Tatort: Angriff auf Wache 08

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Episode der Reihe Tatort
OriginaltitelAngriff auf Wache 08
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
HR
EinordnungEpisode 1105 (Liste)
Erstausstrahlung20. Oktober 2019 auf Das Erste, ORF2
Stab
RegieThomas Stuber
DrehbuchClemens Meyer und Thomas Stuber
MusikBert Wrede, Albert Hammond, Jean Sibelius u. v. a.[1]
KameraNikolai von Graevenitz
SchnittStefan Blau
Besetzung

Angriff auf Wache 08 ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom Hessischen Rundfunk produzierte Beitrag ist die 1105. Tatort-Episode und wurde am 20. Oktober 2019 im Ersten erstgesendet. Der Wiesbadener Kommissar Felix Murot ist in seinem achten Fall zu sehen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Sonderkommando der Polizei stürmt in ein Gebäude und stellt in einem Raum drei mutmaßliche Kriminelle, die Karten spielen. Die Situation ist derart angespannt, dass das Bellen des anwesenden Hundes die Erschießung der drei Männer auslöst. Weder die bei ihnen vermuteten Waffen noch Beweise für eine illegale Waffenhändlertätigkeit können gefunden werden. Bei der Trauerfeier der Witwen verschwören sich vier Bandenmitglieder in einem Racheritual.

Hauptkommissar Felix Murot wird von seiner Assistentin Magda Wächter zum Tatort gerufen, wimmelt sie jedoch ab, weil er frei hat und seinen alten Freund Walter Brenner besuchen will. Brenner, Murots ehemaliger Partner zu Zeiten der RAF, und seine Kollegin Cynthia Roth sind als fachliche Betreuer in einer ehemaligen Wache stationiert, die inzwischen als Polizeimuseum dient und weit abgelegen in einer abgerissenen früheren Siedlung am Rande Offenbachs liegt. Es ist ein heißer Sommertag, und im Radio berichtet Moderator Ecki beständig über die bevorstehende totale Sonnenfinsternis. Ein Gefangenentransport mit drei Wärtern und sechs Straftätern hat in der Nähe eine Reifenpanne, und die Wachmannschaft fährt vor die Wache, um in deren Schutz den Reifenwechsel durchzuführen.

Zur gleichen Zeit kommt die Jugendliche Jenny mit ihrem Vater an einem Eisstand vorbei und findet den Verkäufer erschossen hinter dem Tresen vor. Da fährt das Auto der Bandenmitglieder vor, die den Vater mit einer schallgedämpften Waffe erschießen. Das Mädchen kann mit der Waffe des Verkäufers einen der Männer erschießen und flieht, von der Bande verfolgt, bis zur alten Wache. Diese wird inzwischen ebenfalls von einer Gruppe Bewaffneter angegriffen, dabei werden Wärter Manfred und vier Gefangene im Transporter erschossen. Im Kugelhagel holen Murot und Brenner die Überlebenden, Wärter Frank sowie die beiden Gefangenen Kermann und Charly, aus dem Transporter ins Haus, Roth wird leicht verwundet und auch Wärter Jörg konnte sich ins Wachgebäude retten. Rüdiger Kermann, der Kannibale von Peine, und Murot kennen sich von früher. Da die Telefonleitung der Wache gekappt wurde, Roths Mobiltelefon beschädigt wurde und Murot seines im Auto vergessen hat, reaktivieren die Eingeschlossenen einen ferngesteuerten Kampfmittelbeseitigungs-Roboter und schaffen es damit, Murots Telefon aus seinem Auto zu holen. Murot erreicht seine Assistentin Wächter, doch durch deren Wortschwall kann er ihre Notlage nicht klarmachen, und dann ist sein Akku leer.

Angesichts der bevorstehenden Sonnenfinsternis organisieren die Überlebenden in der Wache die Verteidigung. Murot entscheidet, auch die zwei Gefangenen zu bewaffnen, um ihre Überlebenschancen zu verbessern. Während der minutenlangen Dämmerung versuchen die Belagerer, die Wache zu überrennen. Der Angriff kann abgewehrt werden, doch Charly und Frank kommen ums Leben. Auch zahlreiche Angreifer werden getötet. Murot erkennt, dass sich neonazistische und islamistische Banden für den Überfall auf das Polizeimuseum verbündet haben. Ohne die anderen zu benachrichtigen, flieht Jörg durch einen Abwasserkanal. Eben als er sich mit einem Auto davonmachen will, wird er vom Rücksitz aus erschossen. Roth gelingt es unterdessen, ein altes Radiogerät zu einem einfachen Sender umzubauen und so mit ihrem Hilferuf Eckis Radiosendung zu stören. Ecki übersetzt den Morsecode im laufenden Programm, und Wächter, der erst nach Stunden klar geworden ist, dass Murot sich in Gefahr befindet, macht sich mit einem Streifenwagen auf zur Wache. Hier haben die Belagerer inzwischen einen neuen Großangriff gestartet, und die Belagerten fliehen nun ebenfalls in die Kanalisation, wo sie den unteren Teil des noch gefüllten Benzintanks der ehemaligen Tankstelle erreichen. Der bereits schwer angeschlagene Brenner opfert sich, indem er das Benzin in Brand setzt und so die Verfolger ausschalten kann, wobei die gesamte Wache in die Luft fliegt. Die Überlebenden gelangen ins Freie und werden bald darauf von Wächter entdeckt. Nachdem Murot und Roth beschließen, sich demnächst wiederzusehen, wird Murot durch das Zielfernrohr eines Scharfschützen beobachtet, ehe schließlich Ecki den neuen Tag anmoderiert.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde vom 9. August 2018 bis zum 13. September 2018 in Frankfurt und Umgebung gedreht.[3] Die Premiere erfolgte am 24. August 2019 auf dem Festival des Deutschen Films.[4]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Figur des reißerischen und exzentrischen Radiomoderators Ecki hatte Clemens Meyer bereits in seinem Roman Im Stein eingesetzt.
  • Die Figur des Kannibalen von Peine (Rüdiger Kermann) ist dem Kannibalen von Rotenburg nachempfunden, der aus Hessen kam.
  • Der Wortbeitrag des Polizeisprechers, der im Radio zu der Schießerei am Beginn des Films Stellung nimmt, wird von dem aus Offenbach stammenden ehemaligen Fußballprofi Jimmy Hartwig gesprochen.
  • Zur Rolle der Jenny Sibelius gibt es eine musikalische Anspielung: Als der Kampfmittelbeseitigungs-Roboter Murots Telefon aus dem Auto holt, erklingt das martialische Intermezzo aus der Karelia-Suite von Jean Sibelius.
  • Die Handlung weist neben zahlreichen Parallelen zum US-amerikanischen Spielfilm Assault – Anschlag bei Nacht aus dem Jahr 1976, der wiederum eine Hommage an den Western Rio Bravo von 1959 darstellt, auch Anspielungen zu folgenden Filmen auf:

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„So aberwitzig dieser ,Tatort‘ mit Songs und Zitaten aufgeladen ist – er funktioniert doch weitgehend als klassische Western-Erzählung über verlorene Illusionen und verlorene Lieben, über unverheilte Narben und frisch zugefügte Wunden. [...] Auf jeden Fall ist dieser Thriller in bester Tukur-,Tatort‘-Tradition dicht, spannend und stilvoll erzählt. Von solch gewitzten Tauchgängen in die Filmgeschichte kann man gar nicht genug bekommen.“

„Schöne Kombination aus Thriller, Western, Action- und Horrorfilm, die Vorlage wird lässig in die deutsche Provinz verlagert. […] Eine herrlich entschlossene Zertrümmerung der Sonntagabendkrimitradition mal wieder, aber auch Traditionalisten kriegen dosiert ihren Stoff: ,Wenn sich der Abschaum der Welt zusammenrottet, dann gnade uns Gott‘", murmelt Polizist Brenner. Darauf kann man sich einigen, in Zeiten wie diesen.“

„Was soll das nun sein? Ein Carpenter-Remake, eine Tarantino-Hommage oder was mit Zombies? Der Schriftsteller Clemens Meyer scheitert mit seinem Wiesbadener ,Tatort‘.“

Einschaltquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstausstrahlung von Angriff auf Wache 08 am 20. Oktober 2019 wurde in Deutschland von 7,98 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 23,0 Prozent für Das Erste.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Titelliste: [1]
  2. a b Christian Buß: Western-"Tatort" mit Tukur. Whisky schlürfen, Wunden lecken. In: Kultur. Spiegel Online, 18. Oktober 2019, abgerufen am 18. Oktober 2019: „8 von 10 Punkten“
  3. Tatort: Angriff auf Wache 08 bei crew united
  4. Angriff auf Wache 08. Festival des deutschen Films, abgerufen am 19. Juli 2019.
  5. Hoger Gertz: "Tatort" aus Hessen. Fingerschnippend kommt das Rollkommando. Süddeutsche Zeitung, 18. Oktober 2019, abgerufen am 19. Oktober 2019: „Der Tatort am Sonntag kommt von Regisseur Thomas Stuber und ist ein Remake von John Carpenters Assault – Anschlag bei Nacht.“
  6. Matthias Dell: Der Kannibale von Peine. "Tatort" Wiesbaden. ZEIT Online, 20. Oktober 2019, abgerufen am 21. Oktober 2019: „Was soll das nun sein? Ein Carpenter-Remake, eine Tarantino-Hommage oder was mit Zombies? Der Schriftsteller Clemens Meyer scheitert mit seinem Wiesbadener "Tatort".“
  7. Fabian Riedner: Primetime-Check: Sonntag, 20. Oktober 2019. Quotenmeter.de, 21. Oktober 2019, abgerufen am 21. Oktober 2019.