Tatort: Verbrannt

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Folge der Reihe Tatort
Originaltitel Verbrannt
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Produktions-
unternehmen
Wüste Medien
im Auftrag des NDR
Einordnung Folge 957 (Liste)
Erstausstrahlung 11. Oktober 2015 auf Das Erste
Stab
Regie Thomas Stuber
Drehbuch Stefan Kolditz
Musik Stefan Will
Marco Dreckkötter
Kamera Alexander Fischerkoesen
Schnitt Max Mittelbach
Besetzung

Verbrannt ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort, der für den Norddeutschen Rundfunk produziert wurde und am 11. Oktober 2015 seine Erstausstrahlung hatte. Es ist die 957. Folge der Reihe und der sechste Fall von Kriminalhauptkommissar Thorsten Falke und Kriminalkommissarin Katharina Lorenz.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Industriestadt Salzgitter in der niedersächsischen Provinz beobachten Katharina Lorenz und Thorsten Falke einen afrikanischen Asylbewerber wegen des Verdachts des Handels mit gefälschten Pässen. Der Verdächtige Gibril Bali widersetzt sich mit einem Schlag der Festnahme durch Lorenz, woraufhin Falke auf ihn einprügelt. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass es zu einer Namensverwechslung gekommen ist und Bali unschuldig ist. Als Falke und Lorenz wieder in die Polizeiwache kommen, erfahren sie, dass der an Händen und Füßen gefesselte Bali in seiner Zelle verbrannt ist. Auf Falkes Wunsch hin beginnen die beiden Ermittlungen innerhalb der Polizeiwache, um zu klären, wie es zu dem Todesfall kommen konnte.

Es stellt sich heraus, dass Dienststellenleiter Werl seine jungen Polizisten einem Initiationsritual unterzieht. Dabei vergleicht sich Werl mit Hagen von Tronje aus der Nibelungensage. Polizist Andreas Kohler gibt gegenüber den beiden Ermittlern zu, dass er die Matratze in der Arrestzelle mit einem Brandbeschleuniger übergossen und in Brand gesteckt hat. Seiner Festnahme widersetzt er sich, indem er sich mit seiner Dienstwaffe erschießt. Die belastenden Aussagen von Werl können von Kriminalkommissarin Katharina Lorenz während einer Trauerfeier im Kollegenkreis mit dem Smartphone aufgezeichnet werden. Diese Aufzeichnungen stellt sie ihrem Kollegen Falke zur Verfügung, bevor sie die Dienststelle verlässt, sodass Falke die Strafverfolgung gegen Werl einleiten kann.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde vom 4. November 2014 bis zum 3. Dezember 2014 in Salzgitter und Umgebung sowie in Hamburg gedreht.[1][2] Vor der Erstausstrahlung wurde der Film am 30. September 2015 in zahlreichen Kinos als Vorpremiere gezeigt.[3]

Die Handlung basiert auf dem realen Fall des 36-jährigen Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone, der am 7. Januar 2005 in einer Gefängniszelle im Keller des Dienstgebäudes Wolfgangstraße 25 des Polizeireviers Dessau in Sachsen-Anhalt ums Leben kam.[4]

Die Folge Verbrannt stellt die letzte Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller dar, für die die Österreicherin Franziska Weisz bei den nachfolgenden Episoden an der Seite von Wotan Wilke Möhring ins Ermittlerteam rückt.[4]

Filmmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Filmmusik für die Titelsequenz wurde der zweite Satz des Kaiserquartetts von Joseph Haydn gewählt, der Grundlage der deutschen Nationalhymne.[4] Als Klingelton des Mobiltelefons von Kriminalhauptkommissar Thorsten Falke ist der Musiktitel Toxicity von System of a Down vom gleichnamigen Album Toxicity aus dem Jahr 2001 zu hören. Bei der Grillparty von Dienststellenleiter Werl läuft u. a. der Musiktitel Auf uns von Andreas Bourani. Aus dem Autoradio von Mehmet Mutlu tönt AKs im Wandschrank von Kollegah. Der Abspann ist mit der Live-Version der Musiktitels Strange Fruit von Jeff Buckley untermalt, wobei sich der Ausdruck „Strange Fruit“ als Symbol für Lynchmorde etabliert hat.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angesichts der anhaltenden Flüchtlingskrise in Europa äußerte sich die Gewerkschaft der Polizei kritisch zur Handlung der Folge und wird zitiert: „Unsere Beamten fühlen sich vorgeführt, obwohl sie in diesen Tagen Überstunden schieben und in der Flüchtlingskrise in vorderster Reihe stehen“.[5] „Unsere Kolleginnen und Kollegen machen in der derzeitigen Flüchtlingslage einen sehr guten Job, die Menschen bedanken sich bei ihnen“, heißt es weiter, zudem sei der Fall „überzeichnet“.[5] Für den auftraggebenden Sender NDR ist die Kritik der Polizeigewerkschaft indes nicht nachvollziehbar, da es sich um eine fiktive Darstellung handele, die sich an einem realen Fall orientiere, und die Planungen bereits vor zwei Jahren und somit lange vor der Zuspitzung der Flüchtlingskrise erfolgten.[5] Insbesondere hätten Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Polizei bei einer Diskussionsrunde in Dessau die Gelegenheit gehabt, etwaige Bedenken hinsichtlich der Folge zu äußern, diese jedoch nicht wahrgenommen.[5] „Nicht der Film ist das Problem, der Originalfall ist eine Schande für die Polizei“, ließ der NDR verlauten.[5]

Dass der Krimi auf einer wahren Begebenheit basiere, sei „tückisch“, urteilte Petra Noppeney von den Westfälischen Nachrichten, weswegen die Folge „mit viel Leerlauf“ daherkomme, zumal „in den »Tagesthemen« kurz zuvor noch an das reale Ereignis erinnert“ worden sein soll.[6] „Spannung [zu] erzeugen“, indem der Drehbuchautor „falsche Fährten legte“, sei „wenig überzeugend“.[6] Dass sich die Auflösung eines „zugespielten Video[s]“ bedienen musste, war nicht „ganz schlüssig“, der Abschied von Kriminalkommissarin Katharina Lorenz wurde während der Folge mehrfach angekündigt und „schwermütig“ inszeniert.[6]

„Dieser ‚Tatort‘ ist ein wahrlich klaustrophobischer Krimi geworden; aus der geschlossenen Gemeinschaft der Polizisten ist Ausbruch undenkbar. […] Ein ‚Tatort‘, der wehtut. Ein Mörderblues aus der Mitte Deutschlands.“

„‚Verbrannt‘ von Thomas Stuber (Buch Stefan Kolditz, grandiose Kamera: Alexander Fischerkoesen) ist stringenter erzählt und schon deshalb die beste Episode dieses Teams.“

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstausstrahlung von Verbrannt, die am 11. Oktober 2015 parallel zu einem EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft lief,[9] wurde in Deutschland von 7,2 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 19,8 % für Das Erste.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Deutschen Fernsehkrimi-Festival 2016 gewann Tatort: Verbrannt den Hauptpreis. Petra Schmidt-Schaller erhielt die Auszeichnung als beste Darstellerin.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tatort: Verbrannt bei crew united
  2. Verbrannt beim Tatort-Fundus, abgerufen am 19. Oktober 2015
  3. Neuer Falke-Tatort feiert Vorpremiere im Kino. In: Tatort-fundus.de, abgerufen am 12. Oktober 2015
  4. a b c Stern: Tatort – Verbrannt, dpa, Carsten Rave, 11. Oktober 2015
  5. a b c d e Focus: Polizei übt massive Kritik am Möhring-„Tatort“: „Im Tatort als ausländerfeindlich und rassistisch dargestellt zu werden, hilft nicht“, 13. Oktober 2015
  6. a b c Westfälische Nachrichten: Tatort: Verbrannt (ARD) – Mit viel Leerlauf, Medien/Gesehen, Petra Noppeney, 12. Oktober 2015
  7. Christian Buß: Flüchtlings-"Tatort". In Deutschland verbrannt. Spiegel Online, 9. Oktober 2015, abgerufen am 9. Oktober 2015: „Realer Fall, hartes Cop-Kino.“
  8. Holger Gertz: Die Leute denken wirklich so. In: Medien. Süddeutsche Zeitung, 9. Oktober 2015, abgerufen am 9. Oktober 2015.
  9. Autor sauer: Warum lief dieser Tatort parallel zum Fußball? In: Derwesten.de vom 12. Oktober 2015
  10. Timo Nöthling: Primetime-Check: Sonntag, 11. Oktober 2015. Quotenmeter.de, 12. Oktober 2015, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  11. «Tatort» und Petzolds «Polizeiruf 110» ausgezeichnet. In: NZZ.ch vom 11. März 2016.