Neukirchen beim Heiligen Blut

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Wappen Deutschlandkarte
Neukirchen beim Heiligen Blut
Deutschlandkarte, Position des Marktes Neukirchen beim Heiligen Blut hervorgehoben

Koordinaten: 49° 16′ N, 12° 58′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Cham
Höhe: 485 m ü. NHN
Fläche: 59,86 km2
Einwohner: 3677 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 61 Einwohner je km2
Postleitzahl: 93453
Vorwahl: 09947
Kfz-Kennzeichen: CHA, KÖZ, ROD, WÜM
Gemeindeschlüssel: 09 3 72 144
Marktgliederung: 31 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 2
93453 Neukirchen b. Hl. Blut
Website: www.neukirchen.bayern
Erster Bürgermeister: Markus Müller (CSU)
Lage des Marktes Neukirchen beim Heiligen Blut im Landkreis Cham
Lohberg (Bayern)LamArrachHohenwarth (Landkreis Cham)GrafenwiesenNeukirchen beim Heiligen BlutEschlkamFurth im WaldGleißenbergArnschwangBad KötztingRimbach (Oberpfalz)BlaibachWaldmünchenTreffelsteinTiefenbach (Oberpfalz)RötzSchönthal (Oberpfalz)Weiding (Landkreis Cham)ChamerauMiltachWillmeringStamsriedPösingZandtTraitschingChamerauRundingCham (Oberpfalz)PemflingWaffenbrunnSchorndorf (Oberpfalz)MichelsneukirchenRodingWalderbachReichenbach (Landkreis Cham)Rettenbach (Oberpfalz)Falkenstein (Oberpfalz)Zell (Oberpfalz)Wald (Oberpfalz)TschechienLandkreis SchwandorfLandkreis RegenLandkreis Straubing-BogenLandkreis RegensburgKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Neukirchen beim Heiligen Blut
Krottenhof von Nordwesten, Neukirchen beim Heiligen Blut

Neukirchen beim Heiligen Blut (amtlich: Neukirchen b.Hl.Blut, umgangssprachlich auch: Neukirchen Heiligblut) ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Cham und ein bekannter Wallfahrtsort im Bayerischen Wald.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neukirchen beim Heiligen Blut befindet sich innerhalb des Hohenbogenwinkels zwischen dem Markt Eschlkam und dem Markt Lam an der tschechischen Grenze.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 31 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2][3]

Die Gemeinde besteht aus den Gemarkungen Atzlern, Kolmstein, Neukirchen beim Heiligen Blut, Rittsteig, Vorderbuchberg und Warzenried. Letztere Gemarkung wird seit Auflösung der Gemeinde Warzenried mit der nördlichen Nachbargemeinde Eschlkam geteilt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die früheste urkundlich bekannte Erwähnung des Ortes Neukirchen datiert von 1301; 1377 wurden der Gemeinde die Marktrechte durch Herzog Albrecht von Bayern verliehen. Neukirchen war Pflegamt und gehörte zum Rentamt Straubing des Kurfürstentums Bayern. Neukirchen besaß ein Marktgericht mit magistratischen Eigenrechten. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Walching[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft Walching, ehemals außerhalb Neukirchens gelegen, wurde bereits in den 1950er Jahren eingemeindet; sie ist von Neukirchen durch eine Anhöhe getrennt, die ehemals die „Fleischbank“ genannt wurde, da dort der allwöchentliche Schlachtermarkt stattfand. Dies ist jedoch inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten. Mittlerweile unterscheiden die Einheimischen nur noch zwischen dem „oberen“ (Neukirchen) und dem „unteren“ Markt (Walching), wobei die Bezeichnung Markt an die ehemaligen Marktrechte erinnert.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1971 die Gemeinde Atzlern eingegliedert. Am 1. Juli 1971 folgte Vorderbuchberg.[4] Am 1. Mai 1978 kamen Rittsteig und ein Teil der ehemaligen Gemeinde Warzenried hinzu.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 4157 auf 3700 um 457 Einwohner bzw. um 11 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marktgemeinderat hat 16 Mitglieder zuzüglich des Ersten Bürgermeisters.

  • Christlich-Soziale Union (CSU) 5 Sitze
  • Sozialdemokratische Partei Deutschland-Parteifreie Bürger (SPD-Parteifreie) 4 Sitze
  • Christlich unabhängige Wählergemeinschaft Neuk. (CUW) 2 Sitze
  • Unabhängige Wähler, parteifrei und christlich (UW) 3 Sitze
  • Freie Wähler der Altgemeinde Atzlern (Altgde.Atzlern) 2 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 15. März 2020)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. Bürgermeister: Markus Müller (CSU)[6]
  • 2. Bürgermeister: Thomas Schreiner (CSU)
  • 3. Bürgermeister: Franz Altmann (UW)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Neukirchen beim Heiligen Blut
Blasonierung: „In Blau eine eintürmige silberne Kirche in Seitenansicht, darauf goldene Kreuze.“[7]

Das Wappen ist seit 1420 bekannt: (Verlorenes) Wappenprivileg Herzog Johanns von Straubing-Holland um 1420, das sich auf die Verleihung des Marktrechts 1377 bezieht. Das Wappenprivileg wurde 1456 erneuert.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallfahrtskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Wallfahrt in Neukirchen hat ihren Ursprung in einer Hostienwallfahrt. In der Legende wird als Zeitpunkt hierfür der Beginn des 15. Jahrhunderts angegeben. Zu dieser Zeit wurde eine Kapelle vor dem Ort errichtet. Ein Hussitenführer versuchte hier um 1420 eine Marienstatue mit einem Schwerthieb zu zerstören, die eine Bauersfrau aus dem böhmischen Dorf Loučim aus der dortigen Kirche hierher in Sicherheit brachte. Aus dem Kopf der Statue floss eine blutartige Flüssigkeit, worauf für den Ort mit wachsender Bedeutung der Wallfahrt im 16. Jahrhundert der Zusatz „zum heiligen Blut“ gebräuchlich wurde. Für die Jubiläumsberechnung wurde später der Zeitpunkt 1450 für den Frevel an der Marienstatue und den Beginn der Wallfahrt festgelegt.

Nach dem Einsturz des Turms der Nikolauskirche (Marktkirche) im Jahr 1614 wurden die Pfarrrechte auf die neue Wallfahrtskirche übertragen. Herzog Maximilian I. veranlasste von diesem Zeitpunkt an den Ausbau der bis dahin bestehenden Wallfahrtskapelle zur Kirche. Nach dem Bau des Klosters im Jahr 1659 erlaubte der Regensburger Bischof Guidobald von Thun und Hohenstein im Jahr 1667 den Anbau der Klosterkirche. Es entstand der einzigartige Doppelaltar, der Wallfahrtskirche und Klosterkirche verbindet. Im Jahr 1699 wurde der Glockenturm fertiggestellt. Die heutige Form erhielt die Kirche 1719/1720. Für das 300-jährige Wallfahrtsjubiläum wurde 1750 mit einer umfangreichen Renovierung begonnen. Bis zur Feier im Jahr 1752 entsteht der Hochaltar durch eine Augsburger Goldschmiede.[8][9][10]

Nikolauskirche (Marktkirche)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut. Damit erhielt die Ursiedlung Walching (Unterer Markt) den Namen Neukirchen. Mit dem Bau der Kirche entstand auch der Obere Markt. Im 14. Jahrhundert begann man mit dem Bau von Wehranlagen. Aufgrund von ständigen Streitigkeiten zwischen Bayern und Böhmen entstand so die wehrhafte Kirchenburg Neukirchen beim Heiligen Blut. Im Jahr 1614 stürzte der Kirchturm ein und wurde nicht wieder aufgebaut. Der heutige Marktturm entstand bereits um 1370 und besaß Zinnen, um ihn als Wehranlage nutzen zu können. Im 17. Jahrhundert erhielt er einen Kuppelaufbau, in dem die Glocken des eingestürzten Kirchturms untergebracht wurden.

Das Pflegeschloss wurde mit der Markterhebung 1377 in der Kirchenburganlage integriert. Hier waren Pflegebeamte der staatlichen Verwaltung untergebracht. Die kurfürstlichen Pfleger beendeten 1764 den Dienst. In der Folgezeit bemühte sich der Markt um den Kauf des Schlosses, um darin die Schule unterzubringen. 1803 erfolgte dann der Kauf und die Renovierung.

Als 1906 die Schule in das neu erbaute Schulhaus umzog, übernahm der Nikolausverein e. V. das ehemalige Pflegeschloss und errichtete dort ein Schwesternheim (St. Nikolausheim). Die Ordensschwestern der Dillinger Franziskanerinnen betrieben einen Kindergarten, eine Arbeitsschule, eine ambulante Krankenpflege und nahmen später auch Waisenkinder auf.

Nach der Schließung des Nikolausheimes 1984 und der Renovierung des Gebäudes wurde 1992 im Pflegeschloss das Wallfahrtsmuseum eröffnet. Bei den Renovierungsarbeiten 1989/90 wurden hinter dem Schloss Reste der Kirchenburg und der Wehranlagen gefunden.[8][9]

Franziskanerkloster (Klosterkirche)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts halfen regelmäßig Franziskanerpatres aus Cham, um die große Zahl der Wallfahrer zu betreuen. Im Jahr 1658 erhielt man die Erlaubnis für ein Kloster und 1659 wurde innerhalb des gleichen Jahres das Franziskanerkloster gebaut und bezogen. An der Rückseite der Wallfahrtskirche wurde eine kleine Klosterkirche angebaut. Mit Errichtung der Wasserversorgung durch eine Brunnstube konnte auch ein Brauhaus betrieben werden.

Von 1708 bis 1721 erfolgte Reparatur und der Anbau des Nordflügels. Es entstand ein Hörsaal und die bereits seit Klostergründung durch verschiedene Schenkungen gewachsene Bibliothek wurde erweitert. Diese umfasst ca. 8000 Bände aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. 1723 bis 1744 studierte hier der eigene Ordensnachwuchs Philosophie. Die Säkularisation ab 1800 überstand das Franziskanerkloster als einziges in der Diözese Regensburg. Das Haus war als Aussterbekloster bestimmt worden, um Patres unterzubringen, die nicht ausgewiesen werden konnten.

Von 1908 bis 1930 wirkte Pater Epictet Ketterer im Kloster. In dieser Zeit arbeitete er an der ersten Kloster- und Ortschronik. Vom ursprünglich geplanten 4-teiligen Werk erschien nur der erste Band „Neukirchen b. Hl. Blut einst und jetzt“. 1916 gründete er eine Volksbücherei.

1992 bis 1996 erfolgte eine umfangreiche Renovierung des Klosters. 2000 bis 2003 wurde im ungenutzten Nordflügel das Grenzüberschreitende Wallfahrts- und Begegnungszentrum eingerichtet. Der Klostergarten wurde im Rahmen der Sanierungsarbeiten nach historischem Vorbild neu angelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am 19. Juli 2012 erwarb die Pfarrei die gesamte Klosteranlage vom Freistaat Bayern.[8][9][11]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 gab es in der Gemeinde 858 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 1453 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 595 Personen größer als die der Einpendler. 52 Einwohner waren arbeitslos.

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 gab es 104 landwirtschaftliche Betriebe. Von der Gemeindefläche waren 2266 Hektar landwirtschaftlich genutzt und 2910 Hektar waren Wald.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neukirchen hat keine Autobahn- oder Bundesstraßen-Anbindung; durch Neukirchen führen die Staatsstraße 2154 sowie die Kreisstraßen CHA 43, 44 und 46. Der nächste Bahnhof liegt in Furth im Wald.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule Neukirchen mit 100 Schülern (Schuljahr 2018/19)[12]
  • Mittelschule Neukirchen mit 72 Schülern (Schuljahr 2018/19)[13]
  • Kindertagesstätte „St. Nikolaus“ (Kindergarten und Kinderkrippe) mit 92 Plätzen und 100 Kindern (Stand 1. März 2018)
  • Gemeindebücherei

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Zweigwerk der Elektronik Zollner AG liegt in Neukirchen.

Die Spezialklinik Neukirchen ist eine auf die Behandlung von Allergien, Haut- und Umwelterkrankungen spezialisierte Akutklinik mit 140 Betten.

Auch der Tourismus induziert zahlreiche Arbeitsplätze in das Gemeindegebiet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neukirchen beim Heiligen Blut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-003r Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtag (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Neukirchen b.Hl.Blut in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 16. August 2020.
  3. Gemeinde Neukirchen b.Hl.Blut, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 20. Dezember 2021.
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 500.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 643 und 644.
  6. Bürgermeister mit Marktrat 2020-2026. Gemeinde Neukirchen beim Heiligen Blut, abgerufen am 28. September 2020.
  7. Eintrag zum Wappen von Neukirchen beim Heiligen Blut in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  8. a b c Mathilde Baumann: Neukirchen b.Hl.Blut – Markt und Wallfahrt am Hohenbogen. Verlag Morsak, Jahr 1978.
  9. a b c Ludwig Baumann: Neukirchen b.Hl.Blut – Geschichte in Bildern Verlag Attenkofer, Jahr 2012.
  10. Tobias Bognitschar: Die Wallfahrt nach Neukirchen beim Heiligen Blut als Thema des fächerübergreifenden Unterrichts in der 7. Klasse der Hauptschule. Universität Regensburg, Institut für Geschichte, Zulassungsarbeit Jahr 2002, Lehrstuhl für Didaktik Geschichte.
  11. haus/ zur Aussaat – Grenzüberschreitendes Wallfahrts-, Begegnungs- und Umweltbildungszentrum beim Franziskanerkloster Neukirchen b. Hl. Blut. Abgerufen am 24. August 2012.
  12. Grundschule Neukirchen in der Schuldatenbank des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, abgerufen am 16. August 2020.
  13. Mittelschule in der Schuldatenbank des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, abgerufen am 16. August 2020.