Schlatt ZH

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ZH ist das Kürzel für den Kanton Zürich in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Schlattf zu vermeiden.
Schlatt
Wappen von Schlatt
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Winterthurw
BFS-Nr.: 0226i1f3f4
Postleitzahl: 8418
Koordinaten: 704684 / 258463Koordinaten: 47° 28′ 7″ N, 8° 49′ 38″ O; CH1903: 704684 / 258463
Höhe: 656 m ü. M.
Fläche: 9,03 km²
Einwohner: 735 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 81 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
5,8 % (31. Dezember 2016)[2]
Gemeindepräsident: Urs Schäfer
Website: www.schlatt-zh.ch
Oberschlatt

Oberschlatt

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Kirche von Schlatt
Dorfkern von Oberschlatt mit traditionellen Fachwerkhäusern

Schlatt (bis 1999 Schlatt bei Winterthur genannt) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz.

Sie besteht aus den Ortschaften Unterschlatt, Oberschlatt, Waltenstein und Nussberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlatt liegt im Osten des Kantons Zürich, zwischen Winterthur und Turbenthal. Schlatt gehört zum Zürcher Oberland. Die Gemeinde Schlatt grenzt im Norden an Elsau, im Osten an Elgg, im Südosten an Turbenthal, im Südwesten an Zell und im Westen an die Bezirkshauptstadt Winterthur (Aussenwacht Eidberg, bis 1922 Gemeinde Seen).

Von der Gemeindefläche dienen 46,6 % der Landwirtschaft, 45,6 % ist Waldgebiet und 0,7 % sind Gewässerfläche; 2,9 % ist Verkehrsfläche und 3,6 % Siedlungsgebiet.[3] Der tiefste Punkt auf dem Gemeindegebiet liegt auf 530 m. ü. M. (Heitertal), der höchste auf 870 m. ü. M. (Funkenbüel).

Oberschlatt liegt am Bäntalbach, Waltenstein am Bolsternbach. Beide Bäche fliessen bei Kollbrunn in die Töss.

Bevölkerung und Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2017 hatte Schlatt 730 Einwohner in 282 Haushalten. 56 % (410 Personen) waren reformierter Konfession, 12 % (88 Personen) katholisch. Der Steuerfuss lag bei 128 %.[4]

Im Vergleich dazu registrierte die letzte Volkszählung im Jahr 2000 die Anzahl der Einwohner als 610, in 221 Haushalten, und der Anteil reformierter Konfession als 75 %.[5]

Schlatt verfügt über eine eigene Primarschule, in der zurzeit etwa 95 Schüler unterrichtet werden. Die Oberstufe besuchen die Schüler in Elsau (Volksschule) bzw. in Winterthur (Gymnasium). Schlatt unterhält seit mehreren Jahren zwei Grundstufen, welche die Vorschule mit der ersten Klasse in die Schule integriert.

Gemeindepräsident ist Urs Schäfer (Stand Dezember 2017).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das hüglige und stark bewaldete Gemeindegebiet wurde wohl erst im 8. Jh. besiedelt. Alemannischen Ursprungs sind die Dörfer Schlatt und Nussberg. Ihre erste schriftlichen Erwähnung wird geliefert von Schenkungsurkunden an das Kloster St. Gallen, die ältere erwähnt 744 oder 746 den Ort Nuzperech (Nussberg), die andere nennt 754 Sclatte (Unterschlatt). Der Siedlungsname Schlatt geht zurück auf ein altes Wort für "Abhang, Bodensenkung; Mulde, Tal".[6] Die Bezeichnung als Nidern-Schlatta ist 1306 bezeugt (Niderschlatt 1504), die Nennung der höher gelegenen Siedlung als Ober-Schlatt ist allerdings erst für 1642 belegt.[7] Der Name Waltensteyn ist erstmals 1539 erwähnt.[8]

Diesen klösterlichen Besitz verwalteten die Herren von Schlatt (1094 wird Freiherr Hesso von Slâte genannt), im 12. bis 14. Jh. Ministerialen der Kyburger und Habsburger. Die Kirche wird 1241 als Eigentum des Ritters Konrad von Schlatt erwähnt. Waltenstein ging ursprünglich auf einen einzigen grossen Gutshof zurück. 1277 verlieh das Kloster St. Gallen die Vogtei Waltistal an die Freiherren von Teufen, 1279 kam sie in österreichische Hände. Die Herren von Schlatt bewohnten die Turmburg bis 1361. In der Folge wechselte diese mehrmals den Besitzer, bis sie 1568 zum Pfarrhaus umgebaut wurde.

Oberschlatt gehörte zur Herrschaft Elgg, die 1452 mit der Grafschaft Kyburg an Zürich kam. Wie Oberschlatt gelangte Waltenstein 1452 in zürcherischen Besitz. Die niedergerichtlichen Rechte in Oberschlatt gehörten allerdings zum "Stählernen Bund" (Stäheliner Bund) und wurden mit diesem erst 1494 von Zürich erworben. Von 1475 an ernannte Zürich den Pfarrer. Das Kollaturrecht ging 1485 an Zürich und dann 1529 an Winterthur. Die Kirche wurde um 1500 neu erbaut. Für den zürcherischen Landvogt amteten vor allem Angehörige der seit 1543 in Oberschlatt ansässigen Familie Furrer als Weibel oder Vogt. Die Mühle Heitertal bei Eidberg ist 1361 erwähnt und bleibt bis heute in Betrieb (Stand 2018).[9]

Zur Zeit der textilen Heimindustrie Ende 18. Jh. erreichte die Einwohnerzahl einen Höchststand (722 Einwohner im Jahr 1792, verglichen mit 317 im Jahr 1634). Die politische Gemeinde entstand 1798, zunächst im Distrikt Elgg, und ab 1803 im Bezirk Winterthur.[10]

Eine Industrialisierung fand in der Gemeinde nicht statt, abgesehen von einer kleinen Baumwollspinnerei, die ab 1825 bei der Mühle Unterschlatt betrieben wurde. Die Strasse zum Bahnhof Räterschen wurde 1847–1853 gebaut. Eine Abwanderung setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jh. ein, die Bevölkerung sank von 700 im Jahr 1850 bis auf 475 im Jahr 1960. Ab den 1960er Jahren setzte durch den Bau von Einfamilienhäusern wieder ein allmählicher Anstieg der Bevölkerung ein, auf 610 Personen im Jahr 2000, und auf 731 im Jahr 2010.

Die vier Zivilgemeinden bewahrten innerhalb der politischen Gemeinde bis 1928 eine gewisse Selbständigkeit. Das Gemeindewappen, In Silber ein blauer Doppeladler mit roten Fängen, wurde auf Beschluss des Gemeinderats vom 5. Juni 1928 eingeführt. Es geht zurück auf das Wappen der Herren von Schlatt, bezeugt (ohne Tingierung) im Siegel des Ritters Konrad von Schlatt in der Urkunde aus dem Jahr 1279, und in den Tinkturen Silber und Blau erstmals in der Zürcher Wappenrolle von 1340.[11]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der Gemeinde ist verschiedenstes Gewerbe, wie z. B. Coiffeure, Autogarage, Schmied, Getränkelieferant, Architekt, Treuhandbüros und Fahrschulen ansässig.
  • Die Postautolinie 680 verbindet Schlatt und Oberschlatt mit Winterthur und Elgg.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Martin Gubler, Kunstdenkmäler der Schweiz Band 76 – Die Kunstdenkmäler des Kanton Zürich Band 7 Der Bezirk Winterthur Südlicher Teil. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 1986, ISBN 3-7643-1786-8, S. 240–266.
  • J. Zollinger, Streifzug durch die Geschichte der Gemeinde Schlatt (1963).
  • E. Ott, "Mühle Heidertal in der Dorf- und Schulgemeinde Eidberg, im Kirchspiel Schlatt am Schauenberg und in der alten Grafschaft und Landvogtei Kyburg", Zürcher Taschenbuch 2006 (2005), 63–108.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlatt ZH – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 20. September 2017.
  3. http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/daten/gemeindeportraet.html
  4. statistik.zh.ch
  5. 74,9 % reformierte, 12,3 % katholisch, 10,2 % konfessionslos (2,6 % waren entweder Anhänger anderer Glaubensrichtungen oder haben keine Angabe gemacht). Haushalte: 221, Bewohnte Gebäude: 181, Einfamilienhäuser: 99, Mehrfamilienhäuser: 19, übrige Wohngebäude: 63 (Volkszählung 2000)
  6. Schweizerisches Idiotikon IX.762–764
  7. Unterschlatt (ortsnamen.ch)
  8. Waltenstein (ortsnamen.ch)
  9. muehleheitertal.ch; Albert Büchi, Die Mühle ist ihr Lebenselixier, Der Tösstaler, 22. Juni 2016[1], AG gegründet 2001, Handelsregister-Nr. CHE-109.351.848. Ines Rütten, Noch klappert die Mühle im Heitertal, Der Landbote, 22. Dezember 2016.
  10. Ueli Müller: Schlatt ZH. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2013.
  11. "Die Bereinigung der Zürcher Gemeindewappen". In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 49 (1977), S. 90.