Vietnamesische Volksarmee

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flagge der Vietnamesischen Volksarmee

Als Vietnamesische Volksarmee (vietnamesisch: Quân Đội Nhân Dân Việt Nam) werden die Streitkräfte der Sozialistischen Republik Vietnam bezeichnet.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldaten der Vietnamesischen Volksarmee (2000)

Die Vietnamesische Volksarmee gliedert sich bei einer Gesamtstärke von 484.000 Mann in die Landstreitkräfte (412.000), Luftstreitkräfte (30.000) und die Vietnamesische Volksmarine (42.000). In die Volksmarine integriert ist eine Marineinfanterie von 27.000 Mann. Des Weiteren gibt es paramilitärische Einheiten im Umfang von 40.000 und eine Reserve von 3 bis 4 Millionen Mann.

Es existiert eine allgemeine Wehrpflicht für alle Männer, welche in der Regel zwei Jahre dauert. Vietnam sieht sich aber momentan keinen Bedrohungen von außen gegenübergestellt. Die Regierung hat deshalb in den vergangenen Jahren die Truppenstärke und Verteidigungsausgaben reduziert. Es wird geschätzt, dass 2003 2,3 Milliarden US-Dollar für Verteidigungszwecke aufgewendet wurden. Trotzdem gehört das vietnamesische Militär zu den schlagkräftigsten in der Region. Auch innenpolitisch ist das Militär stark, viele ranghohe Militärs nehmen einflussreiche Positionen in Partei- und Staatsführung ein. Nach den militärischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, den Vereinigten Staaten und China hat es in der Bevölkerung starken Rückhalt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachstum der vietnamesischen Volksarmee 1945–1985[2]
Zeit Gesamtstärke Offiziere
1945 40.000 2.500
1955 210.00 20.000
1965 400.000 50.000
1975 650.000 110.000
1985 1.000.000 170.000

Die Ursprünge der Vietnamesischen Streitkräfte liegen in der Việt Minh Ho Chi Minhs, die seit 1941 die französische Kolonialmacht in Vietnam bekämpfte. Zunächst wurde am 22. Dezember 1944 eine Propaganda-Einheit gebildet, die im Mai 1945 in Vietnamesische Befreiungsarmee umbenannt wurde. Im September 1945 wurde die Armee erneut in Vietnamesische Nationale Verteidigungsarmee umbenannt. Seit 1950 trägt sie den heutigen Namen.[3] In der Zeit von 1959 bis 1975 wurde diese auch als Nordvietnamesische Volksarmee (NVA) bezeichnet.[4] Die Volksarmee kämpfte im Indochinakrieg für die Unabhängigkeit unter kommunistischer Führung. Zu Ende des Krieges umfasste sie fünf Infanterie- und eine schwere Division nach dem Modell der sowjetischen Artilleriedivision.[5] Gegen Ende des Krieges konnte die Volksarmee mit chinesischer Hilfe ein Luftverteidigungskorps aufbauen, das mit leichten Flugabwehrgeschützen gegen die französische Luftwaffe vorging.[6] 1959 bildete die NVA mit 35 T-34-Panzern 16 SU-76-Selbstfahrlafetten ihr erstes Panzerregiment.[7] Im selben Jahr begann der Aufbau einer Luftwaffe, welche zunächst auf erbeutete französische Transportflugzeuge US-amerikanischer Bauart zurückgriff.[8] Im Vietnamkrieg waren neben im Süden des Landes ausgehobenen Guerillas Soldaten der Volksarmee maßgeblich beteiligt. 1975 führte eine Offensive konventionell ausgerüsteter Volksarmeetruppen zum Zusammenbruch Süd-Vietnams und damit zum Ende des Krieges.[9] Die im Indochinakrieg aufgebauten lokalen Guerillaverbände wurden während des Vietnamkriegs auf ganz Nordvietnam ausgedehnt. So verfügte jedes Dorf über rund 100 Teilzeitguerillas. Insgesamt waren nach offiziellen Angaben rund 1,4 Millionen Menschen in diesem Milizsystem erfasst.[10] Zum Ausbau und Regularisierung der Streitkräfte erhielt Vietnam massive Militärhilfe aus dem Ostblock.[11] Die Luftabwehrkräfte wurden während des Vietnamkriegs deutlich ausgebaut und um sowjetische Luftabwehrraketensysteme erweitert. Ihnen gelang nach US-Angaben 1.096 Abschüsse von US-Flugzeugen. Die Luftwaffe wurde während des Vietnamkriegs mit sowjetischer und chinesischer Hilfe aufgebaut und erzielte 1965 ihren ersten Luftsieg. Nach dem Ende des Vietnamskriegs 1975 übernahmen die Luftstreitkräfte der Volksarmee rund 1.500 Flugzeuge westlicher Bauart aus dem Bestand der südvietnamesischen Luftwaffe.[12] 1978 intervenierte Vietnam im Kambodschanischen Bürgerkrieg. Bis Ende der 80er-Jahre blieben rund 150.000 vietnamesische Soldaten im Nachbarland stationiert. 1979 gab es schwere Gefechte bei der Abwehr einer Chinesischen Invasion. Nach dem Ende des Kalten Kriegs kam es zu einem Abbau der Personalstärke der Armee.[13]

Ausrüstung (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftstreitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: Ende 2013[14]

Seestreitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: Ende 2013[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vietnamesische Volksarmee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Library of Congress: Federal Research Division: Vietnam country profile. Washington, Dezember 2005. Download (PDF; 162 kB)
  2. Douglas Pike: PAVN - People's Army of Vietnam, New York, 1996, S. 190
  3. Early Day: The Development of the Viet Minh Military Machine
  4. English-German translation for: Nordvietnamesische Volksarmee NVA (im Vietnamkrieg 1959 bis 1975), abgerufen am 10. November 2014
  5. Charles R. Shrader: A War of Logistics - Parachutes and Porters in Indochina, 1945–1954, Lexingtion, 2015, S. 46 - 48
  6. Douglas Pike: PAVN - People's Army of Vietnam, New York, 1986, S. 106
  7. William J. Duiker (Vorwort), Merle L. Pribbenow (Übersetzer): Victory in Vietnam - The Official History of the People's Army of Vietnam 1954–1975, Lawrence, 2002, S. 29f, Originalpublikation in vietnamesischer Sprache General Hoàng Văn Thái (Herausgeber): Geschichte der Volksarmee von Vietnam Band II: Der Reifungsprozess der Volksarmee während des Widerstandskrieges zur Rettung der Nation gegen die Amerikaner (1954–1975), Hanoi, 1994
  8. Douglas Pike: PAVN - People's Army of Vietnam, New York, 1986, S. 113f
  9. Bruce Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam, Lanham, 2006, S. 299f
  10. William J. Duiker (Vorwort), Merle L. Pribbenow (Übersetzer): Victory in Vietnam - The Official History of the People's Army of Vietnam 1954–1975, Lawrence, 2002, S. 93, Originalpublikation in vietnamesischer Sprache General Hoàng Văn Thái (Herausgeber): Geschichte der Volksarmee von Vietnam Band II: Der Reifungsprozess der Volksarmee während des Widerstandskrieges zur Rettung der Nation gegen die Amerikaner (1954–1975), Hanoi, 1994
  11. Bruce Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam, Lanham, 2006, S. 299f
  12. Douglas Pike: PAVN - People's Army of Vietnam, New York, 1986, S. 107, S. 113 - 116
  13. Bruce Lockhart, William J. Duiker: Historical Dictionary of Vietnam, Lanham, 2006, S. 299f
  14. a b World Air Forces 2014 (englisch, PDF; 3,9 MB) In: Flightglobal Insight. 2014. Abgerufen am 28. Januar 2014.