Großwoltersdorf

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Wappen Deutschlandkarte
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Großwoltersdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großwoltersdorf hervorgehoben

Koordinaten: 53° 4′ N, 13° 6′ O

Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberhavel
Amt: Gransee und Gemeinden
Höhe: 68 m ü. NHN
Fläche: 52,66 km2
Einwohner: 792 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 15 Einwohner je km2
Postleitzahl: 16775
Vorwahl: 033082
Kfz-Kennzeichen: OHV
Gemeindeschlüssel: 12 0 65 117
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Baustraße 56
16775 Gransee
Website: gransee.de
Bürgermeister: Ingo Utesch
Lage der Gemeinde Großwoltersdorf im Landkreis Oberhavel
Fürstenberg/HavelZehdenickLiebenwaldeOranienburgMühlenbecker LandGlienicke/NordbahnBirkenwerderHohen NeuendorfHohen NeuendorfHennigsdorfLeegebruchVeltenOberkrämerKremmenLöwenberger LandGranseeGranseeSchönermarkSonnenbergGroßwoltersdorfStechlinGroßwoltersdorfBerlinMecklenburg-VorpommernMecklenburg-VorpommernKarte
Über dieses Bild

Großwoltersdorf ist eine Gemeinde im Norden des Landkreises Oberhavel in Brandenburg und gehört zum Amt Gransee und Gemeinden.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großwoltersdorf gliedert sich nach seiner Hauptsatzung[2] in die sechs Ortsteile

sowie die Wohnplätze[3] Eichelkamp, Kelkendorf, Neue Siedlung, Plantage, Wolfsluch und Zernikower Mühle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großwoltersdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1490 gehörte Großwoltersdorf zur im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin der Grafen von Lindow-Ruppin.

Zernikow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zernikow wurde 1362 erstmals urkundlich erwähnt. Um 1490 war Zernikow ein Teil der im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin unter der Landesherrschaft der Grafen von Lindow-Ruppin. Mitte des 17. Jahrhunderts war das Rittergeschlecht derer von Zernikow überschuldet. Nach diversen anderen Besitzern erwarb Kronprinz Friedrich 1737 das Gut Zernikow und schenkte es 1740 seinem Vertrauten und Diener Michael Gabriel Fredersdorff. Dieser erweiterte das Gut, wobei das Gutshaus 1746 nach Plänen aus Knobelsdorffs Baubüro entstand. Er ließ 1747 eine Maulbeerplantage anlegen und 1751, neben weiteren Alleen, auch die heute denkmalgeschützte Maulbeerallee.

Fredersdorff heiratete 1750 die Erbin des Bankiers Gottfried Adolph Daum, Caroline Maria Elisabeth Daum (1730–1810), und diese wiederum nach Fredersdorffs Tod 1760 Johann Freiherrn von Labes (1731–1776). Ihre Kinder waren Amalie Karoline von Labes (1761–1781) und Hans von Labes (1763–1831), der spätere Erbauer der Burg Schlitz. Amalie Karoline von Labes heiratete 1777 den Joachim Erdmann Freiherr von Arnim (1741–1804); die gemeinsamen Kinder waren Carl Otto genannt Pit von Arnim (1779–1861) und der spätere romantische Dichter Ludwig Achim (1781–1831) verheiratet mit Bettina von Arnim (* 4. April 1785 in Frankfurt am Main; † 20. Januar 1859 in Berlin).

Später war Erwin Kühnemund von Arnim, verheiratet mit Agnes von Baumbach, Grundbesitzer des Rittergutes.[4] Ihr Sohn wurde der letzte Herr auf Zernikow. Bis 1945 bewirtschaftete Friedmund Freiherr von Arnim (1897–1946), auf[5] Wiepersdorf im Ländchen Bärwalde, mit seiner Frau Clara von Arnim, geb. von Hagens (1909–2009), die örtliche 991 ha große Besitzung, bis 1929 formell als Frhr. v. Arnim`sche Erben bezeichnet.

Gemeindegebietsveränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Juli 1950 wurde die Gemeinde Buchholz zusammen mit den anderen Orten des Fürstenberger Werders aus dem mecklenburgischen Landkreis Neustrelitz in das Land Brandenburg umgegliedert.[6] Während die übrigen dieser Gemeinden unmittelbar zum Landkreis Templin kamen, gehörte Buchholz für zwei Monate zum Landkreis Ruppin und wurde anschließend ebenfalls in den Landkreis Templin eingegliedert. Mit der Verwaltungsreform von 1952 kamen die Gemeinden Altglobsow, Buchholz, Burow, Großwoltersdorf, Wolfsruh und Zernikow zum Kreis Gransee im Bezirk Potsdam.

Seit 1957 fanden auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Großwoltersdorf drei Gemeindegebietsveränderungen statt. In zwei Fällen handelte es sich um Eingemeindungen, im dritten Fall um eine Gemeindeneugründung.[7]

Wirkungsdatum Aufgelöste Gemeinde Aufnehmende Gemeinde Art der Veränderung
1957, 1. Januar Burow Altglobsow Eingemeindung
1974, 30. April Altglobsow
Buchholz
Zernikow Eingemeindung
1998, 27. September Großwoltersdorf (bis 1998)
Wolfsruh
Zernikow
Großwoltersdorf Gemeindeneugründung

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 428
1890 434
1910 464
1925 496
1933 462
1939 461
Jahr Einwohner
1946 756
1950 678
1964 498
1971 473
1981 409
1985 422
Jahr Einwohner
1990 411
1995 406
2000 992
2005 966
2010 860
2015 793
Jahr Einwohner
2016 768
2017 762
2018 759
2019 754
2020 778
2021 792

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl Stand 31. Dezember (ab 1991)[8][9][10], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Der Anstieg der Bevölkerungszahl im Jahr 2000 ist auf den Zusammenschluss von Großwoltersdorf, Wolfsruh und Zernikow zur neuen Gemeinde Großwoltersdorf im Jahr 1998 zurückzuführen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Großwoltersdorf besteht aus zehn Mitgliedern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem Ergebnis:[11]

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze
Wählergemeinschaft Großwoltersdorf 27,9 % 3
Wählergemeinschaft Bürgerinitiative Wolfsruh 23,7 % 2
CDU 21,6 % 2
Bündnis 90/Die Grünen 12,8 % 1
Die Linke 07,9 % 1
Wählergruppe Frischer Wind 06,0 % 1

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 1998: Ingo Utesch (Bürgerinitiative Wolfsruh)[12]

Utesch wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 82,6 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[13] in seinem Amt bestätigt.[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutshaus in Zernikow
Fredersdorff'sches Erbbegräbnis
Dorfkirche Wolfsruh

In der Liste der Baudenkmale in Großwoltersdorf stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

  • Gutshaus in Zernikow, in dem Achim von Arnim als Kind häufig seine Ferien verbrachte. In dem Haus informiert ein Museum über den romantischen Dichter. Dort findet das Ritterfest und das Maulbeerfest am 1. Wochenende im August statt; im Inspektorenhaus werden Lesungen und in der alten Brennerei Ausstellungen veranstaltet.
  • Zernikowsche Dorfkirche mit Patronatsloge unter der Empore. Die Restaurierung der Kirche wurde in den Jahren zwischen 1999 und 2004 unter anderem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert. An der Empore hängen die Stifterporträts: Hans Reichs Freiherr von Labes auf Zernikow (* 6. Januar 1731; † 27. Juli 1776); Amalia Caroline von Arnim geb. von Labes (* 13. Mai 1761; † 14. Februar 1781); Carolina Maria Elisabeth von Labes geb. Daum (* 27. Juli 1730; † 10. März 1810); Michael Gabriel Fredersdorff (* 6. Juni 1708; † 17. Januar 1758), Königlich Preußischer Geheimer Kämmerer. In der unter dem Altar befindlichen Gruft liegen die Särge von Hans Ehrenteich von Schöning und seiner Frau Johanna Hedwig, geb. von Guericke (Besitzer von Zernikow 1709–30).
  • Fredersdorffsches Erbbegräbnis, das 1777 von Carolina Maria Elisabeth von Labes verwitwete Fredersdorff geb. Daum gestiftet wurde (bis 1999 restauriert). Bis nach dem Zweiten Weltkrieg standen darin die Sarkophage von Michael Gabriel Fredersdorff (* 6. Juni 1708; † 14. Januar 1758), Carolina Maria Elisabeth von Labes (* 27. Juli 1730; † 10. März 1810), Amalia Carolina von Arnim geb. von Labes (* 13. Mai 1761; † 14. Februar 1781), Hans Reichsfreiherr von Labes (* 6. Januar 1731; † 27. Juli 1776) und Freiherr Carl Otto Ludwig von Arnim (* 1. August 1779; † 9. Februar 1861)
  • Inspektorenhaus in Zernikow (heutzutage Gasthof).
  • In Zernikow mehrere Alleen, darunter eine Lindenallee und Maulbeerallee.[15][16][17]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großwoltersdorf liegt an der Landesstraße L 222 zwischen Menz und Gransee.

Der Bahnhof Großwoltersdorf lag an der Bahnstrecke Gransee–Großwoltersdorf, auf der der Personenverkehr 1969 eingestellt wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Großwoltersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung und Flächen der kreisfreien Städte, Landkreise und Gemeinden im Land Brandenburg 2021 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen, bezogen auf den aktuellen Gebietsstand) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Großwoltersdorf vom 5. März 2009 1998 verwaltungsportal.de @1@2Vorlage:Toter Link/daten.verwaltungsportal.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF)
  3. Gemeinde Großwoltersdorf. (Memento des Originals vom 19. Oktober 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/service.brandenburg.de Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  4. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1903. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 4. Auflage. Arnim, III. Linie: Gerswalde. 3. Zweig: Blankensee. Justus Perthes, Gotha 10. November 1902, S. 54–55 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 22. Juni 2022]).
  5. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Güter-Adressbuch der Rittergüter, Güter und Höfe (über 20 ha) der Provinz Brandenburg, Verzeichnis. Mit Unterstützung von Staats-unf Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin sowie der Kreislandbünde. In: Reihe Paul Niekammer. Letzte Ausgabe (Hrsg.): GAB. 4. Auflage. Band VII, Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Jüterbog-Luckenwalde. Niekammer’s Adreßbücher GmbH, Leipzig 1929, S. 23 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 22. Juni 2022]).
  6. II lit. b Nr. 2 Verordnung zur Durchführung des Gesetzes vom 28. Juni 1950 über die Änderung der Grenzen der Länder. Vom 13. Juli 1950. Provisorische Regierung der Deutschen Demokratischen Republik.
  7. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (= Beitrag zur Statistik. Band 19.7). Potsdam 2006, S. 26 (statistik-berlin-brandenburg.de [PDF; 300 kB]).
  8. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17
  9. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  10. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  11. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  12. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Oberhavel (Memento vom 4. April 2018 im Internet Archive)
  13. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  14. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
  15. „Die Maulbeerallee in Zernikow oder das Zeitalter der Seide in Brandenburg“ auf www.wanderjenosse.de (private Homepage von Sandra Fonarob)
  16. „Weiße Maulbeeren in der Maulbeerallee in Zernikow“ in Monumentale Bäume bei monumentaltrees.com
  17. „Maulbeerallee bei Zernikow“ in „Ostdeutsches Baumarchiv“, bei www.ostdeutsches-baumarchiv.de