Pechbrunn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Pechbrunn
Pechbrunn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Pechbrunn hervorgehoben
Koordinaten: 49° 58′ N, 12° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Tirschenreuth
Verwaltungs­gemeinschaft: Mitterteich
Höhe: 560 m ü. NHN
Fläche: 26,46 km²
Einwohner: 1365 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95701
Vorwahl: 09231
Kfz-Kennzeichen: TIR, KEM
Gemeindeschlüssel: 09 3 77 145
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 12
95701 Pechbrunn
Webpräsenz: www.pechbrunn.de
Bürgermeister: Ernst Neumann (CSU)
Lage der Gemeinde Pechbrunn im Landkreis Tirschenreuth
Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Landkreis Bayreuth Landkreis Neustadt an der Waldnaab Lenauer Forst Erbendorf Pullenreuth Kastl (bei Kemnath) Waldershof Kemnath Wiesau Waldsassen Tirschenreuth Reuth bei Erbendorf Plößberg Pechbrunn Neusorg Neualbenreuth Mitterteich Mähring Leonberg (Oberpfalz) Kulmain Krummennaab Konnersreuth Fuchsmühl Friedenfels Falkenberg (Oberpfalz) Ebnath Brand (Oberpfalz) Bärnau Immenreuth TschechienKarte
Über dieses Bild

Pechbrunn ist eine Gemeinde im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Mitterteich.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Pechbrunn liegt am Nordausläufer des Naturparks Steinwald, umgeben von Basaltkuppen.

Der sagenumwobene Teichelberg (685 m) mit Waldbeständen und seltener gewordener Flora wie Waldmeister und Maiglöckchen und Fundplätzen für Mineralien bietet einen Blick über die beiden Ortsteile Pechbrunn und Groschlattengrün, deren geschichtliche Spuren als Pechofen und Brunnen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts im Nordgau (Bayern) reichen. Die umgebende Landschaft gehörte mit Unterbrechungen seit Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1803 mit einem Ministerialensitz in dem heutigen Dorf Schlößl zur ausgedehnten Grundherrschaft des nahe gelegenen Klosters Waldsassen; die untertänigen Bewohner teilten dessen historisches Schicksal mit Verwüstungen und Glaubenswechseln.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pechbrunn hat vier Ortsteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Siedler ließen sich im 12. Jahrhundert beim Pechofen und beim Brunnen im Walde nieder. 1237 erhielt Heinrich von Liebenstein das Gebiet um den Teichelberg mit der Ansiedlung Grün, 1289 verkaufte er mehrere Ansiedlungen an das Kloster Waldsassen. Um 1320 wurde die Ortschaft Pechbrunn gegründet, sie zählte anfangs 97 Einwohner und 13 Häuser.

Groschlattengrün wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. Zunächst zur Burggrafschaft Nürnberg gehörig[3] kam der Ort für vier Jahrhunderte zum Fürstentum Bayreuth.

Im 16. Jahrhundert wurden in einem Saalbuch des Klosters Waldsassen in Pechbrunn sechs Familien erwähnt. Groschlattengrün, das in den Besitz eines mit niederer Gerichtsbarkeit ausgestatteten Grundherren kam, bildete im Stiftland eine Enklave.[4]

Von 1556 bis 1661 waren Pechbrunn und Schlössl in drei Generationen evangelisch-lutherisch, als sich 1556 der bayerische Kurfürst Ottheinrich von Wittelsbach der Reformation angeschlossen und sein Kurland Bayern das lutherische Glaubensbekenntnis auf Grund des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens aus dem Jahr 1555 angenommen hatte. Im Jahr 1661 wurden Pechbrunn und die Nachbarorte durch die Rekatholisierung nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wieder römisch-katholisch. Die Grundherrschaft des Klosters Waldsassen kam durch Teilverkäufe an neue Eigentümer. Markgraf Georg der Fromme führte 1528 im Fürstentum Bayreuth die Reformation ein. Groschlattengrün, das zu seinem Territorium gehörte, blieb protestantisch.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges gehörte das Dorf Pechbrunn in der Gemeinde Konnersreuth von 1661 bis zur Säkularisation in Bayern im Jahre 1803, als es bayerischer Landesbesitz wurde, zum sogenannten Stiftland des Klosters Waldsassen, war dem Kloster untertänig und zu Steuer- und Robotleistungen verpflichtet. Das heutige Dorf Schlössl, der ehemalige Ministarialensitz des Klosters Waldsassen, kam durch Kauf als Rittergut an die Herren von Waldenfels (Adelsgeschlecht), ein fränkisches Adelsgeschlecht.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Pechbrunn eine Heilquelle gefasst, die als „bei den Fixen“ bekannt war. Sie erhielt im Jahre 1916 als Silvana-Heilquelle die staatliche Anerkennung als Heilquelle. Das Mineralwasser wurde von der Firma Franken-Brunnen bis Anfang der 1990er Jahre bis zur Stilllegung der Abfüllanlage in Pechbrunn in Süddeutschland vertrieben. Im Wappen des Ortes Pechbrunn wird sie rechts unten, vom Betrachter aus gesehen, als blaue Quelle unter einem grünen Tannenbaum in Silber, links begleitet von dem silberfarbigen Stab eines Abtes in Rot, dargestellt.

Der erste urkundliche Basaltabbau ist für das Jahr 1880 belegt. Seit 1889 wird am Großen Teichelberg bei Pechbrunn auf einer vom Freistaat Bayern gepachteten Fläche hochwertiger Basalt abgebaut. Der Steinbruch wurde von der Firma Staudt & Comp. erschlossen und 1926 von der Basaltwerk Groschlattengrün GmbH übernommen. Als Folge der Namensänderung der Gemeinde erfolgte 1963 die Umbenennung in Basaltwerk Pechbrunn GmbH.[5]

Am 1. Juni 1882 erhielt Pechbrunn mit der Eröffnung des Lückenschlusses Wiesau–Marktredwitz der Bahnstrecke Regensburg–Hof einen Bahnhof. Da die kleine Ortschaft verwaltungsrechtlich nicht selbstständig war, erhielt er – wie auch die Poststion – den Namen Groschlattengrün. Bis zur Jahrhundertwende war die Bahnstrecke eingleisig, der Ausbau auf zwei Gleise bereitete Probleme. Der Bahnhof lag unmittelbar am Basaltwerk, das nicht versetzt werden konnte. Am 30. und 31. Oktober 1900 wurde daher das Empfangsgebäude von seinem Fundament abgetrennt, um vier Zentimeter angehoben und um zehn Meter nach Norden verschoben. Während dieser Aktion ging der Betrieb, auch im Gebäude, ohne nennenswerte Unterbrechungen weiter.[6]

Bereits in den Jahren 1895 und 1897 versuchten die ortsansässigen Honoratioren, beim Königlichen Bezirksamt in Tirschenreuth die Bildung einer eigenständigen politischen Gemeinde Pechbrunn, unter Eingemeindung der Basaltwerksgrundstücke, zu erreichen. Hintergrund war der Umstand, dass der Grund, auf dem der Steinbruch lag, zu Pechbrunn gehörte, das Werk selbst aber zwar mitten in Pechbrunn, doch auf Grund und Boden der Ortschaft Oberteich lag. Das hatte zur Folge, dass soziale Unterstützungszahlungen für die Arbeiter des Steinbruchs von Pechbrunn geleistet werden mussten, die Gewerbesteuer aber nach Oberteich abfloss.

Nach 1918 wurde die Gemeindeverwaltung nach Pechbrunn verlegt, 1916 das Standesamt. Obwohl Pechbrunn mittlerweile der größte Ort im Gemeindebezirk geworden war, hieß die Gemeinde weiterhin Pechofen. Am 8. März 1961 beschloss der Gemeinderat schließlich die Umbenennung, die das Bayerische Staatsministerium des Inneren mit Schreiben vom 2. Februar 1962 vollzog. Die Poststation erhielt am 1. März 1962 den neuen Namen, der Bahnhof am folgenden 27. Mai.[5]

Seit dem Jahre 1954 steht auf einer Anhöhe über dem Ort die evangelische Friedenskirche. Seit 1913 besteht die katholische Herz-Jesu-Kirche.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Groschlattengrün eingegliedert.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnis der Kommunalwahl 2014:

Bürgermeister wurde Ernst Neumann (CSU).

Gemeinderat:

  • CSU: 8 Sitze (56,9 %)
  • SPD: 5 Sitze (43,1 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 75,5 %.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Gespalten von Rot und Silber; links ein linksgewendeter silberner Abtstab, rechts eine grüne Tanne, aus der unten eine blaue Quelle strömt.

Das Wappen wird seit 1963 geführt.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tagebau der Basaltwerk Pechbrunn GmbH

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pechbrunn liegt an der Bahnstrecke Regensburg–Oberkotzau. Am Bahnhof halten Züge der Oberpfalzbahn. Nächstgelegene Autobahnanschlussstellen sind Mitterteich-Nord aus Richtung Süden und die Anschlussstelle Pechbrunn der A 93 aus Richtung Norden.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Kardinal Grillmeier SJ (1910–1998), Sohn eines Landwirts in Pechbrunn und naher Verwandter der Therese Neumann, genannt Resl von Konnersreuth, über deren Mutter Anna, geborene Grillmeier. Er feierte 1937 in Pechbrunn in der Kirche am heutigen Kardinal-Grillmeier-Platz seine Primiz und kam wenige Jahre vor seinem Tod noch einmal zu einem Besuch nach Pechbrunn.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pechbrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Grunert: Chronik der Ortschaft Groschlattengrün von der Gründung bis zur Eingemeindung nach Pechbrunn im Jahr 1972; Bayreuth ²2006 Volltext

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111108/155929&attr=OBJ&val=1093
  3. Karte des Heilgen Römischen Reichs um 1400
  4. Historisches bei pechbrunn.de, abgerufen am 12. März 2016
  5. a b  Michael Ernstberger: Nordbayerische Feld- und Grubenbahnen und die Geschichte ihrer Betriebe. 1. Auflage. 2005, S. 8.
  6. Michael Ernstberger: Nordbayerische Feld- und Grubenbahnen und die Geschichte ihrer Betriebe, S. 9
  7.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 580.