 gegen 11 Uhr schwer bombardiert. Das Bombardement dauerte ca. 15 Minuten, dabei wurde das Heeresverpflegungsamt und der Militärbahnhof vollkommen zerstört; 74 Menschen kamen dabei ums Leben. Bereits am 8. April 1945 um 11.30 Uhr wurde Grafenwöhr ein weiteres Mal durch 203 amerikanische B17-Bombern wesentlich heftiger bombardiert. Das Ostlager Grafenwöhr wurde vollkommen zerstört. Zwei Stunden dauerte das Bombardement, dabei wurden 427,5 t Sprengbomben und 178,5 t Brandbomben abgeworfen. 210 Gebäude wurden zerstört, über 3000 Menschen wurden obdachlos. Am 19. April 1945 rückte die 11. US-Panzerdivision in Grafenwöhr ein. Einen Tag später entdeckten die Amerikaner in Grafenwöhr drei Millionen chemische Artilleriegeschosse – das größte Giftgaslager der Wehrmacht. Am 21. April 1945 entdeckte die 11. US-Panzerdivision am Truppenübungsplatz ganze Wagenladungen mit Munition und anderes Kriegsgerät.[5]

Der Truppenübungsplatz wird derzeit von der US Army und der Bundeswehr genutzt.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1946 wurde ein Teil der ehemals selbständigen Gemeinde Thomasreuth eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Gmünd und Teile von Hütten, Kürmreuth und Sigras hinzu.[6] Zum 1. Juli 1978 wurde das gemeindefreie Gebiet Truppenübungsplatz Grafenwöhr eingemeindet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 5759 auf 6363 um 604 Einwohner bzw. um 10,5 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist seit 2014 Edgar Knobloch (CSU). Vorgänger war Helmuth Wächter (SPD).

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat setzt sich aus dem 1. Bürgermeister und 20 Stadtratsmitgliedern zusammen.

Sitzverteilung
Kommunalwahl 2002 2008 2014 2020
CSU 11 8 9 11
SPD 07 81 6 5
Freie Wählergemeinschaft 02 3 3 4
Die Linke 0 11 2 -
Gesamt 20 20 20 20
1 Während der Wahlperiode verließ ein Stadtrat die SPD-Fraktion und war seitdem fraktionslos. Heute ist er Vorsitzender des neu gegründeten Ortsverbandes der Partei DIE LINKE.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Grafenwöhr
Blasonierung:Gespalten; vorne die bayerische Raute, hinten in Schwarz ein rot gekrönter und bewehrter goldener Löwe.“[7]

Dieses Wappen wird seit dem 15. Jahrhundert geführt.

Wappenbegründung: Die bayerischen Rauten und der goldene Pfälzer Löwe unterstreichen die Stadtherrschaft der Wittelsbacher. Schon das im frühen 15. Jahrhundert entstandene und in Abdruck seit 1508 bekannte Siegel zeigte dieses Schildbild, meist jedoch mit ungekröntem Löwen. In der Farbgebung traten seit dem 16. Jahrhundert verschiedene Abweichungen auf. Das hintere Feld wurde früher, dann auch von Otto Hupp rot tingiert; anlässlich der Wappenbestätigung 1819 wurde der Löwe in ein silbernes Feld gestellt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seit 1995 besteht eine Städtepartnerschaft mit Grafenwörth (Österreich).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus von 1462
Kirche „Maria Himmelfahrt“
„Dreifaltigkeitskirche“
Maria-Hilf-Kirche auf dem Annaberg

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der bis 1911 von Wilhelm Kemmler errichtete Wasserturm ist heute ein Wahrzeichen der Stadt Grafenwöhr[8]
  • Historische Altstadt
  • Spätgotisches Rathaus von 1462
  • Zehentkasten von 1532
  • Pestsäule vermutlich von 1496
  • Restaurierter Teil der Stadtmauer
  • Schönberg mit Naturbühne
  • Kirche Maria Himmelfahrt
  • Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit
  • Annaberg mit Maria-Hilf-Kirche
  • Friedhofskirche St. Ursula (1593)
  • Schloss Grub, auch Hofmarkschloss genannt (1714)
  • Schloss Hammergmünd-Grafenwöhr (1762)

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feste und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsch-Amerikanisches Volksfest

Jedes Jahr findet Anfang August das Deutsch-Amerikanische Volksfest auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr statt. Die Veranstaltung ist ein Besuchermagnet für die gesamte Region und zählt in drei Tagen einen Zuspruch von weit mehr als 100.000 Personen. Im Jahr 2013 aus Budgetmangel durch die US-Armee abgesagt, lag es 2020 und 2021 an der Corona-Pandemie.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenwöhr liegt direkt an der B 299.

Flugverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafenwöhr verfügt über einen Militärflugplatz.
Der nächste internationale zivile Flughafen befindet sich in Nürnberg.

Solarpark Hütten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtteil Hütten steht die größte Freiflächensolaranlage der Oberpfalz mit einer Spitzenleistung von 15,7 Megawatt. Sie erstreckt sich über 35 Hektar.[9]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Truppenübungsplatz ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region und bietet mehr als 3600 Personen einen Arbeitsplatz.

Im Gründerzentrum Grafenwöhr-Eschenbach-Pressath werden Existenzgründer beraten.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadthalle
  • Waldbad
  • Bars
  • Gaststätten
  • Fun-Park
  • Indoor-Spielplatz „MegaPlay“
  • Sportheim

Rundfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einstiger AFN-Sendemast Grafenwöhr, Höhe: 66 Meter; der Mast wurde 2009 abgerissen, nachdem ein ähnlich gebauter Mast nördlich von Vilseck im Herbst 2008 seine Funktion übernommen hat.
  • bis Herbst 2008: Mittelwellensender des AFN
  • seit Herbst 2009 AFN THE EAGLE auf UKW
  • Oberpfalz TV (Regionalfernsehen)
  • Radio Ramasuri (Regional)
  • Radio Galaxy (Regional, Jugendsender)

Zeitung und Magazine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschsprachige Zeitungen und Magazine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtanzeiger (monatlich)
  • VierStädtedreieck Magazin (monatlich)
  • Der Neue Tag (Tageszeitung)
  • OWZ (Anzeigenblatt)
  • Rundschau (Anzeigenblatt)
  • grafenwoehr.com Newspaper (bis Ende Dezember 2010)
  • grafenwoehr-news.com Newspaper (bis Ende Dezember 2012)

Englischsprachige Zeitungen und Magazine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • grafenwoehr.com Newspaper (bis Ende Dezember 2010)
  • grafenwoehr-news.com Newspaper (bis Ende Dezember 2012)
  • Stars and Stripes
  • Bavarian News (bis Ende Oktober 2012)
  • Bavarian Times Magazin (seit 2013)
  • MWR-Magazine

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Drei Kindergärten
  • Schulvorbereitende Einrichtung
  • Volksschule
  • St.-Michaels-Werk e. V. Berufsschule zur individuellen Lernförderung
  • Kaufmännisches Schulungszentrum

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Grafenwöhr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Grafenwöhr – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Stadtrat. Stadt Grafenwöhr, 2014, abgerufen am 30. März 2021.
  3. Gemeinde Grafenwöhr in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 16. April 2021.
  4. Mark Alexander: Nazi Collaborators, American Intelligence, and the Cold War. The Case of the Byelorussian Central Council. University of Vermont Graduate College Dissertations and Theses, Nr. 424, 2015, S. 73.
  5. German Vogelsang: SIE KOMMEN! Die letzten Kriegstage in der Oberpfalz 1945. Amberg 2015, ISBN 978-3-95587-008-9, S. 10–11, 13–14, 22–23.
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 459 und 460.
  7. Eintrag zum Wappen von Grafenwöhr in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  8. Gerald Morgenstern: Grafenwöhr / Glücksfall fürs Museum / Nachlass von Baurat Wilhelm Kemmler dokumentiert Übungsplatz-Geschichte (Memento vom 13. Oktober 2015 im Internet Archive), in der Version vom 11. November 2010 auf der Seite owz-online.de, der online-Ausgabe der Oberpfälzer Wochenzeitung (wöchentliches Anzeigenmagazin des Verlagshauses Der neue Tag)
  9. „Hoffnung auf sonnenreiche Zukunft“. Oberpfalznetz Abgerufen am 26. Juni 2013
  10. Olaf Meiler: Elvis Presley als Soldat auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr i.d. Oberpfalz. Deutsch-Amerikanisches Volksfest Grafenwöhr, 11. Januar 2005, abgerufen am 12. Mai 2014.