Otricoli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Otricoli
Kein Wappen vorhanden.
Otricoli (Italien)
Otricoli
Staat: Italien
Region: Umbrien
Provinz: Terni (TR)
Koordinaten: 42° 25′ N, 12° 29′ OKoordinaten: 42° 25′ 0″ N, 12° 29′ 0″ O
Höhe: 209 m s.l.m.
Fläche: 27,27 km²
Einwohner: 1.869 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einw./km²
Postleitzahl: 05030
Vorwahl: 0744
ISTAT-Nummer: 055024
Volksbezeichnung: Otricolani
Schutzpatron: Victor und Corona (14. Mai)
Website: Gemeinde Otricoli
Panorama von Otricoli
Panorama von Otricoli

Otricoli ist eine Gemeinde mit 1869 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) in der Provinz Terni in der Region Umbrien in Italien.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Gemeinde Otricoli in der Provinz Terni

Die Gemeinde erstreckt sich über ca. 28 km². Sie liegt ca. 90 km südlich der Regionalhauptstadt Perugia und ca. 25 km südwestlich der Provinzhauptstadt Terni auf einer Anhöhe neben dem Tiber und kurz südöstlich dessen Zusammenflusses mit dem Nera in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone D, 1745 GR/G[2].

Der Ort liegt an der Staatsstraße SS 3 und wird von hier durch die Porta Maggiore begangen. Das zweite Stadttor ist die Porta San Severino, die durch die heutigen Straßen Via Vittorio Emanuele II. und Via Cavour mit dem Haupttor verbunden ist.

Einziger Ortsteil der Gemeinde ist das ca. 9 km nordöstlich gelegene Poggio.

Die Nachbargemeinden sind Calvi dell’Umbria, Gallese (VT), Magliano Sabina (RI), Narni, Orte (VT) und Stroncone.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Siedlungen entstanden auf dem heutigen Ortsgebiet im 8. Jahrhundert v. Chr. in dem Gebiet Sgorga am Ufer des Tiber. Im Jahr 308 v. Chr. hieß der Ort noch Ocriculum und war mit Rom alliiert, um deren Handel am Tiber zu unterstützen. Hier entstand der Porto dell’Olio (Ölhafen, war bis zum Ende 18. Jahrhunderts aktiv). Im römischen Bundesgenossenkrieg wurde der Ort zerstört. In der Zeit der Umbrer-Sabiner wurde das heute Ortszentrum auf den Hügel verlegt und bereits eine Stadtmauer aus Tuffstein ohne Mörtelverbindungen angelegt. Die an dem Stadttor entlangführende Via Flaminia (220 v. Chr., heute Via Roma) verstärkte den Standort als römischer Handelsposten. In den Jahren zwischen 569 und 605 litt der Ort stark unter der Besatzung der Langobarden, danach geriet die Siedlung unter den Einfluss des Kirchenstaats, dem sie sich um 1000 nach Streitigkeiten mit Narni unterwarf. Dort blieb der Ort bis 1860, als Umbrien im Zuge des Risorgimento Region Italiens wurde. 1861 wurde erstmals der Rat des Ortes gewählt, Bürgermeister (Sindaco) wurde der Graf Francesco Ruiz De Cardenas. 1943 war Otricoli Standort eines deutschen Militärkommandos, die anschließenden Bombardierungen hinterließen Schäden am Rathaus, am Casa Birelli und am Stadttor Porta Maggiore.[3] Höhepunkt der Bevölkerungsentwicklung waren die 1950er Jahre, als im Ort mehr als 2300 Personen wohnten.

Ortsteil Poggio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Poggio

Der Ort (auch Poggio di Otricoli genannt) liegt an einem westlichen Ausläufer des Monte San Pancrazio (1028 m) in 314 Metern Höhe und hat ca. 380 Einwohner.[4] Poggio wird das erste Mal am 14. April 1237 schriftlich erwähnt, als Tebalduccio Dorgani di Narni einen Teil der Burg erwarb. In diesen Dokumenten wird der Ort als Castrum Podii Medii und als Poggium Moggii bezeichnet. 1276 erlangte die Stadt Narni die Herrschaft über den Ort. Erst im Jahre 1815 nach den Napoleonischen Kriegen befreite sich Poggio von der Herrschaft Narnis und wurde Teil der Gemeinde Otricoli.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Collegiata di Santa Maria Assunta
Ruinen des Amphitheater in Ocriculum
  • Collegiata di Santa Maria Assunta, Hauptkirche im Ortskern aus dem 7. Jahrhundert. Der Hochaltar stammt aus dem 12. Jahrhundert, das Ziborium aus Marmor aus dem Jahr 1500. Die rechte Seite der Kirche hat die Kapellen San Fulgenzio und San Domenico (mit dem Fresko San Fulgenzio vescovo che distribuisce il pane ai poveri di Otricoli) sowie das Baptisterium mit einem Taufbecken aus dem 16. Jahrhundert. Auf der linken Seite befinden sich die Kapellen Sant’Antonio Abate und die der Madonna Addolorata.[6]
  • Chiesa di San Salvatore, bereits 1235 als Cappella S. Salvatoris erwähnte Kirche im Ortskern. Enthält das Fresko Madonna del Latte.[6]
  • Chiesa di San Giuseppe da Leonessa (auch Oratorio di San Giuseppe da Leonessa genannt), Kirche und Oratorium im Ortskern. Entstand 1761.[6]
  • Stadtmauern: Die ersten Stadtmauern entstanden im 4. Jahrhundert v. Chr. Danach wurden die Stadtmauern im 7. Jahrhundert n. Chr. errichtet. Die heute sichtbaren Stadtmauerteile entstanden im 12. Jahrhundert. Die älteren und verschwundenen Stadttore lagen an gleicher Stelle wie die heutigen Stadttore:[7]
    • Porta Maggiore, östliches Stadttor zum Borgo hin.
    • Porta San Severino, westliches Stadttor, zur Via Flaminia und zum Tiber liegend.
  • Ocriculum, historischer Ort des sechsten Bezirks (Umbrien, bzw. Umbria complexa agrumque Gallicam citra Ariminium) des römischen Reichs. Hier hatte der Tempel des Jupiter Ort, der auch den Zeus von Otricoli hervorbrachte. Die Thermen (ca. 2. Jahrhundert v. Chr. entstanden) und das Theater (ca. 1. Jahrhundert) wurden im 18. Jahrhundert entdeckt. Heute erinnert noch der Name des Titularbistums Otriculum an den Ort.
  • Castello delle Formiche, heutige Burgruine am Fluss Aia kurz vor der Mündung in den Tiber, die im 12. Jahrhundert entstand und die ca. 2 km südwestlich von Otricoli liegt. Die Burg war mehrfacher Auslöser für Konflikte zwischen Otricoli und Amelia bei Auseinandersetzungen im Mittelalter.
  • Porto dell’Olio, ehemaliger Hafen (Ölhafen) am Tiber, der bis ins 18. Jahrhundert benutzt wurde.[8]
  • Chiesa di San Vittore, bereits 1227 erwähnte Kirche nahe dem Porto dell’Olio am Tiber, als Benediktiner-Kloster entstanden. Wurde am Ende des 16. Jahrhunderts durch eine Tiberflut zerstört und 1579 neu errichtet. Der heute sichtbare Teil entstand 1714 neben den Ruinen des alten Klosters.[9]
  • Chiesa di San Fulgenzio, eine an der Antica Via Flaminia anliegende Kirche. Enthielt die sterblichen Überreste des San Fulgenzio bis 1316, als die Reliquien in die Collegiata gebracht wurden.[10] Enthält das Museum Antiquarium Casale San Fulgenzio.[11]
  • Chiesa di San Nicola, Hauptkirche im Ortsteil Poggio, entstand im 15. Jahrhundert.
  • Chiesa di San Vittore nahe dem Ortsteil Poggio, Kirche aus dem 14. Jahrhundert.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zeus von Otricoli, römische Kopie nach einem griechischen Original aus dem 4. Jahrhundert, befindet sich heute in den Vatikanischen Museen, Museo Pio-Clementino, Sala Rotunda

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Otricoli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA) (PDF; 330 kB), abgerufen am 18. November 2012 (italienisch)
  3. Offizielle Webseite der Gemeinde zur Geschichte des Hauptortes, abgerufen am 7. Februar 2011 (italienisch)
  4. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Terni, abgerufen am 18. November 2012 (italienisch)
  5. Offizielle Webseite der Gemeinde zur Geschichte zum Ortsteil Poggio, abgerufen am 7. Februar 2011 (italienisch)
  6. a b c Webseite der Gemeinde (Tourismus) zum historischen Ortskern, abgerufen am 5. Oktober 2015 (italienisch)
  7. Offizielle Webseite der Gemeinde zur Geschichte des Hauptortes, abgerufen am 5. Oktober 2015 (italienisch)
  8. Webseite Antica Via Flaminia zum Porto dell’Olio, mit Abb., abgerufen am 5. Oktober 2015 (italienisch)
  9. Webseite Antica Via Flaminia zur Chiesa di San Vittore, mit Abb., abgerufen am 5. Oktober 2015 (italienisch)
  10. Webseite Antica Via Flaminia zur Chiesa di San Fulgenzio, mit Abb., abgerufen am 5. Oktober 2015 (italienisch)
  11. Webseite Antica Via Flaminia zum Antiquarium Casale San Fulgenzio, mit Abb., abgerufen am 5. Oktober 2015 (italienisch)
  12. Offizielle Webseite der Gemeinde zur Gemeindepartnerschaft, abgerufen am 7. Februar 2011 (italienisch)