Balduin II. (Lateinisches Kaiserreich)

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Balduin II. von Courtenay (* 1217; † 1273 in Neapel) war von 1228 bis 1261 der letzte Kaiser des Lateinischen Kaiserreichs aus dem Haus Courtenay.

Leben[Bearbeiten]

Kaiser Balduin II. verabschiedet 1260 die Brüder Niccolò und Maffeo Polo zu ihrer Reise nach China an den Hof des Kubilai Khan. Darstellung aus einer um 1410 gefertigten Kopie des Livre des merveilles du monde des Marco Polo. (Paris, Bibliothèque nationale de France)

Er war der jüngere Sohn von Jolante von Flandern, der Schwester der beiden ersten Kaiser Balduin I. und Heinrich. Ihr Ehemann Peter von Courtenay war der dritte, ihr Sohn Robert von Courtenay der vierte Kaiser. Nach dem Tod Roberts 1228 bestieg sein jüngerer Bruder, der elfjährige Balduin II. den Thron.

Die Barone wählten Johann von Brienne, den Titularkönig von Jerusalem zum Regenten auf Lebenszeit. Balduin sollte die asiatischen Besitzungen des Reichs regieren, sobald er zwanzig Jahre alt geworden war, Johanns Tochter Maria heiraten, und bei dessen Tod die volle Regierungsgewalt erben. Der Heiratsvertrag wurde 1234 umgesetzt. Nach dem Tod von Balduins Onkel, dem Kaiser Heinrich 1216, war das Lateinische Kaiserreich im Niedergang begriffen, das Byzantinische Reich erholte sich wieder, und die Hoffnungen, dass Johann von Brienne die Macht der Lateiner wiederherstellen könne, wurden enttäuscht.

Balduins Herrschaftsgebiet bestand nur noch aus wenig mehr als der Stadt Konstantinopel. Seine finanzielle Situation war verzweifelt, und er verbrachte sein Leben im Wesentlichen damit, an europäischen Höfen um Geld zu betteln. 1236 ging er in den Westen, besuchte Rom, Frankreich und Flandern, versuchte Geld und Männer zusammenzubringen, um die verlorenen Gebiete zurückzuholen. Seine Anstrengungen waren erfolgreich, und 1240 kehrte er an der Spitze einer beachtlichen Armee über Deutschland und Ungarn nach Konstantinopel zurück. Die Umstände hinderten ihn jedoch, irgendetwas mit dieser Hilfe anzufangen, so dass er 1245 erneut nach Europa aufbrach, erst nach Italien, dann wieder nach Frankreich, wo er zwei Jahre verbrachte. Die Kaiserin Maria und Philippe de Toucy regierten in seiner Abwesenheit. Er war glücklich, von Ludwig IX. von Frankreich Geld gegen Reliquien (die Dornenkrone und die Spitze der Heiligen Lanze) zu erhalten.[1] Im Sommer 1249 besuchte er Ludwig in der Stadt Damiette, die dieser soeben im Rahmen des Sechsten Kreuzzugs erobert hatte.[2]

Die finanzielle Enge zwang ihn kurze Zeit später, seinen einzigen Sohn Philipp als Pfand für ausgeliehenes Geld Kaufleuten zu übergeben. Philipp wurde später von König Alfons X. von Kastilien ausgelöst. Der Rest seiner Regierungszeit war dann wieder eine Bettelreise durch Europa. 1261 wurde Konstantinopel durch Michael VIII. erobert, Balduins Herrschaft hatte geendet. Er floh mit einer venezianischen Galeere nach Negroponte und dann weiter nach Athen, Apulien und schließlich nach Frankreich. Als Titularkaiser spielte er weiter seine Rolle, Hilfe von den europäischen Mächten zu erbetteln. 1267 ging er nach Italien, wo er seine Hoffnungen auf Karl von Anjou konzentrierte, der sich ernsthaft mit dem Gedanken trug, Konstantinopel zu erobern, durch verschiedene Komplikationen aber an der Realisierung gehindert wurde, schloss aber mit Balduin dazu im Mai 1267 einen Vertrag. In der Folgezeit lebten Balduin und sein Sohn Philipp auf Kosten Karls. Im Oktober 1273 heiratete Philipp in Foggia Beatrix, eine Tochter Karls. Balduin starb schon wenige Tage später und wurde in der Kathedrale von Barletta bestattet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Lee Wolff: Mortgage and Redemption of an Emperor’s Son. Castile and the Latin Empire of Constantinople. In: Speculum. 29, 1954, ISSN 1011-8772, S. 45–84.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alois Knöpfler, Karl Joseph von Hefele: Lehrbuch der Kirchengeschichte. Herder, Freiburg 1898, S. 388
  2. Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. C.H.Beck, München 1995, ISBN 3406399606, S. 1040
Vorgänger Amt Nachfolger
Robert Lateinischer Kaiser
Blason Empire Latin de Constantinople.svg

1228–1261
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