Wasungen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wasungen
Wasungen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wasungen hervorgehoben
50.66666666666710.366666666667270Koordinaten: 50° 40′ N, 10° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Schmalkalden-Meiningen
Verwaltungs­gemeinschaft: Wasungen-Amt Sand
Höhe: 270 m ü. NHN
Fläche: 29,5 km²
Einwohner: 3448 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 117 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98634
Vorwahl: 036941
Kfz-Kennzeichen: SM, MGN
Gemeindeschlüssel: 16 0 66 086
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 9 - 11
98634 Wasungen
Webpräsenz: www.wasungen.de
Bürgermeister: Manfred Koch (parteilos)
Lage der Stadt Wasungen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen
Altersbach Aschenhausen Belrieth Benshausen Bermbach Birx Breitungen Brotterode-Trusetal Christes Dillstädt Einhausen (Thüringen) Ellingshausen Erbenhausen Fambach Floh-Seligenthal Frankenheim/Rhön Friedelshausen Grabfeld Henneberg (Thüringen) Hümpfershausen Kaltensundheim Kaltenwestheim Kühndorf Leutersdorf Mehmels Meiningen Melpers Metzels Neubrunn Oberhof Oberkatz Obermaßfeld-Grimmenthal Oberschönau Oberweid Oepfershausen Rhönblick Rippershausen Ritschenhausen Rohr Rosa Roßdorf (Thüringen) Rotterode Schmalkalden Schwallungen Schwarza Springstille Steinbach-Hallenberg Stepfershausen Sülzfeld Unterkatz Untermaßfeld Unterschönau Unterweid Utendorf Vachdorf Viernau Wahns Wallbach Walldorf (Werra) Wasungen Wölfershausen Zella-Mehlis ThüringenKarte
Über dieses Bild

Wasungen ist eine Stadt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen im fränkisch geprägten Süden von Thüringen in Deutschland. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Wasungen-Amt Sand, der weitere zehn Gemeinden angehören.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt 12 km nördlich von Meiningen zwischen Thüringer Wald und Rhön im mittleren Werratal.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Wasungen gehört der Ortsteil Bonndorf, der ca. 3 km vom Stadtzentrum entfernt liegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Innenstadt von Wasungen (1991)
Stadtkirche St. Trinitatis von 1584
Pfaffenburg von 1387

Wasungen wurde neben Schwallungen und Schmalkalden in einer Schenkungsurkunde der Edlen Kunihilt an das Kloster Fulda 874 als Vuasunga erstmals urkundlich erwähnt. Der Name des Ortes leitet sich von dem althochdeutschen Wort "Wasen" = feuchter Rasen ab. Der Name der 874 ersterwähnten, später aufgegebenen Agrarsiedlung links der Werra wurde auf die im 12. Jahrhundert auf der anderen Seite des Tals zu Füßen des Schlossbergs angelegte Marktsiedlung übertragen, deren Stadtwerdung die auf der Burg sitzenden Herren von Wasungen förderten.

Der edle und sehr reiche Siegfried von Wasungen (älteres Geschlecht) wurde erst kurz nach seinem Tod 1157 und die Burg 1190 erwähnt. Das jüngere Wasunger Geschlecht war mit den Grafen von Henneberg verwandt. Die von 1228 bis 1265 genannten Herren von Wasungen waren Ministeriale der Grafen von Henneberg, sie sind nicht exakt einer Familie zuzuordnen. Eindeutig gehört aber der 1265 erwähnte Friedrich zu den Wasungern. Er war Ministerialer des Grafen von Henneberg. 1274 gehörte dann Wasungen der Grafenlinie Henneberg-Schleusingen. Das Zentgericht wurde 1307 zum freien kaiserlichen Landgericht erhoben. Graf Berthold VII. von Henneberg-Schleusingen erwirkte im Jahre 1308 dem schon 1301 "oppidum" genannten Ort das Schweinfurter Stadtrecht.[2]

1299 wurde in Wasungen ein Wilhelmitenkloster gegründet, das bald zu einem ansehnlichen Grundbesitz gelangte und später in Widerspruch mit den Interessen des Bürgertums geriet. Es bestand bis zur Einführung der Reformation 1525 in der Grafschaft Henneberg.

Die Burg Wasungen wurde Sitz des Amts Wasungen. Später wurde sie mehrfach verpfändet. Im Bauernkrieg 1525 wurde sie im Gegensatz zu vielen anderen Burgen der Gegend nicht zerstört. Ab 1526 wurden die Gebäude zu einer Domäne umgestaltet und mit einem Pächter besetzt. Heute ist das Burggelände ein Hotel-Restaurant und Ausflugslokal.[3]

Nach dem Aussterben der Henneberger kam Wasungen 1583 unter gemeinschaftliche Verwaltung der ernestinischen und albertinischen Wettiner. Bei der Realteilung der Grafschaft im Jahr 1660 kam Wasungen zu Sachsen-Gotha und 1680 an Sachsen-Meiningen.

Wasungen war 1597–1668 von Hexenverfolgung betroffen. 22 Frauen gerieten in Hexenprozesse, sieben wurden verbrannt, eine starb unter der Folter, eine im Kerker. Erste Opfer waren Margaretha Zöllner und ihre Tochter.[4]

Seit dem 16. Jahrhundert profilierte sich Wasungen zu einer Gewerbestadt mit Betonung der Metallberufe. Wasunger Gewehrmacher brachten es zu Weltspitzenleistungen. 1659 wurde Wasungen Ausgangspunkt und regionales Zentrum von Tabakanbau, Verarbeitung und -handel (bis zum 19. Jahrhundert in Blüte). [5] Im Jahr 1708 rühmte der Geograph Johann Gottfried Gregorii alias MELISSANTES den exzellenten Tabak aus Wasungen.[6]

In den Jahren 1747 und 1748 wurde die Stadt im Wasunger Krieg von gothaischen Truppen besetzt. Der "Krieg" zwischen den beiden Ernestinischen Herzogtümern Sachsen-Gotha-Altenburg und Sachsen-Meiningen ging als eine der bemerkenswertesten Auswüchse der deutschen Kleinstaaterei im 18. Jahrhundert in die Geschichte ein.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden mindestens zehn Einwohner(innen) Opfer der Zwangssterilisation. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 130 Kriegsgefangene, Militärinternierte sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in Wasungen Zwangsarbeit leisten. Im hiesigen Kriegsgefangenen-Lazarett starben 295 Personen. An die sowjetischen Opfer des Lagers erinnert ein 1948 auf dem Hungerberg errichteter Gedenkstein, ein Obelisk und ein weiterer Gedenkstein befinden sich auf dem Friedhof.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1833: 6666
  • 1994: 4026
  • 1995: 4018
  • 1996: 3989
  • 1997: 3977
  • 1998: 3959
  • 1999: 3941
  • 2000: 3918
  • 2001: 3852
  • 2002: 3824
  • 2003: 3802
  • 2004: 3764
  • 2005: 3736
  • 2006: 3730
  • 2007: 3696
  • 2008: 3628
  • 2009: 3577
  • 2010: 3542
  • 2011: 3511
  • 2012: 3467
  • 2013: 3448
Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik - Werte vom 31. Dezember

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 45,5 %
 %
40
30
20
10
0
38,4 %
29,5 %
18,8 %
13,3 %
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Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 mit einer Wahlbeteiligung von 45,5 % führte zu folgender Verteilung der 16 Sitze im Stadtrat:[8]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CDU 38,4 % 6
Die Linke 18,8 % 3
SPD 13,3 % 2
Freie Wähler 12,3 % 5

Gegenüber der vergangenen Kommunalwahl 2009 gab es keine Veränderung bei der Sitzverteilung im Stadtrat.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Rathaus (1532–1534 errichtet)

Der hauptamtliche Bürgermeister Manfred Koch wurde am 6. Juni 2010 zum wiederholten Male wiedergewählt (98,5 % der Stimmen).

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau eine silberne Burg mit offenem Tor und zwei Krüppeltürmen; zwischen ihnen schwebend ein goldener Schild, darin eine schwarze Henne auf einem Dreiberg.“

Partnerschaft[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Als Wahrzeichen der Stadt gilt die Burgruine "Maienluft", die inzwischen eine Gaststätte beherbergt und deren Bergfried eine herrliche Aussicht auf das Werratal und die nahegelegene Vorderrhön bietet. Von der Burg sind noch Reste der Mauern und der Kapelle erhalten.

Die kleine Altstadt ist durch eine Vielzahl von hennebergisch-fränkischen Fachwerkbauten gekennzeichnet. Um den Marktplatz gruppieren sich Fachwerkhäuser aus dem 16. bis 20. Jahrhundert sowie das von 1532–1534 errichtete Rathaus, ein dreigeschossiger Fachwerkbau mit asymmetrischem Erker. Ferner die noch in spätgotischen Formen 1584 erbaute Stadtkirche St. Trinitatis, der Judenturm und die Pfaffenburg aus dem Jahr 1387.[9]

Um 1299 entstand am linken Werraufer ein Wilhelmitenkloster, welches im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde.

Damenstift Wasungen[Bearbeiten]

Damenstift Wasungen

Da Bernhard Marschalk von Ostheim aus seiner 1559 geschlossenen Ehe mit Christine Brigitte von Buchenau keine Kinder hinterließ, entschied er sich, sein Erbe in zahlreiche Stiftungen, u. a. für Arme, Pfarren, Schulen, Familienangehörige und unversorgte Adlige, einfließen zu lassen. Hervorzuheben sind etwa das Walldorfer Hospital oder das dortige Almosenlegat. 1596 ließ er den ererbten Marschalkschen Adelshof in Wasungen, bis dato ein Wehr- und Wohnturm mit Kemenate und Garten an der Stadtmauer, als repräsentativen Fachwerkbau im Renaissancestil neu errichten. Mit einem Stiftungskapital von 8.000 Gulden ausgestattet, sollte das Stift anfänglich vier ledige und bedürftige Töchter adliger Familien beherbergen und versorgen. 1601 zog Anna Maria Trott als erste Stiftsdame ein. Das Wasunger Damenstift stellte vermutlich die früheste beständige Gründung eines freiweltlichen evangelischen Frauenstiftes in Deutschland dar, das nicht aus einem ehemaligen mittelalterlichen Stift oder Kloster in der Reformationszeit hervorgegangen war. Nach sehr lange andauernden Versorgungsproblemen der Stiftsinsassen erfolgte eine merkliche Verbesserung erst durch verschiedene private und landesherrliche Zustiftungen ab dem 18. Jahrhundert, namentlich etwa durch die Herzogin Louise Eleonore von Sachsen-Meiningen anlässlich des Reformationsjubiläums im Jahr 1817. Fortan führte das Stift den Namen Herzoglich-Sächsisches Louisen-, Freiherrlich Marschalk’sches Damenstift Wasungen. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bestand der Wasunger Konvent aus 13 regulären, privaten und Anwartschaftsstellen für adlige, aber auch für bürgerliche Stiftsdamen. Nur fünf davon bewohnten aber eine Wohnung im Stiftshaus. Die verbleibenden Konventualinnen bezogen lediglich eine Präbende und durften den Stiftsorden tragen. Da weitere Zustiftungen nach der Jahrhundertwende ausblieben und so eine zeitgemäße Anpassung der Präbenden an die veränderten allgemeinen Währungs- und Preisverhältnisse nicht gewährleistet werden konnte, wurden nach und nach die verschiedenen Stellen nicht mehr besetzt. Das Stift löste sich mit dem Tod der letzten Stiftsbewohnerin und Pröpstin Emilie Karoline Ida von Stein im Jahr 1931 auf. Heute beherbergt das ehemalige Stiftshaus das Wasunger Stadtmuseum.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Bekannt ist Wasungen vor allem durch den seit spätestens 1524 begangenen Wasunger Karneval, der jedes Jahr unter einem neuen Motto steht und an dessen - traditionell am Samstag vor Rosenmontag stattfindendem - Hauptumzug regelmäßig mehr als achtzig kreative Themenwagen beteiligt sind. "Woesinge Ahoi!" ist der Karnevalsschlachtruf der Wasunger. In der DDR wurde der Ort als Stadt des Volkskarnevals vermarktet.

Die sagenhaften "Wasunger Streiche" (so genannte "Woesinger") stellen die Wasunger in eine Reihe mit den Schildbürgern, obwohl sich die Wasunger Streiche bei allen Gemeinsamkeiten in ihrer typischen Art deutlich von den Schildbürgerstreichen unterscheiden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Wasungen liegt an der Werrabahn, die Eisenach mit Eisfeld und Sonneberg verbindet. Die Süd-Thüringen-Bahn bedient die Strecke im Stundentakt.

Mitten durch den Ort führt die Bundesstraße 19, so dass die historischen Häuser an der Hauptstraße z.T. stark von Abgasen ergraut sind. Es existieren drei Konzepte für Umgehungsstraßen, wobei bisher keine Entscheidung für eines der Konzepte gefallen ist.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Am Ortsausgang an der B 19 in Richtung Meiningen ist nach der Wende ein kleines Industrie- und Gewerbegebiet entstanden. Die beiden bedeutendsten Unternehmen der Stadt befinden sich jedoch an der Aluminiumstraße am Ortsausgang Richtung Fulda, die PREFA Aluminiumprodukte GmbH und die TUBEX Wasungen GmbH (TUBEX-Gruppe) mit 180 Mitarbeitern. Beide Unternehmen gehören zur CAG Holding, die ihren Stammsitz in Österreich hat. Sie gehen auf den ehemaligen VEB Metallwerk Wasungen aus DDR-Zeiten zurück, der zum VEB Kosmetik-Kombinat Berlin gehörte und damals beinahe den gesamten Bedarf an Aluminiumtuben abdeckte.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Beschreibung der mittelalterlichen Kleinstadt Wasungen
  3. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 275-277.
  4. Kai Lehmann: Unschuldig. Hexenverfolgung südlich des Thüringer Waldes, über 500 recherchierte Fälle aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Untermaßfeld 2012, S. 427f.; Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Wasungen, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 240ff. und 247.
  5. Wasungen im Rhönlexikon
  6. MELISSANTES: GEOGRAPHIA NOVISSIMA ..., Teil 1, Frankfurt, Leipzig und [Erfurt] 1708, S. 1181
  7. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 263, ISBN 3-88864-343-0
  8. Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2014 - endgültiges Ergebnis Wasungen
  9. ACE-Lenkrad, Heft 9/2010, Seite 38

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wasungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Wasungen – Reiseführer