Douglas C. Engelbart

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Douglas Engelbart (2008)

Douglas Carl Engelbart (auch Doug Engelbart; * 30. Januar 1925 in Portland, Oregon; † 2. Juli 2013 in Atherton, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Computertechniker und Erfinder. Er gilt als der entscheidende Pionier und Vordenker für die Entwicklung des Personal Computers.[1] 1997 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Turing Award ausgezeichnet.

Biographie[Bearbeiten]

Engelbart war das zweite von drei Kindern seiner Eltern Carl Louis und Gladys Engelbart, geborene Munson. Über seine Großmutter väterlicherseits hatte er deutsche Vorfahren,[2] seine Mutter stammte aus einer Familie von norwegisch-schwedischen Einwanderern. Er schilderte seine Mutter als feinfühlig und künstlerisch veranlagt.[3] Sein Vater Carl Engelbart studierte Elektrotechnik am Washington State College und arbeitete zunächst als Elektroingenieur in den Werften von Bremerton. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Geschäftsmann und eröffnete schließlich ein Radiogeschäft in Portland. Er starb, als Douglas Engelbart neun Jahre alt war. Dieser studierte von 1942 bis 1948 ebenfalls Elektrotechnik an der Oregon State University (B.S.), 1944 unterbrochen von seiner Einberufung in den Zweiten Weltkrieg. Zwei Jahre lang wurde er in seinem Wunschberuf als Radartechniker ausgebildet und erst bei Kriegsende auf den Philippinen stationiert.[4] An der UC Berkeley schloss er 1952 einen Zweitstudiengang in Ingenieurwissenschaft ab. 1955 wurde er dort über eine computertechnische Arbeit zu Gas-Plasma-Bildschirmen promoviert.

Durch einen Zufall las er noch als GI im Atlantic Monthly in dem Artikel As We May Think (Juli 1945) von Vannevar Bushs Vision einer informationsverarbeitenden Maschine. Bei dem sogenannten Memex (MemoryExtenders) handelt es sich um einen fiktiven Kompakt-Analog-Rechner, der als persönliches Werkzeug eingesetzt werden konnte. Diese Idee hinterließ bei ihm einen solch nachhaltigen Eindruck, dass er fortan sein ganzes Leben in den Dienst der Verwirklichung dieser Konzeption stellte. 1962 entwickelte er dieses menschenzentrierte Konzept in technischer Hinsicht weiter in Augmenting Human Intellect: A Conceptual Framework.[5]

Der allererste Prototyp einer Computermaus wurde 1963 von Bill English nach Zeichnungen von Douglas Engelbart gebaut.

Gegenwärtig noch am meisten in der Öffentlichkeit bekannt ist Engelbarts Erfindung, die Computermaus, die er 1963 als X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem am Stanford Research Institute entwickelte. Diesen Anzeiger mit einem Drehknopf und einer Taste präsentierte er am 9. Dezember 1968 das erste Mal vor einem Fachpublikum; der Eindruck und die Folgen der Präsentation waren so weitreichend, dass sein Vortrag 1994 von Steven Levy als The Mother of All Demos[6] bezeichnet wurde. Darüber hinaus lieferte er wesentliche Ideen zu allen Aspekten der Mensch-Maschinen-Interaktion, u. a. Grafische Benutzoberflächen, Hypertext und Computernetzwerken. Seine Forschung wurde dabei zum Teil auch von der ARPA finanziert, für die er nicht nur Werkzeuge für die Online-Zusammenarbeit entwickelte, sondern auch einen der ersten vier Knoten des Arpanets an seinem Institut einrichtete und verwaltete.

Anfang der 1970er Jahre verließ eine Reihe seiner besten Mitarbeiter sein Institut. Sie gingen meist zu Xerox PARC, wo 1973 mit dem Xerox Alto der erste PC mit grafischer Benutzeroberfläche entwickelt werden sollte. 1976 wurde Engelbarts Labor an die Firma Tymshare verkauft. Im Alter von 63 Jahren gründete er mit seiner Tochter Christina 1988 das Bootstrap Project an der Stanford University, das zunächst auf 18 Monate befristet war. Engelbart leitete noch 2008 das Bootstrap Institute, unterstützt von Logitech, das sich einer Verbesserung der Mensch-Maschine-Interaktion widmet. 2009 benannte er das Institut in Doug Engelbart Institute um.

Privatleben[Bearbeiten]

Douglas Engelbart hatte mit seiner 1997 verstorbenen Frau Ballard die Kinder Gerda, Diana, Christina und Norman. 2008 heiratete er die Journalistin und Publizistin Karen O'Leary.[7] Er starb am 2. Juli 2013 im Alter von 88 Jahren im kalifornischen Atherton an Nierenversagen.[8]

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten]

  Alle Auszeichnungen:[9]

Werke[Bearbeiten]

  • Engelbart, D. C: A Conceptual Framework for the Augmentation of Man's Intellect. In: Howerton, P. W.; Weeks, D. C. (Hrsg.): The Augmentation of Man's Intellect by Machine. Washington, D.C.: Spartan Books (Vistas in Information Handling, I), 1963, S. 1–29.
  • English, W. K.; Engelbart, D. C.; Berman, M. L.: Display-Selection Techniques for Text Manipulation. In: IEEE Transactions on Human Factors in Electronics HFE-8, Nr. 1, 1967, S. 5–15.
  • Engelbart, D. C.; English, W. K.: A research center for augmenting human intellect. In: Proceedings of the AFIPS 1968 Fall Joint Computer Conference. San Francisco, CA.: Thompson Book, 1968, S. 395–410.
  • Engelbart, D. C.; Watson, R. W.; Norton, J. C.: The augmented knowledge workshop. In: Proceedings of the AFIPS National Computer Conference, June 4-8, 1973, S. 9–21.
  • Engelbart, D. C.: NLS Teleconferencing Features: The Journal, and Shared--Screen Telephoning. In: IEEE CompCon Digest, September 9-11, 1975, S. 173–176.
  • Douglas C. Engelbart: The augmented knowledge workshop. In: Goldberg, Adele (Hrsg.): A History of Personal Workstations. Addison-Wesley, Reading, Mass. 1988, ISBN 0-201-11259-0, S. 187–236, online Text.
  • Boosting our collective IQ: selected readings. BLT Press, Fremont, CA 1995, ISBN 1-895936-01-2, online-Text

Literatur[Bearbeiten]

  • John Markoff: What the dormouse said. How the 60s Counterculture Shaped the Personal Computer Industry. Viking, New York 2005, ISBN 0-670-03382-0
  • Thierry Bardini: Bootstrapping: Douglas Engelbart, Coevolution, and the Origins of Personal Computing. Stanford University Press Stanford, CA, 2000, ISBN 978-0-8047-3871-2
  • Thierry Bardini und Michael Friedewald: Chronicle of the Death of a Laboratory: Douglas Engelbart and the Failure of the Knowledge Workshop. In: Inkster, Ian (Hrsg.): History of Technology. Vol. 23, Continuum London, New York 2003, ISBN 0-8264-5616-2, S. 191–212.
  • Michael Friedewald: Konzepte der Mensch-Computer-Kommunikation in den 1960er Jahren: J. C. R. Licklider, Douglas Engelbart und der Computer als Intelligenzverstärker. In: Technikgeschichte 67, Nr. 1, 2000, S. 1–24, Abstract.
  • Susan B. Barnes: Douglas Carl Engelbart: Developing the Underlying Concepts for Contemporary Computing. In: IEEE Annals of the History of Computing 19, Nr. 3, 1996, S. 16–26.
  • Liam J. Bannon: The Pioneering Work of Douglas C. Engelbart. In: Pylyshyn, Z. W.; Bannon, L. J. (Hrsg.): Perspectives on the Computer Revolution, 2. Auflage, Ablex Publishing Corporation, Norwood, N.J. 1989, ISBN 0-89391-591-2, S. 301–306.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Douglas C. Engelbart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Beiträge von Engelbart

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. John Markoff: What the dormouse said. How the 60s Counterculture Shaped the Personal Computer Industry. 2005, S. 43, Kapitel 2
  2. All I know is that his mother was born in Seattle, last name Ernst (…) Interview von 1986 auf stanford.edu
  3. Henry Lowood: Interview mit Douglas Engelbart 1, Stanford University, 19. Dezember 1986, Stanford and the Silicon Valley. Oral History Interviews
  4. „Internet Pioneers. Doug Engelbart“, ibiblio.org, the public's library and digital archive, 2000
  5. Douglas Engelbart: „Augmenting Human Intellect: A Conceptual Framework“, 1962
  6. The Mother of All Demos, englische Wikipedia
  7. „Engeleary Ventures“, Karen O'Leary, 2009
  8. Douglas C. Engelbart, Inventor of the Computer Mouse, Dies at 88. In: The New York Times, 3. Juli 2013. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  9. „Honors Awarded to Doug Engelbart“, Doug Engelbart Institute, 2009