Arne Friedrich

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Arne Friedrich

Arne Friedrich (2011)

Spielerinformationen
Geburtstag 29. Mai 1979
Geburtsort Bad OeynhausenDeutschland
Größe 185 cm
Position Abwehr
Vereine in der Jugend
1985–1987
1987–1992
1992–1995
1995–1999
FC Bad Oeynhausen
TuS Lohe
SC Herford
FC Gütersloh
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1999–2000
2000–2002
2002–2010
2010–2011
2012–2013
SC Verl
Arminia Bielefeld
Hertha BSC
VfL Wolfsburg
Chicago Fire SC
31 0(0)
47 0(1)
231 (14)
15 0(0)
24 0(1)
Nationalmannschaft
2000–2001
2002
2002–2011
Deutschland U-21
Team 2006
Deutschland
5 0(0)
1 0(0)
82 0(1)
Stationen als Trainer
2014– Deutschland U-18 (Co-Trainer)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Arne Friedrich (* 29. Mai 1979 in Bad Oeynhausen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler.

Friedrich spielte seit der Saison 2010/11 bis Mitte September 2011 beim Bundesligisten VfL Wolfsburg, zuvor war er Stammspieler und Kapitän bei Hertha BSC, die in der Saison 2009/10 in die 2. Bundesliga abstieg. Außerdem war er Spieler der A-Nationalmannschaft. Seine bevorzugte Position ist die des Innenverteidigers, er kann aber auch als Rechtsverteidiger eingesetzt werden.

Leben[Bearbeiten]

Nach seiner Schulzeit an der Grundschule Rehme-Oberbecksen und der Realschule Süd in Bad Oeynhausen besuchte Friedrich ab 1995 die Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung und holte sich dort die Grundlagen für den späteren kaufmännischen Werdegang. Im Sommer 1997 begann er bei dem Küchenhersteller SieMatic seine Berufsausbildung zum Industriekaufmann, welche er 1999 zusammen mit der Fachhochschulreife erfolgreich abschloss. Anschließend leistete er seinen 13-monatigen Zivildienst im Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen, welchen er am 30. Juni 2000 beendete, von da an konzentrierte er sich voll auf seine Fußballkarriere.

Karriere[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Friedrich (links) im Trikot von Chicago Fire SC

Zur Saison 2000/2001 bekam Arne Friedrich seinen ersten Profivertrag als Fußballer. Der ehemalige Trainer von Arminia Bielefeld, Hermann Gerland, entdeckte Arne Friedrich in dessen Regionalligazeit beim SC Verl. Aufgrund überzeugender Leistungen holte Gerland Friedrich zur Arminia, dort wurde er auch sofort zum Stammspieler.

Zwei Jahre spielte Friedrich für Bielefeld in der 2. Bundesliga. Dann nahm er im Februar 2002 ein Angebot aus Berlin an und wechselte zum Hauptstadtclub Hertha BSC. Kurz nach Vertragsunterzeichnung zog er sich am 18. Februar 2002 im Spiel gegen Eintracht Frankfurt einen Sehnenkanalriss im rechten Fuß zu und konnte in der Saisonrückrunde kein Spiel mehr bestreiten. Arne Friedrich gewann 2002 mit Hertha den DFB-Ligapokal, die Berliner setzten sich gegen den FC Bayern München, Borussia Dortmund und im Finale am 1. August 2002 in Bochum gegen den FC Schalke 04 durch.

Nach seiner Teilnahme bei der EM 2004 in Portugal wurde am 16. August 2004 bei ihm eine Patellarsehnenentzündung festgestellt und er konnte erst am 2. Oktober 2004 gegen den 1. FC Kaiserslautern wieder eingesetzt werden.

In der Saison 2004/05 wurde Friedrich vom damaligen Trainer Falko Götz zum Mannschaftskapitän ernannt, diese Position hatte er bis zum Ende seiner Zeit in Berlin inne. Seinen Vertrag bei Hertha BSC verlängerte Arne Friedrich zweimal.

Nach dem Abstieg der Hertha in die 2. Liga nach der Saison 2009/10 wechselte Friedrich zum VfL Wolfsburg. Dort unterschrieb er einen Dreijahresvertrag. Sein Debüt im Trikot der Niedersachsen verzögerte sich allerdings. Ein Bandscheibenvorfall, der eine Operation notwendig machte, kostete ihn die gesamte Hinrunde. Erst am 22. Dezember konnte er bei einem Kurzeinsatz im DFB-Pokal gegen Energie Cottbus, welches der VfL 1:3 verlor, erstmals antreten.[1] Bis dahin steckte der Verein bereits im Abstiegskampf. In der kompletten Rückrunde mit Ausnahme von zwei Spielen, für die er gesperrt war, verstärkte er danach die Innenverteidigung der Wölfe und konnte mit dem Team am letzten Spieltag den Klassenverbleib sichern.

Bedingt durch fortwährende Bandscheibenbeschwerden verpasste Friedrich Vorbereitung und Auftakt der Saison 2011/12. Am 19. September 2011 wurde das bestehende Lizenzspielervertragsverhältnis mit dem VfL Wolfsburg auf Wunsch Friedrichs aufgelöst.[2][3]

Im März 2012 wurde bekannt, dass Friedrich Europa verlässt, nach Nordamerika wechselt und in den USA beim Chicago Fire SC in der Major League Soccer unterschreibt. Dort erhielt er einen Vertrag über ein Jahr,[4] der am 7. Oktober um ein weiteres Jahr verlängert wurde.[5]

Im Juni 2013 beendete er seine Fußballkarriere nach anhaltenden Rückenproblemen.[6]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Arne Friedrich bei seinem letzten Länderspiel gegen Österreich am 3. Juni 2011

Insgesamt absolvierte Friedrich fünf Spiele für die U-21-Nationalmannschaft, ehe er aus Altersgründen nicht mehr teilnehmen konnte. Außerdem bestritt er noch ein Spiel für das Perspektivteam „Team 2006“.

Am 21. August 2002 debütierte Friedrich für die A-Nationalmannschaft, die in Sofia ein 2:2-Unentschieden im Test-Länderspiel gegen die Auswahl Bulgariens erreichte.[7]

Das erste große Turnier für Arne Friedrich gab es im Juni 2004, als er an der Europameisterschaft in Portugal teilnahm. Als Stammspieler nahm er an allen drei Gruppenspielen teil, jedoch schied die deutsche Nationalmannschaft bereits nach der Gruppenphase aus.

Arne Friedrich und die A-Nationalmannschaft qualifizierten sich am 10. Oktober 2009 für die WM 2010

Beim 5:1-Sieg am 21. Dezember 2004 in Bangkok über die Auswahl Thailands führte er das DFB-Team erstmals als Mannschaftskapitän aufs Feld; es folgten fünf weitere Länderspiele als Mannschaftskapitän, zuletzt am 29. Mai 2010 gegen die Auswahl Ungarn.

Das nächste Turnier fand ein Jahr später statt. Als WM-Ausrichter war Deutschland auch für den Konföderationen-Pokal 2005 qualifiziert. In diesem Turnier rotierte Friedrich mit Andreas Hinkel auf der Rechtsverteidiger-Position, Deutschland gewann nach einem 4:3-Erfolg nach Verlängerung gegen Mexiko das Spiel um Platz 3.

Im Jahr 2006 fand in Deutschland die Weltmeisterschaft statt, Arne Friedrich gehörte abermals zum 23-köpfigen Kader des DFB-Teams. Im Turnier, in dem die deutsche Mannschaft Dritter wurde, bestritt er jedes Spiel über 90 Minuten, mit Ausnahme des Spiels um Platz 3 gegen Portugal aufgrund einer andauernden Verletzung.

Bei der Europameisterschaft 2008 zählte Friedrich erneut zum 23-köpfigen Aufgebot des DFB, jedoch war er am Anfang des Turniers nur Ersatzspieler. Erst im letzten Gruppenspiel gegen Österreich stand er in der Startelf, Deutschland gewann das Spiel mit 1:0 und erreichte das Viertelfinale. Dort zeigte Arne Friedrich im Spiel gegen Portugal eines seiner besten Länderspiele überhaupt. Er nahm die gesamte Partie über Portugals Weltklasse-Spieler Cristiano Ronaldo aus dem Spiel. Deutschland siegte mit 3:2. Das Turnier beendete die Deutsche Mannschaft als Europameisterschaftszweiter.

Im März 2009 erklärte Bundestrainer Joachim Löw, dass er von nun an mit Friedrich in der Innenverteidigung plane, vorher spielte Friedrich vor allem auf der ungeliebten Position des rechten Außenverteidigers. Im April 2009 zog sich Arne Friedrich eine Muskelverletzung zu, die ihn dazu zwang, die WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein und Wales abzusagen.

Zwischenzeitlich war Arne Friedrich der Fußball-Nationalmannschaftsfeldspieler mit den meisten Länderspieleinsätzen ohne Torerfolg. Mit seinem 67. Länderspiel am 5. September 2009 gegen Südafrika (Endstand 2:0) löste er Christian Wörns und Willi Schulz als Rekordhalter ab, denen beiden in jeweils 66 Länderspielen ebenfalls kein Torerfolg gelang. Friedrich blieb letztendlich in 76 Länderspielen torlos.

Am 1. Juni 2010 wurde er von Bundestrainer Joachim Löw in den endgültigen Kader für die Weltmeisterschaft 2010 berufen. Im Laufe des Turniers absolvierte er alle Spiele und erzielte im Viertelfinale gegen Argentinien bei dem 4:0-Sieg mit dem zwischenzeitlichen 3:0 auch sein erstes und einziges Länderspieltor (in seinem 77. Länderspiel). Während der gesamten Fußballweltmeisterschaft bildeten Friedrich und der Bremer Per Mertesacker die Innenverteidigung der deutschen Mannschaft, standen 630 Spielminuten auf dem Feld und verpassten damit keine einzige WM-Minute.

Am 27. Januar 2011 gab Friedrich bekannt, dass er nach der Europameisterschaft 2012 seine Nationalmannschaftskarriere beenden werde.[8]

Friedrich spielte am 3. Juni 2011 in der EM-Qualifikation gegen Österreich, wo ihm ein Eigentor unterlief.[9] Zu diesem Zeitpunkt nicht ahnend, war es sein letztes Länderspiel. Friedrich wurde für den deutschen EM-Kader nicht nominiert. Im Interview mit Spiegel Online im Juni 2012 sagte er, dass er mit seiner Entscheidung, in die USA zu wechseln, in Kauf genommen habe, nicht mehr weiter in der Nationalmannschaft zu spielen.[10] Arne Friedrich absolvierte 82 Länderspiele (52 Siege, 15 Remis, 15 Niederlagen), in denen er ein Tor erzielte und vier Torvorlagen gab. In all seinen Einsätzen wurde er nie des Feldes verwiesen und wurde zwölf Mal mit einer Gelben Karte verwarnt.[11]

Sportliche Erfolge[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nach der Profikarriere[Bearbeiten]

Im März 2014 absolvierte Friedrich in der Sportschule Kaiserau einen Trainerlehrgang des DFB und erhielt die B-Lizenz.[12]

Seit 2014 ist Friedrich Experte für den chinesischen Fernsehsportsender Now Sports.[13][14] Für diesen Sender kommentierte er während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 die deutschen Spiele gemeinsam mit Jens Nowotny.[15]

Am 28. August 2014 wurde Friedrich Co-Trainer der deutschen U-18-Nationalmannschaft.[16]

Sonstiges[Bearbeiten]

Zusammen mit Starkoch Ralf Zacherl schrieb Friedrich das Kochbuch Foodball. Kochen wie die Weltmeister, das im Februar 2006 erschien.

Seit 2001 ist er mit Linn Rödenbeck liiert.[17] Diese wandte sich im Oktober 2011 an die Öffentlichkeit, als im Internet Gerüchte kursierten, dass ihr Freund schwul sei[18]. Unter anderem meinte sie im offenen Brief, dass „Arne nicht schwul ist“ und „er der Letzte wäre, der nicht dazu stehen würde“.

Im April 2009 wurde bekannt, dass Friedrich erpresst wurde. Er schaltete die Polizei ein, so dass sein Erpresser gefasst wurde. Arne Friedrich gehörte im Frühjahr 2009 zu den vier „Testimonials“ des Berliner Pro-Reli-Volksbegehrens. Außerdem engagiert sich Arne Friedrich gemeinsam mit dem Moderator Marco Schreyl und dem Handballweltmeister Dominik Klein für die Schutzengel-Aktion gegen Mukoviszidose.[19] Er wurde für sein Engagement für die Forschung der Krankheit Mukoviszidose mit dem „Schutzengel 2006“ ausgezeichnet. Arne Friedrich ist bekennender Christ und betet vor jedem Spiel.[20]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Arne Friedrich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cottbus spielt Wolfsburg streckenweise an die Wand: Super-GAU in Wolfsburg; Bericht auf kicker.de vom 22. Dezember 2010.
  2. Arne Friedrich: „Gut überlegen, wie es weitergeht“; Artikel bei sportbild.bild.de, abgerufen am 21. September 2014
  3. Vertragsauflösung; Mitteilung auf Arne Friedrichs Webseite vom 19. September 2011
  4. Arne Friedrich wechselt zum Chicago Fire SC Bericht auf kicker.de vom 7. März 2012 (abgerufen am 7. März 2012, 18:45)
  5. Friedrich verlängert beim Chicago Fire SC Bericht auf bild.de vom 7. Oktober 2012
  6. Friedrich beendet seine Karriere Sport1.de vom 23. Juni 2013
  7. Matthias Arnhold: Arne Friedrich - International Appearances. Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 19. September 2013. Abgerufen am 7. Oktober 2013.
  8. Wolfsburger träumt vom EM-Titel – Friedrich: Nach der EM 2012 ist Schluss! spox-Pressemitteilung vom 27. Januar 2011
  9. [1] Länderspiel Österreich-Deutschland vom 3.Juni 2011 auf der Website des DFB und [2] Spielerinfo Friedrich auf der Website des DFB
  10. Spiegel Online, 9. Juni 2012
  11. http://www.fussballdaten.de/spieler/friedricharne/2012/
  12. expressi.de: Ex-Nationalspieler und Alfonso Rubio Doblas nun im Besitz der DFB-B-Lizenz, 21. März 2014
  13. WM 2014: Arne Friedrich, für China am Ball
  14. Ballack für Amerika, Arne Friedrich für China
  15. Berliner Zeitung: Arne Friedrich, für China am Ball, 6. Mai 2014
  16. fifa.com: Ex-Nationalspieler Friedrich Co-Trainer der U-18-Junioren, 28. August 2014
  17. BZ-Sonntagsspaziergang: Arne Friedrich; Berliner Zeitung, Artikel vom 12. November 2006
  18. bild.de: „Hier Schwarz auf Weiß: Arne ist nicht schwul“, 26. Oktober 2011
  19. Informationen zu Mukoviszidose auf Arne Friedrichs Webseite
  20. Artikel in Die Zeit [3], 25. Februar 2013