Collegium Augustinianum Gaesdonck

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Schild „Collegium Augustinianum Gaesdonck“ mit Logo

Das Collegium Augustinianum Gaesdonck ist ein staatlich anerkanntes bischöfliches Gymnasium des Bistums Münster mit Internat für katholische Mädchen und Jungen. Es wird von einem Stiftungsvorstand geleitet, dem Weihbischof Wilfried Theising aus Xanten vorsteht. Es liegt am Niederrhein (bei Goch, im Kreis Kleve) und wird seit über 150 Jahren mit der Bildung und Ausbildung junger Menschen betraut. Im Schuljahr 2011/2012 hat die Schülerzahl erstmals die 825er-Marke überschritten. Das Motto der Schule lautet: „Quos Gaesdonck iunxit iunctos non dirimet aetas.“ (Diejenigen, die Gaesdonck verbunden hat, kann die Zeit nicht trennen.)

Lage[Bearbeiten]

Das Collegium Augustinianum Gaesdonck liegt am Niederrhein zwischen der 3 km entfernten Stadt Goch und dem weniger als 1 km entfernten niederländischen Ort Siebengewald (Gemeinde Bergen, Limburg) auf dem Gebiet des Gocher Ortsteils Hülm unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden. Ein Teil des Geländes liegt schon in den Niederlanden. Das landschaftlich schön gelegene Collegium Augustinianum wird teilweise von dem Bach Kendel, einem Nebenfluss der Niers, umrahmt, zudem wird das ursprüngliche eigentliche Klosterareal von einem Wassergraben umfasst. Auf dem weitläufigen parkähnlichen Gelände des Internatsgymnasiums befindet sich auch ein kleiner See.

Name und Wappen[Bearbeiten]

Der Name „Gaesdonck“, der von dem schon vor der Klostergründung (siehe Kapitel Geschichte) an derselben Stelle gelegenen Bauernhof übernommen wurde, ist eine Zusammensetzung der beiden niederfränkischen Wörter „Gaes-“ (hochdeutsch: Bach) und „-donck“ (Hügel) und spielt somit auf eine Anhebung des ansonsten sehr flachen Niederrheins an. Lange Zeit wurde fälschlicherweise angenommen, dass der Name mit „Gänsehügel“ zu übersetzen sei. Dies hat sich jedoch auf Grund etymologischer Nachforschungen als falsch erwiesen. Mit dem Attribut „Augustinianum“ sollte die klösterliche Vergangenheit und Tradition des Ortes in Erinnerung gehalten werden, und zugleich wurde auf diese Weise der heilige Augustinus zum Schutzpatron der neuen Einrichtung ernannt.

Logo des Collegium Augustinianum Gaesdonck

Das Wappen des Collegium Augustinianum besteht aus einem roten T- oder Franziskuskreuz – der horizontale Balken liegt oben auf dem vertikalen – und drei sechseckigen gelben Sternen – je einer rechts, links und über dem Kreuz – auf blauem Grund. Das Wappen oder zumindest das charakteristische Kreuz daraus findet sich mehrfach in den Wappen ehemaliger Schüler wieder, die zu Bischöfen ernannt wurden (siehe Kapitel Bekannte Schüler), und belegt so deren Verbundenheit mit dem Collegium Augustinianum.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Klosterkirche und den anderen Gebäuden der ehemaligen Canonia Beatae Mariae in Gaesdonck prope Goch, einem Kloster der Regulierten Chorherren des hl. Augustinus der Kongregation von Windesheim, das 1406 eingeweiht und im Zuge der Säkularisation 1802 aufgelöst worden war und das dann von 1828 an zwanzig Jahre lang als „Hülfspriesterseminar“ des Bistums Münster gedient hatte, wurde das Collegium Augustinianum Gaesdonck am 16. Oktober 1849 gegründet und eingerichtet. Gründungsrektor war der nachmalige Zentrums-Reichstagsabgeordnete und Münstersche Domdechant Dr. Clemens Perger.

Zweimal führten die politischen Zeitumstände zu einer Schließung der Schule: Zum ersten Mal auf Grund von Bismarcks sogenanntem „Kulturkampf“ im Jahre 1873, die Wiedereröffnung erfolgte 1893. Die zweite Schließung wurde 1942 durch die nationalsozialistische Diktatur erzwungen. Nach dem Ende von Krieg und Gewaltherrschaft konnte bereits im Januar 1946 – trotz der weitgehenden Zerstörung der Gebäude – der Schulbetrieb wieder aufgenommen und mit dem Wiederaufbau des Collegium Augustinianum begonnen werden.

Die Ausrichtung des früheren Jungeninternates wurde im Jahr 2002 von der Seedukation hin zur Koedukation geändert, so dass nun katholische Mädchen und Jungen die Schule besuchen können.

Mit den zum größeren Teil wiederaufgebauten Gebäuden und der umfangreichen Klosterbibliothek Bibliotheca domus presbyterorum Gaesdonck ist das Collegium Augustinianum ein lebendiger Zeuge der Zeit-, Kirchen- und Bildungsgeschichte der letzten 600 Jahre. Auch das Archiv des niederrheinischen Zisterzienserinnenklosters Graefenthal wird in der Bibliothek aufbewahrt.

Pädagogisches Konzept[Bearbeiten]

Die pädagogische Konzeption und Zielsetzung, die auf dem christlich-katholischen Menschenbild beruht, wird in folgendem Motto zusammengefasst: „Christlich leben, sozial handeln, Begabungen entfalten“. Es gibt interne, so genannte „tagesinterne“ und externe Schüler.

Hervorzuheben ist die besondere musische Ausrichtung des Internatsgymnasiums, das eine eigene Kunstsammlung (von barocker Sakralkunst bis Joseph Beuys) besitzt und auf dessen Gelände auch die eigenständige Gaesdoncker Musikschule sowie seit Februar 2008 die ebenfalls eigenständige Gaesdoncker Kunstschule bestehen. Außer der alten Klosterbibliothek gibt es vier weitere Präsenz- und Leihbibliotheken. Seit den 1980er Jahren wird auf der Gaesdonck rund fünfmal jährlich von professionellen Ensembles aus Großbritannien, den USA, Frankreich oder neuerdings auch aus Spanien Fremdsprachentheater mit klassischen und modernen Stücken dargeboten. Außerdem finden regelmäßig Konzerte und Vorträge statt.

Daneben wird auch dem Sport Bedeutung beigemessen, wie etliche Sportstätten (zwei Turnhallen, ein Hallenbad und eine Reithalle sowie ein Sportplatz und mehrere Fußball- und Tennisplätze) auf dem Schulgelände belegen. Viele Schulmannschaften nehmen am Jugend trainiert für Olympia-Wettbewerb teil, und die Basketballmannschaft der Gaesdonck gewann in den letzten Jahren auf regionaler Ebene verschiedene Wettbewerbe.

Im Sommer 2006 wurde zudem die Junior Business School Gaesdonck eingerichtet, in der Schüler der Oberstufe sich in zusätzlichen Kursen über wirtschaftliche und juristische Zusammenhänge unterrichten lassen können. Schüler der Klassen 10 und 11 machen ein verpflichtendes dreiwöchiges Praktikum in einer sozialen Einrichtung.

Das Internatsgymnasium pflegt Schulpartnerschaften und Schüleraustausch mit Gymnasien in Frankreich, Irland, den Niederlanden, Polen, Spanien und Wales sowie Mexiko, der Volksrepublik China und Paraguay. Besondere Kooperationen bestehen mit der Radboud-Universität Nijmegen und der Universität Duisburg-Essen. Darüber hinaus bietet die Gaesdonck seit 2009 mit Unterstützung des Kreises Kleve für besonders begabte Grundschüler der dritten und vierten Klasse das sogenannte Kinder College an, mit Kursen in Fremdsprachen (Englisch, Niederländisch und Chinesisch), Kunst, Mathematik und Naturwissenschaften (Biologie, Chemie). Im Collegium Augustinianum fand bereits mehrfach die Deutsche SchülerAkademie statt.

Seit 1. August 2011 führt Jürgen Linsenmaier, ehemaliger stellvertretender Schulleiter der Gaesdonck und seit 1975 Mitglied des Lehrerkollegiums, als Direktor die Amtsgeschäfte. Sein Vorgänger Hans-Georg Steiffert trat im Juni 2011 nach sechsjähriger Amtsinhaberschaft in den Ruhestand.

Bekannte Schüler[Bearbeiten]

Wappen des Augustinianum im Bischofswappen von Hermann Jakob Dingelstad (Relief am Collegium Ludgerianum in Münster)

Viele bekannte Persönlichkeiten aus Kirche, Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft waren Schüler der Gaesdonck:

Bekannte Lehrer und Erzieher[Bearbeiten]

Unter den Lehrern und Erziehern der Schulgeschichte sind von überregionaler Bedeutung:

Besonderheiten[Bearbeiten]

Zum Collegium Augustinianum gehört auch die Augustinushütte in Randa (im Schweizer Kanton Wallis, unweit von Zermatt), wo seit Anfang der 1960er Jahre sommers und winters Wander- bzw. Skifreizeiten für die Schüler veranstaltet werden.

Eine pomologische Besonderheit ist die Apfelsorte Gaesdoncker Renette, die im ehemaligen Klostergarten des Collegium Augustinianum gezüchtet und angebaut wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Periodikum:

  • Jahresbericht über das Schuljahr [...]. Cleve 1854-1873 (Digitalisat); Münster i. Westf. 1896–1910 (Digitalisat) und 1911-1915 (Digitalisat).
  • Gaesdoncker Blätter. 1/1948 bis 45/1992, N.F. 1/1999ff. (Jahrbuch des Collegium Augustinianum mit zahlreichen schul-, regional- und kunstgeschichtlichen Aufsätzen, insbesondere von den langjährigen Herausgebern Franz Hermes und Franz Joseph van der Grinten sowie autobiographischen Reminiszenzen ehemaliger Schüler; 1993–1998 nicht erschienen.)

Sachliteratur:

  • Peter Bernhard Bergrath: Das Brüderhaus und die Augustiner-Kanonie in der Stadt Goch. Geschichte und Urkundenbuch. Ein Beitrag zur Spezial-Geschichte des Herzogthums Geldern. Kleve: Knipping 1860. (Digitalisat.)
  • Robert Scholten: Gaesdonck. Geschichte des Klosters der regulierten Chorherren, des Hülfspriesterseminars oder Priesterhauses und des Collegium Augustinianum bis 1873. Münster: Westfälische Vereinsdruckerei 1906. (Digitalisat.)
  • Felix Rütten: Cartae memoriales magistris discipulis amicis Collegii Augustiniani Gaesdonckensis dedicatae anno iubilaeo MDCCCCXXXXIX. Regensburg: Pustet 1949. Auch in: Gaesdoncker Blätter. N.F. 1/1999. Bd. II. S. 8–35.
  • Gregor Hövelmann: Domus beatae Mariae in Gaesdonck prope Gogh (Gaesdonck, Goch). In: Wilhelm Kohl u.a. (Hg.): Monasticon Windeshemense. Teil 2: Deutsches Sprachgebiet. Brüssel: Fondation Universitaire 1977. S. 153-167.
  • Klaus van Eickels: Das Collegium Augustinianum Gaesdonck in der NS-Zeit 1933–1942. Anpassung und Widerstand im Schulalltag des Dritten Reiches. Kleve: Boss 1982. (= Schriftenreihe des Kreises Kleve. 3.) ISBN 3-922384-51-X. (Die Kritik von Zeitzeugen an diesem Buch, ebenso wie die fachlich-methodische Kritik daran ist dokumentiert in: Gaesdoncker Blätter. 36/1983)
  • Jörg Baden und Alois Tack (Hrsg.): Historisches Lesebuch. Gaesdonck: Collegium Augustinianum 1999. (= Gaesdoncker Blätter. N.F. 1/1999. Bd. II.)
  • Arnold Angenendt: Freiheit für die Kirche. Gaesdonck als Beispiel für die Katholikenemanzipation im 19. und 20. Jahrhundert. Festvortrag zum Tag der Ehemaligen am 25. 9. 1999. In: Gaesdoncker Blätter. N.F. 2. 2000. S. 19–30.
  • Arnold Angenendt: Gründung in 1406 - Auftrag für 2006. Rede anläßlich des Klosterjubiläums. In: Gaesdoncker Blätter. N.F. 8. 2006. S. 14-22.
  • Wolfgang Rosen: Goch-Gaesdonck – St. Maria. In: Nordrheinisches Klosterbuch. Bd. 2. Verlag Franz Schmitt, Siegburg 2012. ISBN 978-3-87710-449-1. S. 404-415.
  • Ausführliches Literaturverzeichnis zur Klostergeschichte (Word-Dokument, 1,56 MB; S. 34-37) auf der Website des Projektes Nordrheinisches Klosterbuch der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Autobiographien und Reminiszenzen ehemaliger Schüler (Auswahl):

  • Anton von Kersting: Gaesdonck. Jugenderinnerungen eines alten Soldaten. Köln: Bachem o.J. [1917.]
  • Johannes Maria Verweyen: Heimkehr. Eine religiöse Entwicklung. Breslau: Franke 1941. (Das Gaesdonck-Kapitel auf der Johannes-Maria-Verweyen-Website.)
  • Johannes Hessen: Geistige Kämpfe der Zeit im Spiegel eines Lebens. Nürnberg: Glock und Lutz 1959. (Der Abschnitt über die Gaesdonck auch hier.)
  • Wilhelm Salberg: Als NS-Verfolgter auf der Gaesdonck. In: Gaesdoncker Blätter. 36. 1983. S. 95–104. Auch in: Gaesdoncker Blätter. N.F. 1. 1999. Bd.II. S. 121–129.
  • Paul Ingendaay: Klostergraben, Bücherburg: Von einem, der auszog und auf Gaesdonck das Lesen lernte. Festvortrag zum 18. 9. 1999. In: Gaesdoncker Blätter. N.F. 2. 2000. S. 10–18.

Romane, in denen das Collegium Augustinianum literarisiert wird:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Collegium Augustinianum Gaesdonck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.6532222222226.1187777777778Koordinaten: 51° 39′ 12″ N, 6° 7′ 8″ O