Lucka

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Lucka (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lucka
Lucka
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lucka hervorgehoben
Koordinaten: 51° 6′ N, 12° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Altenburger Land
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 12,99 km²
Einwohner: 3823 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 294 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04613
Vorwahl: 034492
Kfz-Kennzeichen: ABG, SLN
Gemeindeschlüssel: 16 0 77 028
Stadtgliederung: Kernstadt; 2 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Pegauer Str. 17
04613 Lucka
Webpräsenz: www.lucka.de
Bürgermeisterin: Kathrin Backmann-Eichhorn (SPD)
Lage der Stadt Lucka im Landkreis Altenburger Land
Altenburg Nobitz Langenleuba-Niederhain Altkirchen Dobitschen Drogen Fockendorf Frohnsdorf Gerstenberg Göhren (bei Altenburg) Göllnitz Göpfersdorf Gößnitz Haselbach (bei Altenburg) Heukewalde Heyersdorf Jonaswalde Jückelberg Kriebitzsch Löbichau Lödla Lucka Lumpzig Mehna Meuselwitz Monstab Nöbdenitz Ponitz Posterstein Rositz Nobitz Schmölln Starkenberg Thonhausen Treben Vollmershain Wildenbörten Windischleuba Ziegelheim Thüringen Landkreis Greiz Sachsen-Anhalt SachsenKarte
Über dieses Bild

Lucka ist eine Kleinstadt im thüringischen Landkreis Altenburger Land.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haselbacher See, im Hintergrund das Kraftwerk Lippendorf

Lucka liegt am Südrand der Leipziger Tieflandsbucht inmitten einer durch ausgekohlte Braunkohlentagebaue des ehemaligen Bornaer Reviers stark veränderten Landschaft (aufgeforstete Kippen im Norden, Westen und Osten und der Haselbacher See als Tagebaurestloch). Im Norden wird im Tagebau Vereinigtes Schleenhain noch Braunkohle gewonnen. Im Süden der Stadt liegt das Gebiet des inzwischen renaturierten Tagebaus Phönix-Ost, der zum Meuselwitz-Altenburger Braunkohlerevier gehört. Durch die Stadt fließen der Rainbach und die Schnauder, welche sich nördlich der Altstadt vereinigen. Lucka ist der nördlichste Ort des zu Thüringen gehörenden Altenburger Lands im Dreiländereck Thüringen–Sachsen–Sachsen-Anhalt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) die Stadt Regis-Breitingen mit dem Ortsteil Ramsdorf im sächsischen Landkreis Leipzig und die Stadt Meuselwitz im Landkreis Altenburger Land, Elsteraue im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis sowie die Stadt Groitzsch mit den Ortsteilen Maltitz und Berndorf im Landkreis Leipzig.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Lucka gehören der Stadtteil Teuritz (um 1914 mit Lucka verschmolzen), der Luckaer Forst sowie die Ortsteile Breitenhain (Eingemeindung am 1. Oktober 1922) und Prößdorf (Eingemeindung am 8. März 1994).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

12. bis 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erinnerung an die Schlacht 1307 in Lucka
Stadtgliederung
Der Wettinerbrunnen
Rathaus

Die Besiedlung des Gebietes um Lucka lässt sich bis in die jüngste Steinzeit (etwa 5000 bis 2500 v. Chr.) nachweisen. Lucka gewann im 12. Jahrhundert wohl von der benachbarten Burg Breitenhain aus als Zollstätte der gleichnamigen Herrschaft an der Straße von Merseburg und Pegau nach Altenburg Bedeutung. Wahrscheinlich wurde es 1284 dem Kloster Grünhain geschenkt. Erstmals urkundlich erwähnt wird Lucka in einem Schriftstück des Naumburger Schätzungsverzeichnisses im Jahre 1320 als oppidum Luckowe.

1307 siegte in der Schlacht bei Lucka Friedrich der Gebissene von Wettin gegen Albrecht I. von Habsburg und sicherte damit die Herrschaft des Hauses Wettin in Mitteldeutschland.

In wettinischen Besitz muss Lucka vor 1320 gekommen sein. Stadtrichter und Rat wurden 1431 genannt, sie hatten die Niedergerichte inne. Die Stadt war mit Wällen und drei Toren gesichert und unterstand ab 1396 dem Amt Altenburg.[2][3] Ab dem 16. Jahrhundert stand Lucka mit dem Amt Altenburg aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826).

Lucka mit Ortsteil Breitenhain war 1565–1668 von Hexenverfolgung betroffen. Eine Frau und zwei Männer gerieten in einen Hexenprozess. Ein Mann wurde unter dem Vorwurf der Gotteslästerung zu Staupenschlag und Landesverweis verurteilt.[4]

Zeit zwischen 1800 und 1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Neuordnung der Ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam Lucka wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum gehörte die Stadt bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900)[5] bzw. zum Landratsamt Altenburg (ab 1900).[6] Gerichtlich war Lucka seit 1879 dem Amtsgericht Altenburg und seit 1906 dem Amtsgericht Meuselwitz zugeordnet. Lucka gehörte ab 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging. 1922 kam sie zum Landkreis Altenburg.

Unter den Handwerkern dominierten um 1800 die Schuhmacher. 1847 begann die Handschuhfabrikation, es folgte 1896 eine Eisengießerei und nach 1900 die Herstellung von Wellpappe, gummierten Papieren und die Glasveredlung. Die Herstellung von Wellpappe und Gießereierzeugnissen hat sich in modernisierten Produktionsanlagen bis zur Gegenwart erhalten.

1875–1975 bestand Bahnverbindung mit Meuselwitz und Groitzsch. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Lucka immer stärker in den Bereich der Meuselwitzer Braunkohleindustrie einbezogen.

Wellpappenfabrik

1900 wurde die Leipziger Wellpapierfabrik Gräßle, Laupitz und Co. gegründet, die ab 1903 in Lucka produzierte. Nach dem Verkauf der Firma 1991 durch die Treuhand wurden neue Hallen errichtet. Die Mitarbeiterzahl wuchs wieder auf 200 Beschäftigte.[7]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gasthaus „Deutsches Haus“ waren 50 Zwangsarbeiter untergebracht, die beim Bauern Jahr, auf dem Rittergut Teuritz und bei der Firma Moll & Söhne eingesetzt wurden. Auf der Domäne Breitenhain mussten sowjetische Kriegsgefangene zwangsarbeiten, zwei von ihnen starben 1941.[8]

Geschichte ab 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lucka war am 16. Januar 1945 Ziel eines US-Bombenangriffs. Es gab 12 Tote und Gebäudeschäden. Auch am 7. April 1945 wurde der Ort noch einmal mit Sprengbomben belegt. [9]

Bei der zweiten Kreisreform in der DDR wurden 1952 die bestehenden Länder aufgelöst und die Landkreise neu zugeschnitten. Somit kam Lucka mit dem Kreis Altenburg an den Bezirk Leipzig. Um die Stadt Lucka, die zwischen dem Bornaer Braunkohlerevier im Norden und dem Meuselwitz–Altenburger Braunkohlerevier im Süden lag, entstanden nach 1945 zahlreiche Tagebaue, u.a. die Tagebaue Schleenhain und Groitzscher Dreieck im Norden und Phönix-Ost und -Falkenhain im Süden.[10][11] Dadurch wurde ein Großteil des Luckaer Forsts vernichtet. Nach der Renaturierung der Restlöcher ist Lucka von zahlreichen Seen, wie dem Groitzscher, dem Prößdorfer und dem Haselbacher See umgeben.

Bei der Neugründung des Freistaats Thüringen im Jahr 1990 wurde Lucka als Teil des Landkreises Altenburg wieder thüringisch und gehört seit 1994 zum Landkreis Altenburger Land.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1831: 1090
  • 1960: 5787
  • 1994: 5959
  • 1995: 5877
  • 1996: 5767
  • 1997: 5621
  • 1998: 5434
  • 1999: 5217
  • 2000: 5039
  • 2001: 4858
  • 2002: 4748
  • 2003: 4636
  • 2004: 4544
  • 2005: 4475
  • 2006: 4398
  • 2007: 4337
  • 2008: 4255
  • 2009: 4198
  • 2010: 4086
  • 2011: 4085
  • 2012: 4031
  • 2013: 3938
  • 2014: 3869
  • 2015: 3823
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[12][13]
Wahlbeteiligung: 51,1 % (2009: 54,6 %)
 %
50
40
30
20
10
0
45,0 %
27,6 %
9,9 %
9,9 %
7,6 %
BfL
LWV
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 30
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
+26,5 %p
+2,5 %p
-13,2 %p
-11,6 %p
-4,2 %p
BfL
LWV
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:

  • Bürger für Lucka: 7 Sitze (45,0 %)
  • CDU: 4 Sitze (27,6 %)
  • SPD: 2 Sitze (9,9 %)
  • Luckaer Wählervereinigung: 2 Sitze (9,9 %)
  • Die Linke: 1 Sitz (7,6 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 51,1 %.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold ein gewappneter Ritter in stahlblauer Rüstung mit geöffnetem Visier auf grünem Boden stehend. Der Ritter hält in der ausgestreckten rechten Hand ein schwarzes Kreuz und in der linken Hand eine gestielte Rose; er wird rechts begleitet von einem Wappenschild, der in silbernem Felde eine rote Rose mit goldenem Stängel und grünen Kelchblättern zeigt.“

Das Wappen tauchte erstmals 1431 als Stadtsiegel auf, in dem der Ritter anstelle der Rose noch eine Geißel trug. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Rose der Altenburger Burggrafen als Stadtwappen geführt. Das Wappen wurde 1951 durch ein neues Wappen, auf dem ein Arbeiter mit Vorschlaghammer abgebildet war, ersetzt. Es wurde jedoch nach der politischen Wende wieder durch das alte abgelöst.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge der Stadt Lucka zeigt die Farben Blau - Gold (Gelb).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtkirche von Süden

Besonders bemerkenswert ist der Luckaer Markt mit der Sankt-Pankratius-Kirche, die erstmals 1396 erwähnt und Mitte des 17. Jahrhunderts neu aufgebaut wurde. 1891 bekam sie einen neuen Turm, der ihr heute eine Höhe von 56 Metern verleiht. Des Weiteren befindet sich hier der Wettiner-Brunnen mit seiner Löwenstatue aus dem Jahre 1908. Im Ortsteil Prößdorf befindet sich ein Rittergut mit historischem Eingangstor, Nebengebäuden und mehreren in Stein gehauenen Stelen. Mit Prößdorf verbindet Lucka ein Rundweg von 7,5 km Länge, der sich durch seine verkehrsarme, landschaftlich schöne Strecke auszeichnet.

In der Liste der Kulturdenkmale in Lucka sind alle denkmalgeschützten Bauwerke im Stadtgebiet aufgelistet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Das Amt Altenburg im Buch Geographie für alle Stände. ab S. 201
  3. Die Orte des Amts Altenburg ab S.83
  4. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 232; Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 473.
  5. Der Ostkreis des Herzogtums Sachsen-Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Das Landratsamt Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  7. Geschichte des Wellpappenwerkes
  8. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 21, ISBN 3-88864-343-0
  9. Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael-Imhof-Verlag, Petersberg 2013. S. 182–183. ISBN 978-3-86568-636-7
  10. Geschichte der Tagebaue Haselbach und Schleenhain in einem Dokument der LMBV
  11. Geschichte des Meuselwitz-Altenburger Reviers in einem Dokument der LMBV
  12. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2014&zeigeErg=GEM&auswertung=1&wknr=077&gemnr=77028
  13. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&auswertung=1&wknr=077&gemnr=77028
  14. Ludwig Stieda: Rinhuber, Laurentius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 53, Duncker & Humblot, Leipzig 1907, S. 399–403.
  15. Carl Bertheau: Winckler, Johann Joseph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 373–375.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lucka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien