Walter Model

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Walter Model im Oktober 1944

Otto Moritz Walter Model (* 24. Januar 1891 in Genthin; † 21. April 1945 bei Duisburg) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1944 Generalfeldmarschall) und während des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber verschiedener Armeen und Heeresgruppen sowie 1944 kurzzeitig Oberbefehlshaber West. Aufgrund der von ihm befohlenen Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung wurde er von der Sowjetunion in die Liste der Kriegsverbrecher aufgenommen. Er galt unter Wehrmachtsoffizieren als Anhänger Hitlers und wurde in den deutschen Stäben auch „Hitlers Feuerwehrmann“ genannt, da er ab 1943 immer wieder an verschiedene, kritisch gewordene Punkte der (Ost-)Front geschickt wurde, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.[1]

Leben[Bearbeiten]

Kaiserreich und Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Beförderungen

  • 27. Februar 1909 Fahnenjunker
  • 19. November 1909 Fähnrich
  • 22. August 1910 Leutnant
  • 25. Februar 1915 Oberleutnant
  • 18. Dezember 1917 Hauptmann
  • 1. Oktober 1929 Major
  • 1. November 1932 Oberstleutnant
  • 1. Oktober 1934 Oberst
  • 1. März 1938 Generalmajor
  • 16. März 1940 Generalleutnant
  • 26. Oktober 1941 General der Panzertruppe
  • 28. Februar 1942 Generaloberst
  • 30. März 1944 Generalfeldmarschall

Walter Model war der ältere Sohn des städtischen Musiklehrers Otto Model und seiner Frau Maria, geborene Demmer.[2]

In seiner Kindheit und Jugend besuchte er Schulen in Genthin, Erfurt und Naumburg. Seine Schullaufbahn endete mit dem erfolgreichen Bestehen der Abiturprüfung.[3] Im Jahr 1909 trat Walter Model als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment „von Alvensleben“ (6. Brandenburgisches) Nr. 52 in Cottbus ein.[4] Im selben Jahr besuchte er, nun als Fähnrich, die Kriegsschule Neiße. Am 22. August 1910 wurde er zum Leutnant im I. Bataillon in Crossen befördert.

Bei Beginn des Ersten Weltkriegs war Model Bataillonsadjutant; noch vor dem Jahresende wurde er Regimentsadjutant.
Am 25. Februar 1915 erhielt er die Ernennung zum Oberleutnant und wurde im Mai 1915 schwer verwundet. Ab April 1916 belegte Model einen Kurzlehrgang für angehende Generalstabsoffiziere in Sedan und wurde - zurück an der Westfront - Adjutant bei der 10. Infanterie-Brigade und später Kompaniechef im Leib-Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm III.“ (1. Brandenburgisches) Nr. 8. Hier wurde er abermals schwer verwundet. Nach seiner Genesung wurde Model am 7. Juni 1917 als Ordonnanzoffizier zur Obersten Heeresleitung (OHL) kommandiert. Dort wurde er dem Chef der Operationsabteilung zugeteilt und begab sich unter anderem auf eine Dienstreise in die Türkei. Am 18. November 1917 wurde er zum Hauptmann ernannt. Am 10. März 1918 wurde Model als Zweiter Generalstabsoffizier (Ib[5]) zur Garde-Ersatz-Division und am 30. August 1918 als Ib zur 36. Reserve-Division versetzt.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 marschierte die 36. Reservedivision über Aachen nach Danzig zurück und wurde dort demobilisiert. Model meldete sich zu neuer Verwendung und wurde vom 19. Januar bis zum 19. Juli 1919 als Generalstabsoffizier beim XVII. Armee-Korps dem Grenzschutz Ost zugeteilt. Nach dem am 28. Juni 1919 unterzeichneten Frieden von Versailles wurde Danzig Freistaat und Model zur Reichswehrbrigade 7 in Westfalen versetzt. Im Auftrag löste Model ab September/Oktober 1919 im Baltikum widerstrebende Truppeneinheiten auf, vor allem die sogenannte Eiserne Division.[6] Kurzzeitig tat er Dienst in Münster als Kompaniechef im II. Bataillon des Infanterieregiments 14. Im März 1920 wurde Model dem Kommandeur der Sicherungstruppen im Abschnitt II der ‚militärisch verdünnten Zone‘ östlich des Rheins, im Bergischen Land, zugeteilt. Er übernahm die MG-Kompanie im I. Bataillon des I.R. 14, die am 15. März 1920 nach Elberfeld-Barmen wegen schwerer Unruhen während des Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch verlegt wurde. Gegen die Übermacht der Aufständischen musste Models Bataillon den Rückzug der Reichswehrtruppen decken. Nach der Konsolidierung der Reichswehr im Oktober 1920 wurde Model 1921 Generalstabsoffizier im ‚getarnten Generalstab‘ in Münster.[7] Im Oktober 1925 erfolgte die Versetzung zum 8. (Preußisches) Infanterie-Regiment und die Umsiedlung mit seiner Frau Herta nach Görlitz. Dort schrieb Model die biografisch-kriegsgeschichtliche Studie über Gneisenau, die 1929 im Sammelband „Führertum“ publiziert wurde.[8] Am 30. September 1928 wurde er als Generalstabsoffizier zur 3. Division nach Berlin versetzt und unterrichtete unter anderen auch die späteren Bundeswehr-Generale Hans Speidel und Adolf Heusinger.[9] 1929 wurde Model zum Major befördert und im Jahr darauf zum Truppenamt in die Ausbildungsabteilung versetzt. Vom 20. August bis zum 1. Oktober 1931 befand sich Model auf einer 'Rußlandreise' im Rahmen der geheimen Beziehungen zwischen Reichswehr und Roter Armee. 1932 engagierte sich Model für Aktivitäten, um die „ob der Arbeitslosigkeit verzweifelnde Jugend [...]“ weg von den in „großen paramilitärischen Verbänden organisierten Gruppen ...“ an die Reichswehr heranzuführen (Reichskuratorium für Jugendertüchtigung).[10]„Einer der Mitarbeiter des Reichskuratoriums, Oblt. a. D. Dr. Boysen, gewann die Überzeugung, Model sei aufgrund der ewigen Schwierigkeiten mit der SA-Führung damals zum Gegner der NSDAP geworden.“[11] Am 1. November 1932 wurde Model zum Oberstleutnant ernannt.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Vorkriegszeit[Bearbeiten]

Bald nach der Machtübernahme durch Hitler am 30. Januar 1933 löste die SA das 'Reichskuratorium' auf. Anfang November wurde Model als Bataillonskommandeur zum Infanterieregiment Nr. 2 nach Allenstein in Ostpreußen versetzt. Am 1. Oktober 1934 wurde Model zum Oberst befördert und am 1. November 1934 Kommandeur des 2. (Preußisches) Infanterie-Regiments, ebenfalls in Allenstein. Model wurde am 15. Oktober 1935 zum Chef der neu eingerichteten technischen Abteilung im Generalstab des Heeres ernannt. Auf Models Anregung ging „die Konstruktion eines motorisierten, gepanzerten Infanteriebegleitgeschützes“, des Sturmgeschütz, zurück.[12]
Am 1. März 1938 wurde er zum Generalmajor befördert und am 10. November 1938 zum Chef des Generalstabes des IV. Armeekorps in Dresden ernannt.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Krieg gegen Polen und Frankreich[Bearbeiten]

Den Zweiten Weltkrieg begann Model als Chef des Generalstabes des IV. Korps der 10. Armee des Generals Walter von Reichenau. Schon kurz nach dem Ende des Polenfeldzugs, am 13. Oktober 1939, wurde Model vom Chef des Generalstabs des Heeres, General Franz Halder, als Chef des Generalstabes der neuen 16. Armee unter General Ernst Busch vorgesehen. In dieser Funktion nahm Model ab dem 10. Mai 1940 am Westfeldzug teil. Am 1. April 1940 war Model zum Generalleutnant befördert worden. Am 13. November 1940 wurde er Kommandeur der 3. Panzer-Division; einem wegen zahlreicher Abgaben nach Nordafrika in Auflösung befindlichen Verband, den er erst wieder einsatzfähig machen musste und ein halbes Jahr lang nach seinen Vorstellungen völlig „ummodeln“[13] konnte.

Krieg gegen die Sowjetunion[Bearbeiten]
Model (Mitte) als Kommandeur der 3. Panzer-Division an der Ostfront, Juli 1941

Am 31. Mai 1941 erhielt die 3. Panzerdivision Befehl zur Verlegung nach Ostdeutschland. In der Truppe dachte man an eine Verwendung als Grenzschutz. Mitte Juni 1941 bezog die Division Bereitstellungsräume in Polen, westlich des Bugs. „Seit April 1941 muß Model klar gewesen sein, was die Stunde geschlagen hatte.“[14]

Marsch bis vor Moskau[Bearbeiten]

Nach dem Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 erzielten Models Panzer Anfang Juli 1941 den Durchbruch über den Bug, nahmen an weiteren Gefechten teil und schlossen im September 1941 den Kessel von Kiew. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1941 zum General der Panzertruppe befördert, erreichte ihn am 26. Oktober 1941 auf dem Weg nach Moskau die Nachricht von seiner Versetzung als Kommandierender General des XXXXI. Panzerkorps an den Mittelabschnitt der Ostfront. Beim Angriff auf Moskau gelangte Models Korps Anfang Dezember 1941 in eine Position nördlich der Hauptstadt. „Am 5. und 6. Dezember 1941 schlug jedoch der Gegner zurück.“[15]

Frontbogen von Rschew[Bearbeiten]

Die 9. Armee, der Models XXXXI. Korps unterstellt war, wurde nach Südwesten auf Rschew abgedrängt. Deren Kommandeur (...), notierte Generalstabschef Halder, „... Strauß kann nicht mehr“. Model wurde am 16. Januar 1942 für das Kommando über die 9. Armee[16] vorgesehen. Die Armee war im ‚Bogen von Rschew‘[17] durch einen Zangenangriff von Konjews Kalinin-Front und Schukows Westfront schon fast eingekesselt, als Model sich die Lage erläutern ließ. Am nächsten Tag stand Model in der Wolfsschanze erstmals Hitler gegenüber: Er schlug eine Klärung der Lage durch eine Angriffsoperation vor. „Hitler war perplex und sagte: ‚Dann machen Sie es!‘“[18] Am 5. Februar 1942 war die Lage bereinigt - die abgeschnittenen Reste von drei sowjetischen Angriffsarmeen staken jedoch in den großen Waldgebieten im Rücken der 9. Armee. Am 28. Februar 1942 wurde Model zum Generaloberst befördert und erhielt das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Am 25. Mai 1942 wurde Model schwer verwundet. Am 7. August 1942 brach er seinen Genesungsurlaub in Dresden ab und flog wieder zur Front, „wo die Hölle los war“.[19] Die Schlacht endete am 26. September 1942 mit hohen Verlusten Konjews. Kurz nach dem Gegenschlag bei Stalingrad setzten die Sowjets am 24. November 1942 auch zum Großangriff auf den Rschew-Bogen an, der am 10. Januar 1943 mit dem nächsten Abwehrerfolg Models endete. Obwohl Model offensiv weiterdachte, hatte sich doch die Gesamtlage so entwickelt, dass selbst Hitler die Räumung des „kräftezehrenden Bogen von Rschew“ unumgänglich schien. Das ‚Unternehmen Büffel‘ organisierte Model als geordneten Rückzug bis Ende März 1943.[20] Am 3. April 1943 erhielt er das Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz. Die schweren Schlachten um Rschew, die Model gegen einen weit überlegenen Gegner über zwei Jahre lang führte und mit einem geglückten Rückzug abschloss, begründeten seinen Ruhm als ‚Meister der Defensive‘. Die durch den Rückzug eingesparten Kräfte bestärkten Hitler in seinen Plänen zu einer Sommeroffensive 1943.

Im Krieg gegen die Sowjetunion zeichnete Model in seinem Befehlsbereich verantwortlich für die Umsetzung der Taktik der verbrannten Erde; dies beinhaltete unter anderem die Vernichtung der russischen Ernte und die Deportation der Zivilbevölkerung nach Westen. Er kooperierte auch mit den Einsatzgruppen von SS und SD.[21] Vor allem für seine Zeit als Kommandeur der 9. Armee ist eine „laufende Zusammenarbeit“ mit der Einsatzgruppe B nachzuweisen.[22] Entsprechend seiner Greueltaten gegenüber russischen Zivilisten wurde Model von der Sowjetunion auf die Liste der Kriegsverbrecher gesetzt.[23]

Kursk[Bearbeiten]

Als Oberbefehlshaber der 9. Armee hatte Model eine Schlüsselposition für das Unternehmen Zitadelle, der dritten und letzten Sommeroffensive der Wehrmacht in Russland, die am 5. Juli 1943 begann. Die deutschen Soldaten kamen aufgrund schwerer Kämpfe nur langsam voran. In den Tagen zwischen dem 5. und dem 13. Juli 1943 fand im Rahmen des Unternehmens Zitadelle im Kursker Frontbogen die bis heute größte Panzerschlacht der Geschichte statt, in der auf deutscher knapp über 1000 und auf sowjetischer Seite mehrere tausend Panzer eingesetzt waren. Am 12. Juli 1943 ordnete Hitler an, die Offensive abzubrechen. Am 5. November 1943 wurde Model für zwei Monate in die Führerreserve versetzt. Das Kommando über die 9. Armee übernahm Josef Harpe.[24]

Beförderung zum Generalfeldmarschall[Bearbeiten]

Im Januar 1944 wurde Model von Adolf Hitler zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord ernannt (Leningrad-Nowgoroder Operation) und am 30. März 1944 zum Generalfeldmarschall befördert, bei gleichzeitiger Ernennung zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nordukraine. Als im Zuge der am 22. Juni 1944, dem 3. Jahrestag des deutschen Angriffs, beginnenden sowjetischen Sommeroffensive die Heeresgruppe Mitte zusammenbrach, löste Model Generalfeldmarschall Busch als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe am 28. Juni 1944 ab. Den Befehl über die Heeresgruppe Nordukraine gab er erst einen Monat später ab (Lwiw-Sandomierz-Operation). Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 bekundete Model gegenüber Hitler seine Loyalität. Er tat dies so ausdrücklich, dass er hierin alle anderen Ergebenheitsadressen deutscher Generalfeldmarschälle übertraf. Model war einer der wenigen, die es riskierten, Hitler in Fragen der Kriegsführung zu widersprechen. Sein Umgang mit untergebenen Offizieren und auch mit gleichrangigen Befehlshabern war ruppig und harsch, weshalb er gefürchtet und bisweilen gehasst wurde.[25]

Krieg im Westen[Bearbeiten]
Model (Mitte) an der Westfront, Oktober 1944

Nachdem sich Model bei seinen verschiedenen Verwendungen in Russland bei Hitler den Ruf erworben hatte, in schwierigen Situationen zusammenbrechende Fronten stabilisieren zu können, wurde er am 16. August 1944 zum Oberbefehlshaber West (OB West) ernannt, bei gleichzeitiger Übernahme des Oberbefehls über die Heeresgruppe B, um dort die Situation zu retten. Am 17. August 1944 erhielt er die Brillanten zum Ritterkreuz.

Die Stabilisierung der Front gelang ihm auch zeitweise (unter anderem bei Arnheim), dennoch wurde sein Vorgänger auf dem Posten des Oberbefehlshabers West, Generalfeldmarschall von Rundstedt, bereits am 5. September 1944 auch sein Nachfolger.

Mit dem Scheitern der Ardennenoffensive im Dezember 1944 und dem anschließenden Durchbruch der alliierten Streitkräfte weit in das Reichsgebiet hinein wurde Models Heeresgruppe B im Ruhrkessel eingeschlossen.

Zusammenbruch des Reiches[Bearbeiten]

Das Bild Walter Models in den letzten Kriegstagen ist zwiespältig. Noch Ende März 1945 betonte er vor den ihm unterstellten Generälen und Offizieren: „Der Sieg der nationalsozialistischen Idee steht außer Zweifel, die Entscheidung liegt in unserer Hand!“.[26] Er unterstützte die Weisungen Heinrich Himmlers, mit unmenschlicher Härte gegen Deserteure vorzugehen. In Essen ließ er Fahnenflüchtige standrechtlich erschießen. In Düsseldorf wurden der Kommandant der Schutzpolizei Franz Jürgens und einige andere Personen, die sich im Rahmen der Aktion Rheinland eigenmächtig um Übergabeverhandlungen mit den bis an den Rhein vorgerückten amerikanischen Streitkräften bemüht hatten, von einem Standgericht, das von Model offenbar geduldet worden war, am 16. April 1945 abgeurteilt und erschossen. Model war somit einerseits ein eiserner Verfechter von Hitlers Durchhaltestrategie, andererseits hatte er jedoch die Aussichtslosigkeit der militärischen Lage erkannt und schließlich zumindest teilweise zur Handlungsgrundlage genommen.

Model führte den „Nerobefehl“, die von Hitler angeordnete vollständige Zerstörung sämtlicher Industrie-, Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen, im Ruhrgebiet zwar teilweise, aber nicht vollständig aus.[27]

Er entschied sich eigenmächtig, seine Heeresgruppe aufzulösen. Seinen Stabschef Generalmajor Carl Wagener wies er an, die ganz jungen und die alten Soldaten sofort zu entlassen, damit sie als Zivilisten nach Hause zurückkehren konnten. Die übrigen sollten sich innerhalb der nächsten drei Tage entscheiden, entweder ebenfalls heimzukehren, sich einzeln zu ergeben oder aber sich zur nächsten noch kämpfenden Truppe durchzuschlagen.[28] Schon zwei Tage später, am 15. April 1945, spalteten die Alliierten den Kessel. Noch am gleichen Abend war der östliche Teil überrannt. Models Truppe löste sich nun schnell auf. Da ihm der Gedanke an eine Kapitulation unerträglich war, lehnte er noch am 17. April das Angebot des US-Generals Matthew B. Ridgway ab, sich zu ergeben und so die Zivilbevölkerung zu schonen.

Tod[Bearbeiten]

Am 21. April 1945 nahm Model sich mit einem Pistolenschuss in die rechte Schläfe in einem Waldgebiet zwischen Duisburg und der heute zu Ratingen gehörenden Ortschaft Lintorf das Leben. Den unterstellten Kommandeuren hinterließ er die nationalsozialistisch geprägte Botschaft: „Unter dem Druck der Kriegsereignisse zeigt sich, dass noch immer weite Kreise des deutschen Volkes und damit auch der Truppe vom jüdischen und demokratischen Gift der materialistischen Denkweise verseucht sind”.[29] Das Vorbild des Offiziers sei entscheidend, um den Sieg der nationalsozialistischen Idee zu erzwingen. Am 26. Juli 1955 wurde Models Leichnam, der zunächst unweit der Stelle seines Suizides per Feldbegräbnis bestattet worden war, exhumiert und auf dem Ehrenfriedhof Vossenack in der Nordeifel beigesetzt. Sein Grab dort trägt die Nummer 1074.

Grab Models auf dem Soldatenfriedhof Vossenack

Privatleben[Bearbeiten]

Am 12. Mai 1921 heiratete Model in Frankfurt am Main Herta Huyssen (* 4. Februar 1892 in Niederbreisig; † 5. Mai 1985 in Bonn).[30] Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. Der Sohn Hansgeorg war Brigadegeneral bei der Bundeswehr.

Alle drei Kinder Models wurden von Pastor Martin Niemöller getauft.[31]

Ein Bruder von Walter Model war der Rechtsanwalt und Publizist Otto Model.

Einem breiteren Publikum wurde die Person Models durch den englisch-amerikanischen Spielfilm „Die Brücke von Arnheim“ aus dem Jahr 1977 bekannt, in dem die Ereignisse um die alliierte Operation Market Garden behandelt werden. Darin wird Model von dem österreichischen Schauspieler Walter Kohut dargestellt.

Persönlichkeit[Bearbeiten]

Heinz Guderian beschrieb Model als „kühnen, unermüdlichen Soldaten“. In der Tat war Model ein rastloser, unentwegt hart arbeitender Offizier. Er wurde von vielen als sehr ehrgeizig, dabei doch immer kompetent eingeschätzt. Darüber hinaus galt Model als ein sehr unbequemer Mensch, der sich nicht scheute, seine Meinung – auch Vorgesetzten oder Hitler persönlich – zu sagen.[32] Friedrich-Wilhelm von Mellenthin erwähnte sein hitziges und oft unberechenbares Temperament.[33] Bei der Übernahme neuer Kommandos kam es oft zu Beleidigungen, so zum Beispiel 1944, als Model Georg von Küchler als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord ablöste.[34]

Model versuchte stets demonstrativ als unpolitischer Soldat aufzutreten. Damit erreichte er jedoch das genaue Gegenteil, so dass er zuletzt sogar unter Wehrmachtsoffizieren als überzeugter Anhänger Hitlers galt. Dementsprechend äußerte er sich – wie viele andere Generäle auch – abfällig über das am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler verübte Attentat. Auch Models Sohn Hansgeorg beschrieb seinen Vater als loyalen Gefolgsmann Hitlers.[35]

Typisch für ihn war ein enormes Selbstbewusstsein, das bisweilen in Selbstüberschätzung ausartete. Beispielhaft hierfür seien folgende Begebenheiten erwähnt: Als er Anfang 1942 das Kommando über die 9. Armee an der linken Flanke der Heeresgruppe Mitte übernahm, wurde er gefragt, wie viele Männer er (für einen bevorstehenden Angriff) an Verstärkung mitgebracht habe. Seine Antwort: „Mich!“.[36] Als er von der alliierten Luftlandeoperation bei Arnheim erfuhr, dachte er, es handele sich um ein Kommandounternehmen, durch das er entführt werden sollte. Eine Marotte Models war, dass er ledige Offiziere nur ungern für Orden oder Beförderungen vorschlug.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dermot Bradley: Model, Walter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 597 f. (Digitalisat).
  • Walter Görlitz: Model. Strategie der Defensive. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1977,ISBN 3-404-00605-4.
  • Walter Görlitz: Model. Der Feldmarschall und sein Endkampf an der Ruhr. Universitas, ISBN 3-8004-1193-8.
  • Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. R. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-57982-6, S. 648f. (Kurzbiographie)
  • Joachim Ludewig: Walter Model – Hitlers bester Feldmarschall. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die Militärelite des Dritten Reiches. 27 biographische Skizzen. Ullstein Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-548-33220-X, S. 368–386.
  • Samuel W. Mitcham Jr., Gene Mueller: Generalfeldmarschall Walter Model. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-727-9, S. 424–431.
  • Hansgeorg Model und Dermot Bradley (Hrsg.): Generalfeldmarschall Walter Model (1891–1945). Dokumentation eines Soldatenlebens. Biblio, Osnabrück 1991. ISBN 3-7648-1785-2.
  • Marcel Stein: Generalfeldmarschall Walter Model: Legende und Wirklichkeit. Biblio-Verlag, Bissendorf 2001, ISBN 3-7648-2312-7.
  • Marcel Stein: Generalfeldmarschall Walter Model: Eine Neubewertung. Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 3-7648-2312-7.
  • Marcel Stein: A Flawed Genius: Field Marshal Walter Model, a Critical Biography. Helion & Co Ltd, 2008, ISBN 978-1-906033-30-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walter Model – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Samuel W. Mitcham Jr., Gene Mueller: Generalfeldmarschall Walter Model. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-727-9, S. 424.
  2. Walter Görlitz: Model. Strategie der Defensive. Bastei Lübbe, Wiesbaden 1975, S. 10–12.
  3. Marcel Stein: Generalfeldmarschall Walter Model: Eine Neubewertung. Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 3-7648-2312-7, S. 19.
  4. Samuel W. Mitcham Jr., Gene Mueller: Generalfeldmarschall Walter Model. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-727-9, S. 424.
  5. „Dem Ib oblag bei den Stäben die Bearbeitung der Ersatz- und Nachschubfragen, die Unterbringung der Truppe und deren Versorgung.“
    (Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 21.)
  6. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 26f.
  7. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 32.: Ohne Kenntnis der Alliierten wurde „die Verdreifachung der Armee im Falle der Reichsverteidigung geplant.“
  8. Samuel W. Mitcham Jr., Gene Mueller: Generalfeldmarschall Walter Model. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-727-9, S. 425.
  9. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 39. H. Speidel und A. Heusinger waren nach dem Zweiten Weltkrieg am Aufbau der Bundeswehr beteiligt und übernahmen Positionen in der NATO.
  10. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 44f.: „Die größte Sorge bereiteten die rund 400 000 Mann zählenden 'Sturmabteilungen' (SA) und 'Schutzstaffeln (SS) Hitlers ...“
  11. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 45f.
  12. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 55.: Die Abteilung entwickelte „Ideen [...] über die schlachtentscheidende Rolle der in Großverbänden einzusetzenden Panzerwaffe in einem etwaigen neuen Krieg“.
  13. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 87. Der Begriff „ummodeln“ ist vom Namen des Feldmarschalles abgeleitet und wurde im deutschen Sprachgebrauch zum ‚geflügelten Wort‘.
  14. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 88.
  15. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 103. Der General fügte sich in den Rückzug: „War dieser beim Angriff vorn gewesen, so war er jetzt beim Zurückgehen der Letzte in vorderster Linie angesichts des nachdrängenden, frisch ausgerüsteten Gegners.“
    (Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 104)
  16. Steven H. Newton, Hitler's Commander: Field Marshal Walter Model – Hitler's Favourite General. Da Capo Press, Cambridge 2006, ISBN 978-0-306-81399-3, S. 171 ff.
  17. Marcel Stein: Generalfeldmarschall Walter Model: Eine Neubewertung. Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 3-7648-2312-7, S. 96–102.
  18. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 114.: „Als sich Model abgemeldet hatte, bemerkte Hitler gegenüber General Schmundt: ‚Haben Sie das Auge gesehen? (Model trug gerne ein Monokel) Dem Mann traue ich es zu, daß er es schafft. Aber ich selber möchte nicht unter ihm dienen.‘“
  19. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 124. Model wechselte vier Generale aus. Im Juli 1942 hatte im rückwärtigen Raum das Partisanen-Jagdunternehmen ‚Seydlitz‘ stattgefunden (25. Juni - 27. Juli 1942).
  20. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München 1982, ISBN 3-8090-2071-0, S. 133. Hier kam es zur umstrittenen Rückführung auch von russischen Zivilisten und der Zerstörung von Infrastruktur, um dem Gegner das Nachsetzen zu erschweren.
  21. Samuel W. Mitcham Jr., Gene Mueller: Generalfeldmarschall Walter Model. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-727-9, S. 427.
  22. Marcel Stein, Generalfeldmarschall Walter Model. Eine Neubewertung. Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 3-7648-2312-7, S. VII
  23. Steven H. Newton, Hitler's Commander: Field Marshal Walter Model – Hitler's Favourite General. Da Capo Press, Cambridge 2006, ISBN 978-0-306-81399-3, S. 216.
  24. Marcel Stein, Generalfeldmarschall Walter Model. Eine Neubewertung. Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 3-7648-2312-7, S. 119–116.
  25. Marcel Stein: Generalfeldmarschall Walter Model: Eine Neubewertung. Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 3-7648-2312-7, S. 2.
  26. Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 413.
  27. Ian Kershaw, „Das Ende“, DVA, München 2011, S. 422; ISBN 978-3-421-05807-2.
  28. IFDT (Information für die Truppe – Zeitschrift für Innere Führung der Bundeswehr); deckungsgleich mit Information aus Interview des Bearbeiters mit einem ehemaligen Soldaten des „Ruhrkessels“
  29. Manfred Messerschmidt, Militärhistoriker und Jurist in „Die Zeit”, 14/2005.
  30. Samuel W. Mitcham Jr., Gene Mueller: Generalfeldmarschall Walter Model. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-727-9, S. 425.
  31. Walter Görlitz: Strategie der Defensive - Model, Limes-Verlag, Wiesbaden und München, 1982, S. 34. Model und Niemöller waren seit 1923 miteinander bekannt. Sie stimmten in vielem überein. Model war evangelischer Christ und Kirchgänger und hielt sich von den nationalsozialistischen "Deutschen Christen" fern. Auch ab 1929 in Berlin war Niemöller ein gern gesehener Gast im Hause Model.
  32. Samuel W. Mitcham Jr., Gene Mueller: Generalfeldmarschall Walter Model. In: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-727-9, S. 424–427.
  33. Friedrich Wilhelm von Mellenthin, Deutschlands Generale des Zweiten Weltkriegs. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1980, ISBN 3-404-65027-1, S. 155.
  34. Marcel Stein, Generalfeldmarschall Walter Model. Eine Neubewertung. Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 3-7648-2312-7, S. 119–123.
  35. Hansgeorg Model und Dermot Bradley: Generalfeldmarschall Walter Model (1891–1945) Dokumentation eines Soldatenlebens. Biblio Verlag, Osnabrück 1991, ISBN 3-7648-1785-2, S. VIII und Marcel Stein, Generalfeldmarschall Walter Model. Eine Neubewertung. Biblio-Verlag, Bissendorf 2008, ISBN 3-7648-2312-7, S. 8.
  36. Steven H. Newton, Hitler's Commander: Field Marshal Walter Model – Hitler's Favourite General. Da Capo Press, Cambridge 2006, ISBN 978-0-306-81399-3, S. 176.
  37. a b c d e f g h i j k l m n o p Hansgeorg Model und Dermot Bradley: Generalfeldmarschall Walter Model (1891–1945) Dokumentation eines Soldatenlebens, Biblio Verlag, Osnabrück 1991, ISBN 3-7648-1785-2, S. XIII-XVII
Vorgänger Amt Nachfolger
Günther von Kluge Oberbefehlshaber West
16. August – 3. September 1944
Gerd von Rundstedt