Magirus

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Magirus
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1866
Auflösung 1936
Auflösungsgrund Übernahme
Sitz Ulm
Branche Brandschutztechnik

Übung mit der neuen Magirusleiter und Rauchhelm am Steigerturm der St. Lorenz-Feuerwache in Lübeck (1902)
Pferdegezogener Leiterwagen
von Magirus (1904)
Teilschuldverschreibung über 1000 Mark der C. D. Magirus AG vom Mai 1920
Magirus Bayern von 1923
Pferdegezogene Motorspritze, 1926
Magirus-Lastkraftwagen von 1927
Werkfeuerwehr mit Magirus (1935)
Magirus M40 von 1939, Ulmer-Münster-M-Logo
Magirus Lastkraftwagen

Magirus war ein Unternehmen aus Ulm, das Geräte für Feuerwehren sowie Nutzfahrzeuge herstellte. Aus ihm gingen in der Nachkriegszeit die Marke Magirus-Deutz sowie das heutige Unternehmen Magirus GmbH hervor, das unter der Marke „Magirus“ Fahrzeuge und Geräte für den Brand- und Katastrophenschutz herstellt und vertreibt.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conrad Dietrich Magirus war der Gründer und erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ulm und beschäftigte sich mit der Konstruktion von Gerätschaften zur Feuerbekämpfung. Er gilt als Erfinder der fahrbaren Feuerleiter. 1864 wurde Magirus Kommanditist der neu gegründeten Gebr. Eberhardt offene Handels- und Kommanditgesellschaft, die Feuerwehrgeräte herstellte und vertrieb. Nach Unstimmigkeiten zwischen Magirus und den Gebrüdern Eberhardt gründete Magirus dann 1866 sein eigenes Unternehmen, dem er den Namen Feuerwehr-Requisiten-Fabrik C. D. Magirus gab. In den Werkstätten an der Ulmer Promenade Nr. 17 stellte er mit seiner Belegschaft Leitern und Feuerspritzen her.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1873 entwickelte Magirus die Ulmer Leiter, eine 14 m hohe Zweirad-Schiebeleiter, die er bei der Weltausstellung 1873 in Wien vorstellte und damit eine Goldmedaille errang.[1] 1883 stieg der älteste Magirus-Sohn Heinrich mit in das Unternehmen ein. Aufgrund der guten Auslastung wurde das Gelände an der Promenade zu klein, sodass 1885 auf einem Gelände an der Schillerstraße im Westen Ulms an den Eisenbahngleisen eine neue Fabrik gebaut wurde, die in den nächsten Jahren erweitert wurde. 1887 übergab Magirus das Unternehmen an seine Söhne Heinrich Magirus, Otto Magirus und Hermann Magirus.

Ab 1909 hieß die Firma Feuerwehrgeräte- und Fahrzeugfabrik C. D. Magirus; am 8. Juli 1911 wurde diese dann in die C. D. Magirus AG umgewandelt. Frühe Meilensteine der Produktion bei Magirus waren:

  • 1872 wurde eine freistehend besteigbare 2-Rad-Schiebeleiter gebaut.
  • 1892 kam die erste, noch von Pferden gezogene Magirus-Drehleiter mit einer Steighöhe von 25 Metern auf den Markt. Bis zum Jahr 2010 wurden insgesamt über 6000 Drehleitern gebaut und sind Weltmarktführer in diesem Produktbereich.[2]
  • 1903 wurde die erste selbstfahrende Dampffeuerspritze gebaut.
  • 1904 wurde die weltweit erste Drehleiter mit vollautomatischem Antrieb vorgestellt.

Die von Magirus gefertigten Fahrzeuge wurden anfangs von Pferden gezogen, dann mit Dampfmaschinen und später mit Benzinmotoren angetrieben. 1914 waren die Möglichkeiten auf dem Werksgelände an der Schillerstraße ausgeschöpft, sodass in Söflingen ein zweites Werk aufgebaut wurde. Während des Ersten Weltkrieges begann Magirus 1916 auf Drängen der deutschen Heeresleitung mit der Produktion eines 3-Tonnen-Lastkraftwagen-Typs. Dazu kam Heinrich Buschmann, der vorher bei Benz arbeitete, zu Magirus, und baute eine Konstruktionsabteilung als Technisches Büro für Kraftfahrzeuge (TBK) und die Fertigungseinrichtungen zur Produktion der Lkw auf. Bereits damals stellte das Unternehmen Fahrgestelle und Motoren für seine Fahrzeuge zum Teil selbst her. Nach Kriegsende 1918 reduzierte sich der Bedarf an Lastkraftwagen, sodass Magirus die rund 3000 Mann starke Belegschaft reduzieren musste und die Produktion eine zeitlang auch auf Anhänger und Güterwagen ausdehnte.

Von Oktober 1919 bis 1926 wurden die Fahrzeuge über den mit den Unternehmen Dux, Presto und Vomag zu Vertriebszwecken gegründeten Deutschen Automobil-Konzern (DAK) verkauft, damit den Kunden ein weiter gefächertes Produktsortiment angeboten werden konnte. Ab 1919 baute Magirus auch Omnibusse, zunächst mit Holzaufbauten auf den Lastwagen-Fahrgestellen. In den 1920er Jahren wurde das Angebot erst auf Kommunalfahrzeuge und später ganz allgemein auf Lastwagen verschiedener Größe ausgeweitet. Auch Motoren von Fremdherstellern wurden eingebaut. 1927 waren im Werk wieder rund zweitausend Mitarbeiter beschäftigt.

Die Weltwirtschaftskrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge der Weltwirtschaftskrise und nicht marktgerechter Produkte geriet das Unternehmen Anfang der 1930er Jahre in Schwierigkeiten. Entgegen der zunehmenden Nachfrage waren die Fahrzeuge von Magirus nicht mit Dieselmotoren ausgestattet, sondern mit Ottomotoren. So wurden Dieselmotoren von Maybach und auch von Continental aus den USA übernommen. Ab 1929 wurden von der C. D. Magirus AG eigene Dieselmotoren hergestellt, mit denen ab 1931 alle Modelle der Lastwagen und Busse ausgerüstet werden konnten. Durch Vergabe von immer mehr Krediten übernahmen 1932 Banken das Sagen im Unternehmen und sahen sich nach einem geeigneten Fusionspartner um. Sie unterstützen den vorläufigen Verkauf an Fritz Kiehn. Der verkaufte schließlich Magirus an die Kölner Humboldt-Deutz Motorenfabrik, nachdem der gesamte Aufsichtsrat von Magirus aus Protest gegen den Verkauf an Deutz zurückgetreten war. Am 5. März 1936 wurde die Übernahme von Magirus durch die Humboldt-Deutz AG vollzogen. Der Motorenhersteller erhielt dadurch die Möglichkeit, seine Dieselmotoren in eigenen Nutzfahrzeugen anzubieten.

Entwicklung ab 1940[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1940 wurde der Name Magirus bis zum Kriegsende nicht mehr verwendet. Die Fahrzeuge trugen fortan am Kühlergrill statt des 1932 eingeführten Logos von Magirus – der stilisierten Silhouette des Ulmer Münsters als „M“ für Magirus – ein kreisförmiges Logo mit dem Schriftzug Klöckner-Deutz und wurden unter diesem Namen verkauft. 1944 konstruierten die Ingenieure bei Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) serienreife Dieselmotoren mit Luftkühlung, die ab 1948 in die hauseigenen Lastkraftwagen, Bussen und Feuerwehrwagen eingebaut wurden. 1949 kehrte das Magirus-Logo an die Fahrzeugfront zurück, und der Markenname lautete fortan Magirus-Deutz.

1974 wurde eine Kooperation mit der Lastwagensparte von Fiat beschlossen, die zusammen mit anderen Lastwagenherstellern zur Gründung der Marke Iveco führte. Da die Magirus-Deutz AG durch den Zusammenschluss nun ein Tochterunternehmen von Iveco war, wurde sie 1983 in Iveco Magirus AG umbenannt.

1996 wurde die Brandschutzsparte von Iveco Magirus unter dem Namen Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH ausgegliedert.

Iveco Magirus mit Sitz in Ulm produzierte und entwickelte zunächst Lastwagen der Marke Iveco und entwickelte Feuerwehr- und Katastrophenschutztechnik, bis die Lastwagenproduktion 2012 nach der Eurokrise nach Madrid verlagert wurde. Nach der Einstellung der Lkw-Produktion in Ulm wurde die dortige Produktion von Löschfahrzeugen deutlich erhöht. Diese Konzentration der Produktion ging mit der Schließung mehrerer Löschfahrzeugwerke einher.

Den Schriftzug Magirus trugen zu dieser Zeit nur die von Iveco Magirus aufgebauten Feuerwehrfahrzeuge.

Im Herbst 2013 gab die Unternehmensleitung von Iveco Magirus bekannt, die Brandschutzprodukte wieder unter dem Markennamen „Magirus“ und mit einem neuen Logo zu vertreiben.[3] Im selben Atemzug wurde das Unternehmen in die Magirus GmbH umfirmiert.[4]

Im Jahr 2014 firmierte auch der österreichische Hersteller von Iveco-Magirus-Lohr um auf Magirus-Lohr. Das österreichische Werk in Kainbach bei Graz sollte im Jahr 2012 geschlossen werden und nur mehr als Servicestandort erhalten bleiben.[5] Diese Entscheidung wurde aber Ende 2012 revidiert. Das Werk in Graz wurde nun die Fertigung von Spezialfahrzeugen innerhalb des Konzerns, sowie die Bedienung des österreichischen Marktes auserkoren, während in Ulm Standardfahrzeuge gefertigt werden sollen.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Regenberg: Die berühmtesten deutschen Lastwagen von 1896 bis heute. 4. Auflage. Verlag Podszun-Motorbücher, Brilon 1997, ISBN 3-923448-89-9
  • Dieter Augustin: Iveco Magirus - Alle Lastwagen aus dem Werk Ulm seit 1917. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-02600-7
  • Alexander Weber: Magirus Omnibusse. Podszun-Verlag, Brilon 2013, ISBN 978-3-86133-685-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Feuerwehrfahrzeuge von Magirus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alte Bücher zum Feuerlöschwesen, Seite 6, abgerufen am 20. Februar 2009
  2. Iveco Magirus erhält den “Santa Barbara”-Preis in Feuerwehr-Objektiv abgerufen am 4. Dezember 2017
  3. Michael Klöpper: Magirus wieder als Marke. 26. September 2013, abgerufen am 23. Dezember 2013.
  4. http://www.magirusgroup.com/de/de/unternehmen/tradition/iveco-magirus/
  5. Löschwagen-Hersteller Iveco-Magirus verlagert Produktion in der Kleine Zeitung vom 8. Mai 2012 abgerufen am 27. November 2014
  6. Iveco-Werk in Kainbach bleibt erhalten auf ORF Steiermark vom 21. Dezember 2012 <abgerufen am 27. November 2014