Dietramszell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Dietramszell
Dietramszell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dietramszell hervorgehoben
47.8511.6685Koordinaten: 47° 51′ N, 11° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Bad Tölz-Wolfratshausen
Höhe: 685 m ü. NHN
Fläche: 96,78 km²
Einwohner: 5313 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 55 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83623
Vorwahlen: 08027 (08171, 08176)
Kfz-Kennzeichen: TÖL, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 73 118
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Richteranger 10
83623 Dietramszell
Webpräsenz: www.dietramszell.de
Bürgermeisterin: Leni Gröbmaier (BLD)
Lage der Gemeinde Dietramszell im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen
Starnberger See Ammersee Österreich Landkreis Ebersberg Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Landsberg am Lech Landkreis Miesbach Landkreis München Landkreis Rosenheim Landkreis Starnberg Landkreis Weilheim-Schongau Wolfratshauser Forst Pupplinger Au Pupplinger Au Bad Heilbrunn Bad Tölz Benediktbeuern Bichl Dietramszell Egling Eurasburg (Oberbayern) Gaißach Geretsried Greiling Icking Jachenau Kochel am See Königsdorf (Bayern) Lenggries Münsing Reichersbeuern Sachsenkam Schlehdorf Wackersberg WolfratshausenKarte
Über dieses Bild
Kloster Dietramszell mit der ehemaligen Stiftskirche und heutigen Pfarrkirche

Dietramszell ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Geografie[Bearbeiten]

Dietramszell liegt in der Region Bayerisches Oberland zwischen München und Bad Tölz, begrenzt von der reißenden Isar im Westen inmitten der voralpenländischen Moränenlandschaft. Die Gemeinde erstreckt sich auf 60 Gemeindeteile (Orte und Weiler), die auf einer Fläche von 96,78 km² verteilt sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Augustiner-Chorherrenstift wurde 1098 von Tegernseer Mönchen unter Abt Udalschalk gegründet. Erster Propst des Augustiner-Chorherren-Stifts war Dietram. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelang es den Pröpsten Petrus Offner aus Beuerberg und Dietram II. aus Weilheim durch eine großzügige Bautätigkeit das Kloster zu einem Barockjuwel umzugestalten. Der Ort selbst war Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene geistliche Hofmark, die 1803 mit dem Kloster aufgehoben wurde. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Dietramszell.

Das Kloster Dietramszell beherbergt heute sowohl ein Kloster der Salesianerinnen als auch einen Kindergarten und die Montessorischule Dietramszell. Bedeutend ist die Klosterkirche Maria Himmelfahrt im Stil des Spätbarocks. Die Innenausstattung stammt von Johann Baptist Zimmermann und Franz Xaver Schmädl.

Politik[Bearbeiten]

Leni Gröbmaier (BLD Bürgerliste Dietramszell) ist seit der Kommunalwahl 2008 Nachfolgerin von Bürgermeister Hans Demmel (CSU).

Wegen der Verbundenheit der Adelsfamilie von Schlicher zum damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg erhielt dieser am 14. September 1926 die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde. Zwei Monate nachdem Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler gemacht hatte, verlieh der Gemeinderat von Dietramszell einstimmig auch ihm die Ehrenbürgerwürde.[2] Dieses Vorgehen war nicht ungewöhnlich, jedoch zogen die meisten deutschen Gemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg die Anerkennung der Ehrenbürgerwürde für Hitler demonstrativ zurück oder ließen sie verfallen. Nicht so einige wenige vorwiegend süddeutsche Gemeinden wie auch Dietramszell. In seiner Sitzung vom 10. Dezember 2013 widersetzte sich der Gemeinderat mit acht gegen acht Stimmen dem Entzug des Ehrenbügerstatus für Hindenburg, Hitler und andere Nationalsozialisten. Der Fall führte zu überregionaler und internationaler Kritik. Am 17. Dezember 2013 wurde in einer eigens dafür einberufenen Gemeinderatssitzung die inkriminierten Ehrenbürgerschaften einstimmig aberkannt.[3] Der Aktionskünstler Wolfram Kastner holte danach auch die Hindenburg-Büste vom Sockel, die bis dahin weiter sichtbar blieb.[4]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 2,417 Millionen Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 644.000 Euro.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Nach der letzten Kommunalwahl am 2. März 2008 hat der Gemeinderat 20 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 71,7 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

  CSU     7 Sitze  (33,0 %)
  GRÜNE 1 Sitz (8,6 %)
  Freie Wählergemeinschaft 6 Sitze (26,2 %)
  Parteifreie/SPD 2 Sitze (10,4 %)
  Bürgerliste 4 Sitze (21,8 %)

Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Bürgermeister.

Gemeindeteile[Bearbeiten]

Die 60 amtlich benannten Ortsteile[5] sind:

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform schlossen sich die früher selbstständigen Gemeinden Baiernrain, Dietramszell, Föggenbeuern, Linden und Manhartshofen am 1. Januar 1972 freiwillig zu der heutigen Gemeinde zusammen. Als Name der neuen Großgemeinde wählte man nach dem Willen der Mehrheit der Wahlberechtigten Dietramszell. Am 1. Juli 1972 folgte Ascholding.[6] Am 1. Mai 1978 kam noch der nördliche Teil der ehemaligen Gemeinde Kirchbichl – das Gebiet um das Dorf Hechenberg – zum Gemeindegebiet hinzu.[7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden 1970 3751, 1987 dann 4192 und im Jahr 2000 4935 Einwohner gezählt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Religionsgemeinschaften[Bearbeiten]

Katholischer Pfarrverband Dietramszell[Bearbeiten]

Zum Pfarrverband Dietramszell, der zum Römisch-Katholischen Erzbistum München und Freising gehört, zählen sich die Bereiche Ascholding, Dietramszell, Hechenberg und Kirchbichl, Linden und Lochen und Thankirchen. Der Pfarrverband hat seinen Sitz in Dietramszell.[8] Die Geschichte der katholischen Kirche im Ort ist eng mit dem Kloster verbunden.

Evangelisch-Lutherische Kirche[Bearbeiten]

Schon im 16. Jahrhundert fasste reformatorisches Gedankengut im Oberland Fuß und hinterließ im bis dahin fest gefügten Umfeld des Klosters seine Spuren. Auch der Dreißigjährige Krieg forderte seinen Tribut.[9] Nachdem nach 1797 mit Königin Karoline die ersten evangelischen Siedler nach Oberbayern kamen, verzeichnet die Chronik für 1867 zwei evangelische Christen in Dietramszell und drei in Baiernrain. Schon damals zählten sie sich zur Gemeinde in Holzkirchen. Die ersten evangelischen Gottesdienste fanden nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst im Sitzungssaal des Gemeinderates statt, dann in einem Saal des Klosters, der Kapelle auf dem Friedhof am Kreuzbichl und schließlich in der Schule.

Am ersten Advent 1961 wurde die Michaelskapelle am Schwaiganger eingeweiht in der bis heute die Gottesdienste der Gemeinde stattfinden. Im Gebiet des Nordhofs, eines ehemaligen Klosterbetriebes, hatte die Evang.-Luth. Kirchengemeinde Holzkirchen ein Grundstück erwerben können. Architekt Franz Lichtblau plante und leitete die Bauarbeiten. Die Kapelle bildet dabei den Mittelpunkt des Gebäudes, angegliedert sind Nebenräume mit einem zusätzlichen Gemeinderaum, der auch als Erweiterung des Gottesdienstraumes dient, sowie eine Wohnung.

Evang.-Luth. Michaelskapelle Dietramszell

Der schlichte Innenraum, ein Würfel mit ungefähr sieben Meter Kantenlänge, strahlt eine fast klösterliche Klarheit aus. So fällt das Licht aus sechs unter der Decke befindlichen Fenstern ein. Besonders fällt die Fensterrosette über dem Altar ins Auge, deren Gussgläser ein blutrotes Kreuz zeichnen. Altar, Kanzel und Taufstein sind aus heimischem Nagelfluh hergestellt und stehen für die Gnade Christi, die durch die Sakramente (nach evangelischem Verständnis Taufe und Abendmahl) die Christen erreicht. Die Rosette und die Supraporte über dem Eingang mit dem Michaelsthema wurden von Hubert Distler gestaltet. Die Kapelle wurde bewusst nach dem Erzengel Michael benannt, der für den Kampf des göttlichen Lichtes mit den widergöttlichen Mächten der Finsternis steht. Die Michaelsglocke in dem kleinen Dachreiter soll die Gemeinde zu Gebets- und Gottesdienstzeiten an ihren Auftrag der Verkündigung des Evangeliums Gottes erinnern. Im Jahr 2009 wurde der gesamte Komplex mit großzügiger Unterstützung der Erika-und-Peter-Schilffarth-Stiftung aus Holzkirchen renoviert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht.[10]

Der Bereich der politischen Gemeinde Dietramszell gehört zum größten Teil zum zweiten Sprengel der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Holzkirchen mit Sitz in Sauerlach.[11] Die Gebiete um Bairawies und Ascholding werden von der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Wolfratshausen betreut, der südliche Gemeindeteil gehört zur Evang.-Luth. Kirchengemeinde Bad Tölz. Im Bereich der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Holzkirchen leben auf Dietramszeller Flur rund 350 evangelische Christen. (Stand Volkszählung 25. Mai 1987)[12]

Persönlichkeiten der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Johann Evangelist Hölzl (1716–1765), Maler des Rokoko
  • Andreas Hölzl, Maler, Bruder von Johann Ev. Hölzl
  • Felix Hölzl, Maler, Bruder von Johann Ev. Hölzl
  • Richard Sexau (1882–1962), deutscher Schriftsteller, Diplomat und Historiker
  • Erna Dinklage (1895–1991), Malerin, lebte in Dietramszell
  • Michael Häsch (1930–2012), ehemaliger Bürgermeister, Verbandsfunktionär und Mitglied des Bayerischen Senats
  • Peter Dathe (* 1951), Präsident des Bayerischen Landeskriminalamts, wohnhaft in Schönegg
  • Michael Well (* 1958), bayerischer Musiker, wohnhaft in Ascholding
  • Christoph Well (* 1959), bayerischer Musiker, wohnhaft in Schönegg
  • Uschi Disl (* 1970), ehemalige deutsche Biathletin, aufgewachsen und während ihrer aktiven Zeit wohnhaft in Großeglsee

Fotogalerie[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: In Blau ein erhöhter silberner Wellenbalken, überdeckt von einem geöffneten silbernen Zelt mit goldenem Knopf auf der Kuppe, in der M-förmigen roten Öffnung ein sechsstrahliger goldener Stern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dietramszell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Dietramszell – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Ehrenbürgerwürde für Hitler am 17. März 1933
  3. http://www.sueddeutsche.de/bayern/dietramszell-im-zweiten-anlauf-auf-distanz-zu-hitler-1.1846846
  4. Ernst Antoni: Öffentliche Eingriffe. Die Aktionen des Münchner Künstlers Wolfram Kastner in antifa 9/2014
  5. Bayerische Landesbibliothek online – Ortsdatenbank
  6.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 595, DNB 830838392, OCLC 20393338.
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 569, DNB 831043571, OCLC 643916232, ZDB-ID 226854-1.
  8. Pfarrverband Dietramszell. Pfarrverband Dietramszell, abgerufen am 22. Februar 2013.
  9. Stephanie Haberer: Klöster in Bayern: Dietramszell. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 22. Februar 2013.
  10.  Evang.-Luth. Kirchengemeinde Holzkirchen (Hrsg.): 100 Jahr Apostel-Thomas Kirche. Holzkirchen 1998, S. 41 f. (Festschrift).
  11. Die evangelische Gemeinde Holzkirchen. Die Gemeinde. Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Holzkirchen, abgerufen am 22. Februar 2013.
  12.  Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): statistik kommunal 2010. München 2011.