Blaudruck

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Pulsnitzer Blaudruck im Reservedruck als Tischbänder

Blaudruck bezeichnet einen Reservedruck mit sogenannten Modeln, bei dem ein weißes Muster auf blauen Grund entsteht. Mit einer Schutzmasse bedruckt und mit Indigo gefärbt werden Gewebe aus Leinen- oder Baumwolle. Der Blaudruck wurde wegen des blauweißen Dekors im 18. Jahrhundert auch Porzellandruck genannt[1].

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

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Das Handwerk des Blaudrucks nahm seinen Aufschwung im 18. Jahrhundert. Reservedruck war im Mittelalter in Europa nicht geläufig, und die warmen Küpen mit Färberwaid lösten die Reservemittel Wachs und Leim leicht auf. Reine Indigoküpen dagegen konnten zur Kaltfärbung eingesetzt werden, außerdem wurden nach 1700 bessere Schutzreserven entwickelt; das älteste Rezept für den sogenannten Papp ist in einem holländischen Tagebuch von 1727 überliefert.[2]

Der erste Blaudruck im Reservedruck wurde 1689 oder 1690 von Jeremias Neuhof in Augsburg hergestellt, die Technik verbreitete sich jedoch schnell. 1734 wurde in Minden-Ravensberg eine Zunft für das Blau- und Schönfärberhandwerk gegründet. Weitere Zünfte entstanden bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Anfangs wurden nur Leinenstoffe bedruckt, seit dem 18. Jahrhundert auch Halbleinen- und Baumwollstoffe, vor allem für Bettwäsche, Vorhänge und Frauenkleidung.

Da vor der Industrialisierung Reichtum vor allem über teure Stoffe und aufwändige Stickereien und Verarbeitungsformen ausgedrückt wurde, galt Blaudruck, bei dem vorwiegend handgewebte Leinenstoffe der ländlichen Bevölkerung bedruckt wurden, als Kunst der armen Leute.

Die Industrialisierung und der damit aufkommende maschinelle Walzendruck bedeuteten für die meisten Blaudruckwerkstätten das Aus. Heute existieren nur noch wenig Handwerksbetriebe, die die Herstellung der Model und die alten Drucktechniken beherrschen. Industriell wird der Blaudruck nicht hergestellt.

[Bearbeiten] Drucktechniken

[Bearbeiten] Direktdruck

Beim Direktdruck druckt man die Farbe mit dem Druckstock auf den zuvor gewaschenen weißen Stoff. Die Farbe wird direkt auf die Stoffoberfläche übertragen und erscheint als Braun. Nach dem Trocknen kommt der Stoff in ein Entwicklungsbad, in dem sich die braune Druckfarbe durch eine chemische Reaktion in strahlendes Blau verwandelt. Der unbedruckte Stoff bleibt weiß. Der Stoff wird abschließend gekocht, gebügelt und ist danach gebrauchsfertig. Das Bedrucken muss sehr sorgfältig ausgeführt werden, da eventuelle Fehler nicht korrigiert werden können.

[Bearbeiten] Reservedruck

Beim Reservedruck entsteht ein weißes Muster auf blauem Grund. Dabei wird eine Papp, Blaudruckpapp oder Reservage genannte farbabweisende Substanz auf die Model aufgetragen, was mit Hilfe des Chassi, einem mit Papp gefüllten Kasten geschieht.

Der Papp muss eingetrocknet sein, bevor die Stoffe gefärbt werden können. Dazu wird der Stoff auf ein Trockenreck gespannt. Papp wird unter anderem aus Gummi arabicum, weißer Tabakspfeifenasche, Kupfersulfat, Kupferacetat und anderen chemischen Substanzen hergestellt, die genauen Rezepturen werden gut gehütet und sind zum Teil seit Jahrhunderten überliefert.

Nach dem Färben wird der Papp mit verdünnter Schwefelsäure entfernt.

[Bearbeiten] Ätzdruck

Ein blau gefärbter Stoff kann auch mit einer ätzenden Substanz (Ätzbeize) bedruckt werden, was ebenfalls zu einem weißen Muster auf blauem Grund führt.

[Bearbeiten] Model

Der Druck erfolgt auch heute noch per Hand mit Modeln, die von einem spezialisierten Handwerker, dem Formenstecher hergestellt werden. Ursprünglich bestanden sie aus Buchsbaumholz, aus dem das Muster mit Stemm- und Stecheisen herausgestochen wurde. Seit dem 19. Jahrhundert benutzte man auch Model, bei denen das Muster aus feinen Messingstiften und -platten besteht, die in Birnbaumholz eingeschlagen werden. Dabei können die Drähte mit einem Zieheisen bearbeitet werden, so dass sie zum Beispiel einen viereckigen oder sternförmigen Querschnitt erhalten, der dann auf dem bedruckten Stoff als Muster erscheint. Eine Kombination aus beiden Techniken ist ebenfalls möglich. Abschließend wird die Oberfläche der Model plangeschliffen, um einen einwandfreies Druckergebnis zu ermöglichen.

Damit sich der Model nicht verzieht und keine unregelmäßigen Muster entstehen, muss das Holz trocken, gleichadrig, astfrei und gut abgelagert sein. Großflächige Model sind aus drei Schichten verleimt, wobei oft Birnbaumholz mit dem leichteren Lindenholz kombiniert wird. An den Kanten oder auf der Rückseite haben die Model Handgriffe und an jeder Ecke einen Rapportstift, der auf dem Stoff eine Markierung hinterlässt, aufgrund derer ein lückenloser Druck möglich ist.

[Bearbeiten] Färben

Der Stoff wird in Lagen auf Kron- oder Sternreifen genannten Eisenrahmen gehängt und in den mehr als 2 m tiefen Färbebottich, die Küpe, getaucht. Je öfter er getaucht wird, desto dunkler und kräftiger wird die Farbe. Indigo ist während des Färbevorgangs grün und erhält erst bei der Oxidation an der Luft einen blauen Farbton. Daher rührt auch der Ausdruck "ein blaues Wunder erleben", da dieser Vorgang für den Laien verblüffend erscheint.[3][4] Nach dem Färben wird der Stoff geglättet, früher mit einer Glaskugel, heute mit dem Kalander, also mit beheizten Walzen.

Die Rezepte der Farben und des Entwicklungsbads für den Direktdruck sind Betriebsgeheimnisse, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.

[Bearbeiten] Verwendung

Mit Blaudruck werden flächenfüllende Muster und Bordüren auf den Stoff aufgetragen.

[Bearbeiten] Regionale Trachten und Traditionen

Blaudruck ist ein wichtiges Element in der sorbischen Tracht. Hier wird er für Jacken, Röcke und Schürzen eingesetzt. Besonders kunstvoll gearbeitet sind Schürzen, die auf der Vorder- und Rückseite mit unterschiedlichen Mustern bedruckt sind.

Der Burgenländische Indigo-Handblaudruck wurde mit 2010 in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbe in Österreich der UNESCO aufgenommen.[5]

[Bearbeiten] Literatur

  • Rose Müllers: Blau mit weißen Blüten. Geschichte und Technologie des Blaudrucks. Coppenrath, Münster 1977, ISBN 3-920192-27-3.
  • Georg Stark: Blaudruck - ein altes Handwerk. Selbstverlag , Jever 2004 (ohne ISBN)[6]
  • Brigitte Urbitsch, Uwe Hämsch (Fotos): Das Blaudruckbuch, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2006, ISBN 978-3-89798-155-3.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Johannes Hugo Koch: Mit Model, Krapp und Indigo. Vom alten Handdruck auf Kattun und Leinwand. Christians Verlag Hamburg 1984, ISBN 3-7672-0840-7, S. 81
  2. Johannes Hugo Koch: Mit Model, Krapp und Indigo. Vom alten Handdruck auf Kattun und Leinwand. Christians Verlag Hamburg 1984, ISBN 3-7672-0840-7, S. 65-80
  3. http://www.kunsthandwerker-markt.de/shop/einbecker-blaudruck/anbieter-kuenstler/werkstatt.html
  4. http://www.taz.de/!75406/
  5. Burgenländischer Indigo-Handblaudruck. nationalagentur.unesco.at
  6. «Die Blaudruckerei in Jever»
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