Zürcher Gemeindewappen

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Zürcher Ämterscheibe von 1616 (Hans Jakob Nüscheler dem Älteren zugeschrieben), mit 35 Wappen der Ämter und Gemeinden (Kyburg, Grüningen, Eglisau, Winterthur, Greifensee, Freiamt, Laufen, Hegi, Pfyn, Meilen, Rümlang, Stammheim, Regensdorf, Hedingen, Bülach, Elgg, Sax, Weinfelden, Neuamt, Sellenbüren, Fluntern, Männedorf, Kilchberg, Thalwil, Küsnacht, Wollishofen, Zollikon, Stäfa, Horgen, Wädenswil, Andelfingen, Stein, Maschwanden, Regensberg).

Die im Kanton Zürich verwendeten Gemeindewappen gehen auf die Einführung von Vogtei-, Amts-, Orts- und Dorfwappen im 16. Jahrhundert zurück, meist bereits damals in Anlehnung an die Wappen mittelalterlicher Familien aus dem regionalen Kleinadel.

Die modernen Gemeindewappen gehen zurück auf die Arbeit der Gemeindewappenkommission der Antiquarischen Gesellschaft Zürich, die zwischen 1926 und 1936 die Wappen der damals insgesamt 179 Zürcher Gemeinden festlegte; acht Gemeinden verloren bereits bei der Zürcher Eingemeindung von 1934 ihren Status als Gemeinde. Drei Gemeindefusionen jüngeren Datums (2014–2016)[1] reduzierten die Zahl der Gemeinden per 1. Januar 2016 auf 168. Daneben führen zahlreiche Ortsteile, Quartiere und ehemalige (Aufhebung 2010) Zivilgemeinden eigene Wappen.

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappendarstellungen in Edlibachs Zürcher Chronik (um 1490)
Grüninger Amtscheibe von 1587

Nur vier der heutigen Gemeinden besassen bereits im Mittelalter eigene Wappensiegel: Zürich (1250), Winterthur (1264), Grüningen ZH (1370) und Elgg (1371). Die Verwendung von Dorf- bzw. Ortswappen geht auf das ausgehende 15. Jahrhundert zurück, als erstmals Wappen einzelner Vogteien oder Ämter abgebildet wurden (meist basierend auf Wappen längst ausgestorbener Adelsgeschlechter aus der jeweiligen Gegend). So zeigt die Zürcher Chronik von Gerold Edlibach (um 1490) neben den Wappen von Städten und Vogteien auch Wappen der Kirchgemeinden am Zürichsee (die zechen kilchhövinen an Zürich see). Im 16. Jahrhundert treten Dorfwappen vermehrt auf Landkarten (Kantonskarte von Jos Murer 1566) und in Wappenscheiben (Ämterscheibe der Herrschaft Grüningen 1587, Ämterscheibe von Zürich 1544[2]) auf. Zahlreiche Ämter- und Gemeindescheiben aus dem 17. Jahrhundert sind erhalten.[3] Nach der Gründung des modernen Kantons Zürich (Züriputsch 1839) begannen die Landgemeinden mit grösserem Selbstbewusstsein Wappen zu führen, ohne dass die jeweiligen Wappen auf kantonaler Ebene offiziellen Status gehabt hätten. Der Zürcher Lithograph Johannes Krauer gab um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine Tafel mit farbigen Darstellungen der Wappen aller Zürcher Gemeinden heraus (die «Krauertafel»). Diese war eilig zusammengestellt und enthielt zahlreiche Fehler und Auslassungen.

Bereinigung der Gemeindewappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es Mode, Gemeindehäuser, Fahnen von Ortsvereinen, Briefköpfe usw. mit Gemeindewappen zu versehen. Aufgrund der Widersprüche zwischen der weit verbreiteten «Krauertafel» und einzelnen lokalen Traditionen kam es zu zahlreichen Nachfragen an das Staatsarchiv Zürich. Im Jahr 1917 unternahm der Archivbeamte Friedrich Hegi systematische Nachforschungen. Um zu erfassen, wo alte Wappendarstellungen vorhanden waren und aus welcher Zeit sie stammten, versandte er Fragebogen an die Gemeindekanzleien aller Gemeinden im Kanton, die Beantwortung blieb aber lückenhaft.

In den 1920er Jahren stieg das Interesse an Gemeindewappen in der Schweiz. Kaffee Hag gab zu Reklamezwecken Sammelbildchen schweizerischer Gemeindewappen heraus und in zahlreichen Kantonen wurden Kommissionen zur Erforschung der Gemeindewappen gegründet. In Zürich entstand eine solche Kommission 1925 auf Anregung von Hans Hess in einem Brief an den Vorstand der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich. Die Kommission sammelte einerseits historische Darstellungen von Ortswappen und regte andererseits die Festlegung offizieller, moderner Gemeindewappen an. Die Gemeindewappen sollten wenn möglich auf historischen Wappen beruhen, mit Vorliebe griff man auf Wappen von Adelsgeschlechtern zurück, die in einem Dorf Herrschaftsrechte besessen hatten. Nur für das Wappen von Bertschikon fand sich überhaupt keine historische Anknüpfung.[4] Gleichzeitig waren aber auch «überladene» Wappen zu vereinfachen und heraldisch «falsche» zu verbessern.

Zudem sollten identische Wappen vermieden werden, was in Einzelfällen, in denen zwei Gemeinden dasselbe Wappen beanspruchten, zu Schlichtungsgesprächen zwischen Gemeindeabgeordneten führte. In den meisten Gemeinden gab schliesslich der Gemeinderat in eigener Kompetenz seine schriftliche Zustimmung zu der vorgeschlagenen Blasonierung. Daher datiert die Einführung der allermeisten Gemeindewappen im Kanton Zürich auf die späten 1920er Jahre. Behörden, die zu Beginn der 1930er Jahre immer noch unschlüssig waren, wurden unter Druck gesetzt, indem die Kommission ankündigte, die betreffenden Wappen würden in der geplanten Wappentafel einfach fehlen. In dreizehn Ortschaften konnte sich der Gemeinderat nicht für ein Wappen entscheiden und legte die Frage der Gemeindeversammlung vor: Bülach, Dietlikon, Humlikon, Hüntwangen, Marthalen, Oberembrach, Oberrieden ZH, Oberweningen, Otelfingen, Regensberg, Uster, Wangen und Zumikon.

Wenn jeweils fünf Wappen von den Gemeindebehörden genehmigt waren, wurden sie als Serie zusammengefasst und als farbige Postkarte herausgegeben, in insgesamt 35 Serien zwischen 1926 und 1936. Die vier letzten Wappen (Marthalen, Uetikon am See, Volken und Wangen) erschienen 1936 schliesslich einzeln. Der Erfolg der Kommission wurde in der Neuen Zürcher Zeitung vom 29. April 1936 gewürdigt: «Wie einige Kantone der Westschweiz ist nun auch der Kanton Zürich in der angenehmen Lage, eine vollständige Sammlung der Gemeindewappen seines Gebietes zu besitzen, und zwar, was von Bedeutung ist, handelt es sich dabei ausnahmslos um Wappen, die von den betreffenden Gemeinden offiziell anerkannt worden sind.». Am 7. November 1936 wurde die Gemeindewappenkommission, die ihren Auftrag nun erfüllt hatte, aufgelöst.

Gemeindewappenbuch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1940 erschienen in verschiedenen Kantonen Gemeindewappenbücher (Solothurn 1941, St. Gallen 1947, Schaffhausen 1951, Basel-Land 1952, Graubünden 1953, Thurgau 1960). Dies führte in Zürich zu Nachfrage nach einer entsprechenden Publikation und die Antiquarische Kommission beschloss 1969 eine Neubearbeitung in Buchform. Die Blasonierungen sollten inhaltlich belassen aber präziser formuliert werden und die graphische Darstellung sollte sanft modernisiert werden. Letzterer Punkt führte zu Widerstand aus einzelnen Gemeinden, die die Darstellung von um 1930 unverändert beibehalten wollten, während andere Gemeinden die graphische Darstellung in der Zwischenzeit selbständig und teilweise radikal modernisiert hatten; es zeigte sich also bereits eine Kluft zwischen der traditionellen Heraldik, die die Blasonierung als einzig massgeblich betrachtet, und der Verwendung von Gemeindewappen als Logo im optischen Auftritt einer Behörde. Der verantwortliche Heraldiker Hans Kläui versuchte sich mit einem Artikel, der im Sonderdruck an die Gemeinden verteilt wurde, Gehör zu verschaffen, um über (aus Sicht der Heraldik) «Dilettantismus», «falsche Vorstellungen» und «Missverständnisse» aufzuklären.[5] Die Publikation verzögerte sich weiter durch den Tod des Zeichners Walter Käch 1970. Käch wurde ersetzt durch den Heraldiker Fritz Brunner, und das Gemeindewappenbuch erschien schliesslich im Jahr 1977.

Gemeinde-Logos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 2000 wurde es zunehmend üblich, dass Gemeinden neben einem Wappen auch ein offizielles Logo definieren, das in offiziellen Internetauftritten und gedruckten Publikationen verwendet wird, oft zusammen mit einem Slogan. Diese Logos lehnen sich teilweise an die Gemeindewappen an (unter Beifügung von Schriftzügen oder graphischen Elementen), teilweise sind sie vom Wappen völlig unabhängig. Zum Beispiel die Gemeinde Bubikon führte 2011 ein Logo ein, das dem Gemeindewappen einen «stilisierten Treppenhausgiebel» in hellem Grau beifügt.[6] Die Gemeinde Bassersdorf gab sich 2007 ein Logo unter Einbezug der Postleitzahl 8303, in der Form «8303assersdorf».[7]

Der Kanton Zürich verfolgt ein eigenes Corporate Design, vom Regierungsrat 2014 verabschiedet.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Bereinigung der zürcher Gemeindewappen. In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich 49 (1977), S. 15–19 (Digitalisat).
  • Peter Ziegler (Hrsg.): Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Zürich 1977. (Wappenzeichnungen von Walter Käch und Fritz Brunner)
  • Max Korthals: 75 Jahre Gemeindewappen-Kommission – Was Gemeinden im Schilde führen. In: Neue Zürcher Zeitung, 4. Januar 2001.
  • Joseph Melchior Galliker: Schweizer Wappen und Fahnen, Bd. 9. Zug 2006.
  • Hans Rüegg: Zürcher Dorfwappen. Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen, Hefte 10/11 (2007/8).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bertschikon bei Attikon zu Wiesendangen, 2014; Sternenberg zu Bauma, 2015; Kyburg zu Illnau-Effretikon (bis 1974 Illnau), 2016.
  2. J. Schneider: Glasgemälde. Katalog der Sammlung des Schweizerischen Landesmuseums. Zürich 1970, Nr. 231.
  3. Paul Boesch: Schweizerische Glasgemälde im Ausland: die ehemalige Sammlung in der Ermitage in St. Petersburg (Nachtrag). In: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 6 (1944). «Fragmentarische Ämterscheibe von Zürich, um 1600. 32x21 cm. Aus einer rechteckigen Standes- und Ämterscheibe mit 29–31 Ämterschilden (8–9 in der oberen Reihe), wie sie zum Beispiel die Scheibe von H.H. Engelhart im Musée Ariana in Genf (Deonna, Nr. 119) oder die Scheibe des Josias Murer von 1602 (Slg. Sudeley, Nr. 38) aufweisen, ist durch Weglassung der die Reichskrone haltenden Löwenkörper und der unter dem Reichsschild angebrachten Standesschilde ein verkleinertes Format entstanden. Durch die damit zusammenhängende Verkürzung aller vier Seiten musste auch die Zahl der Ämterschilde reduziert werden. Es sind nun oben noch 5 (Regensdorf, Maschwanden, Kiburg, Stein, Andelfingen), unten 5 (Sellenbüren, Zollicken, Stäfen, Horgen, Meilen), links 4 (Fryamt, Louffen, Elgg, Nüwampt) und rechts 4 (Stamen, Hedingen, Regensberg, Bülach), im ganzen 18 Ämterschilde vorhanden, die zum Teil falsch bezeichnet sind: «Hegi» beim Wappen Elgg, «Rümlang» beim Wappen Hedingen.»
  4. Ziegler (1977), S. 35.
  5. Hans Kläui: Grundsatzfragen der öffentlichen Heraldik. In: Zürcher Chronik, Jg. 38, H. 4 (1970), S. 97.
  6. bubikon.ch
  7. Dorf-Blitz 9/2007. «8303 Bassersdorf gab seinen gemeindeeigenen Slogan vor sieben Jahren auf – in der Schweiz werben die Dörfer ja gerne mit «weltoffen» oder «menschlich»; Worte, die auch vom Papst kommen könnten oder von Barack Obama. Stattdessen erscheint die Gemeinde nun so: 8303assersdorf. Die Postleitzahl als Programm. Im Tages-Anzeiger erklärte der Gemeindepräsident: «8303 ist formschön und typografisch eigenwillig.» Er klang ziemlich geschäftig und stolz.» Erfreuliche Post – Identität in vier Ziffern: Eine Liebeserklärung an die Postleitzahl zum fünfzigsten Geburtstag. In: Tages-Anzeiger, 15. Juli 2014.
  8. Ein «Logosystem» aus Löwen (i«n einer zeitgemässen Interpretation bildhafter Darstellungsweisen») Flagge («bringt […] pragmatische, aber selbstbewusste Modernität zum Ausdruck») und Schriftzug (Helvetica Black). Corporate Design Manual. Feurer Network AG, Kanton Zürich, 2014.