Wolfram Wuttke

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Wolfram Wuttke
Spielerinformationen
Geburtstag 17. November 1961
Geburtsort Castrop-RauxelDeutschland
Sterbedatum 1. März 2015
Sterbeort LünenDeutschland
Größe 172 cm
Position Mittelfeld, Sturm
Vereine in der Jugend
0000–1976
1976–1978
SG Castrop-Rauxel
FC Schalke 04
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1979–1980
1980–1982
1982–1983
1983–1985
1985–1989
1990–1992
1992–1993
FC Schalke 04
Borussia Mönchengladbach
FC Schalke 04
Hamburger SV
1. FC Kaiserslautern
Espanyol Barcelona
1. FC Saarbrücken
32 0(3)
58 0(9)
16 0(7)
58 (15)
112 (32)
37 (12)
23 0(0)
Nationalmannschaft
1976–1977
1977–1978
1978–1979
1979–1980
1980–1983
1987–1988
1986–1988
Deutschland U-15
Deutschland U-16
Deutschland U-17
Deutschland U-18
Deutschland U-21
Olympia-Auswahlmannschaft
Deutschland
7 0(1)
3 0(6)
3 0(0)
2 0(0)
7 0(1)
11 0(6)
4 0(1)
Stationen als Trainer
1994
2008
TuS Haltern
TSV Crailsheim
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Wolfram „Wutti“ Wuttke (* 17. November 1961 in Castrop-Rauxel; † 1. März 2015 in Lünen) war ein deutscher Fußballspieler. Als Stürmer und Mittelfeldspieler absolvierte er zwischen 1979 und 1993 insgesamt 299 Spiele in der Bundesliga und erzielte 66 Tore. Zudem spielte er Anfang der 1990er Jahre für Espanyol Barcelona in Spanien.

Seine erfolgreichste Zeit in Deutschland hatte Wuttke 1985 bis 1989 als Spielmacher beim 1. FC Kaiserslautern, bei dem er durch seine Schüsse und Pässe mit dem Außenrist bekannt wurde. Seinen sportlichen Höhepunkt feierte er bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul, als er mit der deutschen Mannschaft die Bronzemedaille gewann.

Leben[Bearbeiten]

Karriere als Spieler[Bearbeiten]

Wuttke begann das Fußballspielen in seinem Heimatort bei der SG Castrop-Rauxel. Als 15-Jähriger wechselte er in die Jugendabteilung von Schalke 04. 1978 gewann er mit der B-Jugendmannschaft den deutschen Meistertitel und kam am 29. September 1979 beim Pokalspiel gegen den KSV Baunatal zu seinem Debüt in der Profimannschaft. Am 6. Oktober des Jahres debütierte er anlässlich des 3:0-Heimerfolgs im Parkstadion über Werder Bremen auch in der Bundesliga für die Knappen, und bereits zwei Wochen später erzielte er in seinem zweiten Bundesligaspiel sein erstes Erstligator. In der Folge kam das Nachwuchstalent an der Seite von Routiniers wie Rolf Rüssmann, Klaus Fischer und Ulrich Bittcher unregelmäßig zum Einsatz. 1980 sah man sich jedoch beim Verein genötigt, Wuttke aus finanziellen Gründen abzugeben.[1]

Im Dezember 1980 wechselte Wuttke zum Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach. Hier gelang dem Angreifer der endgültige Durchbruch, und in der Spielzeit 1981/82 etablierte er sich unter Trainer Jupp Heynckes als Stammkraft bei der Borussia. Im Dezember 1982 kehrte er jedoch nach Gelsenkirchen zurück, da der wiederaufgestiegene FC Schalke 04 sich von ihm Unterstützung im Kampf um den Klassenerhalt erhoffte. Zwar gelangen ihm in 16 Spielen sieben Tore – darunter ein Hattrick beim 5:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld am 30. Spieltag – als Drittletzter der Bundesliga musste der Verein jedoch in die Relegation gegen Bayer Uerdingen. Nach einer 1:3-Niederlage in Uerdingen und einem 1:1 im Rückspiel musste der Verein erneut absteigen.

Daraufhin wurde Wuttke 1983 von HSV-Manager Günter Netzer an die Elbe gelotst. Beim amtierenden Meister spielte er an der Seite von Dieter Schatzschneider, Jürgen Milewski und Allan Hansen im Sturm. Da die Mannschaft zudem im Sommer den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte, kam er am 11. Dezember 1983 im Spiel um den Weltpokal in Tokio gegen den brasilianischen Klub Grêmio Porto Alegre zum Einsatz, das mit einer 1:2-Niederlage nach Verlängerung endete. Später geriet Wuttke öfters mit Trainer Ernst Happel aneinander, so wurde er in der Saison 1984/85 sogar in die DFB-Nachwuchsrunde strafversetzt.[2] Im September 1985 wurde er schließlich vom Spielbetrieb suspendiert.

Unter dem jungen Trainer Hannes Bongartz kam er ab November 1985 beim 1. FC Kaiserslautern zum Einsatz, an den er zunächst ausgeliehen wurde. Dieser setzte ihn nicht als Sturmspitze ein, sondern ließ ihn als Antreiber im Mittelfeld agieren. Durch gute Leistungen machte er auch den Teamchef der DFB-Elf Franz Beckenbauer auf sich aufmerksam. Beim ersten Länderspiel nach der Weltmeisterschaft 1986 im September gegen Dänemark gehörte er zwar zum Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Beim folgenden Länderspiel gegen Spanien kam er schließlich doch zu Länderspielehren. Beim 2:2-Unentschieden am 15. Oktober 1986 wurde er in der Halbzeitpause für seinen ehemaligen HSV-Kollegen Wolfgang Rolff eingewechselt. Bis 1988 kam er jedoch nur auf vier Einsätze im Nationaltrikot – das deutsche Mittelfeld war mit Spielern wie Lothar Matthäus, Olaf Thon oder Wolfgang Rolff gut besetzt. Immerhin gelang ihm beim 3:1-Erfolg über die englische Auswahl ein Länderspieltor. Quasi als Ersatz für die mangelnde Berücksichtigung in der Nationalelf wurde er für den Kader bei den Olympischen Spielen 1988 nominiert. Mit der Olympiamannschaft holte er an der Seite von Karl-Heinz Riedle, Frank Mill und Jürgen Klinsmann unter Trainer Hannes Löhr die Bronzemedaille. Diesen Medaillengewinn bezeichnete er als den größten Erfolg seiner Laufbahn.[1]

Nachdem es schon beim HSV Zwistigkeiten mit dem Trainer gab, stellten sich beim 1. FC Kaiserslautern ähnliche Probleme ein: In der Pfalz kam es zunächst zum Streit mit Trainer Josef Stabel, ehe Wuttke auch mit dessen Nachfolger Gerd Roggensack aneinandergeriet. Nach mehreren lustlosen Einsätzen in der Spielzeit 1989/90 wurde er vom FCK suspendiert und gehörte somit beim Pokaltriumph nicht mehr zum Kader.

Wuttke wechselte zu Espanyol Barcelona in die spanische Segunda División. Mit dem Klub gelang ihm der Aufstieg in die Primera División. 1992 kehrte er nach Deutschland zurück, zum Erstliga-Aufsteiger 1. FC Saarbrücken. Unter Trainer Peter Neururer kam er noch in 23 Spielen für den Klub zum Einsatz, ehe er wegen der aus einem Schulterbruch resultierenden Sportinvalidität seine Karriere beenden musste.[3]

Nach der Spielerkarriere[Bearbeiten]

Im Anschluss an seine Profikarriere war Wuttke kurzzeitig Spielertrainer des TuS Haltern. Dieses Engagement blieb jedoch erfolglos.[3] Im Jahr 2008 war Wuttke für den baden-württembergischen Oberligisten TSV Crailsheim tätig. Nach einem halben Jahr als Sportdirektor ab Januar 2008 war er ab der Saison 2008/09 als Cheftrainer tätig. Am 21. September 2008 wurde er wegen Erfolglosigkeit vom Traineramt beim TSV Crailsheim entlassen.[4] Die im Sommer völlig neu formierte Mannschaft stand zu diesem Zeitpunkt auf dem siebten Tabellenplatz. Der Crailsheimer Hauptsponsor und Fußballabteilungsleiter, der Schokoladenfabrikant Hermann Opferkuch, hatte als Saisonziel den fünften Rang gefordert. Danach strebte Wuttke eine Tätigkeit im Jugend- oder Amateurfußball an.[5]

Privates[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 erkrankte Wuttke an der bei Männern seltenen Krankheit Brustkrebs, die er jedoch überstand. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden; anschließend kam es zum Konkurs seines im Mai 1994 eröffneten Sportgeschäfts Wolfram Wuttke Sportline.[5] Zuletzt lebte er in Selm.[5] Sein Sohn Benjamin ist Profigolfspieler.[6]

Wuttke fiel im Februar 2015 nach einem Multiorganversagen als Folge einer Leberzirrhose ins Koma [7] und starb am 1. März in einem Krankenhaus in Lünen.

Wahrnehmung in der Öffentlichkeit[Bearbeiten]

Wuttke galt als schwieriger Spieler und hatte mit nahezu jedem seiner Trainer Streit. Bekanntheit erlangten dabei vor allem die Auseinandersetzungen mit Jupp Heynckes, dem er den Spitznamen Osram gab, sowie mit Ernst Happel. Günter Netzer bezeichnete ihn in der ARD als „eines der größten deutschen Fußballtalente aller Zeiten“, jedoch hätten seine charakterlichen Defizite seiner Karriere immer wieder im Weg gestanden.[1]

Erfolge[Bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten]

Im Zustand höchster Erregung rief Wuttke während eines Auswärtsspiels beim FC 08 Homburg nach einer umstrittenen Entscheidung eines Linienrichters diesem zu:

„Du scheißt dir doch vor dir selber in die Hose!“

Als Wuttke vom 1. FC Kaiserslautern abgemahnt wurde, weil er trotz Verletzung auf dem Dürkheimer Wurstmarkt gesehen worden war, stritt er dies mit der Begründung ab:

„Ich kann gar nicht auf einem Weinfest gewesen sein, weil ich nämlich Biertrinker bin.“[8]

Wuttke über Ernst Happel, seinen Trainer in Hamburg:

„Für den Alten war ich entweder Zauberer, Wurschtl oder Arsch. Am Ende war ich fast nur noch Arsch!“[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Tim Sohr: (K)ein ewiger Stenz. pokalo.de, 10. Juni 2007; abgerufen am 26. Februar 2015.
  2. Axel Formeseyn: Unser HSV. Bremen: Edition Temmen, 2008; ISBN 978-3-86108-894-3; S. 353.
  3. a b Klaus Schlütter: Wolfram Wuttke und das späte Glück mit Puffreis. Die Welt, 2. April 2008; abgerufen am 26. Februar 2015.
  4. Wuttke entlassen. Südkurier, 24. September 2008.
  5. a b c Bild vom 3. Januar 2013, S. 15
  6. Martin Maly: Benjamin Wuttke ist Profispieler. Ruhr Nachrichten, 20. Dezember 2013, abgerufen am 26. Februar 2015
  7. Joscha Thieringer: Wolfram Wuttke wird nur noch künstlich beatmet. Focus Online, 26. Februar 2015, abgerufen am 1. März 2015.
  8. TV-Kopf des Tages Martin Wuttke: So grauenhaft ist es nur in der Provinz. B.Z., 23. Mai 2008.
  9. Axel Formeseyn: Unser HSV. Bremen: Edition Temmen, 2008; ISBN 978-3-86108-894-3; S. 372.