Der Teufelshauptmann

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Filmdaten
Deutscher Titel Der Teufelshauptmann
Originaltitel She Wore a Yellow Ribbon
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1949
Länge 103 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie John Ford
Drehbuch Frank S. Nugent,
Laurence Stallings
Produktion Merian C. Cooper,
John Ford,
Lowell J. Farrell
Musik Richard Hageman
Kamera Winton C. Hoch
Schnitt Jack Murray
Besetzung
Synchronisation

Der Teufelshauptmann (im Original She Wore a Yellow Ribbon; zu dt. etwa: „Sie trug ein gelbes Band“) ist ein US-amerikanischer Westernfilm von John Ford aus dem Jahr 1949. Nach dem Vorgängerfilm Bis zum letzten Mann war Der Teufelshauptmann der zweite Film der später so genannten Kavallerie-Trilogie von John Ford (als dritter Film folgte Rio Grande im darauffolgenden Jahr).[1] Dem Drehbuch lagen die Erzählungen War Party und The Big Hunt von James Warner Bellah zugrunde.

Handlung[Bearbeiten]

Hauptmann Nathan Brittles ist Offizier in dem kleinen und eher unbedeutenden Fort Starke im Westen. Er steht kurz vor seiner Pensionierung und sieht einer ungewissen Zukunft außerhalb einer Armee entgegen, die für ihn zur Heimat geworden ist. Brittles verlor Frau und Töchter – der Film lässt den Zuschauer allerdings über Umstände und Hintergründe dieses Verlusts im Unklaren. In seinem Büro hat Brittles Bilder der verstorbenen Frau und Töchter platziert, umwickelt von einem gelben Band. Brittles am nächsten steht der ungefähr gleichaltrige Sergeant Qinncannon, ein Iro-Amerikaner, dessen Schlagkraft und Durst gleichermaßen gefürchtet sind.

Zeitlich wird die Handlung des Films in dem Zeitraum kurz nach der Schlacht am Little Big Horn, also kurz nach 1876 verortet. Brittles Vorgesetzter, Major Allshard, der Kommandeur des Forts, fürchtet angesichts bevorstehender Konflikte mit Indianern um das leibliche Wohlergehen seiner Frau und der bei ihnen lebenden Nichte, der attraktiven Olivia Dandridge. Diese wird heftig von zwei sich befehdenden Jung-Offizieren, Leutnant Cohill und Leutnant Penell umworben. Sie trägt ein gelbes Band im Haar um zu signalisieren, dass ihr Herz vergeben ist (Tradition bei der Kavallerie), lässt die beiden Bewerber allerdings im Unklaren, wem von beiden sie zugetan ist. Als Brittles, den Miss Dandridge als väterlichen Freund ansieht, sie diesbezüglich befragt, erwidert sie, sie trage das Band natürlich seinetwegen. Brittles quittiert dies mit einem Lächeln.

Brittles, der zu seiner letzten Patrouille auszieht, bekommt von Allshard den Auftrag beide Damen zur nächsten Postkutschenstation zu bringen. Von dort sollen sie nach Osten in sicherere Gefilde reisen. Die Patrouille findet die Station völlig zerstört vor, die Bewohner wurden bis auf zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, getötet. So muss Brittles die Damen zurück zum Fort begleiten. Die resolute, trinkfeste und lebenstüchtige Mrs. Allshard erweist sich als tatkräftige Hilfe bei der Operation eines schwer verwundeten Soldaten im fahrenden Planwagen. Zur Deckung des Rückweges muss Leutnant Cohill mit einer kleinen Einheit zurückbleiben.

Nachdem Damen und Verwundete glücklich ins Fort zurückgebracht wurden, wird Brittles wegen der unmittelbar bevorstehenden Pensionierung gegen seinen Willen von der Aufgabe entbunden, das Kommando Cohill zu entsetzen. Statt seiner bekommt ausgerechnet Cohills Konkurrent Leutnant Penell das Kommando über die Entsatzeinheit. Brittles, der Penell für mit der Aufgabe überfordert ansieht, ihn gar als Baby in Uniform bezeichnet, reitet in Zivilkleidung dem Kommando hinterher. Da ihm noch wenige Stunden bis zur Pensionierung verbleiben, übernimmt er seine Position als Hauptmann erneut ohne seinen Vorgesetzten darüber zu informieren, sichert seine Truppe aber mit einem schriftlichen Befehl gegen ein eventuell nachfolgendes Kriegsgerichtsverfahren ab. Von seinen Männern wird seine Rückkehr mit Jubel begrüßt. Brittles fordert die Truppe zum Stillhalten auf und reitet selbst in das Lager der Indianer, um mit seinem alten Widersacher, Häuptling Pony that walks zu verhandeln. Dieser befindet sich in einer ähnlichen Situation wie Brittles. Er verfügt zwar noch über einige Autorität, hat aber die praktische Befehlsgewalt über die jungen Wilden, die von Red Shirt angeführt werden, verloren.

Zur Truppe zurückgekehrt entwickelt Brittles einen Plan, wie die drohende kriegerische Auseinandersetzung ohne Blutvergießen vereitelt werden kann. Diesen Plan umsetzend treibt man nachts die Indianerpferde aus dem Lager und dann zurück zum Reservat. Am darauf folgenden Tag sieht man die Indianer zu Fuß und friedlich in ihr Reservat zurückkehren.

Brittles sieht seine Aufgabe bei der Armee nun als erfüllt an, findet sich damit ab, als Zivilist gen Westen zu reiten. Ihm wird jedoch in quasi letzter (Film-)Minute mit Sergeant Tyree der beste Reiter des Forts mit einem Telegramm nachgesandt, das vom Präsidenten Grant unterzeichnet ist. Das Schreiben verkündet Brittles Ernennung zum Inspekteur der Kavallerie im Rang eines Oberstleutnants. Der Film endet mit einem großen Fest, das die Garnison zu Ehren des zurückgekehrten Brittles veranstaltet. Zuerst geht er aber wieder zum Grab seiner Frau und erzählt ihr die Geschehnisse.

Hintergründe[Bearbeiten]

  • John Ford bezeichnete Der Teufelshauptmann als einen schönen und traurigen Film.
  • Trauer und Wehmut durchziehen den sentimentalsten[2] aller Ford-Western, dessen Leitmotiv das Abschiednehmen ist. Die Perspektive des Films ist zurückblickend, wobei allerdings die so wehmütig betrauerte Vergangenheit an keiner Stelle des Films erläuternd in Szene gesetzt wird. Place beschreibt dies als inszenatorisches Element, mit dem der idealisierten Vergangenheit größeres emotionales Gewicht verliehen werde, als ihr bei realistischer Darstellung der Ereignisse zukommen könne.[3]
  • Die in der Filmkritik überaus positiv rezipierten Darstellungen und Landschaftsaufnahmen des Films sollten sich nach den Intentionen des Regisseurs John Ford bewusst an die Bilder des US-amerikanischen Westens anlehnen, die durch den Maler Frederic Remington überliefert wurden.
  • Die Außenaufnahmen des Films wurden im Monument Valley gedreht, das endgültig als John-Ford-Country etabliert wurde.
  • Die Szene mit dem schlafenden Hund, der sich vor der angetretenen Kompanie niedergelassen hatte, wurde improvisiert. Es handelte sich um einen Indianerhund, der sich während der Dreharbeiten zufällig dorthin verirrt hatte. Die Aufnahmen mussten mehrfach wiederholt werden, weil McLaglen den Hund wiederholt als Cocker-Spaniel bezeichnete.
  • Frank McGrath, der als Trompeter markant ins Bild gerückt wurde, gehörte ebenso wie Michael Dugan (Sgt. Hochbauer) und die Darsteller einiger kleinerer Nebenrollen zum Stunt-Team des Films. McGrath nahm neben der Rolle als Trompeter eine weitere Darstellerrolle ein, als Indianer.
  • Die Filmfigur des ehemaligen Südstaaten-Brigadegenerals Brome Clay, der als Corporal John Smith Dienst tat und von seinem ehemaligen Untergebenen Tyree identifiziert wurde, kann auch als Hinweis auf den Vorgängerfilm Bis zum letzten Mann gesehen werden, wo die Herabstufung ehemaliger Bürgerkriegsoffiziere thematisiert wurde.
  • Fords idealisiertes Bild der Armee, hier der Kavallerie, als integrierende, heimatgebende Gemeinschaft, wird in diesem Film auch auffällig durch die Namen einiger Filmfiguren zum Ausdruck gebracht. Neben Südstaatlern wie Tyree oder den irischstämmigen Quinncannon und O’Laughlin (Regimentsarzt), fallen besonders die deutschstämmigen Namen auf, ein Unteroffizier heißt Hochbauer, der Schmied heißt Wagner, sein Gehilfe Fritz.
  • Ben Johnson hatte nicht nur als Filmfigur Sergeant Tyree das Image des besten Reiters des Regiments, sondern auch außerhalb des Films galt er als der beste Reiter Hollywoods. Als er für seine Darbietung in Die letzte Vorstellung einen Oscar erhielt, führte er mit Stolz an, er sei der erste echte Cowboy, der je einen Oscar bekommen habe.

Synchronisation[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1954 in den Ateliers der Simoton Film GmbH in Berlin. Für Dialogbuch und Synchronregie zeichnete Richard Busch verantwortlich.[4] Wie bei vielen Western war der vom deutschen Filmverleih vergebene Name absolut unsinnig und bezeugt bestenfalls teuflisches Unverständnis der dafür Verantwortlichen für Handlung und Aussagen des Films. Die Hauptfigur Captain Brittles ist alles andere als ein Teufelshauptmann.[5]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Captain Nathan Brittles John Wayne Wilhelm Borchert
Olivia Dandridge Joanne Dru Marianne Prenzel
Top Sergeant Quinncannon Victor McLaglen Eduard Wandrey
Sergeant Tyree Ben Johnson Heinz Engelmann
Leutnant Cohill John Agar Horst Niendorf
Leutnant Penell Harry Carey Klaus Schwarzkopf
Mrs. Abby Allshard Mildred Natwick Ursula Krieg
Major Allshard George O’Brien Hans Albert Martens
Dr. O’Laughlin Arthur Shields Hans Hessling
Corporal Quayne Tom Tyler Friedrich Joloff
Springender Fuchs John Big Tree Walter Werner

Rezeption[Bearbeiten]

  • Der Teufelshauptmann war der erklärte Lieblingsfilm des US-amerikanischen Generals Douglas McArthur. Der wollte in der Hauptfigur des Captain Brittles sein Ebenbild erkannt haben. Er flocht regelmäßig Zitate aus diesem Film in seine öffentlichen Reden ein.[6]
  • Vor allem Michael Hanisch weist darauf hin,[7] dass die traurig-wehmütige Abschiedsstimmung dieses Films, wie auch die Inszenierung der Indianer, den Spätwestern der 1960er und 1970er Jahre vorwegnehme. In der Tat lassen sich viele Parallelen ziehen zu den Western von Sam Peckinpah, zu John Waynes finalem Opus Der letzte Scharfschütze oder auch zu der von Henry Fonda dargestellten Figur des Jack Beauregard in der Western-Komödie Mein Name ist Nobody.

Kritiken[Bearbeiten]

  • „She wore a yellow ribbon ist mehr eine Symphonie für die Ohren und ein Gemälde für die Augen als eine Erzählung für den Kopf. Gefühle von Sehnsucht und Verlust, von einer besseren Vergangenheit, von der Würde der vorbeimarschierenden Männer werden durch die Töne und Bilder des Films, nicht durch die Themen der Story vermittelt.“ (J. A. Place)[8]
  • „Entgegen dem deutschen Titel geht es durchaus nicht um forsches Heldentum ohne Skrupel und Menschenachtung, entgegen dem amerikanischen Titel geht es auch nicht um eine Liebesromanze. Es geht vielmehr um den Lebensinhalt und den Lebenssinn eines Soldaten von Herz und Gewissen. Es geht ihm nicht um Ruhm und Triumph, sondern um die Erhaltung des Friedens auch da noch, wo keine Hoffnung mehr besteht.“ (Der evangelische Filmbeobachter [9])
  • Thomas Jeier bezeichnete Der Teufelshauptmann als den „wohl besten Film“ in John Fords „Trilogie über die amerikanische Kavallerie“.
  • Nach Fertigstellung des Films bescheinigte Regisseur John Ford seinem Hauptdarsteller John Wayne: „You’re an actor, now!“ (Jetzt bist du ein Schauspieler!). Gemessen an Fords üblichem Umgang mit seinen Darstellern kann dies als Ausdruck höchsten Lobes angesehen werden. Die Darstellung eines mindestens zwanzig Jahre älteren, am Ende seiner Laufbahn befindlichen Mannes durch den damals 41/42-jährigen John Wayne wurde und wird weithin als seine (zumindest bis dahin) beste schauspielerische Leistung angesehen, nicht zuletzt auch von Wayne selbst. Filmkollege John Agar, der viele Szenen mit Wayne hatte, bezeichnete die Leistung Waynes als just brillant und meinte, sie habe zumindest eine Oscar-Nominierung verdient.[10]
  • „Überdurchschnittlicher Farb-Wildwestfilm (…) Schöne lyrische Bilder inmitten einer etwas monotonen Handlung, die Männlichkeit und militärische Tugend feiert.“ – 6000 Filme. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 1963 [11]
  • „(…) Schlachtroß Wayne in seiner vermutlich unaufdringlichsten, sympathischsten Rolle; McLaglen zettelt eine der humorigsten Saloonprügeleien an (…).“ (Wertung: 3½ von 4 möglichen Sternen – außergewöhnlich) – Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Lexikon „Filme im Fernsehen“, 1990[12]
  • „John Wayne has never been better than in this beautifully crafted film with its masterful Ford imprint and a landscape worthy of a fine Remington painting.“[13] (John Wayne war niemals besser als in diesem wundervollen, kunstvoll inszenierten Film, geprägt von Fords Meisterhand, ausgestattet mit Landschaftsaufnahmen, die den schönsten Bildern Remingtons ebenbürtig sind) (Fagen)
  • „Es ist kein Zufall, dass dieser Film zugleich visuell der schönste, auf einer emotionalen Ebene sicherlich der sentimentalste Western John Fords ist.“[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1950: Oscar für die beste Farbfotografie an Winton C. Hoch

Regisseur Ford rückte die Oscar-Vergabe für seinen Kameramann ins rechte Licht, indem er von „viel Ärger“ mit diesem berichtete. Der Kameramann habe ihm wiederholt schriftlich gegeben, dass er Fords Anweisungen für völlig falsch halte. „Als wir die Unwetter-Szenen drehten, während eines echten Unwetters, erklärte er mehrfach, es könne überhaupt nichts auf dem Film sein. Er hat dann den Oscar für die Fotografie dieses Films bekommen.“[15]

  • 1950: Nominierung der Writers Guild of America für den besten amerikanischen Western an Frank S. Nugent und Laurence Stallings

Literatur[Bearbeiten]

  • Herb Fagen: The Encyclopedia of Westerns /Vorwort: Tom Selleck, Einleitung: Dale Robertson. Facts on File, New York 2003 (The Facts on File film reference library), ISBN 0-8160-4456-2
  • Hanisch, Michael: Western : Die Entwicklung eines Filmgenres. Henschelverlag/Kunst und Gesellschaft, Berlin 1984
  • Hembus, Joe: Western-Lexikon. Heyne, München 1976 (Heyne-Buch; 7048), ISBN 3-453-00767-0
  • Thomas Jeier: Der Western-Film. - Orig.ausg. Heyne, München 1987 (Heyne-Filmbibliothek; 32/102), ISBN 3-453-86104-3
  • Janey Ann Place: Die Western von John Ford / Hrsg. von Christa Bandmann. Bearb. u. Übers. von Rolf Thissen. Goldmann, München 1984 (Citadel-Filmbuch) (Goldmann Magnum; 10221), ISBN 3-442-10221-9
  • Dirk C. Loew: Versuch über John Ford. Die Westernfilme 1939 - 1964. BoD, Norderstedt 2005, ISBN 3-8334-2124-X , Ss. 126-128 und Ss. 149-163
  • Claudius Seidl in Filmgenres - Western / Hrsg. von Thomas Koebner. Reclam junior, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018402-9; Ss. 126-130

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. gelegentlich auch als 1. Kavallerie-Trilogie bezeichnet, wobei die späteren Filme Der letzte Befehl, Der schwarze Sergeant und Cheyenne als 2. Kavallerie-Trilogie bezeichnet werden.
  2. den Superlativ benutzt Fagen, S. 388
  3. vgl. Place, S. 112
  4. Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimmen. Lexikon der Synchronsprecher. Schüren, Marburg 2009, ISBN 978-3-89472-627-0, CD-ROM
  5. Dies stellt vor allem Hanisch heraus, siehe dort S. 223. Siehe auch die Kritik des Evangelischen Filmbeobachters (zitiert unter Kritiken)
  6. dazu vor allem Hembus, S. 604
  7. Hanisch, S. 221f
  8. Place, S. 112
  9. hier zitiert nach Place, S. 123
  10. dazu: Fagen, S. 388
  11. 6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 428
  12. Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 812
  13. Fagen, S. 388
  14. zitiert nach Loew, S. 329
  15. zitiert nach Hembus, S. 604