Zwentendorf an der Donau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zwentendorf an der Donau
Wappen Österreichkarte
Wappen von Zwentendorf an der Donau
Zwentendorf an der Donau (Österreich)
Zwentendorf an der Donau
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Tulln
Kfz-Kennzeichen: TU
Fläche: 53,75 km²
Koordinaten: 48° 21′ N, 15° 55′ OKoordinaten: 48° 20′ 33″ N, 15° 54′ 50″ O
Höhe: 182 m ü. A.
Einwohner: 4.013 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 75 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3435
Vorwahl: 02277
Gemeindekennziffer: 3 21 41
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 4
3435 Zwentendorf an der Donau
Website: www.zwentendorf.at
Politik
Bürgermeister: Hermann Kühtreiber (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(23 Mitglieder)
14
7
1
1
14 
Insgesamt 23 Sitze
Lage der Marktgemeinde Zwentendorf an der Donau im Bezirk Tulln
AbsdorfAtzenbruggFels am WagramGrafenwörthGroßriedenthalGroßweikersdorfJudenau-BaumgartenKirchberg am WagramKlosterneuburgKönigsbrunn am WagramKönigstettenLangenrohrMichelhausenMuckendorf-WipfingSieghartskirchenSitzenberg-ReidlingSt. Andrä-WördernTulbingTulln an der DonauWürmlaZeiselmauer-WolfpassingZwentendorf an der DonauLage der Gemeinde Zwentendorf an der Donau im Bezirk Tulln (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Gedenkstein für NS-Opfer im I.G. Farben-Werk Moosbierbaum

Zwentendorf an der Donau ist eine Marktgemeinde mit 4013 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Bezirk Tulln in Niederösterreich. Bekannt geworden ist der Ort als Standort des einzigen, allerdings nie in Betrieb genommenen Kernkraftwerkes Österreichs.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwentendorf an der Donau liegt im Tullnerfeld am südlichen Donauufer in Niederösterreich. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 53,85 Quadratkilometer. 37,42 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 11 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2017[1]):

  • Bärndorf (109)
  • Buttendorf (54)
  • Dürnrohr (512)
  • Erpersdorf (1.564)
  • Kaindorf (76)
  • Kleinschönbichl (106)
  • Maria Ponsee (116)
  • Oberbierbaum (200)
  • Pischelsdorf (152)
  • Preuwitz (113)
  • Zwentendorf an der Donau (1.011)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Bärndorf, Dürnrohr, Erpersdorf, Kaindorf, Kleinschönbichl, Maria Ponsee, Pischelsdorf, Preuwitz und Zwentendorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwentendorf war vom 1. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. Standort des römischen Kastells, Piro Torto oder Asturis, über seinen tatsächlichen Namen sind sich die Historiker allerdings bis heute nicht einig geworden. Die Siedlung hatte eine Ausdehnung von etwa sieben Hektar und bestand aus Grubenhäusern. Auch ein seltenes Mansio, eine Raststation, wurde bei geophysikalischen Messungen, die im Jahr 2011 durchgeführt wurden, entdeckt. Grabungen sollen auf diesem Gebiet aber keine durchgeführt werden.[2]

Nach der endgültigen Eroberung des Awarenreiches durch den fränkischen Kaiser Karl den Großen im Jahr 803 setzte die Sicherung und Besiedlung beim ehemaligen römischen Kastell ein. Der entstehende Ort befand sich nun auf dem Gebiet des Baierischen Ostlandes.[3] Die erste urkundliche Nennung als „Zewentendorf“ erfolgte 1147. Die Wallfahrtskirche Maria Ponsee entstand aus einer Kapelle des 12. Jahrhunderts. Um 1420 erfolgte der Ausbau mit einem dreijochigen Seitenschiff und Kreuzrippengewölben. 1716 bis 1726 wurde die Kirche nach Plänen von Jakob Prandtauer vergrößert und barockisiert. 1529 und 1683 richteten berittene türkische Streifscharen große Schäden und Verwüstungen in der Gemeinde an.

1917 wurde nahe Moosbierbaum die Pulverfabrik Skoda-Wetzler AG erbaut. Hier zur Arbeit eingesetzte und verstorbene rumänische Kriegsgefangene wurden auf dem sogenannten Rumänenfriedhof beigesetzt. [4] Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Industriestandort zum Hydrierwerk Moosbierbaum und einer Ölraffinerie ausgebaut. Vor Kriegsende wurde die Raffinerie und das Tullnerfeld von mehr als 40.000 Bomben getroffen. Zur Arbeit wurde hier eine große Zahl Kriegsgefangener, zivile Zwangsarbeiter, politische Gefangene und ungarischer Juden gezwungen. Ihnen gelang es, mit der Bevölkerung Kontakte zu schließen, welche aber im Jänner 1945 verraten wurden. Von rund 200 Verhafteten - darunter auch Einheimische - wurden über 120 Personen ins KZ Mauthausen gebracht. Sieben Menschen starben dort an den Haftbedingungen, 40 weitere wurden am 27. April 1945 ermordet. An sie erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof von Zwentendorf. [5]

Die Raffinerie wurde während der sowjetischen Besatzung wiederaufgebaut und blieb bis 1961 in Betrieb. 1983 wurde der Gemeinde Zwentendorf das Marktrecht verliehen und sie bekam auch ihr eigenes Wappen.

Seit 1988 pflegt Zwentendorf eine Partnerschaft mit der tschechischen Stadt Břeclav. Berühmtheit erlangte der Ort durch das einzige kommerzielle Kernkraftwerk Österreichs, das Kernkraftwerk Zwentendorf, das hier errichtet, aber dessen Inbetriebnahme durch eine Volksabstimmung am 5. November 1978 verhindert wurde. Eine hauchdünne Mehrheit von 50,47 % stimmte gegen die Inbetriebnahme.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 3715 Einwohner. 1991 hatte die Marktgemeinde 3280 Einwohner, 1981 3170 und im Jahr 1971 3123 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung:

Jahr 1869 1880 1890 1900 1910 1923 1934 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011 2014
Einwohner 2562 2624 2585 2529 2782 2772 2945 3079 3123 3123 3170 3280 3715 3920 4001

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Marktgemeinde ist Hermann Kühtreiber, Amtsleiterin Marion Török. Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 23 Sitzen nach der niederösterreichischen Gemeinderatswahl 2015 folgende Mandatsverteilung: ÖVP 7, SPÖ 14, FPÖ 1 und NEOS 1.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röm.-kath. Pfarrkirche hl. Stephan
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Zwentendorf an der Donau

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 112, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 85. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 1729. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 47,59 Prozent.

In Zwentendorf befinden sich

  • In Pischelsdorf ist ein bedeutender chemischer Betrieb der Donau Chemie. Am selben Standort befindet sich auch die erste
  • Bioethanolanlage Österreichs. Die von dem Unternehmen Agrana betriebene Anlage erzeugt jährlich bis zu 240.000 t Bioethanol und wird von der EVN Wärme mit Dampf für den Raffinationsprozess beliefert.[6]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Handelsberger: Chronik der Marktgemeinde Zwentendorf; 1994
  • Marktgemeinde Zwentendorf an der Donau (Hrsg.): Zwentendorfer Heimatbuch; 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zwentendorf an der Donau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Bevölkerung am 1.1.2017 nach Ortschaften
  2. Römische Siedlung unter Acker entdeckt auf ORF vom 16. November 2011 abgerufen am 16. November 2011
  3. Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese, Verlag Lit, 2006, S. 126f
  4. http://rote-spuren.gpa-djp.at/2015/04/12/der-rumaenenfriedhof-in-zwentendorf/
  5. http://www.doew.at/cms/download/fdth1/2_tulln.pdf
  6. AGRANA Bioethanol - Jetzt tankt die Umwelt auf, Stand: 19. Juni 2010.