Deutsches Meeresmuseum

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Deutsches Meeresmuseum
Stralsund Deutsches Meeresmuseum (01).JPG

Das Gebäude des Meeresmuseums in Stralsund
Daten
Ort Stralsund, Altstadt
Art Naturmuseum
Eröffnung 1951
Leitung Harald Benke
Website www.meeresmuseum.de
ISIL DE-Sra6

Das Deutsche Meeresmuseum, auch Museum für Meereskunde und Fischerei, Aquarium, in Stralsund ist ein Museum, in dem überwiegend maritime und meereskundliche Ausstellungen gezeigt werden. Es ist Bestandteil und Haupthaus der Stiftung Deutsches Meeresmuseum; neben dem Haupthaus des Museums, dem eigentlichen Meeresmuseum, gibt es drei weitere Standorte, das Ozeaneum, das Nautineum und das Natureum.

Das Haupthaus befindet sich in der Halle der ehemaligen Katharinenkirche. Das Meeresmuseum bietet in zahlreichen Ausstellungen Informationen zur Fischerei, zum Umwelt- und Meeresschutz, zur Meeres- und Ozeanforschung, zu Flora und Fauna des Ostseeraumes sowie in knapp 50 Aquarien über 600 lebende Meerestiere, darunter Riesenschildkröten und Südseefische.

Standorte des Meeresmuseums[Bearbeiten]

Geschichte des Haupthauses[Bearbeiten]

Das Museum im Katharinenkloster wurde am 24. Juni 1951 als Natur-Museum von seinem Gründer Otto Dibbelt eröffnet. Zu sehen waren Terrarien mit heimischen Amphibien und Reptilien sowie Aquarien mit Tieren aus der Ostsee und den Bodden.

Ab 1957 wurde das Natur-Museum zum Museum für Meereskunde und Fischerei umgestaltet und wesentlich erweitert. Sonnfried Streicher als Nachfolger des Museumsgründers Otto Dibbelt konzipiert und leitet den Umbau. Im Jahr 1958 wurde das Museum Bezirksnaturkundemuseum und ab 1965 meeresbiologische Ausstellungen aufgebaut. Im Jahr 1966 wurde das Museum in “Meereskundliches Museum Stralsund” umbenannt und 1968 erste Teile des Meeresaquariums im Keller aufgebaut. Die ehemalige Klosterkirche wurde in den Jahren 1972 bis 1974 generalinstandgesetzt und zur Ausstellungshalle umgebaut und stählernes Strebewerk eingezogen, welches in der Halle Etagen schafft. Im Jahr 1974 wurde das “Meeresmuseum - Museum für Meereskunde und Fischerei” eröffnet und 1975 die Meeresaquarien in der Katharinenhalle. Zur 750-Jahr-Feier der Gründung der Stadt Stralsund wurde im Jahr 1984 der Erweiterungstrakt des Meeresaquariums mit einem 50.000 Liter und einem 30.000 Liter fassenden Aquarium eröffnet.

Modell des Stralsunder Meeresmuseums im gotischen Katharinenkloster

Das Dachgeschoss wurde im Jahr 1986 ausgebaut und beherbergt fortan das Depot für die wissenschaftlichen Sammlungen des Museums. Der erste Teil der Ausstellung Mensch und Meer im Obergeschoss wurde im Jahr 1989 eröffnet. Im selben Jahr wurde ein Besucherraum mit 15 Aquarien sowie das Museumscafé eröffnet und der Erweiterungsbau für die Aquarientechnik fertiggestellt. Am 4. November 1993 wurde die Ostseeabteilung im Meeresaquarium wiedereröffnet.

Das bis dahin städtische Meeresmuseum wurde 1993/1994 in die „Stiftung Deutsches Museum für Meereskunde und Fischerei“ überführt.

Im Jahr 1995 wurde eine wissenschaftliche Versuchs- und Zuchtanlage gebaut und die Präparationswerkstätten wurden modernisiert. Im selben Jahr übernahm Harald Benke die Leitung des Museums. Die Stiftung wird im Oktober 1998 in „Deutsches Meeresmuseum, Museum für Meereskunde und Fischerei. Aquarium“ umbenannt.

Am 16. Juli 1999 wurde das rekonstruierte und neu gestaltete Nordseeaquarium wiedereröffnet. Am 30. Januar 2004 wurde auf dem Besuchshof ein Mehrzweckgebäude eröffnet, in welchem das 350.000-Liter-Aquarium für die Meeresschildkröten und des Museumsbistro untergebracht sind. Am 17. Juli 2009 wurde das Mittelmeeraquarium eröffnet.

Briefmarke (2001)

Ehrungen[Bearbeiten]

Aus Anlass des 50. Jubiläums gab die Bundesrepublik Deutschland eine Briefmarke und eine Gedenkmünze heraus. Zudem steht das Museum, das zu den zehn bestbesuchten Deutschlands gehört, im Blaubuch, einer Liste mit 20 bedeutsamen sogenannten kulturellen Leuchttürmen in den so genannten neuen Bundesländern.

Direktoren[Bearbeiten]

Das Gebäude des Meeresmuseums mit Vorhof

Gebäude[Bearbeiten]

Das Museum befindet sich seit seiner Gründung 1951 im seit der Reformation nicht mehr kirchlich genutzten ehemaligen Katharinenkloster. Um das Gebäude im Original zu erhalten, wurde in den 1970er Jahren eine selbsttragende Stahlkonstruktion eingebaut, die auch flexible Höhen bei der räumlichen Gestaltung der Ausstellung ermöglicht.

Aufteilung[Bearbeiten]

Räumlich ist das Museum unterteilt in den von einer Mauer und den Museumsgebäuden umgebenen Vorplatz, die dreigeschossige Ausstellungshalle (ehemalige Klosterkirche), die Ostseeausstellung im Mittelbau (ehemals Winterrefektorium und Kapitelsaal), die im Kellergeschoss befindlichen Meeresaquarien, den Museumsladen im Westflügel (ehemalige Ordensschule), das Meeresschildkrötenaquarium im Neubau sowie in Räumlichkeiten zur Präparation der Ausstellungsgegenstände, das Gebäude der Direktion, technische Versorgungseinrichtungen, Arbeitsräume der Wissenschaftler und das „Forum Meeresmuseum“.

Vorplatz[Bearbeiten]

Auf dem weitläufigen Vorplatz, der zu besonders besucherintensiven Zeiten voller am Eingang anstehender Besucher ist, steht der Kutter SAS 95 „Adolf Reichwein". Der Holzkutter entstand 1949 auf der Boddenwerft in Damgarten und war einer der ersten Kutter der DDR-Hochseefischerei. Bis 1969 war er auf Ostsee und Nordsee im Einsatz und wurde 1973 auf den Museumshof überführt.

An einer Mauer im Eingangsbereich befindet sich ein Wissenstest der Route zur europäischen Backsteingotik mit zahlreichen Fragen und Antworten.

Ausstellungshalle[Bearbeiten]

Die ehemalige Klosterkirche ist mittels einer Raumstabwerkkonstruktion in drei Ebenen unterteilt. Im Erdgeschoss befindet sich ein Modell (Schnitt) der ehemaligen Kirche mit seinem stählernen Stabwerk.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Das Deutsche Meeresmuseum bietet sechs Dauerausstellungen: „Meereskunde und Meeresbiologie“, „Wale“, „Geschichte der Fischerei“, „DDR-Fischerei“, „Mensch und Meer“ und „Ostseeküste“. Dazu werden im nahe gelegenen Burmeister-Haus Informationen über Hermann Burmeister und seine Forschungen präsentiert. Sonderausstellungen und Wanderausstellungen ergänzen das museale Angebot.

Meereskunde und Meeresbiologie[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung „Meereskunde und Meeresbiologie“ im Erdgeschoss bildet den Ausgangspunkt eines Rundgangs.

In der Vitrine „Ohne Wasser, merkt Euch das ...“ wird der Wasserkreislauf dargestellt. Ein Schnittmodell der Katharinenhalle zeigt die Umgestaltung und heutige Nutzung der ehemaligen Klosterkirche.

Ein sieben Meter langer Reliefschnitt des Nordatlantiks zwischen New York City und Lissabon zeigt die Gestalt des Meeresbodens mit seinen Tiefsee-Ebenen, Gebirgen und Gräben. Auf Grafiken werden die Grundlagen der Plattentektonik und der Entwicklung von Ozeanen vermittelt[1]. Auf einer zwölf Quadratmeter großen, 200 Millionen Jahre alten Kalksteinplatte aus einem Kalksteinbruch von Rüdersdorf bei Berlin sind etwa 2300 Schalen verschiedener fossiler Muscheln erhalten. Auf einer geschliffenen Kalksteinplatte von Öland sind Reste von Kopffüßern zu sehen. In einem einen Kubikmeter fassenden Glaskubus wird mittels eines 35 Kilogramm der Salzgehalt von Meerwasser demonstriert.

Verschiedene Modelle von Forschungsschiffen, so die französische „Pourquoi-pas?“ (1908), die deutsche „Meteor“ (1922) und die „Professor Albrecht Penck“ sowie das Tauchboot „Trieste“, zeugen von den Anstrengungen der Menschen, die Meere und die Tiefsee zu erforschen. Auch eine Schautafel sowie eine Inszenierung der Tiefseewelt verdeutlichen das Leben in menschenfeindlichen Tiefen. Drei Tropenaquarien und ein Mittelmeeraquarium präsentieren Krebse, Krabben, Seesterne und andere wirbellose Tiere neben Korallenriffen.

Eine präparierte junge Kegelrobbe und ein Seehund veranschaulichen Informationen über diese Tiere. Zudem ist eine 800 Jahre alte mumifizierte Krabbenfresserrobbe ausgestellt. Aus dem Jahr 1926 stammt das Skelett einer Seekuh in derselben Vitrine. Sie sowie das Skelett und die Gesichtsmaske eines See-Elefanten sind Gaben des Wittenberger Völkerkundemuseums. Die Gesichtsmaske ist als einziges von einem von Karl Kästner 1936 präparierten Bullen erhalten, der aus dem Berliner Zoo stammte und etwa 2.000 Kilogramm schwer und 4,50 Meter lang war. Ein weiteres Thema der Ausstellung sind Knochen- und Knorpelfische wie Schwertfisch und Tigerhai. Gezeigt werden auch präparierte Delfine und das Skelett eines Schweinswals.

Finnwalskelett

Die besondere Aufmerksamkeit des Meeresmuseums gilt den Korallen. Im Erdgeschoss der Halle werden diese Hohltiere gezeigt; zudem ein neun Meter hoher Ausschnitt aus einem Korallenriff. Die Korallenstöcke und die Tierexponate, die das nachgebaute Riff darstellen, wurden bei Expeditionen der Mitarbeiter des Museums 1976 und 1979 im Roten Meer gesammelt. Dieses Riff wurde ab 2011 restauriert und teilweise neu gestaltet.

Wale[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung „Wale“ befindet sich im ehemaligen Chor.

Ein 15 Meter langes, ca. 1000 Kilogramm schweres Skelett eines jungen Finnwales, der im Jahr 1825 an der Westküste Rügens strandete, bildet das Hauptstück der Ausstellung. Es hängt an der Decke. In einer Vitrine sind zudem Trockenpräparate der Luftröhre, der Blutgefäße und des Penis des Tieres ausgestellt.

Der an einer der Wände hängende Schädel stammt von einem 1851 bei Mukran gestrandeten, 7,50 Meter langen Schwertwal. An der anderen Wand ist das Skelett eines 1993 am Gellen gestrandeten, sieben Meter langen Nördlichen Entenwals aufgehängt. Ebenfalls zu sehen ist das Abgusspräparat eines Schweinswalweibchens mit Jungem sowie einer Gruppe von fünf Delfinen.

Geschichte der Fischerei[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung „Geschichte der Fischerei“ wird im ersten Obergeschoss der Museumshalle präsentiert. Von Fischereigeräten der Urgesellschaft über die Antike und das Mittelalter zieht sich die Geschichte des Fischfangs, neben Geräten und Dokumenten aus dem 19. Jahrhundert folgt mit dem Fischfang des 20. Jahrhunderts das am besten dokumentierte Zeitalter. Modelle von Fischfangschiffen, deren Originale wie das Zeesboot STR 9 im Nautineum gezeigt werden, sowie ein originales Strandboot aus Breege zeugen vom Übergang zum industriellen Fischfang.

Gezeigt werden Harpunen, Angelhaken und Reusenkörbe sowie ein nachgebauter Einbaum, das Modell einer Heringsboise, Fanggeräte sowie das Modell des Fischdampfers „Steinbutt“.

In einigen Vitrinen werden die Methoden der Küstenfischerei an der vorpommerschen Ostseeküste anhand von Exponaten von den Inseln Rügen und Usedom sowie vom Fischland und dem Darß gezeigt. Ein Modell einer Außenstrandreuse zeigt deren Funktionsweise. Weiteres Ausstellungsstück ist ein aus Kunstfasern gefertigtes Stellnetz.[2]

Modell eines Atlantik-Supertrawlers in der Ausstellung „DDR-Fischerei“

DDR-Fischerei[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung „DDR-Fischerei“ ist der Fischerei zwischen den Jahren 1949 und 1990 in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gewidmet. Anfang der 1970er Jahre aufgebaut, gründete die Ausstellung auf der Zusammenarbeit des Meeresmuseums mit dem VEB Kombinat Hochseefischerei Rostock, der als Sponsor die Entwicklung des Museums erst ermöglichte[3].

Die Ausstellung wurde nach 1990 mit Fördermitteln der Europäischen Union und des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen der „Gemeinschaftsinitiative PESCA“ neu gestaltet und befasst sich mit der „Entwicklung der weltweiten Seefischerei nach dem Zweiten Weltkrieg am Beispiel der Entwicklung der Küsten- und Hochseefischerei der DDR“; der Charakter der ursprünglichen Ausstellung blieb dabei weitgehend erhalten. Zur Ausstellung gehört der 17-Meter-Kutter SAS 95 „Adolph Reichwein“ auf dem Vorhof des Museums. Gezeigt wird die Geschichte vom schweren Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg über den Aufbau der DDR-Fangflotte in den 1950er Jahren mit der Kollektivierung der Küstenfischerei, dem Wandel der Fangfahrzeuge vom Seitenfänger zum Trawler, einem Heckfänger, und dem Einsatz von Fischfang- und Verarbeitungsschiffen aus DDR-eigener Produktion wie dem Atlantik-Supertrawler. Ein über vier Meter langes Modell des auf der Stralsunder Volkswerft überwiegend für die Sowjetunion in mehr als 200 Stück gebauten „Atlantik-Supertrawlers“ sowie eine Übersicht über die Fischereifahrzeuge der DDR-Flotte vervollständigen diese Ausstellung. Methoden des Fischfangs wie der mittels Grundschleppnetz, pelagischem Netz, Jagernetz und Ringwaden werden anhand von Modellen erläutert. Echolot und früher verwendete Geräte zur Fischortung werden ebenso gezeigt wie die Produkte des Fischfangs: Konserven, Frischfisch und anderes.

Lederschildkröte in der Ausstellung „Mensch und Meer“
Diorama in der Ausstellung „Ostseeküste“

Mensch und Meer[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung „Mensch und Meer“ im zweiten Obergeschoss steht unter dem Leitgedanken „Ein gesundes Meer – Voraussetzung für das Leben auf der Erde!“[4].

Im „Kindergarten der Kaiserpinguine“ sind präparierte Kaiserpinguine zu sehen. Zur Ausstellung gehören auch eine Bathysonde vom Forschungsschiff Valdivia, sowie das Modell des Forschungsschiffes Glomar Challenger. Weiterhin werden über Präparate von 100 Heringen in einem Fischschwarm, eines Gotteslachses und eines Mondfisches gezeigt.

Eine 1965 im Meeresmuseum präparierte, zu Lebzeiten 450 Kilogramm schwere Lederschildkröte, ist ebenso Bestandteil dieses Teils des Museums wie Informationen zum Leben und zur Vermehrung der Meeresschildkröten. Störe und Quastenflosser zeugen von der Bedrohung der Meeresbewohner durch den Menschen. Ein Modell einer Japanischen Riesenkrabbe sowie Mondfische und Gotteslachse zeigen die Vielfalt der Bewohner des Wassers, das 70 % der Erdoberfläche ausmacht. Neuestes Exponat ist ein präparierter Eisbär. Beeindruckend sind aber auch die Modelle eines Walrosses, eines Kraken und von Robben.

Ostseeküste[Bearbeiten]

Die Dauerausstellung „Ostseeküste“ im Mittelbau informiert über Flora und Fauna der Ostseeküste, die spezifischen Verhältnisse von Wassertiefen und Salzgehalt in der Ostsee und die Problematik des Wasseraustausches mit dem Weltmeer[5].

In einem Diorama werden die drei in der Ostsee vorkommenden Robbenarten Kegelrobbe, Ringelrobbe und Seehund gezeigt. In einem anderen Diorama ist ein an einem Strand angespülter Schweinswal zu sehen; weitere Dioramen und Vitrinen zeigen die Vogelwelt und den Vogelzug an der Küste.

Die Ausstellung wurde gegenüber der Vorgängerausstellung nach 2010 verändert und den musealen Ansprüchen angepasst.

Die Aquarien[Bearbeiten]

Im Meeresmuseum sind die Aquarien in vier Bereiche unterteilt: Tropisches Aquarium, Mittelmeeraquarium, Haie und Schildkröten. Bis auf vier kleine Aquarien im Eingangsbereich befinden die die Becken im Kellergewölbe.

Technik[Bearbeiten]

Meeresschildkröte im Stralsunder Meeresmuseum
Giftiger Feuerfisch im Tropenaquarium
Tropisches Aquarium im Meeresmuseum Stralsund

Der Haltung von Meerwassertieren ging eine umfangreiche Forschung bezüglich des Meerwassers voraus. Vor allem die Challenger-Expedition von 1872 bis 1876 brachte wichtige Erkenntnisse über die Zusammensetzung des Meerwassers. Da das Stralsunder Museum nicht über einen direkten Zugang zum Ozean und damit zum benötigten Meerwasser verfügt, wurde Wasser aus der Nordsee mit circa 33 ‰ Salzgehalt eingesetzt; seit 1990 wird das Seewasser künstlich hergestellt, wobei industriell gefertigte Seesalzgemische eingesetzt werden. Zum Vergleich: Der Salzgehalt des Ostseewassers vor Rügen beträgt ca. 8 ‰, der von offenen Ozeanen 35 ‰.

Das Wasser für den Warmwasserbereich wird auf bis zu 25 °C erwärmt. Teilweise werden die Temperaturen der Aquarien analog dem natürlichen Jahresverlauf angeglichen. Viele der in der Ausstellung zu sehenden Aquarien sind zu einem Wasserkreislauf zusammengeschlossen. Nicht für die Besucher des Meeresmuseums einsehbar sind gewaltige Reinwasserkammern und Filterkammern. Mittels Umwälzpumpen wird das Wasser mindestens alle zwei Stunden durch Filter geleitet, wo die organischen Schwebstoffe aufgefangen werden. Die Vorfilter werden dabei täglich gereinigt. Das durch die Filter geleitete Wasser gelangt dann in die Reinwasserkammern, wo es wieder auf die benötigte Temperatur gebracht und wieder mittels Umwälzpumpen über Eiweißabschäumer in die Schaubecken geleitet wird.

Die benötigte Qualität des Wassers kann in Aquarien nur durch begleitende Maßnahmen sichergestellt werden. Während Ausscheidungen der Tiere im Meer zum Beispiel dem Plankton nützlich sind, können diese das Wasser, für den Betrachter unsichtbar, schnell bakteriell vergiften. Daher müssen ständig der pH-Wert und das Redoxpotential gemessen werden. Einem Absinken der Qualität wird beispielsweise durch Zugabe von Natriumkarbonat und Natriumbikarbonat oder auch durch Einsatz von UV-Licht entgegengewirkt. Auffallend ist der geringe Besatz mit Algen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass viele der Fische die Algen vertilgen. Zudem müssen die Fische mit Medikamenten gegen Hautparasiten geschützt werden; diese Medikamente wirken dem Algenwuchs entgegen.

Tropisches Aquarium[Bearbeiten]

Diese Abteilung stellt den ältesten noch bestehenden Teil der Schauaquarien dar. Blickfang in diesem Abschnitt bietet das Becken 18, welches mit 50.000 Litern das zweitgrößte Becken des Museums ist. Hier finden neben Muränen, Drücker- und Igelfischen verschiedene Haiarten, wie Bambus- und Marderhai eine Heimat. In den Aquarien leben die giftigen Rotfeuerfische und Steinfische, Putzerfische, Seepferdchen, Tintenfische und Perlboote.

In diesem Bereich werden in verschiedenen Becken u. a. Weich- und Steinkorallen präsentiert, ein Schaubecken zeigt Symbiosen zwischen Anemonenfischen und Riffanemonen.

Mittelmeeraquarium[Bearbeiten]

In dieser Sammlung von Becken werden bestimmte Fische, Korallenarten und Wirbellose des Mittelmeeres gezeigt. So sind ein Hafen, eine Felswand und ein von Langusten besetzter Felsen in den Aquarien dargestellt.

In einem Rundbecken ist ein Korallenriff nachgestaltet, in ihm leben Flammenfahnenbarsche, Doktorfische, Dachsgesichter und Grundeln. Weitere Aquarienbewohner sind Weißband- und Kardinalsgarnelen, Scheibenanemonen, Lippfische und Kaiserfische.

Haie[Bearbeiten]

Das mit 50.000 Liter Fassungsvermögen zweitgrößte Aquarium des Meeresmuseums zeigt die Fische tropischer Korallenriffe, wie Bambushaie, Marderhaie, Muränen, Drückerfische, Kugelfische, Igelfische, Doktorfische und Makrelen.

Meeresschildkröten[Bearbeiten]

Das mit 350.000 Litern Fassungsvermögen größte Aquarium des Meeresmuseums wurde im Januar 2004 eröffnet und beherbergt Schildkröten. Es ist als Korallenriff gestaltet und bietet auch einen künstlichen Strand, der den Schildkröten zur Eiablage dienen soll. Außer den Schildkröten leben in diesem Aquarium auch Korallenfische sowie seit dem Jahr 2005 auch Schwarzspitzen-Riffhaie.

Publikationen[Bearbeiten]

Meer und Museum[Bearbeiten]

Die Hefte der Reihe „Meer und Museum“ werden seit 1980 aufgelegt, bis 2012 sind 24 Bände erschienen:

  • Band 1: Das Meeresmuseum Stralsund - Entwicklung, Aufgaben, Arbeitsergebnisse (1980)
  • Band 2: Acropora 1976 und 1979, zwei meeresbiologische Sammelreisen ins Rote Meer (1981)
  • Band 3: Das Küstenvogelschutzgebiet "Inseln Oie und Kirr" (1982)
  • Band 4: Das Meeresmuseum Stralsund - ein Beispiel für den Profilierungsprozeß der naturwissenschaftlichen Museen in der DDR (1986)
  • Band 5: Der Greifswalder Bodden (1989)
  • Band 6: Das Meeresmuseum Stralsund 1982 bis 1988 und Beiträge aus seinem Wirkungsbereich (1990)
  • Band 7: Das Meeresmuseum in den Jahren 1989/1990 (1991)
  • Band 8: Schnecken, Muscheln, Kopffüßer – über Weichtiere aus dem Meeresmuseum (1992)
  • Band 9: Herrmann Burmeister – ein bedeutender Naturwissenschaftler des 19. Jahrhunderts (1993)
  • Band 10: Ins Meer geschaut, das Meer erlebt - Das Deutsche Museum für Meereskunde und Fischerei (1994)
  • Band 11: Die Strandung der Entenwale 1993 bei Hiddensee (1995)
  • Band 12: Telemetrie und Tiefseeforschung im Meer (1996)
  • Band 13: Die Wismar-Bucht und das Salzhaff. Warnsignale aus der Ostsee (1997)
  • Band 14: Korallenriffe – bedrohte Wildnis tropischer Meere (1998)
  • Band 15: Die Zukunft des Weltmeeres (1999)
  • Band 16: Die Darß-Zingster Bodden – Monographie einer einzigartigen Küstenlandschaft (2001)
  • Band 17: Fische und Fischerei in Ost- und Nordsee (2003)
  • Band 18: Strelasund und Kubitzer Bodden (2005)
  • Band 19: Otto Dibbelt und die Entstehung des Natur-Museums in Stralsund (2006)
  • Band 20: Polarforschung – Reisen und Forschungsarbeiten deutscher Wissenschaftler in den Polargebieten (2007)
  • Band 21: Die Vogelwelt der Insel Hiddensee (2008)
  • Band 22: Ein Museum setzt Segel – das OZEANEUM in Stralsund (2009)
  • Band 23: Wale und Robben in der Ostsee (2011)
  • Band 24: Alles Handarbeit – kleine Fischereifahrzeuge an der Ostseeküste (2012)

Historisch-Meereskundliches Jahrbuch[Bearbeiten]

Das „Historisch-Meereskundliche Jahrbuch“ ist eine jährlich erscheinende, der Geschichte der Meeresforschung gewidmete Schriftenreihe des Deutschen Meeresmuseums (DMM) und der Deutschen Gesellschaft für Meeresforschung (DGM). Von 1992 bis 2012 sind 17 Bände erschienen.

Forschung[Bearbeiten]

Forschungsobjekte der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Meeresmuseums sind zum Beispiel die Fauna der Korallenriffe im Roten Meer, Meeresfische, Robben und Wale. Gemeinsam mit anderen Instituten werden nationale und internationale Forschungsprojekte betrieben. Ergebnisse dieser Forschungen werden unter anderem in Ausstellungen und den offiziellen Publikationen des Museums präsentiert.

Besucherzahlen[Bearbeiten]

Das Museum wurde zu DDR-Zeiten jährlich von bis zu 900.000 Gästen besucht[6]. Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik ging der Besucherstrom zurück, jedoch besuchten auch 1990 noch 500.000 Gäste das Museum und machten es zum meistbesuchten in ganz Norddeutschland.

Bis 2001 wurden zwanzig Millionen Besucher gezählt. Am 14. Juli 1981 erzielte das Museum, das damals noch keine Außenstellen hatte, seinen Besucherrekord: 13.079 Gäste sahen sich die Ausstellungen an. Nach der Wende wurden mit 8.269 Besuchern am 21. Juli 2005 die meisten Tagesbesucher gezählt. Im Schnitt besuchen jährlich etwa 600.000 Menschen die Ausstellungen in der Stralsunder Innenstadt sowie auf dem Dänholm und dem Darß.

Jahr Besucher
1990 > 500.000
1991 403.668
1992 520.454
1993  ?
1994  ?
1995  ?
Jahr Besucher
1996  ?
1997 529.582
1998 581.406
1999  ?
2000  ?
2003  ?
Jahr Besucher1
2004  ?
2005  ?
2006 376.400 [7]
2007 410.000 [7]
2008 1.052.982 [8]
2009 1.212.260 [9]

1 Zahlen ab 2008 mit Ozeaneum

Freunde und Förderer[Bearbeiten]

1991 wurde der „Verein der Freunde und Förderer des Meeresmuseums Stralsund e.V.“ (VFFM) gegründet. Er unterstützt das Meeresmuseum und ist zweiter Stifter in der Stiftung Deutsches Meeresmuseum. Zudem veranstaltet der Verein zahlreiche Exkursionen und Vorträge.

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsches Meeresmuseum Stralsund – Museumsführer. Hrsg. Deutsches Meeresmuseum Stralsund, 2004.
  • Meeresaquarium Stralsund. Hrsg. Deutsches Meeresmuseum Stralsund.
  • Karl-Heinz Tschiesche: Seepferdchen, Kugelfisch und Krake. 2005, ISBN 3-356-01096-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.meeresmuseum.de
  2. www.meeresmuseum.de
  3. www.meeresmuseum.de
  4. www.meeresmuseum.de
  5. www.meeresmuseum.de
  6. Sonnfried Streicher in: Meer und Museum, Band 7, 1991
  7. a b Januar bis November, Quelle: Ostsee-Zeitung Stralsund, 28. Dezember 2007
  8. [1] Pressemitteilung des Deutschen Meeresmuseums vom 5. Januar 2009
  9. [2] Pressemitteilung des Deutschen Meeresmuseums vom 5. Januar 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Meeresmuseum Stralsund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

54.312613.087080555556Koordinaten: 54° 18′ 45″ N, 13° 5′ 13″ O