Caster Semenya

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Medaillenspiegel
20090819 Caster Semenya.jpg
Mittelstreckenläuferin
SudafrikaSüdafrika Südafrika
Olympische Spiele
Silber 2012 London 800 m
Weltmeisterschaften
Gold 2009 Berlin 800 m
Silber 2011 Daegu 800 m

Mokgadi Caster Semenya (* 7. Januar 1991 in Pietersburg) ist eine südafrikanische Mittelstreckenläuferin.

Leben[Bearbeiten]

Semenya wurde im Dorf Ga-Masehlong in der Nähe von Pietersburg, dem heutigen Polokwane, geboren und studiert derzeit Sportwissenschaften an der Universität Pretoria.

Bei den Leichtathletik-Juniorenweltmeisterschaften 2008 in Bydgoszcz schied sie im 800-Meter-Lauf noch mit einer Zeit von 2:11,98 min in der Vorrunde aus. Bereits im folgenden Jahr stellte sie im Juli mit 1:56,72 min überraschend eine zwischenzeitliche Weltjahresbestleistung auf.

Den bisher größten Erfolg ihrer Karriere feierte sie mit dem Gewinn der Goldmedaille im 800-Meter-Lauf bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin. In persönlicher Bestzeit von 1:55,45 min distanzierte sie die Kenianerin Janeth Jepkosgei Busienei und die Britin Jennifer Meadows auf den folgenden Plätzen um über zwei Sekunden.

Im Vorfeld des WM-Laufes machten Gerüchte die Runde, dass Semenya eventuell intersexuell sei. Als Indizien wurden die ungewöhnliche Leistungssteigerung innerhalb nur eines Jahres, die tiefe Stimme und das maskuline Aussehen genannt. Ein Startverbot lehnte der Leichtathletikverband IAAF ab, da, so eine Sprecherin, „keine Beweise“ vorlägen. Nach ihrem deutlichen Sieg in Berlin reagierte der Verband jedoch auf die zunehmenden Zweifel und ordnete einen Test zur Überprüfung des Geschlechts von Semenya an.[1] Die Entscheidung wurde in Südafrika mit Empörung aufgenommen.[2] Auch von Menschenrechtsaktivisten wurden die Tests kritisiert.[3]

IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss teilte der Presse mit: „Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent.“[4] Ansonsten verzichtete die IAAF darauf, Presseberichte über einen angeblichen Hermaphroditismus zu kommentieren.[5] Kurz danach wurde bekannt, dass der südafrikanische Leichtathletik-Verband (ASA) bereits vor den Weltmeisterschaften bei Semenya einen Geschlechtstest angeordnet hatte, um die Startberechtigung für Frauenrennen zu prüfen. Daraufhin gelangte Verbandspräsident Leonard Chuene in die Kritik, der gemeinsam mit Politikern Tests stets bestritten und die IAAF für die Behandlung des Semenya-Falles kritisiert hatte.[6]

Anfang November 2009 wurde Leonard Chuene samt Präsidium von der South African Sports Confederation and Olympic Committee (SASCOC) suspendiert, nachdem sein Verband zuvor Abbitte für das Fehlverhalten im Fall der 800-m-Weltmeisterin geleistet hatte.[7] Zwei Wochen später teilte das südafrikanische Sportministerium mit, dass Semenya die Goldmedaille und das Preisgeld behalten dürfe. Die medizinischen Untersuchungen wurden weiterhin vertraulich behandelt.[8]

Am 6. Juli 2010 gab die IAAF bekannt, dass Semenya mit sofortiger Wirkung wieder bei den Frauen starten darf.[9] Im Zuge der durch den Fall Semenya ausgelösten Kontroverse passte das Internationale Olympische Komitee im Juni 2012 die für die Olympischen Sommerspiele in London gültigen Richtlinien zu weiblichem Hyperandrogenismus an.[10] Danach müssen sich weibliche Athleten, bei denen durch das Vorliegen eines für Männer typischen Androgenwertes ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Frauen vermutet wird, einer androgensenkenden Behandlung unterziehen, wenn sie weiterhin an Wettkämpfen unter Frauen teilnehmen wollen. Im Mai 2011 hatte bereits die IAAF entsprechende Regeln eingeführt.[11][12]

2011 musste sich Semenya bei den Weltmeisterschaften in Daegu über 800 m nur der Russin Marija Sawinowa geschlagen geben und gewann mit einer Zeit von 1:56,35 Minuten die Silbermedaille. Ab November 2011 wurde sie von der mosambikanischen Olympiasiegerin und mehrfachen Weltmeisterin Maria de Lurdes Mutola trainiert.[13] Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewann Semenya ebenfalls die Silbermedaille, wieder hinter Sawinowa, diesmal in 1:57,23 Minuten.

Für die Teilnahme an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013 in Moskau konnte sich Semenya nicht qualifizieren, da sie nach Überstehen einer langwierigen Knieverletzung die geforderte Normzeit verfehlte.[14][15]

Bestleistungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Caster Semenya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Jan Reschke: Geschlechtstest bei Leichtathletik-WM: XY ungelöst. In: Spiegel Online. 20. August 2008
  2. Geschlechtstest bei Semenya: Südafrika will Uno einschalten. In: Spiegel Online. 21. August 2009
  3. Oliver Tolmein: XY: Geschlecht kann man nicht testen. In: Der Freitag. 26. August 2009
  4. Weltverband will Gewissheit über Semenya. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. September 2009
  5. J. Hungermann & C. Putsch: Weltmeisterin Semenya soll ein Zwitter sein. In: Die Welt. 11. September 2009
  6. Michael Rensch: Caster Semenya: Missbraucht für Gold. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20. September 2009
  7. Geschlechtsskandal um Semenya: Verband leistet Abbitte, Präsident gefeuert. In: Rheinische Post. 5. November 2009
  8. Semenya darf 800-m-WM-Gold behalten. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. November 2009
  9. IAAF: Caster Semenya may compete. 6. Juli 2010
  10. Internationales Olympisches Komitee: IOC Regulations on Female Hyperandrogenism (PDF; 73 kB), vom 22. Juni 2012, abgerufen am 26. August 2013 (englisch)
  11. IAAF legt Geschlechterregel fest, in: Leichtathletik vom 12. April 2011, abgerufen am 26. August 2013
  12. Amended IAAF Rules and new & updated IAAF Regulations - in force as of 1 May 2011, Meldung auf IAAF.org vom 1. Mai 2011, abgerufen am 26. August 2013 (englisch/französisch)
  13. Trainerin Mutola: Semenya wird Weltrekord laufen, in: Freie Presse vom 5. April 2012, abgerufen am 16. Dezember 2012
  14. Leichtathletik: Semenya verpasst die WM-Norm, in: Spiegel Online vom 28. Juli 2013, abgerufen am 26. August 2013
  15. Caster not in provisional SA team, in: IOL vom 19. Juli 2013, abgerufen am 26. August 2013 (englisch)