Gößnitz (Thüringen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gößnitz
Gößnitz (Thüringen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gößnitz hervorgehoben
50.89027777777812.432777777778202Koordinaten: 50° 53′ N, 12° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Altenburger Land
Höhe: 202 m ü. NHN
Fläche: 14,04 km²
Einwohner: 3652 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 260 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04639
Vorwahlen: 034493, 03764 (Hainichen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ABG, SLN
Gemeindeschlüssel: 16 0 77 012
Stadtgliederung: Kernstadt; 5 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Freiheitsplatz 1
04639 Gößnitz
Webpräsenz: www.goessnitz.de
Bürgermeister: Wolfgang Scholz (Initiative Städtebund Schmölln-Gößnitz)
Lage der Stadt Gößnitz im Landkreis Altenburger Land
Altenburg Nobitz Langenleuba-Niederhain Altkirchen Dobitschen Drogen Fockendorf Frohnsdorf Gerstenberg Göhren (bei Altenburg) Göllnitz Göpfersdorf Gößnitz Haselbach (bei Altenburg) Heukewalde Heyersdorf Jonaswalde Jückelberg Kriebitzsch Löbichau Lödla Lucka Lumpzig Mehna Meuselwitz Monstab Nöbdenitz Ponitz Posterstein Rositz Nobitz Schmölln Starkenberg Thonhausen Treben Vollmershain Wildenbörten Windischleuba Ziegelheim Thüringen Landkreis Greiz Sachsen-Anhalt SachsenKarte
Über dieses Bild

Gößnitz ist die bevölkerungsmäßig kleinste und flächenmäßig zweitkleinste Stadt im Landkreis Altenburger Land in Thüringen. Bekannt ist die Landstadt vor allem durch den Eisenbahnknotenpunkt der Bahnverbindung Leipzig–Hof und der Mitte-Deutschland-Verbindung (Glauchau-Schönbörnchen–Gößnitz und Gößnitz–Gera) sowie das seit 1993 jährlich stattfindende Gößnitz Open-Air. Die größte Blüte erlebte die Stadt zur Zeit der Industrialisierung, so prägt die repräsentative Malzfabrik Viktor Grimms Nachfolger von 1889 noch heute das Stadtbild.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Gößnitz ist die östlichste Stadt Thüringens und die südlichste des Altenburger Landes. Durch die Stadt fließt das Meerchen, welches im Süden in die Pleiße mündet, zudem liegt der Ort im Übergangsgebiet des Erzgebirgsvorlandes und der Leipziger Tieflandsbucht.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind im Norden Nobitz mit den Ortsteilen Taupadel und Bornshain im Westen, Löhmigen im Norden, Goldschau im Nordosten sowie Podelwitz, Runsdorf und Zumroda im Osten, im Südosten Schönberg und Meerane im sächsischen Landkreis Zwickau, im Süden Ponitz mit den Ortsteilen Merlach und Zschöpel sowie Schmölln mit den Ortsteilen Nitzschka und Kummer im Westen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadtkirche „Sankt Annen“ von Südwesten gesehen

Gößnitz wurde erstmals 1253 als reichsministerialer Rittersitz urkundlich erwähnt. Es wird eine sorbische Dorfgründung vermutet, da der Ortsname Gößnitz sorbischen Ursprungs ist. Ab 1328 befand sich Gößnitz unter markmeißnischer Herrschaft und 1554 fiel es im Verband des Amtes Altenburg den ernestinischen Wettinern zu. Die Grundherrschaft kam 1413 teilweise, 1519 vollständig an das Georgenstift in Altenburg und nach der Reformation an das landesherrliche Amt. Im Jahre 1494 wurde die heutige auf einer früheren Holzkirche erbauten Kirche eingeweiht. Der erste evangelische Pfarrer in Gößnitz war Simson Cellarius, der von 1525 bis 1544 wirkte. Als Ort eines 1488 nachgewiesenen Gerichtsstuhls über 16 Dörfer entwickelte sich Gößnitz über den dörflichen Status hinaus und erhielt 1488 Schank-, Brau- und Handwerksrechte. 1672 wurde der Ort zum Marktfleckchen erhoben, 1718 konnte Gößnitz gegen den Widerstand von Altenburg und Schmölln die Erhebung zur Stadt und daraufhin die Genehmigung von Innungen durchsetzen, doch wurde die Stadt weiter wie ein Dorf von Richter und Schöppen verwaltet; erst 1874 erhielt sie eine volle städtische Verfassung.

Der frühe Bahnanschluss 1844 nach Leipzig und Plauen, dem die Linien nach Chemnitz 1858, nach Gera 1865 folgten, machte Gößnitz zu einem Bahnknotenpunkt. Die nun einsetzende Industrialisierung brachte eine Pumpenfabrik, Webereien, Maschinen-, Spielwaren- und Knopffabriken hervor.

Kauritz[Bearbeiten]

Der sich heute im Süden von Gößnitz befindende Stadtteil Kauritz gehörte bis 1928 teilweise zu Schönberg und damit zum Königreich Sachsen, ab 1918 dann zum Land Sachsen. In dem thüringisch-sächsischen Staatsvertrag vom 7. Dezember 1927 wurden die Gebiete festgesetzt, die die Länder wechselten (Karte mit den Austauschgebieten). Der Gesetzesentwurf stammt vom 15. März 1928. Der Rest des Ortes, der altenburgische Anteil, kam durch das Kreiseinteilungsgesetz am 1. August 1924 zu Gößnitz. Im Jahr 1701 kam es zu einem Dorfbrand. Der sächsische Anteil erhielt 1902 eine eigene Schule, dazu wurde das Erdgeschoss eines Hauses angemietet. Zu diesem Anteil gehörten neben dem Gasthof nur wenige Häuser. Zum thüringischen Teil gehörten im Jahr 1885 153 ha und 73 a mit 75 Einwohnern.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bis 1918 gehörte die Stadt zum Herzogtum Sachsen-Altenburg, nach dessen Auflösung bis 1920 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der dann im neugegründeten Land Thüringen aufging.

In den zwanziger Jahren herrschte eine große Wohnungsnot, sodass sich die Stadt nach Norden ausdehnte. Die Genossenschaftshäuser wurden von der Baugenossenschaft Gößnitz S.A. errichtet. Das 1929-1932 errichtete SA-Heim wurde bei einem Hochwasser 1941 unterspült.

Das Gebäude der Arbeiterwohlfahrt in Gößnitz, gegenüber dem Rathaus

In den Jahren 1926, 1928 und 1929 fand in Gößnitz das Dreiecksrennen statt, welches von Gößnitz nach Ponitz und über Guteborn zurück nach Gößnitz führte. Der Name leitet sich von der Streckenform ab. Im Jahre 2009 fand zum 80-jährigen Gedenken ein Nostalgierennen mit über 100 Teilnehmern aus dem Altenburger Land, Greiz, Gera und umliegenden Gebieten statt, wobei das Baujahr der Maschinen auf bis einschließlich 1970 beschränkt war. So fanden sich neben der AWO 425 von Simson noch DKW-, MZ-, Wanderer- und viele andere Markenmotorräder.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Gößnitzer Bahnhof Flugzeug- und Panzerteile verladen. Am 14. April 1945 marschierten die Amerikaner ein, die sowjetischen Streitkräfte übernahmen die Stadt am 1. Juli desselben Jahres.

Der Fabrikant Max Jehn wurde denunziert und 1945 als „Wehrkraftzersetzer“ im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. An ihn erinnert die Max-Jehn-Straße. Insgesamt gab es in Gößnitz 29 anerkannte Opfer des Faschismus. Ein Gedenkstein auf dem Friedhof erinnert an einen unbekannten KZ-Häftling, der im Frühjahr 1945 auf dem Bahnhof erschossen wurde.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1831: 1304
  • 1933: 6636
  • 1939: 6483
  • 1960: 7042
  • 1994: 4679
  • 1995: 4740
  • 1996: 4663
  • 1997: 4609
  • 1998: 4534
  • 1999: 4476
  • 2000: 4423
  • 2001: 4355
  • 2002: 4285
  • 2003: 4194
  • 2004: 4094
  • 2005: 4039
  • 2006: 3964
  • 2007: 3924
  • 2008: 3881
  • 2009: 3823
  • 2010: 3752
  • 2011: 3724
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten]

Der Freiheitsplatz mit dem Rathaus am linken Bildrand, dem CulturCentrum und ehemaliger kleiner Schule in der Mitte und der Stadthalle am rechten Bildrand
Das Rathaus auf dem Freiheitsplatz.

Verwaltungsaufgaben[Bearbeiten]

Gößnitz ist seit 1995 erfüllende Gemeinde für Heyersdorf und Ponitz, nachdem die Verwaltungsgemeinschaft Oberes Pleißental aufgelöst wurde. Seit 2005 nimmt die Stadt Schmölln für die drei Kommunen die Aufgaben der unteren Gewerbebehörde wahr.[3]

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 mit einer Wahlbeteiligung von 53,5 % ergab folgende Sitzverteilung im Stadtrat:

Initiative Städtebund „Schmölln-Gößnitz“: 8 Sitze
Sozialdemokratische Partei Deutschlands: 3 Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands: 3 Sitze
Die Linke: 1 Sitz
Bürgerinitiative ’89: 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit der Bürgermeisterwahl vom 24. März 2013, mit einer Mehrheit von 99 % und einer Wahlbeteiligung von 37,2 %, erneut Wolfgang Scholz geworden, der bereits seit 2001 dieses Amt innehatte und der Fraktion Initiative Städtebund angehört. Das hohe Wahlergebnis kam zustande, da es keinen Gegenkandidaten gab. Vorherige Bürgermeister waren seit 1994 Rolf Porzig und seit 1998 der SPD-Politiker Peter Dietrich.

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Goessnitz coa.png

Wappenbeschreibung: „In Rot auf grünem Boden ein Reiter in stählerner Rüstung, es handelt sich dabei um den heiligen Georg, auf weissem Ross, einem grünen Drachen die Lanze in den Rachen stoßend.“ Auf dem Wappen wird der heilige Georg als Drachentöter dargestellt, dessen Wahl als Wappenzeichen sich daraus ableitet, dass das Georgenstift Altenburg im 15./16. Jahrhundert die Grundherrschaft über Gößnitz ausübte.[4]

Die Flagge der Stadt zeigt die Farben blau und rot.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit Neuenbürg in Baden-Württemberg.

Öffentliche Finanzen[Bearbeiten]

Gößnitz besaß 2011 eine pro-Kopf-Verschuldung von 807 Euro, 2010 lag sie bei 860 Euro und im Jahr 2003 sogar bei 939 Euro je Einwohner.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater und Museen[Bearbeiten]

Die Heimatstube als Museum für Regionalgeschichte im Stadtteil Kauritz.

Das Kabarett Nörgelsäcke mit seinen regelmäßigen Gastauftritten weiterer namhafter Künstler und die Heimatstube als Museum für Regionalgeschichte bereichern das kulturelle Angebot. Die Heimatstube bezog 1999 ein etwa 180 Jahre altes saniertes Fachwerkhaus. Das Erdgeschoss beherbergt unter anderen einen Veranstaltungs- und Leseraum, während die erste Etage der Dokumentation der eigentlichen Stadtgeschichte und das Dachgeschoss als Schaudepot dient.[5] Im Rathaus sind wechselnde Ausstellungen zu besichtigen.

Musik[Bearbeiten]

In Gößnitz findet seit 1992 das von der Initiative für Musik und Kultur Gößnitz e. V. immer um das erste Augustwochenende veranstaltete Open Air Gößnitz statt. Zu diesem Konzert werden jährlich Hunderte Besucher aus ganz Mitteldeutschland erwartet. Sogar Rammstein spielten, als sie noch weniger bekannt waren, vor einigen Jahren bei diesem Open Air. Zudem veranstaltet die IMUKG seit 2009 das Indoor Festival, ab 2012 allerdings in der Music Hall in Altenburg und nicht mehr in der Stadthalle Friedrich Ludwig Jahn. Außerdem besitzt die Stadt eine Außenstelle der kreiseigenen Johann-Friedrich-Agricola Musikschule im CulturCentrum und eine Tanzschule.

Denkmäler und Bauwerke[Bearbeiten]

Goethe-Denkmal
  • In Gößnitz existieren vier Denkmäler, drei davon stehen auf dem Friedhof. Das ist zum einen das Grab des Gründers des Deutschen Philatelistenverbandes und Chronisten der Stadt Gößnitz, Artur Ernst Glasewald (1861-1926), dann in unmittelbarer Nähe dazu das Grab eines unbekannten KZ-Häftlings, der 1945 auf dem Gößnitzer Bahnhof erschossen wurde, sowie ein Denkmal für Gefallene einer Kavallerieeinheit, gegenüber der 1907 errichteten sehenswerten Kapelle. Das vierte Denkmal ist Goethe gewidmet und befindet sich in der Innenstadt. Darüber hinaus existiert an der Mündung des Meerchens in die Pleiße ein aufgestellter Rest des Wehres, das an dieser Stelle bis 2004 stand. Etwas Ähnliches befindet sich am Bahnhof, dort wurde ein Teil der Stahl-Fachwerkbrücke aus dem Jahr 1904 aufgestellt, da zwischen 2008 und 2010 ein Ersatzneubau der Bahnbrücke errichtet wurde.
  • Architektonisch besonders sehenswert ist das Ensemble um die 1494 errichtete spätgotische Stadtkirche Sankt Annen. Dazu zählt der dreiseitige Pfarrhof mit dem 1653 errichteten Umgebindehaus, das 1725 erbaute Diakonat, welches heute als evangelischer Kindergarten genutzt wird, und das zwischen 1700 und 1750 gebaute sogenannte Glockenklöppelhaus, das diesen Namen durch eine Sage erhielt. Zwischen den Gebäuden steht die 1884 gepflanzte Lutherlinde.
  • Auf dem Freiheitsplatz stehen neben dem Rathaus mit gusseisernem Fries, dem Stadtwappen und einem Bleiglasfenster die 1861 eingerichtete alte Schule – das Gebäude selbst ist älter –, die 1883 erbaute Turnhalle und die 1889 eingeweihte neue Schule. In unmittelbarer Nähe zum Freiheitsplatz steht ein größtenteils verputzter Ständerbau aus dem 16. Jahrhundert; man geht davon aus, dass dies das älteste Profanbauwerk der Stadt ist.
  • In der Walter-Rabold-Straße sind einige sehr gut erhaltene Villen des 19. Jahrhunderts anzusehen, in einer davon war bis 1945 die erweiterte Oberschule untergebracht. Im Westen der Stadt befand sich im 19. und 20. Jahrhundert das Industriegebiet, wobei heute noch einige Fabriken stehen, wie die Malzwerke, die der Altenburger Brauerei unterstanden.
  • Die romanische Dorfkirche im Ortsteil Naundorf stammt aus dem 12. Jahrhundert.
  • Im Ortsteil Pfarrsdorf befindet sich ein vorbildlich restaurierter denkmalgeschützter kleiner Vierseithof.
  • Zum ehemaligen Rittergut Hainichen gehört das 1707 errichtete Herrenhaus, welches heute als Pflegeheim genutzt wird.

Grünflächen und Naherholung[Bearbeiten]

Erholungsmöglichkeiten bieten das Gößnitzer Freibad und das im Westen der Stadt in Richtung Naundorf angrenzende Waldstück Tannicht sowie der Park hinter dem Freiheitsplatz. Der weitläufige und bepflanzte Friedhof mutet ebenfalls wie ein Park an.

Sport[Bearbeiten]

Sportplatz und Turnhalle des Schulzentrums stehen Vereinen zur Verfügung, des Weiteren gibt es auch eine Kegelanlage. Sie schließt sich an den Sportplatz der Karl-Ebhardt-Sportstätte an, auf dem der FSV Gößnitz trainiert. Außerdem gibt es einen Bolzplatz.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Neben den musikalischen Veranstaltungen, wie Konzerten in der Stadtkirche St. Annen oder der Stadthalle Friedrich Ludwig Jahn und dem Open-Air sind weitere regelmäßige Veranstaltung das Walpurgisfeuer, das Thüringer Kabarett Treffen, welches 2011 vom Kabarett Nörgelsäcke initiiert wurde und seitdem jährlich im Mai stattfindet, das Freibadfest, eine Modelleisenbahnausstellung und der Weihnachtsmarkt am ersten Dezemberwochenende.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Mittelpavillon exakt 117 Jahre nach seiner Einweihung am 30. August 1893

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Gößnitz liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Hof (eröffnet durch die Sächsisch-Bayerische Eisenbahn-Compagnie im Jahre 1844), der Bahnstrecke Glauchau-Schönbörnchen–Gößnitz (eröffnet 1858) sowie der Bahnstrecke Gößnitz–Gera (Mitte-Deutschland-Verbindung, eröffnet 1865).

Rückseite des Bahnhofes von Gleis 4 aus gesehen
Bahnsteigschild
Ortsumgehung am 1. Oktober 2012

Der Bahnhof Gößnitz hat laut einem auf dem Bahnsteig angebrachten Schild den mit 608 Metern[6] angeblich längsten Bahnsteig Deutschlands. Grund für die ungewöhnliche Länge des Bahnsteigs ist, dass hier jeweils zwei Züge hintereinander am selben Bahnsteig halten und nicht wie üblich hierfür zwei getrennte Inselbahnsteige errichtet wurden. Die Angabe auf dem Schild stimmt jedoch nicht, so ist z.B. ein Bahnsteig am Essener Hauptbahnhof mit einer Länge von 667m[7] länger als der in Gößnitz.

Das Bahnhofsgebäude gehörte zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Stadt. Es entstand um 1860 im Stil des Neobarock und umfasste neben einem Mittelpavillon, in dem sich der Zugang zum Bahnsteig befand, zwei weitere Flügel nördlich und südlich. Damit gehörte es zu den ältesten noch vorhandenen großen Bahnhofsgebäuden in Thüringen. Trotz des architekturhistorischen Wertes, der auch mit der Aufnahme in das Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler gewürdigt wurde, wurde das Gebäude auf Drängen der Stadtverwaltung und mit Zustimmung der Denkmalschutzbehörden im Jahr 2010 durch die Deutsche Bahn teilweise abgerissen. Der Mittelpavillon mit seinen Sandsteinreliefs wurde von einer Privatperson erworben und abgetragen. Er soll in der Nähe von Kiel wiedererrichtet werden.

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurden 2013 eine Buswendeschleife mit Parkbuchten für Busse und zusätzliche PKW-Stellplätze errichtet. Das Gelände des ehemaligen Bahnhofes, welches sich im Besitz der Deutschen Bahn AG befindet, wird frühestens 2014/15 umgestaltet.[8]

Die Bundesstraße 93 führt seit 1. Oktober 2012 an der Stadt vorbei. Die 5,7 km lange und 31,1 Millionen Euro teure Ortsumgehung mit sieben Brücken entlastet außerdem den Ort Löhmigen. Mit dem Bau der Strecke wurde am 9. September 2009 nach archäologischen Grabungen begonnen. Die Stadt ist nun über die Anschlussstellen Gößnitz-Nord und Gößnitz-Süd zu erreichen. Bereits im Jahr 1990 wurde der Bedarf beim Bundesverkehrsministerium angemeldet. Notwendig ist die Umgehungsstraße vor allem aus Sicht der Anwohner, da täglich rund 9500 Fahrzeuge auf der Strecke verkehren, ungefähr 1000 davon sind Lastkraftwagen.

Weitere Straßen durch Gößnitz sind die Landesstraße L 1358, die zur B 7 in Schmölln führt und die L 2466 über Naundorf, Koblenz und Pfarrsdorf zur B 180 bei Oberwiera. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist bei Meerane an der A 4. Weiterhin soll im Jahr 2013 ein zentraler Busplatz am Bahnhof errichtet werden. Buslinien, die die Stadt erschließen, sind

  • die Linie 133 Gößnitz–Meerane–Dennheritz–Zwickau der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen,
  • die Linie 328 Altenburg - Ehrenhain - Gösdorf - (Zumroda) - Gößnitz - Schmölln der TÜHSAC,
  • die Linie 329 Schmölln/ Gößnitz–Bornshain–Zehma der THÜSAC Personennahverkehrsgesellschaft,
  • die Linie 354 Thonhausen–Heyersdorf–Crimmitschau/ Gößnitz–Schmölln der THÜSAC und
  • die Linie 358 Altenburg–Mockern–Mockzig/ Gößnitz der THÜSAC.

Als Teil des Landkreises Altenburger Land ist Gößnitz in den Mitteldeutschen Verkehrsverbund integriert.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Nur sehr wenige Betriebe aus der DDR-Zeit existieren noch heute. Ein Beispiel für das vielseits kritisierte Vorgehen der Treuhand ist der VEB Altenburger Brauerei, BT Malzwerke Gößnitz (wie er bis 1989 hieß); ein Teil in der Uferstraße wurde bereits weggerissen, der andere in der Alexander-Puschkin-Straße steht noch. Der heutige Pumpen- und Pumpenanlagenhersteller Apollo Gößnitz GmbH wurde bereits 1863 von C. Allendorf gegründet und hat zurzeit 115 Mitarbeiter.[9] Diese Traditionsfirma befindet sich in der Walter-Rabold-Straße, ebenso wie Jet Logistics GmbH, die 1997 als Zweigstelle eines niederländischen Unternehmens gegründet wurde. Weitere große Unternehmen der Stadt sind die FEUMA Gastromaschinen GmbH mit 51 Mitarbeitern[10], die aus dem VEB Feuma (Feuma steht für Feuchtraummaschinen) des Kombinates Nagema hervorging sowie Gößnitzer Stahlrohrmöbel GmbH mit 58 Mitarbeitern in der Wehrstraße, welche sich 1991 ansiedelte.[11] Das Betonwerk Pleisse GmbH & Co. KG wurde nach der Jahrtausendwende wieder geschlossen. Die Stadtväter versäumten es zunächst, ein Gewerbegebiet auszuweisen, nur die Erschließung an der Zwickauer Straße beherbergt das Betonwerk, einen Möbelmarkt, den Stuckhersteller Profil GmbH Gößnitz und eine Fläche mit Sonnenkollektoren. Die Walter-Rabold-Straße mit dem Apollowerk ist seit 1860 Industriegebiet. In der Wehrstraße waren bereits zu DDR-Zeiten mehrere Firmen angesiedelt. Die erste Gewerbeanlage nach 1990 wurde zwischen Pleiße und der Bahnstrecke im Überflutungsgebiet gebaut. Trotz Schutzdämmen wird das Gelände bei Hochwasser überschwemmt. Dort siedelte sich ein Logistikzentrum der Menke-Gruppe an, das 2001 zum Glauchauer Unternehmen SAT Sächsische Autotransport und Service GmbH kam und dort Neuwagen zum Weitertransport lagert.

Der am 5. September 2002 gegründete Städtebund Schmölln-Gößnitz hat sich neben kommunaler Zusammenarbeit das Ziel gesetzt, am gemeinsamen Industrieverbundstandort Nitzschka-Nörditz produzierendes Gewerbe anzusiedeln. Von 2009 bis 2011 wurde das Gewerbegebiet erschlossen.

Bildung[Bearbeiten]

Gößnitz ist Sitz einer staatlichen Regelschule sowie einer Grundschule, die beide im neuen 1996 eingeweihten Schulzentrum der Stadt untergebracht sind. Zuvor war die Schule auf dem Freiheitsplatz am Rathaus untergebracht. In der Stadt gibt es mehrere Kindergärten; einer davon, direkt bei der Sankt-Annen Kirche, ist in evangelischer Trägerschaft. Bis 1945 gab es in Gößnitz eine erweiterte Oberschule in der Walter-Rabold-Straße, die jedoch aufgrund des Entnazifizierungsverfahrens der Lehrkräfte geschlossen wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Geburtshaus von Hans Lungwitz (Stadtapotheke)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Artur Ernst Glasewald: Chronik der Stadt Gößnitz. Gößnitz, 1910, Neuauflage 2003
  • Stadtverwaltung Gößnitz (Hrsg.): Stadt Gößnitz 1993. Gößnitz, 1993
  • Förderverein des Heimatmuseums Gößnitz e. V. (Hrsg.): Gößnitz – Eine Kleinstadt im Altenburger Land. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1998
  • Förderverein des Heimatmuseums Gößnitz e. V. (Hrsg.): Gößnitz – Bilder einer kleinen Stadt. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 2000

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gößnitz (Thüringen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gößnitz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0
  3. Geschichtlicher Abriss der Jahre 2001 bis 2010. Stadt Gößnitz, abgerufen am 2. Oktober 2012.
  4.  Manfred Bensing, Karlheinz Blaschke, Karl Czok, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck, Heinz Göschel (Hrsg.): Lexikon Städte und Wappen der DDR. 2. neubearb. und erw. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig Juli 1984, S. 159.
  5. Heimatstube Gößnitz. Ausstellung. Stadt Gößnitz, 9. September 2010, abgerufen am 15. September 2012.
  6. Bahnsteiginformationen Station Gößnitz. Deutsche Bahn, 23. Juli 2013, abgerufen am 23. Juli 2013.
  7. Bahnsteiginformationen Station Essen Hbf. Deutsche Bahn, 23. Juli 2013, abgerufen am 23. Juli 2013.
  8. OTZ vom 20. Juli 2013
  9. Maßarbeit bei Apollo Pumpen Gößnitz. Ostthüringer Zeitung, 7. Februar 2012, abgerufen am 2. Oktober 2012.
  10. Gestern Uruguay heute Argentinien. Ostthüringer Zeitung, 26. Januar 2012, abgerufen am 2. Oktober 2012.
  11. Fest zum Jubiläum der Gößnitzer Stahlrohrmöbel GmbH. Ostthüringer Zeitung, 4. Oktober 2011, abgerufen am 2. Oktober 2012.