Berliner Motorwagen-Fabrik

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Die Berliner Motorwagen-Fabrik (BMF) war ein von 1901 bis 1906 bestehendes deutsches Unternehmen in der Rechtsform einer GmbH mit Sitz in Berlin, das Nutzfahrzeuge herstellte. Es entstand 1901 aus der Berliner Motorwagen-Fabrik Gottschalk & Co. KG, ging 1906 auf die Oryx Motorwerke AG über, die ihrerseits 1908 bzw. 1911 durch die Dürkopp-Werke AG übernommen wurde.

Berliner Motorwagen-Fabrik (1898–1906)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das meist kurz als Berliner Motorwagen-Fabrik bzw. BMF bezeichnete Unternehmen entstand 1901 aus der Berliner Motorwagen-Fabrik Gottschalk & Co. KG. Die Produktion erfolgte in einem noch durch diese Rechtsvorgängerin 1900 von dem Unternehmen Orenstein & Koppel gepachteten Werk in Berlin-Tempelhof, An der Ringbahn, und ab 1904 in einem Werk in Berlin-Reinickendorf-Ost, Verlängerte Koloniestraße 1–2. Im Unternehmen waren bedeutende Konstrukteure wie Kurt Bendix und Willy Seck beschäftigt, sowie später Georg Lehmann, Ernst Valentin und Léon Palous. Das Werksgelände in Berlin-Tempelhof wurde ab 1904 nach und nach aufgegeben. Bereits Ende 1905 war der gesamte Fabrikbetrieb von Tempelhof nach Reinickendorf verlegt.

Lastkraftwagen Typ L 50[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1901 brachte die BMF einen ersten Lastkraftwagen (Lkw) auf den Markt. Dieser Typ L 50 hatte einen Zweizylindermotor mit 10 PS, der wahlweise mit Benzin oder mit Ethanol (umgangssprachlich Spiritus) betrieben werden und bis zu 20 km/h schnell fahren konnte. Der auf 2,5 t Nutzlast ausgelegte Lkw hatte eine Kupferkonus-Kupplung, ein Differentialgetriebe und eine Kardanwelle, die über zwei Schubstreben abgestützt wurde. Dieser Typ wurde auch als Omnibus angeboten.

Oryx Motorwerke AG (1906–1911)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1906 wurde die BMF unter der Firma Oryx Motorwerke AG in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Diese bot unter der neu eingetragenen Wortmarke Oryx zwei Lkw-Frontlenker-Typen mit 2,5 t bzw. 5 t Nutzlast und einer Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h an, die ebenfalls auch als Omnibusse lieferbar waren. Der Motor war unter der Fahrersitzbank eingebaut. Durch den niedrigen Fahrzeugrahmen waren die Lkw-Typen mit den Namen BMF und Tempelhof vor allem bei den „Bierkutschern“ sehr beliebt. Später erhielten die größeren Lkw den Namen Eryx, die zusätzlich gebauten Personenkraftwagen (Pkw) den Namen Oryx und die „Kraftdroschken“ (Taxis) den Namen Berolina. Darüber hinaus wurden von der BMF selbst entwickelte Lieferwagen und elektrisch angetriebene Lkw-Typen gebaut. Von 1905 bis 1906 wurden auch Automobile unter der Bezeichnung Tempelhof angeboten.

Tochter bzw. Zweigwerk der Dürkopp-Werke AG (1911–1929)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk in Berlin-Reinickendorf wurde 1908 von der Dürkopp-Werke AG gepachtet, die 1911 das Unternehmen durch Kauf übernahm und das Werk modernisierte. 1913 wurde unter der Marke Oryx ein neuer Lkw-Typ mit 2 t Nutzlast gebaut. Im folgenden Jahr kam ein Lkw-Modell mit einer Leistung von 30 PS und einer Nutzlast von 2,5 t heraus, der dem Regel-3-Tonner der deutschen Reichswehr entsprach und im Ersten Weltkrieg für diese in großen Stückzahlen hergestellt wurde.

Nach dem Krieg wurde 1920 der Lkw-Bau aufgegeben. Bis zum Verkauf des Werks an die in London ansässige Schallplattengesellschaft Crystalate Gramophone Record Manufacturing Co. Ltd. im Jahr 1929 wurden nur noch Omnibusse unter dem Namen Dürkopp hergestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Geschichte des deutschen Lkw-Baus. Band 1, Weltbild Verlag, 1994, ISBN 3-89350-811-2, Seite 37–39.
  • Bezirksamt Tempelhof von Berlin (Hrsg.), Matthias Heisig (Red.): Von Eisen bis Pralinen. Der Bezirk Tempelhof und seine Industrie. Ausstellungskatalog, Berlin 2000, S. 174–177.
  • Harald Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag GmbH, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.