Nievenheim

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Koordinaten: 51° 6′ 51″ N, 6° 46′ 7″ O

Nievenheim
Stadt Dormagen
Wappen von Nievenheim
Höhe: 41 m
Fläche: 17,39 km²
Einwohner: 9150 (2012)
Bevölkerungsdichte: 526 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 41542
Vorwahl: 02133
Nievenheim (Nordrhein-Westfalen)
Nievenheim
Nievenheim
Lage von Nievenheim in Nordrhein-Westfalen

Nievenheim ist seit der kommunalen Neugliederung 1975 ein Stadtteil der Stadt Dormagen im Rhein-Kreis Neuss. Nievenheim ist der größte Stadtteil Dormagens. Zu Nievenheim gehört auch Ückerath. Nievenheim hat etwa 9150 Einwohner (Quelle: Statistik der Stadt Dormagen, Stand Dezember 2012) und ist somit der Stadtteil mit der höchsten Einwohnerzahl.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortseingangsschild von Nievenheim von Süden kommend

Östlich von Nievenheim befindet sich die Bahnlinie Köln–Neuss (S 11) und die Ortschaft Delrath. Im Süden grenzt der Ort an Felder und ein kleines Gewerbegebiet und Straberg. Weiter südöstlich folgt die Ortschaft Horrem. Nach Südwesten schließt sich direkt an Nievenheim die Ortschaft Ückerath, die von einem Waldgebiet begrenzt wird. In nördlicher Richtung grenzt Nievenheim an Felder, der sich die Ortschaft Neuss-Allerheiligen anschließt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike und Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nievenheim war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Das belegen Funde aus der Eisenzeit. 1973 wurde eine römische Villa ausgegraben und ferner wurden drei römische Weihesteine im früheren Amt Nievenheim gefunden. Im Jahre 476 nahmen germanische Franken den linken Niederrhein in Besitz. Nievenheim, damals noch Niuanhem, wurde Hauptort des Frankengaus. Eine andere Bezeichnung für Nievenheim ist Nievering, das bedeutet Nebenrhein.

Bereits 790 wurde der Gau Nievenheim urkundlich erwähnt. 1262 wurde Nievenheim Pfarrort. In einer Urkunde von 1297 wurde Nievenheim angeführt. In dieser verbürgt sich der Ritter „Gottfried von Nivenheim“ mit „500 Mark auf Jahr und Tag“ für die Überlassung des Kelzenberger Hofes bei „Nivenheim“ durch Hermann von Kothusen an die Klarissen zu Neuss. Besiegelt wurde die Urkunde neben drei weiteren von Friedrich von Helpenheim, Domherr zu Köln.[1]

Ückerath bestand seit 1197 und gehörte nach einer Urkunde aus dem Jahre 1319 zum Fronhof in Eppinghoven.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1559 gelangte das Gnadenbild des göttlichen Salvator Mundi aus der Salvatorkirche Duisburg nach Nievenheim.

1741 wurde die Pfarrkirche St. Pankratius erbaut. Der Grundstein für die Kirche wurde schon am 20. März 1739 vom Pastor Krosch gelegt. Bis 1794 gehörte Nievenheim zum kurkölnischen Amt Hülchrath. 1815 wurde die Bürgermeisterei Nievenheim aus den Gemeinden Nievenheim - mit den Orten Ückerath, Delrath und Straberg - mit den Ortschaften Straberg und Knechtstedten - gebildet.

Im Jahre 1840 wurde der Turm der Pfarrkirche erhöht.

1911 wurde die Industriebahn Nievenheim-Zons gegründet.

1927 erfolgte die Umbenennung der Bürgermeisterei Nievenheim in das Amt Nievenheim. 1870 wechselte die Gemeinde Gohr von der Bürgermeisterei Nettesheim zur Bürgermeisterei Nievenheim.

1937 wurde die Gemeinde Broich, Amt Evinghoven, in die Gemeinde Gohr eingemeindet.

Im Mai 1955 wurde die evangelische Kreuzkirche an der Bismarckstraße in Dienst gestellt. Am 30. Juni 1974 hatte das Amt Nievenheim 11.669 Einwohner auf 37,02 km². In den frühen 1970er Jahren gab es Überlegungen, die Ämter Nievenheim und Norf zu einer Gemeinde zusammenzuschließen, um damit einer Eingemeindung nach Dormagen und Neuss zu entgehen, dieses scheiterte jedoch. Das Amt Nievenheim wurde aufgelöst.

Seit dem 1. Januar 1975 gehört Nievenheim, das bis dahin selbständig war, zu Dormagen.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 5741 (Gemeinde Nievenheim)
  • 1970: 6994 (Gemeinde Nievenheim)
  • 1974: 5376
  • 1984: 5734
  • 1994: 7153
  • 2005: 9502
  • 2006: 9604
  • 2010: 9304 (Nievenheim: 6651, Ückerath: 2653)
  • 2012: 9148 (Nievenheim: 6574, Ückerath: 2574)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In von Blau und Silber gespaltenem Schild im rechten Felde auf einer silbernen Kugel das Bild des Salvators im goldenen, rotgefütterten und mit blauen Leisten geschmückten Mantel und mit einer goldenen Krone und goldenem Nimbus mit Strahlenbündel. Die rechte Hand ist zum Segen erhoben, in der linken eine blaue mit Gold verzierte Weltkugel.

Im linken Feld ein schwarzer Balken, darüber ein nach rechts gerückter schwarzer Roßkamm.

Kultur und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine besondere Bedeutung hat die Pfarrkirche St. Pankratius. Es handelt sich hierbei um eine dreischiffige Backstein-Hallenkirche. Hermann von Alffter, im 15. Jahrhundert Glockengießer aus Alfter bei Bonn, schuf 1478 für die Pfarrkirche in Nievenheim eine Glocke.[3] In der Kirche befinden sich drei kunstvolle Barockaltäre, die von Johann Conrad Schlaun entworfen wurden. Die Schnitzarbeiten führte Christoph Mannskirchen aus Münster aus, die Tischlerarbeiten Ägidius Rheindorf aus Köln. Der rechte Seitenaltar wurde von Johann Conrad Schlaun und seiner Frau gestiftet. Vor der Kirche steht eine achtseitige Kapelle, die im Jahre 1805 erbaut wurde. Der Kirchplatz wird von einer Mauer, die Stationen des Kreuzwegs beinhaltet, umschlossen. Die Stationen wurden vom Pfarrer Rumpens gestiftet und 1891 geweiht.

Erholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer besteht auch die Möglichkeit, im Straberg-Nievenheimer See (zwischen Nievenheim und Straberg) zu schwimmen. Der See erlangte im Juli 1994 überregionale Berühmtheit, als der Kaiman namens Sammy, ein wenige Monate altes Jungtier, seinem Besitzer, der sich als Badegast am See aufhielt, entkommen war, nachdem es sich von seiner Hundeleine befreit hatte. Tagelang wurde versucht, das Tier aus dem See zu holen, was schließlich am 10. Juli 1994 einem Staraufgebot von erfahrenen Großwildjägern mit Hilfe eines Fischköchers auch gelang. Im Kölner Aquarium, wo Sammy zunächst untergebracht wurde, drängelten sich die Besucher. Sammy erholte sich anschließend einige Jahre im Tiergarten Falkenstein im Vogtland. Danach lebte er auf einer Alligatorfarm in Hessen, auf der er im August 2013 starb.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ascheplatz von Nievenheim

Es gibt eine Sportanlage an der Gesamtschule, die außerhalb der Schulzeit auch privat genutzt werden kann (Basketball, Fußball, Laufen). Der Sportverein AC-Ückerath fördert Menschen mit besonderem Interesse an den Kampfsportarten Taekwondo und Ringen. Seit Oktober 2011 hat er auch eine eigene Ringerhalle, die auch zum Landes- und Bundesstützpunkt für weibliches Ringen ernannt wurde. In der Dreifachturnhalle der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule finden des Weiteren auch diverse andere Sportaktivitäten statt wie zum Beispiel Judo, Volleyball, Fußball und Badminton. Zur Entspannung kann man ins Hallenbad, das eine kleine Außenanlage hat, oder in die Sauna, die sich unter dem Schwimmbad befindet, gehen. Außerdem gibt es einen Sportplatz an der Südstraße, der aus einem Asche- und einem Kunstrasenplatz besteht, auf dem der VdS Nievenheim seine Spiele bestreitet. Der Kunstrasenplatz wurde im Jahr 2005 eröffnet. Bis dato trugen alle Mannschaften des VdS Nievenheim auf dem alten Ascheplatz ihre Spiele aus.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

S-Bahnhof Nievenheim

Neben einigen gewerblichen Betrieben bestehen immer noch einige landwirtschaftliche Betriebe, die auch einen Hofladen besitzen. Des Weiteren gibt es mehrere Ärzte, Apotheken, Einkaufsmärkte sowie einen gut sortierten Einzelhandel.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nievenheim hat einen eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke Köln–Kleve. Mit der S 11 erreicht man innerhalb von 30 Minuten Düsseldorf und Köln. Die Bahnen fahren werktags alle 20 Minuten – am Wochenende halbstündlich – in die Richtungen Neuss–Düsseldorf und Dormagen–Köln–Bergisch-Gladbach. Durch Nievenheim fahren auch mehrere Stadtbusse der Busgesellschaft StadtBus Dormagen. Dormagen hat eine eigene Anschlussstelle an der A 57. Von dort gelangt man über die Landstraße L380 nach Nievenheim.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nievenheim gibt es sieben Kindergärten, zwei Grundschulen, eine davon Montessorischule, sowie eine Gesamtschule (Bertha-von-Suttner-Gesamtschule).

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neuß-Grevenbroicher-Zeitung - regionale Tageszeitung, Neusser Zeitungsverlag GmbH, zur Rheinischen Post gehörig
  • Schaufenster - lokales Anzeigenblatt (Dienstag & Samstag), Neusser Druckerei und Verlag GmbH
  • Rheinischer Anzeiger - lokales Anzeigenblatt (Mittwoch), Neusser Druckerei und Verlag GmbH

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nievenheim sind beide großen deutschen Volksparteien SPD und CDU im Ortsleben fest verankert. Beide Ortsverbände entsenden in den Rat der Stadt Dormagen bei den Kommunalwahlen gewählte Mitglieder. Die beiden Ortsvereine sind auch für die Stadtteile Ückerath und Delrath verantwortlich. Die anderen im Stadtrat sitzenden Parteien sind meist im ganzen Stadtgebiet Dormagen aktiv. Der letzte Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Nievenheim war Gerhard Woitzik von der Zentrumspartei (1969–1975).

Vereinsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nievenheim und Ückerath haben mehrere Vereine:

  • Der wohl größte Verein ist die Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft Nievenheim Ückerath von 1573 e.V. Dieser Schützenverein wurde 1926 wiederbelebt. Das Schützenfest wird an jedem zweiten Sonntag im Juli gefeiert.
  • Ückerath verfügt über die Kirmesgesellschaft Selde Blömche. Die Kirmesgesellschaft feiert am zweiten Sonntag im September.
  • Tambourcorps "Eintracht" 1920 Ückerath e.V.
  • Tambourcorps Concordia 1929 Nievenheim
  • Ebenso verfügen Nievenheim und Ückerath über drei Karnevalsvereine und eine Garde Civile; in Nievenheim sind es die KG Blau-Weiß Löstige Jonge und in Ückerath die KG Rot-Weiß. Neu gegründet hat sich der Karnevalsverein „Die Ückerather Piraten“.
  • Freiwillige Feuerwehr Dormagen, Löschzug Nievenheim seit 1907
  • Die Katholische Frauengemeinschaft Nievenheim-Ückerath wurde im Jahr 1919 gegründet und umfasst ca. 500 Mitglieder. Sie ist damit der größte Frauenverein im Dekanat Dormagen.
  • Der AC Ückerath, dessen Ringer weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Eine weitere Sportart ist Taekwondo.
  • Verein der Sportfreunde Nievenheim e.V. (VdS Nievenheim) mit Abteilungen für Fußball, Radsport, Judo, Turnen u. a.
  • Die Schwimmsportgemeinschaft Nievenheim-Delrath 1973 e.V. bietet im Hallenbad Nievenheim Anfängerschwimmen für Kinder und Erwachsene, Aqua-Fitness-Kurse und Sportschwimmen an.
  • Verein der Freunde von Saint André e.V. Nievenheim, der die Partnerschaft zur französischen Stadt Saint André ins Leben rief.
  • Weiterhin gibt es den Rassegeflügelzuchtverein, RGZV Nievenheim, der 1946 gegründet wurde. Hühner-, Tauben- und Entenzüchter sorgen dafür, dass die verschiedensten Geflügel-Rassen weiterbestehen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hubert Peter Krein: Salvator-Büchlein, oder Anleitung, den Weltheiland in seinem Gnadenbilde zu Nievenheim andächtig zu verehren ... - Neuß : Schwann, 1853. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Pilgerfahrt zu dem wunderthätigen Bildniß Jesu Christi : welches unter dem trostreichen Namen Salvator in der Pfarrkirche zu Nivenheim verehrt wird .... Feilner, Köln 1754 (Digitalisat)
  • Gottfried Neuen: Pulheim im Wandel der Zeiten; Pulheim 1966
  • Peter Doms und Heinz Pankalla: Nievenheim, Die Geschichte des Kirchspiels, der Bürgermeisterei und des Amtes von den Anfängen bis zur Gegenwart, Dormagen, 1996.
  • St. Pankratius Dormagen-Nievenheim, in: Karl Emsbach/Max Tauch: Kirchen, Klöster und Kapellen im Kreis Neuss, Köln o.J., S. 28ff.

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tuecking, Karl, in: Urkunden und Akten aus dem Archiv der Klarissen zu Neuss, Urkunde 3 vom 20. März 1297, 1896, Neuss, S. [10]6. Onlinefassung
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 294.
  3. Hermann von Alffter. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 16, E. A. Seemann, Leipzig 1923, S. 488f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dormagen und Umgebung – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien