Liebenwalde

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Liebenwalde
Liebenwalde
Deutschlandkarte, Position der Stadt Liebenwalde hervorgehoben
Koordinaten: 52° 52′ N, 13° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberhavel
Höhe: 41 m ü. NHN
Fläche: 142,2 km2
Einwohner: 4261 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einwohner je km2
Postleitzahl: 16559
Vorwahl: 033054
Kfz-Kennzeichen: OHV
Gemeindeschlüssel: 12 0 65 193
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 20
16559 Liebenwalde
Webpräsenz: www.liebenwalde.de
Bürgermeister: Jörn Lehmann
Lage der Stadt Liebenwalde im Landkreis Oberhavel
Fürstenberg/Havel Zehdenick Liebenwalde Oranienburg Mühlenbecker Land Glienicke/Nordbahn Birkenwerder Hohen Neuendorf Hohen Neuendorf Hennigsdorf Leegebruch Velten Oberkrämer Kremmen Löwenberger Land Gransee Gransee Schönermark Sonnenberg Großwoltersdorf Stechlin Großwoltersdorf Berlin Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-VorpommernKarte
Über dieses Bild

Liebenwalde ist eine amtsfreie, kreisangehörige Stadt im Landkreis Oberhavel in Brandenburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt 21 km nordöstlich von Oranienburg an der Bundesstraße 167. Sie gehört zum Naturraum der Zehdenick-Spandauer Havelniederung. Im Nordosten erstreckt sich die Waldlandschaft Schorfheide. In der Umgebung befinden sich der Voßkanal, der Lange Trödel, der Oder-Havel-Kanal, die Havel sowie der Mühlensee, der Beverinsee und der langgestreckte Wutzsee.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich nach ihrer Hauptsatzung[2] in sechs Ortsteile:

Es existieren folgende Wohnplätze: Angra Pequena, Ausbau am See, Bergemannhof, Bischofswerder, Emilienfelde, Falkenhorst, Försterei Bismark, Großsiedlung, Hammerbruch, Heidchen, Höpen, Kleinsiedlung, Kreuzthal, Liebenwalder Schleuse, Rehhorst, Sandberge, Sperberhof und Walterhof.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Liebenwalde (Neubau Anfang 19. Jh.)

Etwa um das Jahr 1200 errichteten Askanier eine Burg auf einem bereits existierenden Burgberg. Die Gründung erfolgte wohl 1232. 1244 jedenfalls wird Liebenwalde als Levenwalde erstmals urkundlich erwähnt. Das älteste bekannte Stadtsiegel stammt aus dem Jahre 1349.

2000 bis 2002 konnten im Stadtkern von Liebenwalde Teile des mittelalterlich bis frühneuzeitlichen Friedhofs archäologisch erfasst und dabei insgesamt 442 Bestattungen geborgen werden. Die 172 spätmittelalterlichen Individuen wurden von der Anthropologin Bettina Jungklaus untersucht.[4] Die Lebenserwartung ist mit 29,1 Jahren vergleichsweise hoch; die der Frauen war jedoch niedriger als die der Männer. Der Sterbegipfel der Gesamtbevölkerung liegt im fortgeschrittenen Alter. Die Kindersterblichkeit ist mit 30 % typisch für mittelalterliche Verhältnisse. Frauen hatten das größte Sterberisiko im gebärfähigen Alter zwischen 20 und 40 Jahren, Männer dagegen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Die durchschnittliche Körperhöhe der Bevölkerung war im Vergleich eher niedrig. Frauen waren im Schnitt 1,54 m, Männer 1,65 m groß. Eine Kariesfrequenz von 57 % und eine Kariesintensität von 7 % zeigte eine geringe Belastung mit Zahnkaries, was auf fleischreiche Kost hinwies. Hinweise auf Mangelernährung und Infektionserkrankungen fanden sich dagegen häufig.

Mit dem Bau des Finowkanals 1746 gewann der Ort an wirtschaftlicher Bedeutung, die jedoch wieder zurückging, als 1914 der Oder-Havel-Kanal schiffbar wurde.

Nachdem 1832 ein Brand Kirche, Pfarrhaus, Spritzenhaus und mehr als 20 Bürgerhäuser vernichtet hatte, wurde 1835 die neu errichtete Kirche eingeweiht und 1879 das neue Rathaus fertiggestellt. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz folgte 1901 mit dem Bau einer von Berlin über Basdorf nach Liebenwalde führenden Strecke (Heidekrautbahn), deren Abschnitt Wensickendorf–Liebenwalde 1997 stillgelegt wurde.

Im Zuge der Ämterbildung in Brandenburg schlossen sich 1992 Liebenwalde, Hammer, Kreuzbruch, Liebenthal und Neuholland zu einer Verwaltungsgemeinschaft, dem Amt Liebenwalde, zusammen. Sitz des Amtes war die Stadt Liebenwalde. Am 26. Oktober 2003 schlossen sich die vormals selbstständigen Gemeinden Hammer, Liebenthal, Neuholland und die Stadt Liebenwalde (Amt Liebenwalde) und die Gemeinde Freienhagen (Amt Oranienburg-Land) zur neuen Stadt Liebenwalde zusammen.[5] Das Amt Liebenwalde wurde aufgelöst, die Stadt Liebenwalde amtsfrei.[6]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 2 639
1890 2 569
1910 3 316
1925 2 454
1933 2 665
1939 2 966
1946 3 708
1950 3 734
1964 3 375
1971 3 178
Jahr Einwohner
1981 3 044
1985 2 970
1989 2 956
1990 2 872
1991 2 793
1992 2 753
1993 2 697
1994 2 682
1995 2 671
1996 2 660
Jahr Einwohner
1997 2 653
1998 2 608
1999 2 589
2000 2 623
2001 2 638
2002 2 600
2003 4 661
2004 4 608
2005 4 582
2006 4 548
Jahr Einwohner
2007 4 497
2008 4 458
2009 4 390
2010 4 334
2011 4 275
2012 4 229
2013 4 191
2014 4 198
2015 4 261

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[7][8], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19 % der Einwohner von Liebenwalde gehörten 2011 der evangelischen Kirche an, 2 % der katholischen Kirche.[9] Auf evangelischer Seite umfasst die Kirchengemeinde Liebenwalde den größten Teil des Stadtgebietes; zu ihr gehören die Stadtkirche in Liebenwalde sowie die Dorfkirchen in Hammer und Liebenthal. Seit Oktober 2016 bildet sie zusammen mit den Kirchengemeinden Neuholland, Wensickendorf und Zehlendorf den Pfarrsprengel Liebenwalde. Die Dorfkirche Kreuzbruch wurde profaniert. Der Stadtteil Freienhagen ist der Kirchengemeinde Nassenheide zugeordnet. Die Katholiken in allen Stadtteilen gehören der Kirchengemeinde Herz Jesu im gut 20 km entfernten Oranienburg an. Außerdem gibt es im Ortsteil Liebenwalde eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche, zu der ca. 100 Mitglieder gehören.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 48.9 %
 %
40
30
20
10
0
35,2 %
20,6 %
16,9 %
13,3 %
12,0 %
LGU
BfL

Die Stadtverordnetenversammlung von Liebenwalde besteht aus 16 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[10]

  • CDU: 6 Sitze
  • Landwirtschaft, Gartenbau, Umwelt: 3 Sitze
  • Die Linke: 3 Sitze
  • Bürger für Liebenwalde: 2 Sitze
  • SPD: 2 Sitze
Rathaus von Liebenwalde

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jörn Lehmann (parteilos) wurde in der Bürgermeisterwahl vom 11. September 2011 mit 81,0 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt (Wahlbeteiligung 48,4 %).[11]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 18. November 2004 genehmigt. Blasonierung: „In Silber eine bewurzelte grüne Linde, beseitet rechts von einem silbernen, an einem Ast hängenden Dreieckschild, belegt mit einem gold-bewehrten roten Adler, und links von einem Topfhelm mit einem schwarzen Flug, belegt mit gestürzten goldenen Lindenblättern.“[12]

Partnergemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinde von Liebenwalde ist Hasloh in Schleswig-Holstein.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtkirche Liebenwalde von Schinkel
Denkmalgeschütztes Gebäude in der Zehdenicker Straße

In der Liste der Baudenkmale in Liebenwalde stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Die klassizistische Pfarrkirche entstand in den Jahren 1833 bis 1835 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel. Das Rathaus der Stadt wurde 1879 in historistischen Formen errichtet.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Liebenwalde erhielt 1878 ein Amtsgericht. Das alte Rathaus war dafür zu klein, und so wurde innerhalb kürzester Zeit das heutige Rathaus errichtet. Zwei Jahre später entstand direkt hinter dem Rathaus das Stadtgefängnis. 1952 wurde es geschlossen und anschließend als Abstellraum, Kohlenkeller und Archiv genutzt. Im Jahr 1997 gründete sich der Liebenwalder Heimat- und Geschichtsvereins e. V., vorrangig mit dem Ziel, im jetzt unter Denkmalschutz stehenden, aber maroden Gebäude ein Museum einzurichten. Mit Fördermitteln von Land und Bund und der Unterstützung von Handwerkern der Region, Vereinsmitgliedern und vielen Helfern war es möglich, dass das „Heimatmuseum Liebenwalde“ im Mai 1999 eröffnet werden konnte. Heute informiert die Ausstellung über die Stadtgeschichte, die Vergangenheit der heutigen Ortsteile, über Kirchen-, Schul-, Vereinsgeschichte und die Historie von Industrie, Handwerk und Gewerbe. Man erfährt Wissenswertes über die Binnenschifffahrt, besonders zum Finowkanal und zur Niederbarnimer Eisenbahn-Aktiengesellschaft, vielen bekannt als „Heidekrautbahn“.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich stattfindende Veranstaltungen in Liebenwalde sind das Museumsfest, das Osterfeuer, die Museumsnacht und der Weihnachtsmarkt, weiterhin die Handball- und Fußballtage mit jeweils ausgiebigem Rahmenprogramm, das Frühlingsfest im Haustierpark Liebenthal und die Schlachtefeste der Hofläden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liebenwalde liegt an der Bundesstraße 167 zwischen Neuruppin und Eberswalde und der Landesstraße L 21 zwischen Zehdenick und Wensickendorf, die sich in der Stadt kreuzen. Durch Liebenwalde führt die Deutsche Tonstraße sowie – in der Stadt von Kreuzbruch kommend und weiter nach Bischofswerder führend – der Radfernweg Berlin-Kopenhagen.

Bedeutung für die Binnenschifffahrt hat der Vosskanal, der sich südlich der Stadt als Malzer Kanal fortsetzt und in den Oder-Havel-Kanal mündet.

Seitdem der von Basdorf nach Liebenwalde führende Zweig der „Heidekrautbahn“ zwischen Wensickendorf und Liebenwalde mit den Bahnhöfen Liebenwalde und Kreuzbruch 1997 stillgelegt wurde, ist der Ort im öffentlichen Personennahverkehr nur noch mit Bussen erreichbar.

Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Zugelassene PKW (zum 1.1.)[13] 2 498 2 513 2 482 2 501 2 502 2 489 2 511 2 517 2 550
PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 555 564 565 577 585 589 599 600 598
Vergleichswert Land Brandenburg 510 514 521 528 542 546 548 551 551

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Brandschutz der Stadt Liebenwalde stellen insgesamt sechs Feuerwehren in den einzelnen Ortsteilen sicher. Zu den Aufgaben des Löschzuges in Liebenwalde und der fünf Löschgruppen in den Ortsteilen gehören zudem Hilfeleistungs- und Sondereinsätze. Die Stadt Liebenwalde ist als Träger des Brandschutzes zuständig für die gesamte Technik der Feuerwehr und die finanzielle Zuarbeit.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fußballmannschaft des FV Liebenwalde spielt in der Saison 2016/17 in der Kreisoberliga Oberhavel/Barnim.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Liebenwalde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Stadt Liebenwalde vom 26. Februar 2009 PDF
  3. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg - Stadt Liebenwalde
  4. Projekt Liebenwalde. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  5. Bildung einer neuen Stadt Liebenwalde Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 14. November 2002 . Amtsblatt für Brandenburg Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 14. Jahrgang, 2003, Nummer 9, Potsdam, den 5. März 2003, S. 273 PDF
  6. Fünftes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Barnim, Märkisch-Oderland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Uckermark (5. GemGebRefGBbg) vom 24. März 2003 Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 05, S. 82, geändert durch Gesetz vom 1. Juli 2003 (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 10, S. 187)
  7. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel. S. 18-21
  8. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  9. Zensusdatenbank auf zensus2011.de
  10. Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014
  11. Ergebnis der Bürgermeisterwahl vom 11. September 2011
  12. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  13. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3