Wigoltingen

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Wigoltingen
Wappen von Wigoltingen
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Weinfelden
BFS-Nr.: 4951i1f3f4
Postleitzahl: 8556
Koordinaten: 718670 / 273339Koordinaten: 47° 36′ 0″ N, 9° 1′ 0″ O; CH1903: 718670 / 273339
Höhe: 431 m ü. M.
Fläche: 17,2 km²
Einwohner: 2410 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 140 Einw. pro km²
Website: www.wigoltingen.ch
Karte
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Wigoltingen ist seit 1995 eine politische Gemeinde im Bezirk Weinfelden des Schweizer Kantons Thurgau und umfasst die ehemalige Munizipalgemeinde Wigoltingen mit deren ehemaligen Ortsgemeinden Bonau, Engwang, Illhart und Wigoltingen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wigoltingen liegt im Zentrum des Thurgaus südlich des Seerückens am nördlichen Ufer der Thur zwischen Weinfelden und Frauenfeld.

Zur Gemeinde gehören auch die Ortschaften Bonau, Engwang, Illhart, Wagerswil, Lamperswil und Hasli mit dem Bahnhof Müllheim-Wigoltingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Altenklingen liegt auf Wigoltinger Gemeindegebiet. Die Herren von Klingen übten zusammen mit der Dompropstei Konstanz die Herrschaft über Wigoltingen aus.
Wigoltingen auf einer Luftaufnahme vom 9. Mai 2011

Erstmals wird Wigoltingen im Jahr 889 unter dem Namen Wigoltinga erwähnt. 1155 zählten Hof und Kirche Wigoltingen zur Ausstattung des Konstanzer Domkapitels. Eine Offnung datiert von 1403. Bis 1798 gehörte das Niedergericht Wigoltingen mit Engwang, Gillhof, Hasli, Hof, Niederhofen, Tangwang, Wagerswil und Wigoltingen der Dompropstei Konstanz im Kondominat mit der Herrschaft Altenklingen.[2]

Die Pfarrei Wigoltingen umfasste ursprünglich ein Gebiet von der Thur bis auf den Seerücken. Im Hochmittelalter wurde Lipperswil zur Pfarrei erhoben und trennte sich von Wigoltingen ab, seit 1487 bildet Märstetten eine eigene Pfarrei. 1528 schloss sich Wigoltingen der Reformation an. Die wenigen katholischen Einwohner besuchten ab 1585 die Messe in Müllheim. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert ist die Kapelle Raperswilen eine Filialkirche von Wigoltingen. Die Aufteilung in ein oberes und unteres Kirchspiel führte im 17. und 18. Jahrhundert zu Spannungen. Sonterswil wurde 1859 von der Pfarrei Wigoltingen abgetrennt und der reformierten Kirchgemeinde Lipperswil zugeteilt. Im Wigoltingerhandel kam es 1664 zu Auseinandersetzungen zwischen katholischen Söldnern und Wigoltingern. 1805 wurden die Gemeinden Illhart und Lamperswil der Munizipalgemeinde Wigoltingen zugeteilt.[2]

Vieh- und Milchwirtschaft lösten im 19. Jahrhundert den Acker- und Rebbau ab. 1869 nahm eine Käserei ihren Betrieb auf. Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie Winterthur–Romanshorn im Jahr 1855, die durch das Gemeindegebiet führt, begann die Ansiedlung von Fabriken. Die bis 1923 bestehende Schuhfabrik Brauchli beschäftigte 1895 208 Arbeitskräfte. In der Haslenmühle wurde 1892 bis 1908 eine Zementfabrik und ab 1911 eine Mühle betrieben, die Lebens- und Futtermittel produzierte und seit 1923 als Schweizerische Schälmühle E. Zwicky AG firmiert. Die Bissegger Holzbau feierte 2008 ihr 100-jähriges Jubiläum. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden neue Wohnquartiere, die heute das Ortsbild der ländlichen Wohngemeinde prägen.[2]

Die heutige politische Gemeinde Wigoltingen wurde 1995 durch die Zusammenlegung der früheren Munizipalgemeinde Wigoltingen mit ihren Ortsgemeinden Bonau, Engwang, Illhart, Wagerswil, Wigoltingen und einer Reihe von Weilern und Höfen gegründet. Durch die Fusion erhielt die neue Gesamtgemeinde auch ein neues Gemeindewappen. Man hat von den bisherigen Wappen jeweils ein Symbol in das neue Wappen integriert.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Wigoltingen[3]
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1900 1950 1990 2000 2010 2018
Politische Gemeinde 2036 2155 2447
Munizipalgemeinde 1236 1529 1694 1868
Ortsgemeinde 359 689 824 1127
Quelle [2] [3]

Von den insgesamt 2447 Einwohnern im Jahr 2018 waren 379 bzw. 15,5 % ausländische Staatsbürger.[4]

Über 89 % der Einwohner sind deutschsprachig. Die nächsthäufigsten Sprachen sind Italienisch mit 1.77 und Portugiesisch mit 1,38 Prozent.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mühle und Fabrik E. Zwicky AG in Wigoltingen-Hasli

In Wigoltingen spielt vor allem die Landwirtschaft eine Rolle. Etwa 75 Prozent des Gemeindegebietes sind Landwirtschaftsfläche. Im Weiler Hasli ist der Getreide verarbeitende Lebensmittelproduzent E. Zwicky AG ansässig. Er geht auf eine bis 1861 vom Kemmenbach angetriebene Mühle zurück. Ab diesem Jahr kam die Wasserkraft eines Kanals, der von der Thur abgezweigt wurde, hinzu. Anfang des 20sten Jahrhunderts befand sich dort zwischenzeitlich eine Zementfabrik, von welcher einer von vier Hochkaminen noch bis in die 1960er-Jahre zu sehen war. Die Firma Zwicky, 1892 in Amlikon entstanden[5], hatte das Areal im Jahr 1911 übernommen.[6]

Jahrelang zog sich die Planung eines in der Nähe des Bahnhofs und der Autobahnausfahrt gelegenen Outlet-Einkaufszentrums hin, das hätte 2011 geöffnet werden sollen. Die Realisierung verschob sich jedoch immer wieder.[7][8] Nach 14 Jahren Planung lehnte der Kanton im 2019 den Gestaltungsplan ab, obschon die Umweltverträglichkeitsprüfung bestanden worden war.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wigoltingen teilt sich mit Müllheim den SBB-Bahnhof Müllheim-Wigoltingen. Dieser steht etwa 1,5 km von Wigoltingen entfernt im Weiler Hasli. Der Bahnhof ist Teil der Strecke von Frauenfeld nach Weinfelden. Er verfügt über zwei Perrongleise und wird von den beiden S-Bahnen S30 und S8 bedient.

Wigoltingen ist mit dem Postauto über die Linien 833 Ermatingen – Müllheim-Wigoltingen und 831 Homburg – Müllheim-Wigoltingen erreichbar. Für den Individualverkehr stehen in der Bonau und bei Müllheim eine Einfahrt der Autobahn A7 zur Verfügung.

Kunst, Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie in vielen Dörfern der Schweiz spielt sich ein grosser Teil der örtlichen Kultur in Vereinen ab. Es gibt einige Chöre und Sportvereine. Ausserdem führt der TV Wigoltingen[10] 2009 das Kreisturnfest Seerücken durch.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wigoltingen bietet Schulen für alle Stufen von der Spielgruppe bis zur neunten Klasse. Für die Mittelschule gehen die meisten nach Frauenfeld, vereinzelt aber auch nach Kreuzlingen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Gemeindegebiet liegt das in Privatbesitz befindliche Schloss Altenklingen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Erbe der Familie Fleig von der Polstermöbelfabrik Fleig wurde für verschiedene Projekte eingesetzt. Eines davon ist eine lokale Bibliothek. Im Weiler Häusern befindet sich eine Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat.[11]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottlieb Amstein: Geschichte von Wigoltingen. Weinfelden 1892

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wigoltingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. a b c d Verena Rothenbühler: Wigoltingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  3. a b 2000 T4 Wohnbevoelkerung ab 1850.xlsx und 2018_2017_1990_BevGmd.xlsx (Bevölkerung in ausgewählten Jahren, 1990, 2000, 2010, 2017-2018, Vorjahresveränderung). Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  4. 2018_2015_BevGmd_Geschl_Nat.xlsx (Bevölkerung nach Geschlecht und Nationalität, 2015-2018) Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  5. E. ZWICKY AG: Gesundes aus der Natur, St. Galler Tagblatt, 24. Februar 2017
  6. Jürg Klopfenstein: Schweizerische Schälmühle E. ZWICKY AG, Thurgauer Jahrbuch, Band 42 (1967), S. 87–96
  7. Fashion Outlet Edelreich, offizielle Webseite.
  8. Outlet Center Wigoltingen verzögert sich weiter, Top Online.
  9. «In diesem Kanton überrascht mich nichts mehr»: Rückschlag fürs Outlet Edelreich in Wigoltingen – doch die Bauherrin gibt nicht auf, St. Galler Tagblatt, 13. April 2019
  10. http://www.tv-wigoltingen.ch
  11. 1000 Muslime im Dorf. Thurgauer Zeitung, 13. Juni 2009.